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Full text of "Studien zur geschichte der Juden in der Schweiz während des mittelalters"

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StnilieD zir ßescbicMe der Jodes 



in der Schweiz 



während des Mittelalters 



Von 



.^ng-ii^tn Steiiil>efg-, 

Dr. phil. 



Nachdruck verboten und alle Rechte vorbehalten 



-OfcXKT-^O- 



ZOrich 
Druck und Verlag von Schulthess & Co. 

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^. 



Meinen Eltern. 



Vorwort. 



Die vorliegenden Studien -sind nach der aus dem 18. Jahr- 
hundert stammenden Arbeit Ulrichs der erste Versuch, die Ge- 
schichte der Juden des Mittelalters in unserm Lande zu rekon- 
struieren. Ich habe hier kaum zu sagen, dass das Werk des 
Zürcher Pfarrers in seiner chronikartigen Behandlung des ihm 
nur für Zürich relativ reichhaltig gebotenen Materials den 
modernen Anforderungen einer wissenschaftlich exakten Forschung 
nicht gentigt. Was ich sonst noch vorfand, waren wenige 
Monographien über die Verhältnisse der Juden in einzelnen 
Kantonen. Hauptsächlich hatte ich mich auf den archivalischen 
Stoff zu stützen, den ich überall, wo etwas zu holen war, sammelte. 
Leider flössen nicht allerorts die Quellen gleich ergibig. Gar 
oder fast keine Nachrichten lieferten mir Tessin, Graubünden, 
die ürkantone, Zug, Wallis. Und das Gefundene setzte sich 
zumeist aus sporadisch zerstreuten Bemerkungen und abge- 
brochenen Berichten zusammen. Solch zerrissenes Material Hess 
sich nicht zu einem chronologisch darstellenden Geschichtskomplex 
verschmelzen. Es erheischte vielmehr eine Gruppierung unter 
Gesichtspunkten, die sich aus dem Stoff selbst ergaben. 



Während meiner Vorarbeiten ist mir von mancher Seite 
freundliche Unterstützung zu teil geworden. Ich spreche hier 
den Herren Archivaren der Staatsarchive in Basel, Bern, Luzem, 



- VI - 

Solothuru, Freiburg, Genf, den Herren Bibliothekaren der Landes- 
bibliothek in Bern und der Btirgerbibliothek in Luzern, den 
Herren Professoren Woker, Singer und Freymond in Bern meinen 
Dank aus. Insbesondere aber schulde ich Herrn Professor 
G. Tobler füi- die wohlwollende Unterstützung, die er meiner 
Arbeit, ohne Opfer an Mühe und Zeit zu scheuen, angedeiheu 
Hess, warme Erkenntlichkeit. 

Vfit^iHy im Juni 1902. 



Inhalt. 



Beite 

I. Einleitendes 1—11 

II. Rechtliche Stellung der Juden 12-62 

a: Judenschutz 12—25 

b) Gerichtliches Verfahren 25 — 44 

Cj Die Abgaben der Juden 44—62 

III. Erwerbszweige 62—96 

IV. Die soziale Stellung innerhalb der christlichen Welt . . . 1)7—123 
V. Die äussere Geschichte der Juden in den HauptzUgen . . 123—147 

Beilagen (Anhang) 14«- 159 



■i»»4- 



I. 

Einleitendes. 

Wahrscheinlich ist Basel der Ort im deutschen Teil der 
heutigen Eidgenossenschaft, wo die Juden die erste Aufnahme 
gefunden haben. In einer nicht näher datierten Urkunde aus dem 
Jahre 1213 * verordnet der Bischof Leuthold, dass von einer 
gewissen Summe „sechs Mark zur Einlösung von Pfändern, näm- 
lich eines bischöflichen Siegelringes und eines seidenen Gewandes, 
von dem Juden Meier (a judeo villico) zu verwenden seien". 
Zehn Jahre später (1223) lässt sich mit Bestimmtheit von dem 
Dasein einer Mehrzahl von Juden spreclien. Der Bischof erwähnt 
in einer Urkunde^ den „bei den Juden** (apud Judeos) ver- 
pfändeten Kirchenschatz. Tiefe Wurzeln hatte die Ansiedlung 
bereits zu Ende des 13. Jahrhunderts in den Boden gesenkt; 
im Jahre 1290 besass sie in Basel ca. 20 Gebäude ^ 

Noch ins 12. Jahrhundert scheint die Ankunft der Juden 
in Genf zirtickzureichen. Zufolge des Ausweisungsedikts des 
Königs Philipp August (1181) strömten ganze Wellen von Heimat- 
losen in die an Frankreich anstossenden Gebiete. So mag ihr 
erstes Auftauchen in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts 
in den savoyischen Landen und somit auch in dem damals von 
Savoyen zeitweise abhängigen Genf^ seine Erklärung finden. 

Spätestens zu Beginn der zweiten Hälfte des 13. Jahr- 
hunderts mOssen sich in Bern Juden niedergelassen haben. Sieht 
sich doch zu Ende 1259 ein Herr von Montenach genötigt, einen 



'TroniUat, Monuments de l'histoire de l'ancien evechc dfe Bale, I p. 463. 
— «ibid., p. 491. — M. S. Ulrichs Samml. jüd. Geschichten, Zürich 1770, 
8. 446, Beilage R. — * F. Borel, Les ioires de Gcnöve au I5*«me siede, p. 128. 

A. Steinberj;. 1 



- 2 — 

Teil seilies Grundes und Bodens zu venäussern, um seine 
Schulden bei Juden zu decken *. — Lässt sich auch annehmen, 
dass die benachbarten Ortschaften ungefähr zu gleicher Zeit 
jüdische Einwanderer aufnahmen, so kann ihre Anwesenheit erst 
betnächtlich später festgestellt werden. Der Rat von Biel ge- 
währt 1305 der verwitweten Guta, die aus Bern stammt, ihren 
Söhnen und Töchtern und deren Familien den Aufenthalt in der 
Stadt auf beliebige Zeit. Dem Wortlaut des Dekrets nach („ex 
novo ut antea recipimus") scheinen hier dieser Einbürgerung 
jüdischer Elemente schon eine oder mehrere frühere vorher- 
gegangen zu sein. Möglicherweise ist es dieselbe Familie, die 
nach einer temporären Ausweisung, um abermalige Aufenthalts- 
bewilligung nachsucht. Die Stadt behält sich vor, ungehindert 
auch anderen Juden und Cahorsinnern^ die Tore zu öffnen^. 

In der Stadt St. Gallen stossen wir bereits 1268 auf einen 
Juden Simon. Ferner wird uns berichtet, es sei in einer Fehde 
zwischen dem Abt von St. Gallen und dem Vogt H. von Warten- 
see (1292) mit einigen St. Galler Bürgern auch ein Jude gefangen 
worden ^ Was die übrigen Landesteile des Kantons angeht, so 
wurden Juden im 15. Jahrhundert im Städtchen Wil (Gotteshaus- 
land) ansässig. Ebenfalls aus dieser Zeit datiert das urkundliche 
Beweismaterial für das Dasein von Juden im Rheintal* und in 
Rapperswil '^j obschon sie schon früher Einzug gefunden haben 
müssen. Im Sarganserland ^ lassen sie sich erst sehr viel später 
nieder. Aus dem Kloster St. Gallen, aus der Chronik des Kuclii- 
meister stammt auch die früheste Nachricht über die Zürcher 
Juden. Ihnen verpfändet im Jahre 1273 Walter von Elgg in 
grosser Geldnot einen Kelcli**. Auch der Richtebrief, der nur 



»Fontes Reriim Bernensium, Bd. IT, p. 492, Nr. 473. — -Einwanderer 
ans der südfranzösischen Stadt Gabors, die das Geldwecbselj^eschäft betrieben. 
Siehe: Amiet, Die französischen und lombardiscben Geldwechsler des Mittel- 
alters, Jahrb. f. Schweiz. Gesch. I u. II. — ^ Fontes Herum Bernensium IV, 
S. 217, Nr. 187. — ^R. Wegelin, Geschichtliches über den frühem Aufenthalt 
und sonstige Verhältnisse der Juden in verschiedenen Landesteilen des Kantons 
St. Gallen in den Verhandlungen der St. Gallisch-AppenzelUschen gemein- 
nützigen Gesellschaft 184(5, 28. Mai, S. 128. — 'ibid. S. 162. — «, Mbid. 
S. 159. In Rapperswil müssen sie schon im 14. Jahrhundert zugelassen worden 
sein. Siehe ; Bickenmann, Geschichte der Stadt Rapperswil, 2. Aufl., S. 80. — 
^Bär, Die Juden Zürich!^ im Mittelalter, Zürcher Taschenbuch 1896, S. 119. 



- 3 — 

in seiner zweiten Redaktion von 1309 erhalten ist, nimmt in 
mehreren Bestimmungen Bezug auf sie. 

Wahrscheinlich haben die Juden in Luzern * zugleich mit 
den Habsburgem ihren Einzug gehalten (1291). Urkundlich ge- 
schieht erst im 14. Jahrhundert eines „alten Juden** im Kustorei- 
rodel Erwähnung; er wurde vor 1324 vom Hofstift mit einem 
Garten belehnt. 1291 entdecken wir auch die erste Spur jüdischer 
Ansiedlung in Schalfhausen. Der Richtebrief gedenkt ihrer in 
seiner Verordnung bezüglich des Fleischverkaufs (1291 )^ und 
ein Grundzinsrodel des Klosters von 1299 nennt einen Juden 
als Eigentümer dreier Häuser, darunter eines steinernen^. 

Um 13(X) erst müssen Juden in die Gegend von Neuenburg 
Eingang gefunden haben. Noch 1299 wenden sicli die Grossen 
von Neuenburg in ihrer Finanznot an Murtener Juden ^ Die in 
Neuenburg bestehenden Wuchergesetze ^ lassen auf die Existenz 
jüdischer Geldleihen in der Stadt selbst schliessen. 

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts finden sich in der Waadt 
(Vevey) jüdische Geldhändler ^ In Pruntnit trieb im Jahre 1346 
und früher eine relativ starke jüdische Bevölkerung ihre Ge- 
schäfte. 

Der Bischof von Basel, unter dessen Herrschaft Pruntrut 
damals stand, schenkte den dortigen, allem Anschein nach bis 
über die Ohren verschuldeten Bürgern für sechs Jahre den 
Ertrag der Ohmgelder, damit sie sich ihrer Verpflichtungen bei 
ihren jüdischen und lombardischen Gläubigern entledigten \ 

In Freiburg dürften sich Juden erst um die Mitte des 
14. Jahrhunderts niedergelassen haben. Die Handfeste der Ki- 
burger von 1249 verbot den Betrieb des Wuchers aufs strengste. 
Der erste Jude, der sich von 1350 an im Notariatsprotokoll 
nachweisen lässt, Isocctus, ist ein ('hirurg (solorgicus) ^ 13sl 



^Liebenau, Das alte Luzern, 8.255. — -Im-Tlnirn ii. Härder, Chronik 
der Stadt Schaffhauscn, Buch I, S. 25. — *H. W. Härder, Ansiedlung, 
Leben und Scliicksale der Juden in Schaffbausen in Beiträge zur vater- 
ländischen Geschichte vom historisch-antiquarischen Verein des Kantons 
Schaffhansen, Heft I, S. 34. — ^Matilc T, S. 2GI. — ''Amiet, die französisch- 
lombardiscben Geldwuchercr des Mittelalters im Jahrb. f. Schweiz Geschichte, 
Bd. II, S. 208. — «ibid., S. 2fi5. — ^Trouillat III, p. 5«7. — ^ Amiet II, 
p. 214. 



— 4 — 

werden einige Juden ins Bürgerrecht der Stadt auf 10 Jahre 
aufgenommen *. Schon 1299 quittierte der Jude Jakob von Murten 
mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen die Schulden einiger 
Glieder des Grafenhauses v. Neuenbürg^. 

Früher schon müssen sie sich in Solothurn angesiedelt haben. 
Schon im Jahre 1288 verkauft der Jude Jossin „in Solodero 
conmorans^ sein Haus in Basel an Johann Helbling, einen Bürger 
von BaseP. Karl IV. erwähnt in einem Privileg, das er 1353 
den Solothurnern ausstellt, Gebühren für die Bestattung toter 
Juden, welche sie früher eingenommen haben*. 1366 erwähnt 
auch ein Solothurner Bürger in einer Urkunde ein an der Juden- 
gasse gelegenes Haus, ein hinreichender Beweis für eine feste 
Niederlassung^. Überdies teilt uns ein Schriftstück aus dem 
Jahre 1377 die Aufnahme von Juden in das Bürgerrecht der 
Stadt mit«. 

Unzweifelhaft weilten schon im Mittelalter auch in den 
Gebieten des heutigen Aargau Juden — gab doch Zofingen 
neben Bern die Initiative zu den grossen Verfolgungen der 
Jahre 1348/1341) in der Schweiz. Schon früher aber tauchen 
Spuren von Juden auf. Anno 1293 wird urkundlich ein Moyses 
von Rheinfelden genannt^; in Laufenburg lebt um 1300 ein 
gewisser Moyses^. Abraham von Laufenburg, „der ze Basel 
gesessen ist" und seine Schwester Rechel, des Jeckelin von 
Rheinfelden Witwe, erscheinen als Erwerber^ (1327) und als 
Wiederverkäufer*® (1333) eines Hauses in der Stadt Basel „an 
dem rindermergte". 

In Diessenhofen scheinen in sehr früher Zeit sich schon 
Juden ansässig gemacht zu haben. In der Stadteinigung wird 
ihnen der Fleischverkauf in den üblichen Verkaufslokalen unter- 
sagt**. 

Man stösst auf geringfügige Notizen, meistens blosse Namen, 
die nichts sagen, als dass auch hier Juden geweilt haben. So 



»Recueil dipl. du Canton de Fribourg, t. IV, N» 271. — «Matile, Monu- 
ments de l'histoire de Neuchätel I, p. 261. — ^Basier ürkundenbuch II, 
Nr. 637. — * Solothurner Wochenblatt 1814, S. 145. — Mbid., Jahrg. 1817, 
S. 396. — «Amiet H, p. 164. — ^Trouülat II, S. 643, No 421. — «St. Urk. 
des Staatsarchivs zu Basel, Nr. 12G. — ^ Urkunde des Staatsarchivs Basel, 
St. Peter, Nr. 263. — *"ibid, St. Peter, Nr. 297. — •» Löwenstein, Geschichte 
der .Juden am Bodensee und Umgebung (1879, Selbstverlag), S. 79. 



— o — 

überliefert Ulrich ' aus Glarus eine Verfügung über das gericht- 
liche Verfahren gegenüber „Jüdisch-Dieben", wonach man den 
Verbrecher, wenn er sich zum Christentum bekehrte, „an 
einen neuen Strick an Hals henken," wenn er aber sich dessen 
weigerte, „zwischen zween wütend oder beissend Hund" an 
den Galgen bringen sollte. Was Graubünden anbelangt, so hat 
Ulrich in den Hofgerichtsakten eine kleine Bemerkung entdeckt. 
„Visle Jud, sesshaft ze Cur", wird 1393 mit andern Herrn vor 
das Züricher Hofgericht geladen'. 

In andern Kantonen fehlen die Zeugnisse für eine einst- 
malige Existenz von Juden. 

Die Zahl und wäre es auch nur eine approximative Schätzung 
der eingewanderten Juden zu geben, ist kaum denkbar bei der 
Unvollkommenheit der Quellen. Hier mögen bloss die Namen 
derjenigen folgen, die im Lauf des 13., 14. und 15. Jahrhunderts 
(resp. Anfang des 10. Jahrhunderts) in Schweizer Städten Auf- 
nahme gefunden haben oder sonst in Urkunden u. dgl. er- 
wähnt werden. 

Zu Basel werden angeführt: 1213 der Jude Meier ^; 1223 
eine Mehrzahl von Juden ohne Namennennung^; 1281 Salman 
Unkel*; 1290 acht Juden als Inhaber ebensovieler Häuser; ferner 
Rabi Rasor, Merya, Moyses von Rheinfelden, Guta von Neuen- 
burg, Meyer, Jölin, der Sohn des Joseph Kaltwasser, Ensi und 
Moyses, Frau Genta, Jakob von Rufach "; 1300 Jöle, Salmanns 
Sohn von Ensisheim und seine Frau Fröde, ihre Söhne Salman 
und Isag, seine Töchter Bürlin und deren Mann Seligmann und 
Michelin und ihr Mann Josele, Moses von Laufenburg, Vinelin, 
Choin, Salmann von Strassburg, Vinelin Cusis Sohn von Neuen- 
bürg^; 1324 Minna, Meyer Hündlins Witwe, und Moyses, Salman 
Unkeis Sohn**, Frau Rechele, die Witwe Jeckelins von Rhein- 
felden, und Abraham von Laufenburg, ihr Bruder'*; 1321) Meyer 
von Biel, Hosleben und Symont von Basel *", Jakob von Schaif- 



»S. 185. — 'S. 222. — 'Trouülat I, p. 40;i. — Mbid., S. 41) 1, „nsuram . . 
apnd Jadaeos". Ähnlich werden 12«52 .luden angeführt. Ilrknndenbncli der 
Stadt Basel T, S. 301, Nr. 405. — »Urkundenbnch TT, S. 241), Nr. 434. — 
«Ulrich Beil. R., S. 445 f. — 'Staatsarchiv BaseL Stadturknnde 1261. — 
*^ Staatsarchiv Basel, Kürachnerznnft, Nr. 3 u. 4. — •ibid., St. Peter, Nr. 263. 
— »«ibid, Klingenthal, Nr. 540. 



- 6 - 

hausen, Süsse, Gottlieb, Hanne, Gumprecht, Abraham, Samuel*; 
1333 die Frau des Abraham von Laufenburg, Hester^-, 1335 
Jtidelin von Hanau (Henowe) und seine Ehewirtin Ktintze^, Aber- 
golt von Basel, nun nach Strassburg übersiedelt^; 1361 Frien 
der Jude*; 1362 Eberli von Kolmar und seine Familie; 1363 
Frau Sare und ihr Gesinde; 1364 Mansier mit Familie und Ge- 
sinde; 1365 Moses von Kolmar, seine Frau, sein Gesinde und 
Frau Migtkate, seine Muhme, Frau Serli von Altkilch, Löweli 
von Altkilch, seine Frau und sein Gesinde^, Frau Rachel und 
ihr Mann, Eberlins Sohn, Mathis von Kolmar mit Familie und 
Gesinde, Viveli von Kolmar mit Familie und Hausgesinde, Heygun 
von Kambach und Salman von Nyuns, Mathis von Sennheim mit 
Familie und Hausgesinde, Frau Jutin von Nyuns ^ Mayer, der 
Schwiegersohn Eberlins, mit Familie und Hausgesinde; 1369 
Holdermann mit Weib und Kind, Löwelins Schwester**; 1370 
Meister Jocetus, der Arzt von Freiburg '-* ; 1371 Trine von Senn- 
heim, ihre Tochter Lena und deren Kind, des Helyas Tochter- 
mann Löwelin; 1372 Aron Eberlins Stieftochtermann mit Frau 
und Kindern, Estin ch, Belenin, Frau Serlins von Altkilch Mann, 
Jakob der Wechsler "', Menlin der Jüngere, Ysaac von Sultz, die 
Brüder ülman und Salman, Josef von Kaisersberg, Jakob von 
Pfirt, die Isaacin und ihr Sohn Jecki von Eusisheim; 1372 Samuel, 
Jecklis Schwiegersohn**; 1374 die Frau des Moyses von Basel 
(wahrscheinlich des obgenannten Moyses von Kolmar), Robin 
(oder Rüben) von Basel, des vorgenannten Schwester Migga und 
der Diener Jakob *^ 1379 Eberlin von Gebwiler *3; 1385 Benedikt 
Vögellin, der Sohn des Elyas*^; 1386 Seymont, der Sohn des 
Bellifen(en) und sein Bruder, Isack von Kaisersberg, Salema oder 
Slemme, die Witwe des Moyses von Kolmar *^ und ihr Vogt Josef 
von Richenwiler mit Hausgesinde *", Vi velin Menlin *^ Fi velmann 



*Urk. im Anz. f. Schweiz. Geschiebte 1900, S. 274 f. — «Staatsarch. Basel, 
St. Peter, Nr. 297. — ^ Urkundenbuch IV, S. 120, Nr. 126. — Mbid. Nr. 127. 
— ^Staatsarch. Basel, Doiiistift, Nr. 122. — ^ Staatsarcb. Basel, Leistnngsbucb I, 
fol. 136. — Mbid. fol. 137. — ^ibid. fol. 138. — UTrkundenbuch IV, S. 321, 
Nr. 339. — »"St. A. Basel, Leistungsbuch I, fol. 138. — »«St. A. Basel, Leistungs- 
buch I, fol. 139. — »«St. Basel, St. Urk., Nr. 428a. J. Lade, B. IIL — '^Ur- 
kundenbuch IV, S. 426, Nr. 441. - ' * St. A. Basel, Maria Magdalena, Nr. 237 und 
St. Urk., Nr. 604. — 'Mbid., St. Urk., Nr. 663 u. Nr. 632. — '«Urkunden- 
buch V, S. 92, Nr. 85. — »'Leistungsbuch I, fol. 132. 



— 7 — 

und seine Frau Zage*; 1392 Merkelin Mennelln'; 1;W7 Jeklin 
von Solothurn, Hakmann-*; i:VJ8 Meister Gutleben, der Wund- 
arzt^; 1401 Rüben*. 

Aus der im Dunkel stehenden Aargauer Judenschaft heben 
sich mit Namen nur wenige hervor: 1384 Josef von Baden ^'; 
139:3 Isaak von Baden'; 139G Israel von Brugg, die aber sämt- 
lich in Zürcher Urkunden erwähnt werden ^ 

In Zürich haben folgende Juden, soweit unsere Überlieferungen 
reichen, Aufnahme gefunden: 1323 Vivelin''; 1324 Frau Minne 
und ihre Tochter*"; 1329 die Söhne der Frau Minne, Moyses und 
Gumprecht**; 1347 Moyses, der Schulmeister*'; 1351 Suskin*-^; 
1352 Viflin und Eva Guta, Kinder des sei. Moyses *^; 1357 Gemelin 
und Pondit von München*"'; 1377 Eberhart und sein Gesinde*"; 
1378 Smario Pfeiferkorn*', Fidel von Ulm und sein Gesinde *^ 
Smario von Neuenstadt (?) (von der niiwen stat) und Gesinde *'* 
(der eine führt den Beinamen „der Lange", der andere „der 
Kurze'*; Ulrich S. 25); 1379 Moyses von Tournay (in Flandern, 
Tournes) mit Weib und Gesinde^"; Moyses, sein Sohn Isenlib 
von Nümbera und Gesinde ••; 13S0 Viflin „der jung""; 13«1 
Kaiman von Ehingen, seine Söhne Salman und Ensli und seine 
Tochter Hester", Josef vonlleidelberg undlTCsinde'*; 1383Fislin, 
Anshelms von Ulm Sohn und sein Schwager Fisli von llüttlingen •*, 
Samuel Zaduk, der Sohn Josefs und sein Gesinde'-"; 1384 Abraham 
von Vesoul (Visu, Franche-Comtej und Gesinde*", Josef von Vesoul ***, 
Isach von Baden (vergl. oben) und sein Schwiegersohn Moses ■'*, 
Mennli und Symon^®; 138.") Syfia die Jüdin und Gesinde'**; Sara, 
die Tochter Eberhards von Gebweiler (Gewilr) und Gcshide-*'*, 



M'rkundenbnch V, S. 81, Nr. 7s. — MTrkmulenbiich V, S. 200, Nr. 1H6. 

— Mbid.. S. 238, Nr. 232. — Ubid., S. 202, \r. 243. 'ibM., S. 3(»i>, Nr. 284. 

— «Ulrich, S. 15. — Mbid., S. 17. ^Ulrich, S 1«. - " Zeller- Wenlinüllor, 
Stailtbücher des 14. und in. Jahrhunderts T, S. 31, Nr. 82. - "^ibid., S. 35, 
Nr. 04. - »«Ulrich, Beil. B., S. 37«. — '^Stadtb. I, S. 157, Nr. 331. — 
«Mbid., S. 192, Nr. 380. — »'Ulrich, S. 441, Bljj. V. - '-ibid, S. 3S4, Sdiutz- 
briefe I. - '« ibid., S. 3S5, II. - "ibid., S. 387, lU. - 'Mbid., S. 3Si), IV. 

— '»ibid., S. 390 f., V. - -'>ibid., S. 302, VI. - «Mbid, S. 31)1, VIT. - 
«Stadtb., II, S. 200, Nr. 00. — ^'Ulrich S. 300, VIII. - '»ibid., S. 308, IX. 

— *Mbid., S. 400, XI. — -"'ibid., 8. 402, XII. - -'ibid., S. 400, XIV. — 
"ibid., S.408, XV. - -'Mbid., S 408, XVI. - "»ibid., S. 408, XVII. - ■»» ibid , 
S. 408, XVIII. — ^Mbid., S. 412, XXI. 



- 8 - 

1387 Monsun und Gesinde*; 1388 Leo von Waldshut«; 1390 
Jakob von Freiburg i. Ü.^ ; 1393 Mathyss, der Sohn Eberhards 
von Geb Weiler^, Marye, die Frau des Eberhard von Gebweiler*; 
1394 Moyses Baltmann und sein Gesinde ®, Symon Meyer und 
seine Mutter Sara^; 1396 Israhel von Brugg (siehe oben)", 
Viflin"; 1410 Joslin von Kentzingen *®, 1414 Hännlin, die Witwe 
des ehemaligen Burgers Smario, ihr Tochtermann Juda und Ge- 
sinde**, David von Waldshut, sein Weib Juntlin, sein Sohn 
Gottlieb, dessen Weib Fündlin, ihre Tochter Bela und deren 
Mann Rüben *^, Ester, die Witwe des Abraham von Vesoul, ihr 
Sohn Mennlin, dessen Frau Pesslin und Gesinde *^ Rachel, die 
Witwe Israhels von Brugg und ihre Kinder, Seligmann und 
seine Familie*^; 1419 Jöslin von Kolmar, seine Frau Gutlin, 
Salomon und seine Frau Olina, ihr Sohn Löwe, ihre vier Töchter, 
drei Knechte und zwei Mägde**; 1423 Josef, der Arzt***; 1445 
Jakob von Wagrand (?) und seine Familie, sein Schwager Low 
mit Familie*^; 1499 Smario und sein Gesinde*** in Wülflingen *". 
In Winterthur werden angeführt: 1440 Arlin von Konstanz, seine 
Frau Röslin, ihre Kinder und Gesinde «^ 1451 Eberlin^'; 1468 
Schmoll *'; 1469 Moses, sein Sohn Isak, beider Frauen, Kinder 
und Gesinde 23; 1470 Lazarus**. 

In Schaff hausen werden genannt: 1325 Rachel, genannt die 
Ganser««; 1333 Jakob ««, zu gleicher Zeit Salomon"; 1370 Familie 
Judmann«**; 1391 Mennlin, des Vineli Sohn, Lemblin, Mennlis 
von Katzenstein Sohn, Frau Jüthen von Ravensburg und ihr 
Sohn Symon'". Innerhalb des folgenden Jahrzehnts werden auf- 
genommen: Vineli, Moses, Jakob, Michael, Aaron der Arzt, 
Vinelmann, Josimann, Schmul, Simon von Frankfurt, der Schwieger- 
sohn des Smaryo, Salomon, Jeklin von Überlingen, Mathias 

' Ulrich, S. 413, XXII. — «ibid., S. 415, XXIII. - « ibid., S. 417, XXV. — Mbid., 
S. 417, XXVI. - Mbid., S. 418, XXVII. — «ibid., S. 420, XXIX. - Mbid., S. 420, 
XXX. — «ibid., S.420, XXXI. — »Stedtb., S.301, Nr. 119. — '«ibid., S. 380, 
Nr. 243. -»» Ulrich, S. 420, XXXII. — > «ibid., S. 423, XXXIII. — »'ibid., S. 423. 
XXXIV. — 'Mbid., S. 425, XXXV. — »Mbid., S. 428, XXXVII. — "ibid., 
S.66. - »Mbid., S. 16.— »»^Bär, S. 150.— •'♦Ulrich, S. 67. — «»ibid., Beil. Q., 
S. 441. — «»Troll, Geschichte der Stadt Winterthur (1845), Bd. II, S. 236. — 
««Ulrich, S. 128.— «'TroU, 7. Teil, S. 25. - «* Ulrich, S. 129. — «^ Urkunden- 
register für den Kanton Schafifhausen , herausgegeben von St. A., 1879, 
Abteilung II, S. 98, N. 460. — ««Härder, S. 34. — «Mbid., S. 35. — «''ibid., 
S. 43. - «'Mbid., S. 40. 



— 9 - 

Wölfliii, Hirtz, die zusammen mit ihren Angehörigen einen Kreis 
von ca. 40 Menschen ausmachten*; 1420 Lew ^; 1435 die Witwe 
und die Kinder des lahmen Lew und SchmoP; 1450 Moses ^; 
1458 Salomon, der Sohn Eberlis ; 1462 Meyer („Teufelsmeyer'*)*, 
Raphael; 1470 Schmol, Hirtz und seine Frau Gailin, Mändli, 
ihr Angestellter". In Stein am Rhein werden erwähnt: 1448 
Sayn Isajas; 1461 Isaak und Süssli, Gabriel, sein Tochtermann 
Gabriel, Schmol, Moses von Mellingen'; etwas später Jossmann, 
1465 fünf andere Familien; 1472 neun Juden; 1481) Ruffen von 
Tillingen, Issak, Haym, Susman von Rottenburg, der Schwieger- 
sohn des Issach, Haym jun., der Sohn Isachs, Isach von Lichtenfels^ 

Was den Thurgau anbelangt, so wissen wir, dass 1349 an- 
lässlich der Verfolgung sich 330 Juden aus Diessenhofen, ferner 
aus Winterthur und anderen Städten des Herzogs von Österreich 
auf die Feste Kiburg flüchteten und dort zu Grunde gingen". 
Tor 1401 weilt Michael Vinelmann in Diessenhofen *°, 1479Mennli *'. 

Aus St. Gallen werden uns folgende Namen mitgeteilt: 1268 
Simon*'; (1292 ein ungenannter Jude*^); 1380 Jäkli und seine 
Schwester; 1401 Josef von Orenbur*^; 1407 Frau Jutten; 1408 
Tiselmann; 1412 Samiel; 1419 Jakob von Feldkirch •*; 1420 
-Abraham*»; 1470 Jakob *^ In Wil nimmt man 1432 Gabriel von 
Konstanz mit Familie und Gesinde auf***; 1460 Aaron, Menlis 
Sohn, und Josef, Gabriel Levis Sohn; 1461 Moses mit Frau und 
zwei Hausgenossen. 1469 wird Samuel Levi (Schmoll) *® erwähnt. 
1477 nimmt ein Jude mit seinen Kindern die Taufe und führt 
^on nun an den Namen Hans Oschwalt^®. 

Spärlich treten in Luzern Einzelpersönlichkeiten aus der 
Gesamtjudenschaft hervor: 1324 „ein alter Jude" ^*; 1423 Isaias, 
1425 der Arzt Josef von Zürich (siehe oben) ; 1437 ein getaufter 
Jude Jakob Friedrich; 1472 mailändische Juden ^'. 



» Härder, S. 43. — Mbid, S. 51. — Mbi«l., vS. .5> n. Ulrich, S. 212, Beil. A. a. 
-Mbid., S. 54. — ^ibid., S. 55. — Mbid.,S. 56. — ' Melcb. Kirchhofer, Beytrag II, 
Gesclüchte der Juden in der Schweiz. Schweiz. Geschichtsforscher IV, Heft III, 
S.343. — Mbid., S. 346. — »Löwenstein, S. 81. — '»ibid., S. 83. — »'ibid., 
S.88. — »«Wegelin (1846), S. 128. — »Mbid., S. 120. Anmerkung I. — 'Mbid., 
8. 131. — «Mbid., S. 132. — »«ibid., S. 133. — «"ibid., S. 134. - «Mbid., 
8. 138. — «Mbid., S. 141. — «Mbid., 142. — ««Liebenau, S. 256. — "ibid., 
S. 256. 



- 10 — 

Das gleiche lässt sich von Solothurn sagen: 1288 hören wir 
von Jossin*; ferner ist in den Jahren 1353, 1366, 1377 von Juden 
die Rede*, die aber ungenannt bleiben ; 1456 wird ein gewisser 
Moyses erwähnt ^. 

In Bern treten hervor: 1263 Josef, Liebermann, Michel und 
Jolinus^ 1274 Josef (vielleicht der obige)*; 1293 Meier«; 1294 
Jöli', Vivilin«; 1375 Menlin»; 1377 Menlins Weib »«; 1379 Isac 
von Tanne**; 1381 Benjamin von Schlettstadt *^ 1382 Symon, 
Menlis Sohn *^; Mathis, Eberlins Sohn und seine Frau Hestre 
Menlinon*^; 1384 der Arzt Syman '*; 1391 Benjamin (der obige?) 
seine Frau Jleria und ihr Sohn Benfeit '"; 1408 Isak von Pery (?) 
und seine Frau Merin mit Kindern und Gesinde, Josef und seine 
Schwester, deren Mann und Kinder*'^; 1427 Josef **^. In Burg- 
dorf wird 1347 Simon erwähnt**^, in Biel 1305 Frau Guta mit 
ihren Söhnen und Töchtern und deren Familien'®. 

Im Gebiete des Kanton Freiburg finden wir genannt: 1299 
Jakob in Murten, sowie Frau Cussele, ihre Söhne Anzelys und 
SamueP'; 1356 Meister Jocet, den Arzf ; 1381 Meister Salomon 
von Vesoul (Vizov), seine Schwiegermutter Frau Fröide, Abraham 
von V. und dessen Schwiegermutter Sabia, der beiden Männer 
Ehewirtinnen, ihre Kinder und Gesinde-*; 1386 Isaac'^, x\cquineto 
in Murten ^^; 1399 Meister Symon"; 1415 Samuel, Sohn der in 
la Tour de Peilz angesessenen Dagyn'^; 1416Vivant (oder Vivens 
de la Costa) und seine Frau Boneta '**; 1418 Duceta die Witwe 

' Urkiindenbiich der Stadt Basel II, S. 355, Nr. 637. - «Amiet, II, p. 164 f. 
und Solothnrner Wochenblatt (1817), S. 3U6, (1814) S. 145. — ^Copi», rote 
Nummer 4, S. 31, im Staatsarchiv Solothurn. — * Fontes Rerum ßemensium II, 
S. 492. — ^ibid., III, S. 774. — «ibid., III, S. 559. - 'Justingers Chronik, 
herausgegeben von Studer, S. 29. — »^Zeerleder II, 8.413, Nr. 870. — »Stadt- 
rechnungen, lierausgegeben von F. E. Welti (1896), S. 9. — '^ibid., S. 64. — 
"Urk. im Staatsarchiv Bern. — '*rrk. im Staatsarchiv Bern. — "Staats- 
archiv Bern, Urk. Burgdorf. — '^ibid., Urk. Interlaken. — '^ Stadtrechnungen, 
S. 317. — »"Trk. Oberamt I, Staatsarchiv Bern. — 'H4. Tobler, Zur Ge- 
schichte der Juden im alten Bern bis 1427. Arch. des bist. Vereins des Kantons 
Bern XII, S. 362, Beilage. — «^Staatsarchiv Teutsch Spruchbuch B. — «» Solo- 
thnrner Wochenblatt (1824), S. 501, Nr. 44 und Fontes Rerum Bernensium VII» 
S. 272, Nr. 280. - ^''Clrich, S. 482, Beilage Hh. «' Matile, p. 261. - ««Archives 
Cantonales Registrum Lombardorum, p. 13. — ^-^Rec. dipl. IV, p. 150. — 
«^Compte de Tr^sorier A. C. Fribourg. — «'A.C. Reg. not. Fülistorf II, 
p. 46. — ^♦'ibid. V, p. 22. — *^Archives Cantonales Reg. not. Fülistorf 9, 
p. 36. - »"ibid., p. 99 u. p. 104. 



— 11 — 

des Meister Symon de Pierre ChasteP; 1420 Magister Ackin 
von Vesoul (Vixou) und Familie^; 1422 Abraham Levi, Pucella, 
die Tochter des Amedez von Chalons^; 1426 Piuahas, der 
Schwiegersohn des Abraham ^ ; 1428 Meister Abraham^; 1455 die 
Frau des Oberli"; 1457 Josue von Nayon und seine Familie, 
ein anderer Jude mit seiner Familie, die Witwe Esther mit ihren 
Kindern, Mathias von Speier mit seiner Familie, Mordahe von 
Biel mit seiner Familie ^; 1458 Abraham"-, 1459 Eberli Witzents 
mit Frau, Kindern und Gesinde®; 1461 Manasse, der Arzt*®; 
1464Vivan de la Tor (Vibranus de Turre), der Arzt**. 

Auf Neuenburger Boden werden erwähnt: Abraham von 
Valengins (Abraham de Vaulengins) um 1280*^; 1310 Bisuntius 
von Morteau'^. 

In Genf kommen vor: 1283 Aginus*^-, 1342 H61isart; 1355 
Manasse*^; zu Anfang des 15. Jahrhunderts Unland Chypres, 
Mouxiers von Carpentras *^ ; 1 404 Samson von Jerusalem, Perret 
des Banges, Vivand von Beauregard, Simonet von Evian, Samuel 
und Crescence*', Josson und seine Frau Flora*"; 1443 Perret 
Symuel von Nizza, Samson Bellin*^\ 

Aus all' diesen angeführten Städtenamen ergibt sich, dass 
die eingewanderten Juden zum grossen Teil aus dem Elsass, 
den Rheinlanden, Baiern, Baden, Flandern, der Champagne und 
der Franche-Comte, einige Male auch aus der Provence kamen. 

Die zitierten Personennamen sind meistens hebräischen Ur- 
sprungs, in der Regel aber durch die Landessprache beeinflusst, 
nach dem Idiom umgestaltet und verderbt. 



» ibid., p. 149 etc. — «Rec. dipl. VII, p. lOy, Nr. 473. ^A. C. Reg. 

dn notaire Manot IV, p. 105. — *Rec. dipl. VII, p. 255. — -^ A. C. Compte des 
Tresoriers, p. 52, Chapitre ä part et Dispenses diverses. — ® Corapte des 
Tresoriers, N« 106.— ^A. C. Ire coli, de lois, p. 271, N^ 737. — »* Ratsmaunal, 
No 8, p. 12 etc. Ire coli, de lois, p. 273, Nu 740. — »Ire coli, de lois, p. 274, 
No 741. — 'oj)r A. Favre, Les mödecins juifs ä Fribourg dans les siöcles 
passes in den Archives de la sociale d'histoire du Canton de Fribourg, toine VII, 
livre i, p. 9. — «'ibid. — »«Matile I, p. 180, No 210. — «Mbid., p. 304, 
No 326. — >*Borel, p. 129. — ^Mbid., p. 217, uotes 1 et 3. — »«ibid., p. 67. 
— *'A. C. de Gen^ve, Proc^s criminel (5 aoüt 1404). — ""ibid., jauvier et 
fevrier 1405. — »'^ibid., Proc6s criminel de Tan 1443. 



12 — 



II. 

Rechtliche Stellung der Juden. 

a) Judenschutz'- 

Im Jahre 1090 erteilte Heinrich IV. den Juden Speiers auf 
ihre Bitten um einen Schutz das sog. Speierer Privileg. Während 
der Kreuzzugsnöte nimmt sie derselbe Kaiser in den Landfrieden 
von 1103 auf, der ihnen gleich dem Klerus Sicherung von Leben 
und Eigentum zusagt. Konrad III. schützte die Juden vor den 
herannahenden Kreuzfahrern in seiner Burg in Nürnberg. Das 
12. Jalirhundert kennt noch nicht den Begriff des kaiserlichen 
Judenschutzes, erst im folgenden bildet er sich: Der Kaiser, 
der natürliche Schutzherr aller Hülfsbedürftigen des Reiches, 
gewährt den bedrängten Juden einige Male seinen Schirm. Nach 
und nach entwickelt sich die Anschauung, dass die Juden 
Schutzbefohlene des Kaisers an sich seien, dass die fortwährend 
schwankende Sicherheit ihres Lebens und Eigentums nur durch 
ihn gefestigt würde, ja dass diese selbst, ihr eigen Blut und 
Gut schliesslich persönlicher Besitz des Kaisers und ihnen gleich- 
sam nur precario zugestanden wäre-. So wurden die Juden die 
servi camerae des Reiches; allein nicht dieses gewährte ihnen 
Schutz, sondern der jedesmalige Herrscher, als Träger der 

'Den folgenden Ansführnnsfen liegt Stobbes Kapitel: „Die deutschen 
Juden und ihre Kainmerknechtscbafr,,** S. 8ff. teilweise zu (iiunde. — * Nach 
Stobbc bedeutete die Eammerknecbtscbaft ursprünglich nicht Leibeigenschaft, 
sondern ein dem Kaiser Unterworfensein nach bestimmten Beziehungen hin, 
insbesondere in der Steuerpflichtigkeit an die kaiserliche Privatkasse. All- 
mählich gestaltete sie sich zu schrankenloser Willkür aus. Aus ihr heraus 
ist die Verfügung zu verstehen, dass die Juden jedem neuen Kaiser eine 
gewisse Summe für seinen Schutz zu entrichten hatten, um quasi ihr Leben 
von ihm zu erkaufen, da er das Recht hatte, sie umzubringen, wenn es ihm 
beliebte. Ebenso sprechen dafür alle jene Briefe, worin die Kaiser die von 
Städten gelegentlich begangenen Massenjudenmorde verzeihen, z. B. des 
Karls IV. an Zürich 1349 (Ulrich, 8. 439, Beilage VI). Dass dem Herrn des 
römischen Reichs auch unbegrenzte Verfügung über das Vermögen seiner 
Kammerknechte zustand, das sagt uns jede Seite der jüdischen Geschichte. 



- 13 - 

obersten Staatsgewalt, mit dessen Tod auch sein Privileg erlosch. 
Von dem Nachfolger hatten sie sich einen neuen Schirmbrief zu 
erkaufen. Freilich stand dieser Schutz häufig nur auf dem 
Pergament. Wie viele Stürme brausten vernichtend über die 
Judenheit hinweg trotz Wort und Siegel und Kaiser und Reich ! 
Denn es war ja im Grunde nicht die moralische Idee, sondern die 
Aussicht auf materiellen Gewinn, die die besondere Institution 
des Judenschutzes erzeugte. Dem Judenschutz entsprach direkt 
die Judensteuer. Die Belehnung von Fürsten, Herren und Städten 
mit dem Judenregal, wie sie allmählich gang und gäbe wurde, 
war daher eine besondere Vergünstigung als Äquivalent für ge- 
leistete Dienste oder auch ein durch Kauf zu erlangendes Vor- 
recht, einzelne jüdische Gemeinden zu schützen und zu besteuern 
oder Juden aufzunehmen. Diese Übertragung geschah oft nur 
auf eine bestimmte Anzahl von Jahren, seltener war sie endgültig. 
Sie häuften sich insbesondere in der für die Juden finstersten 
Zeit, vor der Mitte des 14. Jahrhunderts, als der sichere Unter- 
gang über ihnen drohte. Die goldene Bulle 1356 sprach dann 
allen Landesherren das Recht, Juden zu halten, zu. 

Wurden auch in der Regel alle Schutz versprechen von den 
grossen Verfolgungsorganisationen wie Spreu im Winde weg- 
geweht, so machten die Schutzherren in einzelnen Fällen Front 
doch gegen die wahnsinnigen Ausbrüche der Volkswut oder 
einzelner vagierender Banden. Selten geschah dies in so im- 
posanter Weise wie im Frühling 1 345, wo eine Reihe von Herren 
(weltliche und geistliche) und Städten im Elsass und anstossender 
Gebiete, so auch Österreich und Basel, zu einem Übereinkommen 
zusammentraten, um künftighin jeden „vflouf nicht nur gegen 
„phaflfen- oder über ander cristan lüte", sondern auch gegen Juden 
niederzuschlagen, „es were von Aremleders* wegen oder dem 
das gelich ist oder iren belfern"^. 

Wie schwach auch nach innen die Wände waren, die die 
Juden schützten, sie waren doch offiziell errichtet. „Ovch ist der 
Rat über ein kommen, swer der ist» der dien Juden, die vnsser 
burger sint, dehein leid tuet, mit werten oder mit werchen in 



^Armleder, Organisator eines umherziehenden judenmordenden Haufens. 
Siehe Basler Chroniken IV, 2. Beilage zu Appenwiier, S. 376. — * Basler 
ürknndenbuch IV, S. 152, Nr. lOa. 



- 14 - 

der Stat ald der vor, der mvos daz besseron als eim andern 
burger", besagt eine Stelle im ältesten Stadtbuch von Luzern 
1300--1365^ Eine weitere Bestimmung sucht den vulkanisch 
ausbrechenden Verfolgungen vorzubeugen: „Ovch ist der Rat ze 
Lucerne, beide nuwe vnd alte vber ein komen: (wer der ist, der 
dien Jvden dehein vngemach tuot von deheines Kindes wegen 
an dez Rates wissende, das der muos daz besseron mit V ä^ an 
alle gnade; vnd ist er als arm das er der buoße nicht geben 
mag, er sol niemer in die stat komen, e er ez gebessert" *. 

1345 kommen in Zürich Burgermeister, Rat und Burger 
überein, dass man die Juden „mit guten triiwen" schirmen solle. 
Niemand dürfe ihnen im Ernste oder aus Schabemak Leides zu- 
fügen; Strafe treiFe den Übeltäter ohne Unterschied. Für Un- 
mündige oder Dienende hat der Vater resp. Arbeitgeber auf- 
zukommen^. 1397 wiederholt der Rat das Schutzversprechen. 
Allerdings, falls einer „utzit täte anders, dann er tun sölt", so 
kann der Schirmbrief ihn vor Strafe nicht schützen*. 

In Einzelfällen pflegte der Rat diesen Schutz sehr energisch 
zu handhaben. Folgende Stellen aus den Basler Leistungsbüchern 
bieten Belege: „Item Cuntzman Rüdins sun von Zürich und 
Hensli Rubers Knecht habent nachtes der Mennlin der judinnen 
mit steynen in ir hus gevvorffen und sullent darumb zwey jare 
vor den crutzen leisten und swurent ulf den cinstag nach des 
heiligen crützes tag als es funden wart. AnnoLXXXI (1381)\" 

„Item Spisselins wib des mullers hat Robins des Juden kint 
mit eim stein geworffen und sol man es ervarn an Gütleben dem 
Juden, ob es ein wunde sie, und emphellent es dem niiwen rate"." 

Da die Judenschaft am Charfreitag häufig durch Insulten 
der Masse bedroht wird und die mit ihrem Schutze betrauten 
Wächter im Burgquartier, wo die Juden ihren Sitz haben, ihrer 
Pflicht nicht genügen, bestimmt 1420 der Rat der Stadt Freiburg, 
dass die Wächter, welche diesen Misshandlungen nicht Einhalt 
getan haben, einen Monat lang ausserhalb der Stadt zu ver- 

'Pnbliziert in Kopp, Geschichtsblätter ans der Schweiz I, S. 321. — 
< Ebendaselbst, S. 336f. — ^ Zürcher Stadtbücher T, S. 143, Nr. 307. Gleiche 
Zusicherungen des Schutzes und Verbote des Angriffs finden sich z. B. ; Reo. 
dipl. du Canton de Fribourg, t. VII, p. 101. — Mbid. II, S. 320, Nr. 142. — 
^fol. 93. — «ibid., fol. 100. Gntlehen ist der jüdische Arzt, der 1398 als Stadt- 
arzt angestellt wird. 



— 15 - 

f 

weilen und eines Viertels ihres Soldes verlustig gehen sollten. 
Auch diejenigen unter den Angreifern, die das 18. Jahr über- 
schritten haben, trifft die Verweisung auf die Dauer eines Monats; 
was dann mit ihnen zu geschehen hat, steht im freien Belieben 
der Stadt*. Als im Jahre 1458 der Jude Mordache, der in 
Freiburg Burger ist, ermordet wird, fordert die Stadt die 
Bestrafung des Mörders*. 1475 zahlt der Seckelmeister der 
Stadt zwei Wächtern, die in den Nächten der Charwoche einen 
Juden gegen die Angriffe der Jugend schützten, 15 Schilling ^ 
Vivant de la Tor, der berühmte Judenarzt, der bei den Be- 
hörden grosse Gunst geniesst, wird von Freiburgern bei Oron 
angefallen und ausgeplündert (1471/1472). Daraufhin verhaftet 
man die Missetäter Hensli, Claus, Willi und Hensli- Mooser, 
Pierre Bonnamone und Jehan Charroton, den Knecht des Vor- 
erwähnten, und verurteilt sie, dem Bauleiter der Kirche zu 
St. Nikolas eine Beisteuer von 5 fl. oder 8 ff und 15 Schilling 
für den Turm von St. Nikolas zu entrichten, femer geben sie 
9 Schilling 9 Pfennige dem beraubten Arzte zurück^. 

Sehr energisch trat gelegentlich eines Auflaufs gegen die 

Juden der Herzog von Savoyen 1461 gegen die Genfer auf. Da 

die Angreifer aus höhern Gesellschaftsklassen sich rekrutierten 

suchte der Rat durch ein schleppendes Gerichtsverfahren die 

Sache allmählich im Sande verlaufen zu lassen. Durch seinen 

Sekretär Perronet Emerici Hess der Herzog sich desswegen und 

über die fortgesetzten Misshandlungen seiner Schutzbefohlenen 

beklagen. Seine Drohungen, sogar den Rat und den Kastellan 

vor Gericht zu ziehen, wuchsen sogar dazu an, er werde der 

Stadt die kriminelle Jurisdiktion entziehen. Infolgedessen gab der 

Rat schliesslich nach und verbot, ferner die Juden zu belästigen *. 

1478 erneuerten die in Solothurn versammelten Vertreter 

des oberdeutschen Bundes einen allgemeinen Schutzbrief der 

Juden ihres Gebietes. 

„Wir der Eydgenossen von stetten und lendern des gi'ossen 
pundz in ober dutschen landen rät jetz zu Solotern versamelt, 
enbietend allen denen, so diesen brieff ansehend oder hörend 



*Rec. dipl., t. VII, p. 87, No 46G. — « Arch. cant., Missival, N«> 1, p. 743s. 

"~ 'Comptes du Tr^sorier, Gemischte Ausgaben, No 145 (Arch. cant.). — 

P»vre, p. 9 nnd Arch. Cant. Kirchmeyerrechnung, Nr. 2. — »Borel, p. 130. 



— 16 — 

lesen , vnser willig dienst vnd früntlich grüß vnd ttind vch -ze- 
wissen, daz vns jetz zugeschickt vnd gezöigt sind offe brieff 
vormals von andern vnser herren raten zu Basel vßgange der 
datum stät viF mentag nach dem sontag Oculi nechst vermelt 
vnd jnhalten etwas meinüngen jn den selben brieflfen luter be- 
griffen, vnd vmb des willen daz des selben briefen Wörtern 
geloub geben vnd gesetzt werd, so emüwem vnd bekrefftigen 
wir (am Rande: von bitt vnd anraffen wegen der armen jüden) 
dieselben wie dann die von wortt zu wortt sind gestellt vnd 
ergangen ze gelicher wir als ob si har ime gentzlich begriffe, 
weren vnd gebieten daruff allen vnd jegklichen den vnsem wer 
oder weliche die sient nütz zu beschworung der selben wider 
die Juden ir lib vnd g&t sampt oder sonders anders denn zimlichs 
fürzenemen ze tünd noch ze beslachen gestatten so lieb in sy 
vnser obern ir herren huUd zu behallten vnd schwere straff libs 
vnd gütz ze vermiden vnd bittend auch süst allermengklich dar- 
tun solichermaß zehandeln als die billicheit vnd lüt do obgemelte 
briefe wol vertragen mag vnd vff jm hat. das wöllent wir gar 
früntlich verdienen vnd gegen den vnsern dankbarlich erkennen. 
Geben vnd besigelt mit der fUrsichtigen wisen schultheissen vnd 
raten zu Solotern vnsern lieben vnd getrtiwen Eydgenossen 
Secret Insigel haran gehenckt für vnser aller vnd ir wegen vff 
Samstag nach Sant Jörgen tag (25. April) Anno MCLXXVIIj" *. 
Im selben Jahre werden zwischen Solothurn und Mühlhausen 
Verhandlungen geführt wegen des Mordes an dem Juden Isak, 
der Bürger beider Städte und ausserdem auch Berns war. Der 
Ritter Friedricli zu Rin hat ihn überfallen und getötet. Solo- 
thurn hat beim Vogt (von Sundgau) Erkundigungen eingezogen 
und spricht im Tone der hellsten Entrüstung „von der böss 
getatt . . sonder an den so rittennässig eren lüt söllent geheissen 
sin'*. Der Ritter hat sich bei Solothurn schriftlich entschuldigt, 
als sei seine Tat bloss auf Befehl des Herzogs Sigmund von 
Österreich gescheiten ; allein die Stadt kann nicht glauben, dass 
„derselb loblich ond erlich fürst '^ eine derartige Sache veran- 
lasst habe. Vielmehr ersuchen sie die Mühlliauser, vom Herzog 
dringend die Bestrafung des Friedrich von Rin zu verlangen, 



'Staatsarchiv Solothurn, Copise, rote Nummer 7, S. 131 n. 132. Fehlt bei 
ilen Verhandlungen der Tagsatzung in Abschiede III, S. G. 



- It - 

damit künftighin sich derartige Verletzungen des städtischen 
Ansehens nicht mehr ereignen *. 

1513 auf dem italienischen Feldzug der Eidgenossen wird 
ein Jude von Novara von einigen Knechten misshandelt und 
ausgeraubt. Auf seine Anklage hin wendet sich die Tagsatzung 
energisch gegen die Schuldigen; sie werden verhaftet; dem 
Juden wird für einige Zeit Geleit gegeben. Man heisst jeden 
^rt> geg^n die Knechte, die gefangen wurden, streng, wie sie 
es verdient haben, vorgehen*. 

Die Juden wurden in ihrer neuen Heimat Bürger. Freilich 
war es kein Vollbürgerrecht, das ihnen zu teil wurde. Dem fein 
ausgesponnenen Netz beengender und drückender Vorschriften 
der Pflicht entsprachen nur wenige Bestimmungen, welche das 
Notdürftigste des Lebens gewährten, nichts aber, was dieses 
Minimum überstieg. Man schloss die Juden von allen kommunalen 
Ämtern und Würden, von jeder politischen und militärischen 
Wirksamkeit, vom materiellen Bürgemutzen aus und motivierte 
dieses Vorgehen durch den Satz, dass es sich nicht für Knechte 
gezieme über Herren zu herrschen. Wenn daher von einem 
"bürgerlichen Recht der Juden die Rede ist, so lässt sich 
darunter nur begreifen der allgemeine Schutz des Lebens und 
Eigentums und andererseits eine gewisse Anzahl von Privilegien 
zur Ausübung eines Berufes und eines teilweise selbständigen 
Gerichtsverfahrens. Die Bürger- oder Freiheitsbriefe fassten 
alle diese berechtigenden und verpflichtenden Verordnungen zum 
Schema des äussern Lebens der Juden zusammen; sie waren 
die Konstitution, welche während der Zeit ihres Aufenthaltes 
in einer Stadt ihr Verhalten gegen die übrige Bevölkerung als 
das eines Gemeinwesens gegen das andere regelte. 

Die folgenden Punkte bilden das Gerippe einer solchen 
Schutzakte, wie sie in typischer Gestalt überall wiederkehrt: 

1. Verkündigung der Aufnahme der betreffenden Juden und 
ihrer Angehörigen (auch des Dienstpersonals und aller derjenigen, 
die an ihrem Tische speisen) in den Schutz der Stadt als Bürger 
derselben auf eine bestimmte Zeit. 



* Urkunden von Nr. 12, S. 123, 124, 128, Staatsarchiv Solothurn. — *Eidg. 
Abschiede IV, Nr. 488, 489, 400, 491, 492, S. 706 f., Nr. 500, 601, 503, 642, 
606. Siehe Beilage Nr. I, II, III. 

A. flteinberfl^. 2 



— 18 — 

2. Festsetzung der dafür zu liefernden Abgabe. In der 
Regel läuft eine Befreiung von allen sonstigen Steuern der 
Bürger und ihren Verpflichtungen zu Kriegsdiensten etc. nebenher. 

3. Rechte der Aufgenommenen: 

a) auf freie Berufsausübung, die sich, wie wir später 
sehen werden, mit Geldausleihen auf Pfänder deckt. 
Bestimmungen über den Zinsfuss, die Pfandobjekte. 
Festsetzung des Termins zur Besitzergreifung der- 
selben. Verordnungen im Falle der Beschädigung 
oder des Verlustes derselben, über die Rückerstattung 
des ausgeliehenen Kapitals und der Zinsen. 

b) Bestimmungen über die Gerichtsbarkeit. 

c) Bestimmungen über Religionsausübung, Synagoge, 
Friedhof, Fleischverkauf, Feiertage etc. 

d) Bestimmungen über ihr Verhalten gegenüber den 
Christen in gesellschaftlicher Beziehung (Verbot des 
öffentlichen Erscheinens in der Osterwoche etc.) 

Nicht als willkommene Gäste kamen die Juden ins Land; 
man duldete sie als Retter aus finanzieller Bedrängnis, als not- 
wendiges Übel. Einen sprechenden Beleg dafür bietet uns die 
Empfangsurkunde des Jahres 1408 aus Bern. Am Eingange 
erklären die Behörden, dass man vorzeiten „etzwas Sachen 
wegen" die Juden verwiesen habe. Da aber die Gemeinde 
infolge einer grossen Feuersbrunst sehr verarmt ist, so hat man 
sich entschlossen, den Juden wieder die Tore zu öffnen, von 
denen man „mit liehen vast früntlich gehalten" wird. Um „nutz 
und notdurft willen" der Gemeinde nimmt man nun Isak u. a. 
als Bürger auf*. 

Die Aufenthaltsfrist erstreckte sich demnach in der Regel 
nur auf wenige Jahre. 

Als Beispiele für die verschiedene Dauer der Aufenthalts- 
berechtigung führe ich folgende Fälle an: 

Im Jahre 1381 nimmt z. B. die Stadt Freiburg einige Juden 
„ze unsern ingesessenen burgern . . in unser statt schirm und 
frist, ir lip und ir gut" auf 10 Jahre in ihren Bereich auf^ Der 



' G. Tobler, Zur Geschichte der Juden im alten Bern. Archiv des histo- 
rischen Vereins des Kantons Bern XJI. Beilage, S. 362. — * ßecneil dipl. du 
canton de Fribonrg, tomc IV, N<> 271, p. 150. 



— 19 — 

Bieler Bürgerbrief des Jahres 1305 gestattet zwar nobel „et 
commorantur quamdiu ipsis placuerit nostra commoratio" ', hält 
sich aber doch ein Hintertürchen offen, indem er dem Herrn der 
Stadt, dem Bischof von Basel, freistellt, die Juden jederzeit aus 
dem Ort zu verweisen. Freilich sollen ihnen noch 1 Jahr und 
6 Wochen Henkersfrist gestattet werden, damit sie ihre aus- 
stehenden Forderungen einkassieren und ihre übrigen Angelegen- 
heiten ordnen können*. Allein auch ^er Fall, dass die An- 
gesiedelten den Vertrag aufkündigen, ist in Betracht gezogen. 
Alsdann haben sie ihre Absicht, aufzubrechen, 1 Jahr 6 Wochen 
vorher verlauten zu lassen, damit ihre Schuldner die Pfand- 
objekte inzwischen einzulösen die Gelegenheit habend In den 
Verhandlungen des angehenden 15. Jahrhunderts auf den eid- 
genössischen „Tagen" tauchen Bitten der Thurgauer auf, das 
Judengeleit aufzuheben. Den Juden wurde 1482 gestattet, sechs 
Jahre in der Vogtei Thurgau ihr Domizil aufzuschlagen; 1489 
wurde der Aufenthalt um 3 Jahre verlängerte Der Druck, den 
sie durch iliren Wucher auf die Bevölkerung ausübten, wurde 
aber von dieser als so unerträglich empfunden, dass die Tag- 
satzung vor diesen stürmischen Gesuchen nur mühsam den Be- 
schluss durchsetzte, den Juden den Aufenthalt für die festgesetzte 
Zeit zu gewähren. Jede Bitte der Juden, die Frist um 1 oder 
2 Jahre zu verlängern, wurde hingegen rundweg abgewiesen*. 
Dennoch verliessen die Juden erst im Jahre 1494 den Thurgau. 

In den Jahren 1362—1372 werden in Basel eine Reihe 
jüdischer Familien ins Bürgerrecht aufgenommen. Die übliche 
Zeit beläuft sicli auf ein, zwei, fünf Jahre. In der Regel erfolgt 
nach Ablauf dieses Zeitraums eine Verlängerung ^ Sehr kurz 
ist der Aufenthalt, der 1382 Vivelin, dem „Judensänger" und Sara, 
der „grossen Jüdin", gewährt wird; er währt vom 19. August 
bis auf den „St. Johannestag ze sungichten so un nechste komet"^ 

Freiburg verleiht 1412 dem jüdischen Arzt Ackin de Vixou 
und seiner Familie das Schutzrecht auf die Dauer von 10 Jahren**. 

»Fontes IV, p. 218, No 187. — «Geschichtforscher VI (1827), 8. 128. — 
^Ulrich, S. 483. — ^ Löwenstein, Geschichte der Juden am Bodensee (1879), 
S. 90. — 5 Eidgenössische Abschiede, Bd. III a. 8. 142, 144, 146, 271, 272, 
277, 279, 282, 283, 310, 322, 384, 400, 440, 441, 443, 447. — «Basier Leistungs- 
bnch I, fol. 136—139. Siehe nnten unter „Abgaben**. — 'Basler Urknnden- 
bnch V, 13, Nr. 9 u. 10. - ^ Favre. 



- 20 — 

Einigen Juden, welche sich K)91 in Schaffhausen nieder- 
lassen, gewährt der Rat halbjährige Kündigungsfrist*. 

Nach dem abgelaufenen Termin tritt häufig eine Erneuerung 
des Domizilrechtes ein. Die frühem Vorschriften betreff der 
Pflichten und Rechte erfahren dann eine Auffrischung; manches 
mag dann wohl auch geändert worden sein. So wird 1420 bei- 
spielsweise der jüdische Arzt Vivens (oder Vivant) von Cöte- 
Andre von neuem ins Bürgerrecht der Stadt Freiburg auf- 
genommen. Nach dem Tode seiner ersten Frau fallen deren 
sämtliche Rechte seiner nunmehrigen Ehewirtin anheim'. 

Eine gewisse Freizügigkeit war den Juden keineswegs ver- 
wehrt. Sie durften auf Geschäftsreisen so ziemlich jeden Ort 
passieren und bei ihren Glaubensgenossen sich während einer 
gewissen Zeit aufhalten. Während dieser Dauer standen sie 
unter dem Schutze der betreffenden Stadt. Bezüglich der ge- 
statteten Frist aber gehen die Bestimmungen auseinander. Sowohl 
Freiburg ^ (1381) als Bern (1408)^ erlauben neu aufgenommenen 
Judenbürgern, fremde Stammesgenossen zu beherbergen und 
sichern diesen für die Dauer ihres Verweilens Schutz des Lebens 
und der Habe zu. Im Jahre 1412 aber modifizierte Freiburg 
dieses weitherzige Privileg dahin, dass kein Jude, männlichen 
oder weiblichen Geschlechts, sich länger als vier Tage ohne be- 
sondere Erlaubnis in der Stadt aufhalten dürfe. Wer sich gegen 
dieses Verbot vergeht, wird so lange in Haft gesetzt, bis er 
eine Busse von 10 Schilling Lausanner Währung für jeden Tag 
der Überschreitung geleistet hat. Es soll auch ein Termin fixiert 
werden, an dem sämtliche in der Stadt weilenden Juden, Bürger 
oder Durchreisende, sich mit Bürgerbrief oder Erlaubnisschein 
ihres Domizilrechtes auszuweisen haben. Mangelnde Berechtigung 
soll mit Geldstrafe oder Verbannung gebüsst werden ^ Zürich 
beschränkt die reguläre Aufenthaltszeit eines fremden Juden 
auf einen Tag und eine Nacht. Die Taxe für die Nacht beträgt 
einen Gulden; für jede weitere fordert man dieselbe Summe®. 
Dom Meister Gutleben verbietet Basel (1398) auswärtige Glaubens- 



• Ihinicr, a. 40. — *Rec. dipl. VIT, p. 90. — Mbid. IV, p. 156. — ^Tobler, 
Rolla^e, S. 300. •Rec. dipl. VII, p. 19 et 20. - '^Stadtbücher, S. 320, Nr. U2 
U397, 24. Juli). 



- 21 - 

genossen bei sich tibernachten zu lassen; wohl aber wird ihm 
gestattet, ihnen bei Tageslicht gastliche Aufnahme zu gewähren *. 

In dem deutschen Teil der heutigen Schweiz sahen die Juden 
zum Kaiser als ihrem obersten Schutzherm auf. Die blutigen 
Verfolgungen der Kreuzzüge hatten den Keim zur Idee der 
kaiserlichen Schirmherrschaft gelegt, das 13. Jahrhundert hatte 
sie gross werden lassen und als die ersten Juden ihren Fuss in 
das Land jenseits des Rheines setzten, hatte sie sich zur vollen 
Blüte ausgewachsen. 

Auch die Ausgewanderten blieben servi camera» und leisteten 
ihr gut Teil an den Einkünften der kaiserlichen Kasse. In der 
Folge erwarben die meisten Städte das Judenregal, d. i. den 
Judenschutz und das Recht der Besteuerung. Dem Kaiser aber 
blieb neben der jährlichen Abgabe des „güldenen Opferpfennigs" 
das oberste Verfügungsrecht über die Kammerknechte. Von ihm 
mussten die kleinen Landesherren sich auch die Erlaubnis holen, 
Mehrer ihrer Finanzen in ihrem Gebiete zuzulassen, bis die 
goldene Bulle Karls IV. (1356) ihnen allgemein dies Recht zu- 
gestand. — - Sehen wir näher zu: 

Bis zum Jahre 1305 übte der Kaiser in Basel den Juden- 
schutz unmittelbar aus. Erst damals überantwortet Karl IV. 
„dem burgermeister, dem rate und den burgern gemeinlich der 
stat zu Basel die Juden unser Kamerknecht, die yeczunt inwendig 
Basel siczent und die hie nach dar geziehent und da sesshaft 
werden, si getrulichen zu schirmen und zu fristen"'-. 

Freilich behält er sich oder seinen Nachfolgern vor, den 
Vertrag aufzukündigen und nach einem Jahre der Stadt die 
Vergünstigung nehmen zu können. 

Neun Jahre später lässt er diese Klausel in Kraft treten, 
„durch sundirliche liebe fruntschaft und bete" Leopolds von 
Österreich bewogen, entzieht er den Baslern das wertvolle Regal 
und belehnt den Herzog damit ^ Nach dem Untergange des 
Habsburgers bei Sempach (1380) scheinen die Basler ohne weiteres 
das Recht der Beschirmung und Beschatzung an sich gerissen 
zu haben, denn Kaiser Wenzel erklärt 13üO, einen Schleier des 
Vergessens darüber breiten zu wollen, dass sie die Juden „sament 

' ürkundenbuch der Stadt Basel V, S. 202, Nr. 243. - « Basler ürkimden- 
buch IV, Nr. 287. — ^ Basler Ürkundenbuch IV, Nr. 379. 



~ 22 — 

und insunders ufgenomen gehebt und genossen haben wie sich 
daz gefuget hat". Auf 14 Jahre verleiht er ihnen von neuem 
das Judenregal und ausser dem Opferpfennig bedingt er sich nur 
die Hälfte der nach 4 Jahren eingelaufenen Judensteuern aus*. 

Die Juden in Biel * und Pruntrut sassen im Schutzbereiche 
des Bischofs von Basel, als des Herrn dieser Städte. Ihm über- 
lassen die Bieler Bürger, die Juden zu beliebiger Zeit aus der 
Stadt zu verjagen. 

Den direkten Schutz und die Nutzniessung hatten die Bürger 
natürlich selbst inne. 

Bern muss das Judenregal entweder schon von Friedrich IL 
erhalten oder es sich während der kaiserlosen Zeit selbst ge- 
nommen haben. Vielleicht war es auch Peter von Savoyen, 
welcher der damals unter savoyischer Schutzherrschaft stehenden 
Stadt diese Einnahmequelle eröffnete^. Sicher ist, dass auch 
später der deutsche Kaiser die höchste massgebende Gewalt in 
den Angelegenheiten der Stadt mit den Juden bildete. Als es 
im Jahre 1294 (30. Juni) wegen der Ermordung eines Kindes 
zur ersten Judenverfolgung in Bern kam, griff König Adolf 
schlichtend ein. Eine von ihm beauftragte Kommission brachte 
eine Richtung zwischen der Stadt und den Juden zu stände *, die 
seiner obersten Bestätigung bedurfte*; Albrecht hat sie im 
Jahre 1300 ebenfalls bekräftigt«. 

Dasselbe Verhältnis der Juden zu Rat und Bürgerschaft 
einerseits und zum Kaiser anderseits herrschte in Zürich. Die 
Stadt gewährt ihnen unmittelbaren Schutz und zieht gewisse 
Abgaben ein. Der kaiserlichen Schatulle fliesst der Jahreszins 
des Opferpfennigs zu. Der Kaiser verfügt als höchster Herr über 
seine Kammerknechte. Der Zeitpunkt, in welchem der Judenschutz 
städtisch wurde, lässt sich nicht fixieren. Es existieren bloss 
noch die Briefe späterer Kaiser (Wenzels und Sigismunds ^). 
Allem Anschein nach hat noch Karl IV. die volle Herrschaft 



» Deutsche Reichstagsakten II, 333. — «Geschicbtforscher VI (1827), 128: 
„Item sciendam est, quod revcrendns dominus noster Basiliensis Episcopus, 
qui pro tempore foit eosdem Judeos, cum placuerit liceiitiori potest et re- 
pellere a Villa nostra Bielle". — ^G, Tobler, Zur Geschichte der Juden im 
alten Bern. Archiv des historischen Vereins des Kantons Bern XII, 330. — 
^Fontes Rerum Bemensium III, S. 587, Nr. 595.— -'ibid., S. 590, Nr. 597. — 
«Fontes Rerum Bernensium IV, S. 20, Nr. 15. — ^ßär, S. 123. 



— 23 - 

über die Züricher Juden allein ausgeübt oder sie wenigstens nur 
bis zu einem gewissen Zeitpunkt der Stadt abgetreten; denn im 
1 3. Jahr seiner Regierung bestimmt er alle Cahorsiner und Juden 
dem Edlen Rudolf von der Warch, „also das er von vnser und 
des riches wegen mit in tuon vnd lassen muge vnd jr auch ge- 
messen" *. Nach den blutigen Szenen des Jahres 1349 verzeiht 
Karl IV. den „vflouf von den Juden wegen"-; denn für den 
Augenblick hat er ihm ja keinen Schaden getan. Vielmehr geht die 
gesamte Hinterlassenschaft der Ermordeten in seinen Besitz über\ 

Im Herbst des Jahres 13r)3 spricht Karl IV. die Bürger 
von Solothurn u. a. von der Ablieferung der Begräbnissteuer von 
Juden frei, die sie „bis an die Zeit, da sie in unsere und des 
Reiches Huld und Geliorsamkeit gekommen" \ bezogen haben. 
Da des Kaisers Ansprüche den üblichen Umfang übersteigen, lässt 
sich schliessen, dass das Recht des Schutzes und der Besteuerung 
ihm hier unmittelbar zustand. Die Bürgerschaft musste damals 
noch nicht im Besitze des Judenregals gewesen sein. Durch Rup- 
recht erfährt die Erlaubnis, Juden zu halten, eine Erneuerung^: 
„Auch so haben wir denselben burgern zu Solottern die sunder 
gnade getan, vnd tun yn die auch in cratft disß briefts, das si 
Lamparther oder Juden by yn halten vnd haben mögent, vnd 
waz dieselben Lamparther oder Juden vns oder vnsern nach- 
komen von des riclis wegen zinsen soltent, das sie dieselben 
zinse auch von yn nemen vnd der genießen sollent die zyt die 
viertzig jare uß gliche vnd in aller der maße, als die zinse, so 
sie vns selbs geben soltent als vorbegriffen ist, von vns, vnsern 
nachkomen vnd menglichem vngehindert, doch vnschedelichen vns 
vnd vnsern nachkomen an dem riclie vnd menglichem an andern 
vnsern vnd yren rechten am alle geuerde". 

Die Stadt St. Gallen war schon längst freie Reichsstadt ge- 
worden, als sie den Juden die Tore ötfnete. Nur als höchster 
Herr waltete somit über diese der Kaiser. Karl IV. spricht die 
Bürger nach der Verfolgung von 1349 „gentzlich ledig" ^ In 

•Ulrich, S.377, Beilage D. — Mbid., S.431), Beilage 0. - »Bilr, S. 145. 
— » Solothnrner Wochenblatt (1814\ S. 145. — »Staatsarchiv Solothurn, 
ITrk. 1401), Montag nach dem 12. Tag Epiphania. — ''K. Wegeliu, Geschichtl. 
über den frühern Aufenthalt und sonstige Verhältnisse der Juden in ver- 
schiedenen Landesteüeu des Kantons St. Gallen n. Verhandl. der St. Gallisch- 
Appenzelhschen Gemeinnützigen Gesellschaft (1846), S. 130, 28. Mai. 



~ 24 ~ 

der alten Landschaft standen die Juden zum Abt von St. Gallen 
in direktem üntertanenverhältnis. 

Die obersten Schützer der Juden in Luzern waren die Herzöge 
von Österreich. Die Juden wurden gelegentlich Streitobjekt 
zwischen den Habsburgeni und den Bürgern *. An ihnen lässt 
die Stadt den Hass gegen Österreich aus und muss sich im 
Brandenburgerfrieden (1352) zu einer Entschädigung des Herzogs 
für die an seinem Eigentum begangene Beraubung verstehen*. 
Mit der allmählichen Loslösung Luzerns von Österreich wird 
auch die Lage der Juden schwieriger und als man 1383 ihnen 
durch das Verbot des Wuchers den Hauptnahrungszweig aus der 
Hand riss, war ihnen mit der hauptsächlichsten Lebensbedingung 
auch jede Aufenthaltsmöglichkeit genommen. 

Als im Jahre 1336 Ludwig der Bayer die freie Reichsstadt 
Schaflfhausen an den Herzog von Österreich verpfändet, gehen 
seine dort ansässigen Kammerknechte in dessen Besitz über. Die 
Königin Agnes von Ungarn entscheidet 1349 in dem Streit, der 
zwischen den Bürgern der Stadt und ihrem Bruder Albrecht 
„um daz gut, so unsre Juden daselbes ze Schaffhusen gelazzen 
habent" '. Im Jahre 1407 überträgt Herzog Friedrich das Recht, 
die Juden zu besteuern, dem Egk von Reischach^; 1411 ge- 
währt er den Bürgern volle Vergebung für den Judenmord des 
Jahres 1401 \ 

F>eiburg stand unter der Herrschaft der Habsburger, als 
es um die Mitte des 14. Jahrhunderts Juden aufnahm. Sie übten 
somit das oberste Schirmrecht aus, obschon sie die Handfeste 
der Kiburger für die Stadt und das darin enthaltene Verbot des 
Wucliers bestätigt hatten. Die Judenverordnung des Jahres 1459 
wird unter der kurzen Schirmherrschaft der Savoyer Herzöge 
ausgestellt. Das Jahr 1481, welches Freiburg die Aufnahme in 
den Bund der Eidgenossen bringt, schliesst die Juden für immer 
aus der Stadt aus". 



'Th. V. Liebeuau, Das alte Luzern, S. 255. — -Th. v. Liebenaii, Das 
alte Lnzeru, S. 256 u. Eidg. Absch. I, S. 279. — ^Melcb. Kirchhofe!', Zweyter 
Beitrag zur Geschichte der Juden in der Schweiz, Schweiz. Geschichtforscher 
VI (1822), S. 94. — *Im-Thurn u. Härder, Chronik der Stadt Schaffhausen II, 
S. 106. — ^ibid. II, S. 109. — ® Heinemann, Geschichte des Schul- und Bildungs- 
lebens im alten Freiburg bis zum 17. Jahrb., S. 38. 



— 25 - 

Der Äargau von heute und somit auch seine Juden standen 
im wesentlichen bis 1415 unter den Herzögen von Österieich. 
Die Juden, die z. B. in Baden „wonung haben" wollten, erhielten 
ihr Gteleit direkt vom Vogt als dem Stellvertreter der Herrschaft*. 

Zur Zeit, da die Juden im Thurgau bedeutend hervortreten, 
also in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, ist er gemein- 
eidgenössische Vogtei. 

Die in Genf ansässigen Juden lebten unter dem direkten 
Schutze des Herzogs von Savoyen^, nicht unter dem des Bischofs 
von Genf, der wohl dazu befugt gewesen wäre. Die Erklärung 
Ed. Mallets^, der Bischof hätte im Hinblick auf seine geistliche 
Stellung für wuchernde Geldleiher nicht einstehen können, scheint 
allzuscharf das sittliche Moment in den Vordergrund zu rücken. 
Umspann doch zu gleicher Zeit die schirmende Hand des Basler 
Bischofs ohne moralische Skrupel oder Schicklichkeitsbedenken 
die jüdischen Niederlassungen eines grossen Teils seiner Diözese, 
wie die des Abtes von St. Gallen nicht minder. 

b) Gerichtliches Verfahren. 

Das jüdische Gemeinwesen bildete einen kleinen Staat für 
sich, der nicht nur durch eine religiöse und lokale Isolierung 
sich scharf von der Umgebung abhob, sondern in Deutschland 
auch in rechtlichen und kommunalen Verhältnissen ein gesondertes 
Ganzes für sich ausmachte. „Diese Organisation hing mit der 
Neigung des Mittelalters zusammen, die sozialen Kreise auch 
juristisch zu trennen und Personen desselben Standes und der- 
selben rechtlichen Stellung eine korporative Verfassung zu geben. 
Wie der Klerus, wie Vasallen und Ministerialen, wenn sie in 
einer Stadt wohnten, von der regelmässigen Obrigkeit eximiert 
waren, so erhielten auch die Juden ihre abgesonderte Stellung" ^ 
Übrigens konnte eine derartige Sonderstellung den Juden nur 
genehm sein. Zur durchgängigen Maxime im deutschen Reiche 
aber wurde diese Einrichtung nicht. Den Juden der Schweiz 
mangelte es, soweit sich die vorhandenen Spuren rechtlicher 
Art deuten lassen, an Vergünstigung autonomer Rechtsprechung. 



'Welti, Urbar der Grafschaft Baden, Argovia III, S. 196. — «Borel,- Les 
foires de Genöve au löi^me siöcle, p. 129. — ^Memoires et Documenta de 
Genöve, tome XII, p. 269. — ^Stobbe, S. 140. 



- 26 — 

Eine Urkunde Herzog Leopolds von Österreich, der, wie wir 
wissen, von 1391 an in Basel Inhaber des Judenschutzes war, 
spricht ihnen eigene Jurisdiktion, allerdings in beschränktem 
Umfange, zu. Die Juden werden „aller ansprach und pezzrung, 
die si uncz uf disen hütigen tag, als dirr brieff geben ist (15. Januar 
1379), begangen habent,** ledig gesprochen.- Welche Vergehen 
sie sich auch innerhalb ihrer Gemeinde zu Schulden kommen 
lassen, der Herzog wird sie nicht zur Rechenschaft ziehen. Nur 
einen Fall nimmt er aus, „den todslag und ander sach die an 
den lib gand". Auch da, wo der Kläger des Herzogs Recht anruft, 
tritt sein Urteilsspruch in Kraft und „die selb pezzrung sol uns 
vorbehaben und behalten sin"*. 

Ausdrücklich verbietet der Züricher Magistrat den Juden 
eigene Gerichtsausübung. 

1383 ergeht die Verordnung: Wird an einem Juden von 
einem andern Unrecht begangen, so bringe er seine Klage vor 
den Bürgermeister und den Rat. Deren Urteil besitzt unumstöss- 
liche Geltung. Strenge untersagt wird dem Kläger, um „Juden- 
recht" nachzusuchen \ sollte er dessen überführt werden, so wird 
sein Vergehen dem Meineid gleichgeachtet und er verfällt der 
Busse von 200 Mark Silber. Diesem Gebote nachzuleben, haben 
die Juden der Stadt Zürich geschworen'. 13><2 hatte der Rat 
eigene Abgeordnete für Judenangelegenheiten berufen^. 

In den meisten andern Orten aber scheint nicht diese Aus- 
schliesslichkeit geherrscht zu haben, sondern ein Kompronüss 
zwischen jüdisclier und städtischer Jurisdiktion. 

Der im Jahre 1432 in Wil (St. Gallen) ins Bürgerrecht auf- 
genommene Gabriel verpflichtet sich, falls er einmal schwerer 
Vergehen bezichtigt würde, bei dem Rate Recht zu suchend 
1408 hat Bern die Entscheidung in Fällen von Verwundungen, 
Totschlag, Verrat („frevele, so unser Stat friheit rürtint") seinem 
städtischen Gericht vorbehalten. Zwistigkeiten aber der Juden 
unter sich mögen sie nach ihrem eigenen Recht „zerlegen, 
usstragen und berichten". Doch steht es in ihrem Belieben, in 



•Basler Urkmidenbuch V, S. 426, Nr. 441. — «Bär, S. 127 und Stadt- 
bücher, 270, Nr. 74. Der Herausgeber derselben vermutet, dass die jüdischen 
Gerichte, die angerufen wurden, die Hochmeister von Worms und Rotenburg 
waren. — -^ibid., Anmerkung I. — ^ VVegelin, S. 14i. 



— 27 - 

Erbschaftsangelegenheiten oder auch in andern Sachen, in freier 
Wahl ihr eigenes Gericht oder den Rat anzurufen *. 

In Freiburg hat man 1413 der Judenschaft streng verboten, 
in irgend welchen rechtlichen Fragen ihre eigene Behörde zu 
Rate zu ziehen. Solche Fälle sind der städtischen Behörde vor- 
zulegen, wie dies ja auch in andern Städten geschieht; dieser 
bleibt es allerdings unbenommen, je nach der Wichtigkeit der 
Sache sie jüdischen Leuten von gutem Rufe oder den Lehrern 
der Juden zur Entscheidung zu überweisen*. 

Grössere Zugeständnisse machen Schul theiss, Rat und Ge- 
meinde von Freiburg fünf jüdischen Familien, die sich im Jahre 
1457 dort niederlassen. Streitigkeiten unter sich dürfen sie selbst 
beilegen. Fälle von Mord, Verwundung und andern ähnlichen 
Vergehen sollen nach den Gesetzen, Bestimmungen und Frei- 
heiten der Stadt gerichtet werden ^. Dieselbe Verordnung findet 
sich auch in dem Schutzbrief, der zwei Jahre später Eberli 
(von Witzents) ausgestellt wird. Doch sollen sie unverzüglich 
vor dem städtischen Gericht oder dem Rat erscheinen, wenn sie 
berufen werden, ausgenommen an ihren Feiertagen ^ 

In keinem Falle aber unterstehen Juden einem geistlichen 
Gericht. Der schon mehrfach zitierte Basler Brief aus dem Jahre 
1;38G* hebt diesen Punkt ausdrücklich hervor. Nur der Schult- 
heiss oder an seiner Stelle die Judenschule dürfen Recht sprechen; 
vor geistlicher Jurisdiktion sollen die Juden auch dann nach 
Kräften geschützt werden, wenn ein Fremder sie damit bedroht. 

1396 schwört in Zürich Johans Pfung sen. einen Eid zu 
den Heiligen, fernerhin niemand mit fremden Gerichten zu „be- 
kümbern noch triben", wie er es in der Sache mit dem Juden 
Viflin getan hat^ Ausdrücklich verbietet der Schirmbrief des 
Juden Vivens von Freiburg, diesen jemals vor fremdes, insbe- 
sondere vor geistliches Gericht zu ziehen. Wenn dieser Fall 
jemals eintreten sollte, so behält sich die Stadt vor, das Urteil 
zu beanstanden ". Das tut sie denn auch im Jahre 1458. Damals 
verwahrt sich der Magistrat sehr energisch gegen die Auf- 



^Tobler, Beilage, S. 366. - «Rec. dipl. VII, p. 37. — ^Premiöre col- 
lection des lois, p. 271, N<' 737 (Arch. cant. de Fribonrg). — ^ibid., p. 274 
et 276, N0 741. — »Basier IJrkundenbiich V, S. 1)2, Nr. 85. — « Stadtbücher I , 
S. 301, Nr. 119. — 'Rec. dipl. VII, p. 102. 



- 28 - 

forderung des bischöfliclien Gerichts von Lausanne, dass sich 
der Bürger der Stadt, Mathis von Speier, vor dessen Schranken 
verantworte. Er bezeichnet ein solches Vorgehen als ein Über- 
sclireiten von dessen Befugnis, dergleichen Sachen er selbst sich 
nie erlaubt hätte*. 

Dem Beweisverfahren lag im wesentlichen überall das im 
Schwabenspiegel kodifizierte zu Grunde. Der Jude war keines- 
wegs in seiner Zeugenfähigkeit beschränkt; auf diesem Felde 
stand er gewissermassen als Gleichberechtigter dem Christen 
gegenüber. Der Jude, der einen Christen vor Gericht überführen 
will, sagt der Schwabenspiegel, hat drei Christen als Zeugen 
zu stellen; denn „keines jvden eit gat vber einen cristen man 
mit rehte". Soll aber ein Jude einer Sache überwiesen werden, 
so muss zum mindesten ein Jude, der zugegen war, Zeugenschaft 
leisten, „daz reht haut in die Roimeschen Könige gegeben"*. 
Wenn Juden, heisst es in dem mehrfach erwähnten Bieler Bürger- 
brief von 1305, eine Rechtssache vor Gericht bringen, oder 
wenn irgend ein Christ eine Klage gegen sie führt, so kann 
gegen diese Zeugnis nur ablegen und sie überführen ein ver- 
trauenswürdiger Jude und Christa Dieselbe Ansicht, dass ein 
Jude eines Vergeliens nur durch die gemeinsame Zeugenschaft 
eines unbescholtenen Christen und eines unbescholtenen Juden 
überführt werden könne, sprechen auch der allgemeine Freiheits- 
brief vom :IH, Febjuar V'kA für die Züricher Juden, als auch die 
Bürgerbriefe einzelner aus\ Im Jahre 1404 aber kommen Bürger- 
meister und Räte überein, „dass kein Jude in Zürich über einen 
Christenmenschen, weder Mann noch Weib etwas aussagen oder 
zeugen soll vor Gericht, das jemand an Leib oder Gut gehen 
könnte" . Im Jahre 138() wird in Basel der Jüdin Slemme und 
ihrem Oheim Josef von Richenwiler der Schutz der Stadt erteilt. 
Unter andern Bestimmungen findet sich die, dass man sich als 
Zeugen gegen sie „ez gienge an lib oder an gut" nur zweier 
„erbern unversprochenen personen," eines Christen und eines 



'Arch. caut. Missival I, p. 779. — « Edition LaHsberji: (1840), S. 116, 
N" 200. — 3 Fontes IV, p. '218, N« 187. „ ....nuUus potest ferre testiiuoninm 
contra ipsos (sc. Judaeos) uec ipsos convinccre, nisi per Jndeiim et Christi- 
anuni fide dii^nnin". — *Bär, S. 128 und Ulrich, S. 383, Beilage H. — ^Stadt- 
bücher I, S. 3()0, Nr. 11)9. 



- 29 - 

Juden, bedienen könne *. Die gleiche Verordnung berichtet Härder 
auch aus Schaffhausen'. In einem Prozess, der 1404 in Genf 
gegen den Juden Samson von Jerusalem geführt wird, treten 
unter den 14 Zeugen die fünf Juden Perret von Banges, Vivand 
von Beauregard, Simonet von Evian, Samuel und Crescence auf ^. 
Die fünf Zeugen, welche 1443 ebenfalls in Genf in einer Rechts- 
sache gegen Perret Symuel von Nizza Zeugenschaft ablegen, 
sind drei Christen und zwei Juden ^. 

Seltener treten die Juden als Zeugen und Gewährleister 
bei Verträgen etc. auf, wie das z. B. in Basel einmal der Fall 
ist (1300). J61e, Salmans von Ensisheim, Sohn, seine Frau, Fröde 
und seine Kinder verkaufen dem Basler Bürger Heinrich dem 
Fr6welere die Hälfte des Hauses zum Stern für 50 Mark Silber. 
Als Zeugen werden unter einer Reihe christlicher Namen Moyses 
Ton Laufenburg, Vineli, Choin, Salman von Strassburg, Vinelin, 
Cusis von Neuenburg, Sohn angeführte 

War der Jude als Zeuge erträglich gestellt, so trat seine 
inferiore Situation bei der Eidleistung um so krasser hervor. 
Sie wurde zur eigentlichen Posse, mochte auch in die Tendenz, 
den Juden dadurch herabzuwürdigen, ein ernsteres Motiv herein- 
gespielt haben. Die Heiligtümer, bei denen. der Jude schwört, 
gelten dem Christen nicht als solche ; sie mögen ihm im Grunde 
wohl etwas Verehrungswürdiges sein, aber immerhin sind sie 
ihm gleichgültig. Dass der Jude an sie als etwas absolutes 
glaubt, berührt ihn daher einigermassen fremd ; es fällt schwer, 
l)ei dem andern einen Glauben anzunehmen, den man selbst nicht 
liegt. So mag es gekommen sein, dass man die ganze Zeremonie 
der Eidleistung mit einem unsinnigen Popanz herausgeputzt hat, 
um ihr das geliörige Schwergewicht zu verleihen. 

Der Schwabenspiegel bestimmt schon: „Er (der Jude) sol 
uf einer suwe hüte stan, unde suln diu fiunf buchern Moysy vor 
im ligen, unde sol im diu rehte hant in dem buche ligen untz 
an daz riste" ®. Die in Basel, Zürich, Winterthur, Aarau, Baden 



«Basler ürknndenbnch V, S. 92, Nr. 85. — «Härder, S. 41. — »Archives 
d'Etat de Gen^vc, Procös criminel inteiit6 snr la clameur publique k Samson 
de .Temsalem, jnif, 5 aoüt 1404. — *ibid., Proc^s criminel du 20 döcembre 
1443 du jnif Perret Symuel de Nice. — ^ Stadturkunde, Nr. 126, im Basler 
Staatsarchiv.— '^ Scbwabenspiegel, herau.«igegeben von Lassberg (1840), 8.218, 
Nr. 263. 



- 30 - 

üblichen Eidesformeln sind Variationen der im Scliwabenspiegel 
angeführten. 

Der gereimte Eid, den die Juden in Basel in der ersten 
Hälfte des 14. Jahrhunderts leisteten, lautete: 

„Ich beschweere dich by dem gebotte daz Adam zerbrach, 
dazu unser herr in dem pardis sach, ob du unrecht swerest den 
eyde, so mußte dich angan daz leide, daz Abraham angieng, do 
er sinen son Isaac vieng, sprich amen, ob du unrecht schweerest 
umb daz gut so mußte dich angan der fluche, der König Pharon 
angieng, do er die Juden vieng. amen, wa du solt ze recht stan, 
daz du selber nut solt lan, du solt sweren den rechten eid, und 
müße dich angan daz leid, daz Dothan und Abiram angieng, do 
si die erde gevieng. Amen. Und ob daz die rechten fünf bucher 
sind, da solt du sweren mer, und solt si haben in deinem sinne 
daz du nicht unrecht swerest den eide, daz dich nit angieng das, 
leid, daz Moyses swöster angieng, do si die ussetzigkeit gevieng, 
und ob daz die rechten zehen gebotte sien, die Moyses von dem 
rechten berg bracht, wand da er ime gedacht, da ir daz Kalb 
gemacht, davon uch fride schwahent, und muße dich niemer 
verlon, dich muße alle die fluche angon, die in den buchen stand, 
und der fluche der Niemafaron angieng, der muße dich nimmer 
verlon, und der fluche den ir vber üch gebeut, da ir sprachend 
sin blut gang über uns und unsere kindes-kind. Daz helfe dir 
der gewar gotte Adonay der da war uf dem berg Synay. Amen." * 

In den Jahren 1415--1420 war in Zürich und in Bremgarten 
folgende Eidesformel üblich: 

„Daz das etc. ein Wahrheit sie, also helf dir der Gott, der 
hymel vnd erd, lob vnd gras, berg und tal vnd alle ding ge- 
schaffen hat; vnd also so helf dir die 6 die Gott der herr gab 
herr Meyses vf dem berg Synay; vnd also helf dir der hoch- 
wirdig herr Adonay" ^ 

Der Eid sollte geleistet werden, indem die Hand auf dem 
Pentatench ruhte. 

Auch das Stadtrecht von Baden hat um ca. 1500 einen 
ähnlichen Eid aufzuweisen. „Du solt schweren by dem allmechtigen 



'ülricli, S. 75. Anklänge an diesen Eid finden sich noch im Endinger 
Jndencid des 18. Jahrhunderts, bei Hlrich S. 77. — ^Merz, Rechtsquellen der 
Stadt Aaran I, Argovia Bd. XXV. 



— 31 - 

got, der erschinen ist vff dem berg Sinay dem brinnenden buscli, 
wo du söliches vberdretest, seilen dich alle blaugen vnd all fluch 
angon, so in den zehen botten begriffen sind, vnd by den blaugen, 
so den kindern von Rahel geschickt sind" *. 

In diesem Stil ist z. B. auch der Winterthurer Judeneid 
gehalten, vermutlich waren es auch die Formeln anderer Städte. 
Das allen Gemeinsame ist die Anrufung des Pentateuchs ; es ist 
der ausschlaggebende Eidtitel. Manchmal leistete man den 
Schwur in der Schule. Z. B. Vifelin von Basel erwirbt für sich 
und seine Ahne Belin vor Gericht die verschuldeten Güter des 
verstorbenen Härtung von Hertenberg: 

„Do nach behübe vnd swor der vorgenant Vifelin der Jude 
an sin selbes und an der vorgenanten vro Belin siner anen stat 
in der Judenschule ze Basel nach ir gewanheit das der vor- 
genant Härtung von Hertenberg selig in beden schuldig were 
rechter schulde"*. 

Wenn Juden durch die gemeinsame Zeugenschaft eines Juden 

und Christen nicht überführt werden, so ist ihnen zu glauben, 

wenn sie den Scliwur nach ihrem Gesetz geleistet haben (cre- 

dendum est eis super eo quod negaverint secundum legem suam 

prestito juramento), heisst es im Bieler Schutzbrief ^. Der Jude 

Abergolt von Basel unterwirft sich bezüglich seiner Ansprüche 

an die Bürgerschaft von Basel und Freiburg den Verfügungen 

der Strassburger Meister mit einem körperlich geleisteten Eid, 

„pront judei in libro Moysi jurare solent, obligavit manu etiam 

ipsius judei posita in libram Moysi... "^ Auch Fivelmann und 

Frau Zage bekräftigen 1386 durch einen Eid „uf her Moses 

buch" ihre Verzichtleistung auf frühere Ansprüche an Rat und 

Schultheiss von Kleinbasel*. Der Jude Acquinus von Vesoul 

(Visun) bekennt, dem Spital zu Freiburg eine Gülte von II ^ 

5 sol. laus oder eine Summe von 300 ff schuldig zu sein bei 

einem „in lege mosaica" geleisteten Eid". 

Nur spärliche Reste zivilrechtlicher Entscheidungen sind vor- 
handen. Vor den Schultheissen zu Bern kommt am Samstag nach 

'Die Hechtsquellen des Kantons Aargau, heransgegeben von Welti und 
Merz, S. 140. — « Basier Staatsarchiv, Urk. 142 (1379, Nov. 14.), Gnadenthal. 
- ^Fontes IV, p. 218, No 187. — * Basler Urknndenbnch IV, S 120, Nr. 127, 
anno 1336. — ^Basier Urknndenbnch V, S. 84, Nr. 78. - "Reg. du notaire 
Manot, 3«no vol, p. 207 (Arch. cant. de Fribonrg). 



• \ * ' 



— 32 — 

St. Luzieutag (1430) „der arme mensch" Josef der Jude. Er 
beklagt sich, dass Henslin Spicherlin, gegenwärtig in Fruttigen 
ansässig, von dem Gerichtstag der Herren zu Bern benachrichtigt 
worden sei, um sich mit ihm auseinanderzusetzen. Drei Tage 
aber vergehen, ohne dass Spicherlin oder sein Vertreter sich 
blicken lassen. Der Bat bestimmt daher, Josef habe vor allem 
seinen Advokaten vorzuführen. Dies geschieht und nun legt der 
Jude den Rechtsfall vor. Spicherlin schulde ihm 33 ff und 3 ß 
nebst den Zinsen und andern Kosten. Spicherlin wird hierauf 
verurteilt, dem Josef alles Schuldige zu erstatten; es sei denn, 
dass Spicherlin „soliche redliche sach möge furbringen", die den 
Rat umzustimmen vermöchte*. 

Am 16. Mai 1386 rufen die Juden Symant, Burger von Basel 
und sein Bruder Isack von Kaiserberg den Schiedsspruch des 
Schultheissen von Basel an. Sie erklären, dass der Untervogt 
Wernher Zuber, der als Vertreter seines Herrn Lütold von Beren- 
fels anwesend ist, ihnen gerichtlich verboten hätte, „hinder" der 
Jüdin Selema, der Witwe des Moyses von Colmar, Erbansprüche 
zu erheben. W. Zuber beansprucht die Hinterlassenschaft für 
seinen Herrn Lütold von Berenfels in der Art und Weise, dass, 
da Moyses keine berechtigten Erben besässe, „so solle dasselbs 
gut jar vnd tag ligen in gebotte" bei seinem Herrn. Dem echten 
Erben, der dann kommen würde, w^äre sein Recht gewahrt. 
Symant als Bürger der Stadt und Isack als ihr Gast wenden 
sich an den Rat „nach der stat recht und gewonheit". Sie be- 
schwören, die alleinig Erbberechtigten zu sein. Somit fallt das 
Urteil zu iliren Gunsten aus : Der Vogt liabe an das Erbe „enhein 
ansprach noch recht'', die beiden Brüder sollen in Besitz des- 
selben treten, „ovch also were daz ieman kome in der iar frist 
vnd kuntlich machte, daz er neher erbe were des vorgenanten 
Moyses denne die egenanten Symant vnd Ysagk oder als nahe 
alz si, dem sol sin recht dar an behalten sin"*. 

Der Jude Moses von Schaff hausen wird 1450 mit der Stadt 
Stein wegen einer Kapitalforderung, die er an diese zu machen 
liat, in einen Prozess verwickelt. Zwei Mal greifen eidgenössische 
Boten ein; endlich wird unter der Mitwirkung SchafFhausens 
der Fall dahin entschieden (Frühling 1451), dass die Stadt Stein 

' Siehe Beilage IV (Anhang). — * Stadtnrkimde, Nr. 632, Staatsarcliiv Basel. 



- m — 

dem Moses bis zum kommenden Auffalirtstage G20 rhein. fl. zu 
zahlen habe. Der Zinsfuss beträgt für einen Gulden per Woche 
1 Pfennig*. 

In strafrechtlicher Beziehung unterliegt der Jude nominell 
den gleichen Gesetzen wie der christliche Schuldige; faktisch 
aber verschärft sich das an und für sich grausame mittelalter- 
liche Strafverfahren, wo es auf einen jüdischen Verbrecher an- 
gewandt wird. Das entehrende Moment tritt scharf hervor; man 
begnügt sich nicht damit, dem Juden Geldbussen aufzuerlegen, 
man fordert auch eine Lieferung an Gewürzen*. Körperliche 
Züchtigung und Todesstrafe werden an ihnen in schimpflich- 
skurrilen Formen vollzogen. Der jüdische Dieb, der vor seiner 
Exekution zum Christentum übertritt, wird einfach an den Galgen 
gehängt; derjenige, der sich dessen weigert, erleidet die Strafe 
„zwischen zween wütend oder beissend hund"^ 

Von der Kompetenz des jüdischen Rabbinats und der Ge- 
meinde, denjenigen, der sich gegen religiöse oder obrigkeitliche 
Vorschriften verging*, in den Bann zu tun, finden sich in der 
Schweiz keinerlei Beweise. Wenn der Offizial von Lausanne dem 
Juden Mathis von Speier (in Freiburg ansässig) mit der Ex- 
kommunikation droht (1458), falls er sich weigere, sich seinem 
Spruche zu unterziehen ^ so ist doch kaum der durch Vermittlung 
der jüdischen Obrigkeit ausgesprochene Bann, sondern vielmehr 
die Ächtung von Seiten der christlichen Kirche gemeint, Kraft 
deren jedem Christen jedwede Gemeinschaft mit dem Gebannten 
verboten war**. 

Im grossen Ganzen sind Geldstrafen häufig. Unklar wegen 
i^elchen Vergehens, leisten Juden in Bern (1380) „alz si gefangen 
"Waren und si dien burgern von ir Unzuchten ze bessrung gaben, 
100 guldin'^ ^ Der Jude Uniaud Chypres, der die Rhonebrücke 
passiert hat, ohne den üblichen Zoll zu entrichten, leistet eine 
Busse von 10 sous 8 den^ Mit öoO fl. büsst in Basel (1396) ein 
Jude, dass „er von der heiligen jungfrowen sant Katherinen 



'Uanler, S. 54 f. — «Stobbe, S. 160. — » Ulrich, S. 186. — ^Qrätz, 
Oescbichte der Juden V, 8. 152 f. — ^Missival I, p. 779 (Arcb. cant. de Fribourg). 
-— *Stobbe, S. 162: „Auch die Kirche sprach ihren Bann über die Jnden ans, 
indem sie aUen Christen jede Gemeinschaft mit ihnen nntersapte". — ^ Stadt- 
rechnnngen, heransgegeben von Welti, S. 154 (1380). — '*ßorel, p. 67. 

A. Steinberp:. - 3 



- 34 - 

vast übel und ungewonlich gerett" hat *. Die Heilige soll 
dadurch versöhnt werden, dass diese Summe zur Stiftung einer 
neuen Frühmesse verwendet wird „mit eim sunderigen zeichen 
gelütet und fruer denne si unkhar frumesse gehebt hanf, damit 
Handwerker, Dienstboten „und ander die ze schaffen hand" ihr 
beiwohnen können. — Auch der sexuelle Verkehr zwischen Christen 
und Juden (auf den der Schwabenspiegel den Feuertod setzt 
„wan der cristen man hat cristenes glouben verlougeüef ^) fand 
gelegentlich seine mildere Sühne durch Geld. In Zürich zahlte 
der Jude eine Strafe von 10 Mark^; dazu kam allerdings eine 
Gefängnishaft bei Wasser und Brot*. Im Jahre 1410 nahm die 
städtische Kasse von Freiburg in einem solchen Fall 110 g* ein^ 

In der Regel aber belegte man Blasphemie und die Ver- 
bindung von Juden und Christen mit weit härtern Strafen. So 
heisst es im Basler Leistungsbuch: „Item Mathys Eberlius des 
Juden sun sol niemerme in unser stat komen, darumb, daz er an 
dem styllen fryetag in desselben sins vatters hus sasz und da 
unser fröwen clag las zu einer versmecht und zu schände got 
und unser fröwen und ouch der cristenheit, und swiir uff den 
mentag nach dem sunnentag quasimodo geniti"* (1377). 

Im August 1404 wird in Genf ein Prozess gegen den Juden 
Samson von Jerusalem geführt**, der ein öffentliches Mädchen 
an einem Samstag besucht hat, ohne sich als Juden erkennen 
gegeben zu haben. Merkwürdigerweise legt man in den Ver- 



' Basler ürkiindenbiich V, S. 226, Nr. 228. - «Ed. Lassberg (1840), 
S. 322. — -^Bär, S. 142. — ^Oomptes du Tr^sorier, N« 15, Recettes (Arch. 
cant. de Fribourg. Schlimmer kamen die dabei beteiligten christlichen Frauens- 
personen weg. Einer Züricher Ratserkenntnis zufolge (1332) (Ulrich, S. 108 
und Stadtb., S. 32, Nr. 85) werden Elsi von Luzem und Elli von Konstanz 
aus der Stadt verwiesen, weil sie mit Juden in Beziehung standen. FaUs 
sie sich wieder hinein wagten, so haben alle drei R«äte die Instruktion, sie 
auf ein Jahr in den Turm legen zu lassen. In Freiburg wird 1400 eine Frau 
aus dem gleichen Grunde ins Gefängnis gesetzt ^Comptes des tresoriers, No 14, 
Dispenses pour affaires criminelles (Arch. cant. de Fribourg). Aus demselben 
Grunde wird 1349 in Zürich eine Frauensperson gestraft, indem sie, angetan mit 
dem Judenhtttlein, auf einem Karren durch die Stadt geführt wird. Dann verweist 
man sie bei Strafe der Blendung aus der Stadt; auch ihre Mutter trifft wegen 
Mitwissenschaft die gleiche Strafe (Tlrich, S. 109). Siehe über dieses Kapitel, 
Ulrich, S. 107 ff. — 'Basier Leistungsbuoh I, fol. 77. — "Archives d'Etat de 
Gen^ve. 



— 35 - 

handlungen ein grosses Gewicht auf den Umstand, dass nach dem 
mosaischen Gesetze jeder geschlechtliche Verkehr zwischen 
Juden und Andersgläubigen verboten sei, und dass die Sache an 
einem Sabbat vorgefallen ist. Als Resultat geht aus den Unter- 
suchungen hervor : Der Jude hatte schon früher zu verschiedenen 
Malen mit dem Mädchen, das eine Deutsche ist, trotzdem ihr Name 
französischen Klang kat (siehe unten), öffentlich gesproclien. Er 
wusste, wen er vor sich hatte. Nach dem bewussten Samstag 
leugnete er vor mehreren vertrauenswürdigen Personen, das 
Mädchen zu kennen und mit ihr jemals geredet zu haben. Greda 
(ihr eigentlicher Name lautet Marguerite Debaulaz) verlangte 
an jenem Tage, ohne zu ahnen, dass er Jude sei, ihre Ent- 
schädigung. Er erwiderte, dass er heute, als seinem Sabbat, 
kein Geld bei sich trage und sie ein anderes Mal bezahlen wolle. 
Das Mädchen, empört darüber, in ihm einen Juden zu entdecken 
(er hatte sein Judenabzeichen nicht auf sich), entreisst ihm zuerst 
seinen Mantel, ftibt ihn aber wieder zurück und will sogar keine 
Bezahlung von ihm. Sie vertraut sich mehreren Christenseelen 
an; schliesslich begibt sie sich unter den Schutz des Prediger- 
ordens der Stadt. Die Geschichte wird ruchbar und Samson ver- 
haftet. Am 0. August wird er inquiriert. Er bestreitet die un- 
bedingte Geltung des mosaischen Verbotes, mit einer Christin 
zu verkehren, für einen Unverheirateten, gibt aber im übrigen 
dessen Gültigkeit und die Existenz der dafür angesetzten Strafe 
der Steinigung zu. Er leugnet nicht, den Beruf des Mädchens 
gekannt zu haben, wohl aber behauptet er die Unwahrheit 
des von ihr geschilderten Vorganges an jenem Samstag, da 
er sie weiter nicht gekannt und nie mit ihr gesprochen habe, 
d. h. er erklärt den Vorfall, so weit er sich auf ihn bezieht, 
für unwahr. Aus der Vernehmung der 14 Zeugen resultiert 
folgendes: Vier Männer (zwei Schneider und zwei Glasmacher 
bezw. -Händler) wiederholen nur das, was sie Greda im Hause 
des Etienne de Veigy erzählen hörten ; von den fünf als Zeuginnen 
berufenen Frauen erklären die einen den Juden mehrere Male 
mit Greda auf der Strasse plaudern gesehen zu haben, die andern 
für einen durch seine Übeltaten verrufenen Menschen. Eine von 
ihnen erzälilt, dass sie einmal der Greda vorgeworfen habe, dass 
sie mit dem Juden deutsch sproclie; jene aber habe ihr mit- 
geteilt, dass der Jude ihr ein schönes Messer gesclienkt hätte. 



- 36 - 

Sie habe darauf eingeworfen : „Diese Juden sind keine so guten 
Gesellen, dass sie von dem ihrigen geben, ohne zu wissen wofür." 
Nach jenem Samstag habe sie das Mädchen zur Rede gestellt, 
dieses sei aber ihren Vorwürfen gegenüber stumm geblieben. 

Die jüdischen Zeugen sagen nur aus, Samson und die Greda 
öfters auf der Strasse zusammen gesehen zu haben ; beide wären 
sich ihrer verschiedenen Nationalität völlig bewusst gewesen. 
Das hierauf befragte Mädchen gibt eine detaillierte Schilderung 
der ganzen Szene, weiss die Farbe der damaligen Kleidung der 
Juden und das Fehlen seines Judenzeichens anzugeben und ge- 
steht, mit ihm auf der Strasse im Vorübergehen einige Male 
einen Gruss gewechselt zu haben. Am 11. August werden die 
Zeugen und der Angeklagte konfrontiert und agnoszieren sich 
gegenseitig. Im Verhör am folgenden Tag fahrt Samson zu 
leugnen fort. Der Syndikus wendet sich an die anwesenden 
Bürger mit der Frage, was wohl mit dem Juden anzufangen 
sei. Man solle ihn veranlassen, die Wahrheit einzugestehen, ist 
die Antwort. Der Syndikus wiederholt die Frage und nun er- 
reicht das dramatisch en^egte Zwiegespräch seine Höhe, als ein 
Bürger ausruft „avec la corde". Der Jude, der das vernimmt, 
fordert die Kopie seiner Verteidigung und die Berufung an den 
Gerichtshof von Chamböry. Man folgte dem Hinweis jenes er- 
fahrenen Bürgers: Der Jude wird einer zweimaligen Tortur 
unterworfen ; noch leugnet er. Dann wird ihm, wenn er sich zu 
offenem Bekenntnis bequeme, Gnade zugesichert. „Vous me 
ferez vraiment gräce?" fragt der Angeklagte. Der Rat und die 
Bürger sagen: Ja. Alsdann gibt der Jude sein Bekenntnis ab, 
das fast wörtlich mit dem der Greda übereinstimmt, betont aber, 
dass der Vorfall nur ein einmaliger war. — Vom 4. Oktober 
1405 erst datiert eine weitere Spur dieses Prozesses, die aber 
nicht zum Ende führt*. Dem Sachwalter des Bischofs wird 
eine Beschwerdeschrift des im Gefängnisse (chäteau de llle) 
weilenden Juden Samson eingereicht ; er appelliert an den Bischot 
als an die höchste Instanz. Worin seine Strafe bestand, geht aus 
den Schriftstücken nicht hervor; allem Anschein nach muss es 
nicht Todesstrafe gewesen sein; denn fast 14 Monate sind nach 

' V. H. (rortcfenilles des pi^.ce8 historiqnes^ N'» .S70 (Arcli. d'Ktat de 
Genove). 



— 37 — 

seinem Prozess verflossen. Es lag kein Grund vor eine 
etwaige Exekution auf so lange hinauszuschieben. — Der 
Prokurator lässt den Juden durch den untern Teil der Stadt 
vor den bischöflichen Palast führen. Der Schritt des Gefangenen 
hat Erfolg. Der Bischof betraut am 12. Februar 1406 den 
Rechtsgelehrten Georges Palvelli mit der Untersuchung des 
Falles*, insbesondere der verschiedenen Justizfehler, die durch 
das Gericht, die Gemeinde und die Bürger von Genf etc. an 
dem Juden begangen wurden. - Was als Resultat dieser Re- 
vision herauskam, lässt sich nicht mehr aufspüren. Dass nicht 
alles in dem Prozessverfahren in Ordnung war, dafür spricht 
ein recht bezeichnendes Intermezzo. Zu Anfang 1405 wird der 
Jude Jossen wegen verschiedener Vergehen zur Rechenschaft ge- 
zogen, unter anderm auch deshalb, weil er mehrere Male vor dem 
Vidomne und mehreren unbescholtenen Personen geäussert hatte, 
einer der Anwälte habe die Greda bestochen, damit sie aussage, 
Samson habe sie verführt*. - In der zweiten Hälfte des 
15. Jahrhunderts hatte sich in Schaffhausen ein Jude Mändli 
vor Gericht wegen der von einer Christin gegen ihn erhobenen 
Vaterschaftsklage zu verantworten. Es gelang ihm durch den 
Schwur auf die Bücher Mosis, sich von der Anklage zu befreien^. 
Selbstredend war auch die eheliche Verbindung zwischen 
Juden und Christen ausgeschlossen. Klar tritt das Verbot schon 
in der lex Burgundionum hervor. „Coniunctio vero Judei cum 
christiana legibus inhibetur, ut nee Judeus christianam, nee 
Christianus Judeara accipiat. Quod si factum fuerit, vicem adul- 
terii vindicatur, iuxta lege Theudosiani *. In Luzern konfisziert man 
noch im 16. Jahrhundert das Vermögen derjenigen, die Juden ehe- 
Hchen^ In Freiburg kann die Ehe mit einer Jüdin charakteristischer- 
weise die Strafe eines Verbrechers verschärfen. Ein gewisser Paul 
Nidlinger wird 1518 wegen Mordes zum Tode durch das Rad 
venirteilt; wegen Diebstahls soll ein Galgen über dem Rad er- 
richtet werden und endlich soll „von sins unchristlichen wybens 
wegen" ein Feuerbrand als drittes sich hinzugesellen **. Einem 



' P. H. (Portefeuilles des pioces liistoriques), N«» 382. — *Arch. d'Etat 
de Gen^ve. — ^Härder, S. 57. — ^Fontes Reriim Beruensium I, p. 143, 
tit. XIX. — ^Liebenau, S. 257. — "Ratsmannal (Arch. cant. de Fribourg), 
Nr. 35, S. 56 verso und S 57. 



— 38 — 

andern Verbrecher, „so iiß der cristenheit gewybett" ergeht es 
gleich schlimm*. 

Im Jahre 1374 spielt sich in Basel ein Prozess um ein 
streitiges Pfandobjekt ab, dessen Verhandlungen in der vor- 
liegenden Urkunde • nicht zu Ende geführt sind. Vor dem Offizial 
der bischöflichen Kurie erscheinen in der zweiten Woche nach 
Sonntag Quasimodo die Frau des Basler Juden Moyses, dessen 
Dienerin, der ebenfalls in Basel ansässige Jude Robin. Die erste 
kommt als Angeklagte-, als ihr Anwalt erscheint Johannes zur 
Rosen, genannt Zöugkin (Johannes ad Rosam dictus Zöugkin). 
Die Anklägerin ist Ellina, die Frau des Schenkwirtes Peter von 
Waltkilchen in Basel. Duich die folgenden Wochen hindurch 
ziehen sich die Verhandlungen hin, öfters verzögert durch das 
Ausbleiben der Anklägerin. Der Sachwalter der Beklagten lässt 
sich dieses regelmässig durch die Richter bezeugen; die Behörde 
entlässt die eine Partei und behält sich vor, über ihr Gesuch 
um Entschädigung für das vergebliche Erscheinen zu entscheidend 
Auf ihre Bitte gestattet der Gerichtshof der Klägerin, ihre An- 
klage schriftlich einzureichen, die sich in folgendei* Weise formu- 
lieren lässt: Ellina hat der Frau des Moses einen Mantel von 
„braunblauer" Farbe* im Werte von S*/, /7 Angster verpfändet 
für U) Schilling der vorgenannten Pfennige zum Zins von 
Schillingen. Diesen Mantel weigert sich die angeklagte Jüdin 
zurückzuerstatten. Ihr Anwalt bestreitet die Wahrheit jener 
Darstellung des Sachverhalts. Hierauf leisten sowohl Klägerin 
als Angeklagte den Schwur „de cahimpiiia vitanda et veritate 
dicenda" ; beide, befragt und verhört, glauben eine gerechte 
Sache zu vertreten („credit se habere iustam causam agendi"). 
Es folgen hierauf die Zeugenverhöre. Die Magd des Moyses, 
Mechthildis, eine Französin, sagt aus, dass sie, die Anklägerin, 
einen Mantel habe ins Haus ilirer Dicnstlierrin tragen sehen, 
den sie auf einen Tisch ausgebreitet habe. Ob jene den Mantel 
verpfändet oder wieder mit sich genommen habe, ob er von der 

Mbid, Nr. 43. - 'Stadtnrkunde, Nr. I28a, StA. WiHH-]. — 'Einige Male 
wiederholt sich diese Wendung: Prefate actrix per se vel per alinni corani nobis 
minime com[>ariet euius contninaciam dic-tns reornra procnrator coram nobis 
accusavit et nichilomimis litteras expectatoriales sibi per nos dari et assignari 
petivit imde nos dictos reos quo ad diem absolvimns peticionc expensariim 
ipsis rescrvata. — -^nvmim mantelhim coloris plauci in vnlgari brun blavv." 



— 39 - 

angegebenen Farbe oder von einer andern gewesen sei, wisse 
sie nicht. Noch weniger hat die Schwester der Beklagten, Migga 
die Jüdin, zu berichten; sie hat wahrgenommen, dass Ellina 
einmal ins Haus derselben eintrat; zu welchem Zwecke kann 
sie nicht angeben. Gar nichts weiss der jüdische Diener Jakob 
auszusagen*. Die Klägerin wünscht vor Abschluss der Sache 
vermittelnde Vorschläge zu tun; da sie aber den dazu bestimmten 
Termin wieder einmal nicht innehält, so verschliesst ihr der 
Gerichtshof auf Antrag des Anw^alts ihrer Gegenpai-tei den Weg 
dazu; doch bleibt er Belehrungen und Nachrichten von Seite 
beider Parteien gewärtig .... Hier reisst der Faden des Über- 
lieferten ab. 

In Fällen von Meineid, Betrug etc. gelangt meistens die 
Strafe der Ausweisung zur Anwendung. Im Jahre 1384 werden 
in Basel folgende Urteile gefällt: „item die grosse Jüdin sol 
ein mile und ewedich vor unsern cruzen leisten, darumbe, daz 
si dicke meyneidig worden ist und eibern luten für ire phender 
swur die doch dar nach hinder ir funden wnrdent juravit Sy- 
monis et Jude 1384^'^. 

„Item Bös Eberliu der Jude sol vor unsern Krützen leisten 
fünf mile und fünf jare, umbe daz er in grossem liimden ist wie 
er ein unredlich Jude sie. Juravit tercia ante Martini 1384^." 

Im Sommer und Herbst 1494 kommt auf den eidgenössischen 
Tagen folgender Fall zur Sprache. Die Jüdin Sara, welche jenseit 
des Kheines lebt, hat nach dem Ableben eines Schuldners in 
Ermattingen von dessen Erben 18 fl. beansprucht. Vor Gericht 
ist zu Tage gekommen, dass der Tote ihr nur \) fl. schuldig ge- 
wesen war. Der Landvogt hat ilire sämtlichen Forderungen im 
Thurgau in Beschlag gelegte 

Der Tag in Luzern beauftragt Uri, den Landvogt (der 
gegenwärtig ein Urner ist) zu bevollmächtigen, dass ei* die 
Jüdin nach ihrer Schuld bestrafet Im November, auf dem Tag 
in Zug, überlässt man dem Vogt, in dieser Angelegenheit frei 



' Item Jacobus jiideus f'aiuulus ree testis iiiratns et supra libello actricis 
predicte per nos diligenter n'quisitus et oxaminatus, dicit sibi de iUo peiiitus 
nichil constare et qnod iiec preesse precio de hiis iit testes supnim dicti. — 
'Basler Leistnngsbiu;h I, fol. 108. — 'Rasier LeistuDgfsbnch I, fol. 108. — 
♦Ab.scbiede III a, S. 401, Nr. lH4a. 'ibid., S. 404, Nr. 486. 



- 40 - 

nach Belieben zurichten'. Damit verliert sich der Faden in den 
Abschieden. 

Die schwere Anklage eines doppelten Betruges wird zu Ende 
Dezember 1443 auf den Juden Perret Symuel in Genf gehäuft*. 
Die hauptsächlichsten Anklagepunkte in dem erschreckend grossen 
Sündenregister lauten : 

Der Angeklagte hat, ohne je Fachstudien betrieben zu haben, 
die ärztliche Praxis ausgeübt. Seit zwei Jahren ist er in Nizza 
und der umliegenden Gegend, sogar in Piemont als Arzt aufge- 
treten, insbesondere in christlichen Kreisen. Mehrere christliche 
Personen sind infolge seiner Arzneien auffallend rasch gestorben, 
wie z. B. ein Verwandter des Jacques de Byul. Seit zwei Jahren 
hat er sich auch für einen Alchimisten ausgegeben und hat sich 
in der magischen Kunst in den oben erwähnten Ländern und 
auch diesseits der Alpen, in Savoyen bei Christen und Juden 
betätigt. Im letzten Jahre erklomm er den Höhepunkt: er begann 
damit, Geldstücke zu vervielfältigen und teilte sowohl Christen 
als seinen Glaubensgenossen mit, dass die Münze (welche gut 
und rein erschien), in Wirklichkeit nur 3 oder 4 Pfennige Wert 
habe, statt denjenigen von 10 oder 12. Von dieser Zeit an Hess 
er sieben Schnitte aus derartigem Metall herstellen und Hess 
sie als gute Münze im Verkehr bei Christen kursieren, was durch 
eine Untersuchungskommission von Goldarbeitern bewiesen wurde. 

Der Jude machte, als er von dieser Kommission vernahm, 
einen Versuch, diese Leute durch inständige Bitte zur Erklärung 
zu veranlassen, die Schnitte seien aus gutem Metall, was aber 
jene verweigerten. — Vor kaum zwei Jahren hat der Angeklagte 
dem Kitter Louis Boles den Antrag gestellt, mit ihm gemeinsam 
durch das Verfahren der Vervielfältigung des Silbers falsches 
Geld, insbesondere königliches, })äpst]iches und mailäudisches zu 
fabrizieren. Durch die Abweisung des Ritters Hess er sich keines- 
wegs beirren ; er setzte in den oben genannten Gegenden falsche 
Münze in Umlauf. 

Trotzdem er vor einem Jahre wegen mehreren Verbrechen 
von Thonon verjagt wurde, kehrte er mit geringschätziger Hint- 



•ibid., S. 469, Nr. 492. — «Archives d'Etat de (Jeneve. Die Wiedergabe 
geschieht hier nach dem französischen Auszug des Herrn Archivars Dufonr- 
Vernes. 



- 41 — 

ansetzung der Gerichte dorthin zurück. Später erschien er in 
Genf mit der Absicht, hier sich gegen die Gesetze zu Verstössen, 
bei Christen und Juden Geld zu erpressen. Mit Schmeicheleien 
und Berichten von seinen alchimistischen Kenntnissen erlangte 
er Quantitäten von Gold und Silber, aus welchen er, mit An- 
wendung seiner Vervielfachungsmethode falsches Geld verfertigen 
liess und in den Kurs -brachte. — Überdies nahm er seit dem 
vorigen St. Michaelstag sein Judenzeichen ab und verbrachte 
mehrere Nächte bei christlichen Frauen. Ferner hat er falsche 
Zeugnisse zu erlangen gesucht und hat sich öffentlich mehrerer 
solcher gerlihmt. Verschiedene Leute wollte er zur Aussage be- 
wegen, dass der Jude Samson Bellin Gift gemischt und seine 
Frau vergiftet habe. Endlich soll er wiederholt in Nizza und 
Chalons versucht haben, ein Kruzifix in jüdische Häuser ein- 
zuschmuggeln, um diese ins Unglück zu stürzen und — damit 
schliesst die Reihe seiner Heldentaten ab ~ in Nizza im Hause 
des Juden Isaak eine mit Perlen garnierte Haube (oder Mütze) 
gestohlen haben. 

Erst aml4. Januar 1444 findet das Verhör des Inkulpaten 
statt. Er sucht verschiedene der ihm aufgebürdeten Anklagen 
zu entkräften. Vor allem behauptet er, die ärztliche Kunst von 
seinem Vater erlernt zu haben. Der Herr von Menthon habe 
ihm die Bewilligung zur Praxis erteilt. Später sei er im Dienste 
dieses Herrn nach der Provence gegangen, wo er jene Geld- 
fälschungen verübt habe; für die Herstellung von 80 Unzen Silber 
sei er mit 30 bis 40 fl. in Barem und Kleidungsstücken bezahlt 
worden. 

Er spricht hierauf von seinen Streitigkeiten mit Juden, ins- 
l)esondere mit einem gewissen Jakob, dem Vater seines Schwieger- 
siohnes, von seinen verschiedenen Aufenthalten in Piemont, wo 
er in der Alchimie unterrichtete odei* als Arzt praktizierte, er- 
wähnt auch, dass sechs oder sieben von ihm hergestellte Patienten 
ihm Atteste seiner guten Behandlung ausgestellt hätten. 

Auf die Frage, ob man ihn aus Piemont vertrieben hätte, 
erklärt er, heimlich abgereist zu sein, weil gewisse Juden, welche die 
Verbreitung gewisser Vergehen, die sie begangen, befürchteten, 
ihn bedroht hätten. Er leugnet, in Nizza ein Kruzifix verfertigt zu 
haben. Dem Herrn Louis Boles will er sein Anerbieten betreff* der 
alchimistischen Münzbeschneidung ohne Erfolg gemacht haben. 



- 42 - 

Von dem Marquis von Saluces habe er in der Tat die Erlaubnis 
dazu erhalten. Das Material, eine Silberplatte im Gewicht von 
26 Unzen, habe ihm der Marquis als Entgelt für seine Belehrung 
in der Alchimie geliefert; er habe deren Wert um das Doppelte 
zu steigern gewusst *. — In Genf unterrichtete er zwei Personen 
in der Alchimie. — Am 18. Januar wird ein zweites Verhör mit 
ihm angestellt, das von der Fabrikation der Mtinzschnitte handelt. 
Zeugenvernehmungen (von zwei Juden und drei Christen), neue 
Verhöre folgen sich. Einer der jüdischen Zeugen behauptet, die 
Schmelztiegel und die Kohle des Angeklagten gesehen zu haben; 
die Arbeit aber habe er allein in einem verschlossenen Gemach 
vollzogen. x\m Schlüsse taucht ein neues Anklagemoment auf. 
Perret Symuel habe in Coni (in Piemont) im vorigen Jahre gegen 
St. Johannestag (während der Abwesenheit des Herzogs von 
Savoyen oder eines seiner Käte) ein herzogliches Schriftstück 
gefälscht. Dieser Brief wäre vom Herzog an ihn (Pen*et) selbst 
gericlitet und vom Sekretär Bosco unterzeichnet gewesen. Der 
Inhalt hätte dahin gelautet, Symuel habe sich mit dem Sekretär 
Antoine Romeilet, der ihn einführen und von den Wünschen des 
Herzogs unterrichten solle, zu diesem zu begeben. Sowohl die 
Unterschrift als das Siegel aus rotem Wachs sind von ihm ge- 
fälscht. Der Zweck des ganzen Stückchens war, ihn von der 
Entrichtung der Zölle und anderer Abgaben zu befreien. Er 
gab vor, der Brief sei ihm vom Herzog nach Genf durch 
einen Juden in einem Schuldbuch in Leinwand geschickt worden. 
Der Inkulpat gesteht ein, zu jener Zeit in Montreal oder 
in Coni geweilt zu haben, allein niemals den Herzog ge- 
sehen zu ha))en. Der Herzog habe ihm niemals geschrieben. 
Ein Schuldbuch aus Leinwand, ein Lederetui, um Metall- 
scheiben darin unterzubringen, das man ihm mit einer Anzahl 
von Briefen voiweist, erkennt er als sein Eigentum an. 
Unter den Briefen finden die Geschworenen einen geschlossenen, 
der vom Herzog an Perret Symuel gerichtet zu sein scheint. 
Er enthält den Befehl, sich beim Herzog einzufinden. Es 
hat den Anschein, als ob das Schreiben von dem Sekretär 



' „de quibiis ipsos Septem ciphos fecit et inultiplicavit ut supra sie qnod 
fecit duplom." 



- 43 - 

Bosco und Antoine Romellet (s. Rouiellet) abgefasst worden sei. 
Daraufhin erzählt der Angeklagte eine lange Geschichte. Vor 
sechs oder sieben Jahren habe er sich beim herzoglichen Sekretär 
Antoine Romellet beklagt, dass er von seinen Glaubensgenossen 
verfolgt werde und nur die Furcht vor ihnen ihn hindere, den 
Herzog aufzusuchen. Der Sekretär hätte ihm Mut zugesprochen 
und am folgenden Tage ihm den besagten Brief, geschlossen 
und gesiegelt, überreicht. Symuel behauptet, für das Schriftstück 
keinerlei Bezahlung entriclitet zu haben; nicht in seiner Gegen- 
wart sei es versiegelt, sondern nur mit einem Stückchen Wachs 
verschlossen worden, da angeblich der Diener des Sekretärs, 
der den Schlüssel zum Behältnis von Kerze und Siegel besass, 
abwesend gewesen wäre. Später hätte man das Versäumte nicht 
nachgeholt. Zwei oder drei jüdische Zeugen aus Coni klärt er 
über das Motiv seiner Furcht vor ihnen auf. — Der herzogliche 
Schreiber Fabri glaubt allerdings Romellets Schrift zu erkennen, 
hält jedoch die Unterschrift des Bosco für gefälscht. Diese Aus- 
sage wird von drei andern lierzoglichen Schrei])ern bekräftigt. 
Endlich erklärt Guillaume de Bosco (Du])ois) selbst, niemals 
den Brief unterzeichnet zu haben, jedoch scheine ihm der Brief 
in der Tat von Romellet herzurühren. 

Die Richter verurteilen schliesslich Perret Svmuel zum 
Tode durch das Beil auf dem Hochgericht zu Ghampel (bei 
Genf). 

Ein Todesurteil spiicht auch der Magistrat von Freiburg 
im Jahre 1428 aus. Abiaham, der Sohn des Chirurgen Ackin 
de Yonna, sell)st Arzt und Chirurg, hatte sich im Jahre 1423 
dort (in Freiburg) niedergelassen. In einer Nacht dieses Jahres 
wurde er in seinem Hause verhaftet, in das Gefängnis Tour- 
Rouge geworfen, gefoltert und schliesslich verbrannt. Über seine 
Verschuldung wird nichts berichtet. Wegen der S(K) fl., die er der 
Regierung schuldete, dürfte es nicht geschehen sein. Die Stadt- 
rechnungen (Comptes des Tr6soriers) sagen aus, dass die Tortur 
ihm das Geständnis seines Verbrechens eri)resst hätte. Für die 
oben erwähnte Schuld entschädigte sich der Rat durch die Ver- 
kaufssumme, welche er für Abrahams zwei Häuser einlöste. — 
Das Vergehen, das der Jude sich zu Schulden kommen Hess, 
muss ein recht schwerwiegendes gewesen sein; denn es bewog 
den Rat zu dem Beschluss, fortan keine Juden mehr auf- 



— 44 - 

zunelimen, ein Beschhiss, der freilich ungemein rasch vergessen 
wurde*. 

Über die angeblich typischen Judenverbrechen wie Brunnen- 
Vergütung, Kindermord wird in dem Kapitel der äussern Ge- 
schichte die Rede sein. 

c) Die Abgaben der Juden. 

Wenn die mittelalterliche Welt im Juden stetsfort den ge- 
heimen Feind hasste, der im Stillen ewig Rache brütete (dafür 
sprechen die immer wiederkehrenden Anschuldigungen des Kinder- 
mords, der Hostienschändung, der Brunnenvergiftung), so gab es 
doch ein Mittel, das sie zur Duldung dieser Parias in ihrem 
Schosse zu bewegen vermochte: das Geld. 

Unter dem Schutze der Obrigkeit erwarben die Juden es 
im Wucher, um dann ihrerseits wieder ausgesogen zu werden 
durch gewaltsame Erpressungen der Fürsten. 

Weniger mochte dies in den systematisch geregelten Abgaben 
der Juden der Fall sein. 

Die Steuern erhob derjenige, der im Besitz des Juden- 
schutzes war. Da nun der Kaiser als Schirmherr seiner Kammer- 
knechte waltete, lag ursprüiiglicli das Recht der Besteuerung in 
seiner alleinigen Machtsphäre. Das Bewusstsein dieses Rechts- 
titels mochte auch den Kaiser Albrecht I. bewegen, das Protektorat, 
das ihm als dem Nachfolger der römischen Imperatoren auch über 
die französischen Juden zustand, bei Philipp dem Schönen zu 
reklamieren. 

Mit der wachsenden Zahl der Übertragungen von Be- 
schiiHiung und Beschützung an Städte, Fürsten und Herren aber 
lag die Gefahr nahe, dass der kaiserlichen Hand dies Vorrecht 
gänzlich entgleite. Um das zu verhindern und der kaiserlichen 
Person für ewige Zeiten einen Teil am allgemeinen Weide- 
platze zu sichern, bestimmte 1342 Ludwig der Bayer, dass jeder 
Jude und jede Jüdin seines Reiches, die ein Vermögensminimum 



' Favre, p. 8. Ausführlicher wird über diesen Fall gehandelt im folgenden 
Kapitel unter „ärztlichem Beruf". Über Vergehen aller Art berichtet auch 
Ulrich S. 107 ff , die hier zu wiederholen ich für unnötig erachte, um so mehr, 
als die gerichtlichen Urteile meistens fehlen. 



- 45 - 

Ton 20 fl. inne hätten, vom 12. Lebensjahre an alljährlich 1 fl., 
den bekannten „güldenen Opferpfennig", an des Kaisers Kasse 
zu entrichten hätten. 

Wenn auch allmählich Schutz und Nutzniessung der Juden 
an die städtischen Magistrate und an die Fürsten überging, so 
war doch sehr wichtig, dass das Judenregal öfters, nicht absolut, 
sondern nur auf bestimmte Zeit, übertragen wurde. In diesem 
Falle blieb es dem Kaiser unbenommen, mit dessen Belehnung 
ein Geschäft zu treiben, Veränderungen zu treffen und den In- 
haber zu wechseln, so oft es ihm beliebte. 

Ein Zeugnis dieser kaiserlichen Willkür war das Verfahren 
Wenzels. 

Auf dem ülmer Tag vom Juni 1385 setzte er eine syste- 
matische Ausplünderung der Juden in Szene, die auch in gewisse 
Gebiete der heutigen Schweiz hinübergriff. 

Schon im Oktober 1383 benachrichtigt der schwäbische 
Städtebund, dem Basel , St. Gallen und Wil angehören , die 
Stadt Speier von den bevorstehenden Massnahmen des Königs '. 
Er mahnt, dass sie und die andern Mitglieder des Bundes 
sich „nit vergahent" bis zum künftigen Tag am Rhein. Im 
Sommer 1385 bevollmächtigt Wenzel den Landgrafen Johann 
von Leuchtenberg mit den fränkischen, rheinischen und schwä- 
bischen Städten unter anderm auch „von wegen der Juden unserer 
camerknechte" ^ zu verhandeln. Im Sommer beschliessen die Städte 
des schwäbischen Bundes: Kein Glied des Bundes dürfe Juden, 
^die ir sedelhaft burger nicht sein", in seinen Schutz aufnehmen. 
Geschähe das doch, so verlangt der Bund bei dem Eide, den 
die Städte demselben geschworen haben , die sofortige Wieder- 
erstattung der Juden an ihre bisherige Heimat. Wenn die Städte 
an einem bestimmten Tag ihre Juden verhaften werden, so soll 
jedes Bundesglied, das fremde Juden innerhalb seines Gebiets 
trifft, diese ohne weiteres dem Eigentümer zurücksenden ^. Diese 
Festnahme findet am 16. Juni 1385 statt. Die Städte unter- 
handeln unter sich über das Vorgehen bei der Tilgung der Juden- 
schulden *. Von Beraun geht am 2. Juli 1385 die Urkunde Wenzels 
aus *, welche von 37 Städten des schwäbischen Bundes (Basel ist 



«R.T.A.I, 8.418, Nr. 233. — «RT. A. I. S.474, Nr. 268.— »R.T. A. I, 
S. 492, Nr. 267. — Mbid., S. 402, Nr. 268. — Mbid., S. 498 f., Nr. 272. 



— 46 — 

nicht genannt) d. h. von ihren Juden 40,000 rhein. Gulden 
ansprucht vom 2. Februar 1388 an in den zwei nächsten Jahi 
(„von unser vrawen tage lichtmesse der schirest komet ul 
czwei gancze jare die nechsten**). Sollte der König Schuldn( 
der Juden ein Recht auf diese Summe zusprechen, so haben 
Städte diese Schulden zu tilgen im Verhältnis ihrer Leistung 
den 40,000 fl. Es folgen hierauf Verordnungen betreff des V 
fahrens der Zurückgabe der bei Juden entliehenen Kapitali 
Wenige Wochen später spricht der König den 38 Städten ni( 
nur alle Nutzniessung ihrer Juden bis zum 2. Februar 1388 z 
sondern erlaubt ihnen sogar künftighin Juden in ihrem Bürg 
recht zu empfangen, freilich gegen die Bedingung, dass der ha 
Gewinn vom 2. Februar 1388 an ihm zufalle '. Bald ergel 
nun die Zahlungsbefehle an die Städte (Basel bleibt wieder 
genannt)'^; Quittungen über erhaltene Gelder werden ausgestell 
Mit Basel wird die Judenangelegenheit erst 1390 völlig 
Reine gebracht*. Der König begibt sich aller Ansi)rüche an d 
bisher von den Juden gezogenen Gewinn und gestattet der Sta 
in den 14 kommenden Jahren Juden zu halten und sie nach 1 
lieben zu besteuern. Sich selbst bedingt er die Hälfte der m 
vier Jahren eingelaufenen Judengelder aus. Bereits im Januar 12 
quittieren die königlichen Räte den Empfang von 500 fl. 
gleicher Zeit verpflichten sich Bürgermeister und Rat von Ba 
den Rest von 20(K) Gulden in zweimaliger Zahlung in der Herb 
messe und in der Fastenmesse nach Frankfurt zu senden". 

Jedoch ivSt jener Beschluss, dass die Hälfte aller Steue 
welche von den Juden vom 2. Februar 1388 an (Lichtmesse) e 
gezogen werden, dem König anheimfallen solle ^ auch für Ba 
gültig. 

Diese jährliche Summe pflegte der Kaiser bisweilen geg 
ein bestimmtes Äquivalent oder aus Gunstbezeugung an einzel 
Persönlichkeiten abzutreten. Im Jahre 1305 zog in Basel c 
Ritter Burchard Münch von Landskron die hall)e Judenstei 
ein". Die gleiche Summe gewährte der Kaiser ein Jahr späi 



'R.T. A. T, 8.500, Nr. 273. - »ibid., S. 602, Nr. 274. - Mbid., S. 5 
Nr. 275. — «ibid., S. 504. Nr. 270. - 'ibid. TT, S. .333, Nr. 195. — « Haa 
Urkiindenbucb V, S. 155, Nr. 144, S. 157 f., Nr. 14r>. — 'R. T. A. T, S. 5 
Nr. 274. - ^ Basler Urknndenbncb V, S. 223, Nr. 220. 



- 47 — 

Bertram von Vilwil, Wilhelm von Erlbach, Bernhard von Bebeln- 
heim und Johannes Bader von Speier*. Sie betrug insgesamt 
35 fl. ; dazu kamen 6 fl. 6 ß und 30 Basler Pfennige als Betrag 
des Opferpfennigs von den Juden Robin, Hakmann, Mennelin 
und Jeklin von Solothum*. 1339 gestattet der Herzog Otto von 
Österreich dem Truchsess von Diessenhofen den Zins für ein 
ausgeliehenes Kapital von 200 Mark, der 20 Mark beträgt, von 
der Judensteuer zu Schaffhausen zu beziehen und wenn diese 
nicht reichte, sich an die städtische Steuer zu haltend Wenige 
Wochen darauf erteilt er ihm nochmals Anweisung von 20 Mark 
auf die Abgaben der Schaffhauser Juden. Falls aber die Scliult- 
heissin der Stadt stürbe, so hätte er sich an das durch ihren 
Tod erledigte Leibgedinge von 20 Mark zu haltend 

Auch der Opferpfennig wurde zuweilen veräussert. König 
Sigismund ermächtigte z. B. im Jahre 1413 seinen Diener Philipp 
von Heimgarten (de Platea), „den guldin opferpfennig" von Bern 
und Zürich einzukassierend 

Die Judensteuern pflegten häufig nach Ablauf eines Jahres 
eingezogen zu werden. Die Spuren eines eigentlichen Aufnahme- 
geldes finden sich nur in Zürich. Dort setzte der Rat im Jahre 1 335 
folgende Form der Aufnahme fest: Der Jude, welcher sich in 
der Stadt niederzulassen wünschte, hatte sich dem Rate vor- 
zustellen. Fand er Gunst in dessen Augen, so wurde er als 
Bürger empfangen und zahlte 10 Mark als Entgelt. Falls er die 
Stadt verliess, musste er die gleiche Summe „zur letzi" entrichten". 
Diese relativ bescheidene Forderung (für eine zeitlich unbegrenzte 
Aufenthaltsbewilligung) scheint nur darauf hinzudeuten, dass die 
Juden nach anderer Seite hin um so höhere Ansprüche zu be- 
friedigen hatten. Ziehen wir folgenden Umstand in Betracht: 
Ludwig der Bayer lässt im letzten Jahre seiner Regierung dem 
Grafen Albrecht von Nellenberg 50 fi. von den Zürcher Juden 
zukommen, ohne in seiner Urkunde auch nur mit einer Silbe des 
Magistrates und der Bürger von Zürich zu gedenken". Somit 



> Ebendasemst V, S. 235, Nr. 227. — « Ebendaselbst V, S. 238, Nr. 232. 
— ^Urknndenregister für den Kanton Schaff hausen, herausgegeben vom 
Staatsarchiv (1879), S. 110, Nr. 502. — Mbid., S. 111, Nr. 505. — ^Absch. I, 
S. 138, Nr. 309. — «Ulrich. S. 13, Stadtbücher I, S. 87, Nr. 226. — 'Ulrich, 
S. 377, Beilage C. 



- 48 - 

scheint sicher zu sein, dass sie im Jahre 1335 noch direkt unter 
der kaiserlichen Befugnis standen und jener kleine Betrag, den 
sie der Stadt leisteten, nicht ihre gesamten Steuerkosten bedeutete. 
Dieser Brauch, gleich bei der Aufnalmie eine bestimmte Summe 
als eine Art Abschlagszahlung zu beziehen, muss sich verloren 
haben als die Zürcher selbst Besitzer des Judenregals wurden. 
Ungefähr um die Mitte des 14. Jahrhunderts wird sich auch hier 
die allgemein verbreitete Form der Besteuerung Bahn gebi*ochen 
haben. 

Welche Gesichtspunkte dabei massgebend waren, ist nicht 
klar. Wahrscheinlich muss, da nicht die Gemeinde als solche, 
sondern jede Familie derselben direkt besteuert wurde, der Ver- 
mögensstand des Einzelnen ausschlaggebend gewesen sein. 

Im Jahre 1283 liefert der Jude Aginus in Genf 15 g* als 
Steuer ab; der einkassierende Beamte bemerkt, dass in dieser 
Summe nicht die Abgaben für die drei vorhergegangenen Jahre 
inbegriffen seien , „jquia nihil potuit recuperare'^ * (der Jude). 

Eberhart, der sich mit seinem Gesinde 1377 in Zürich auf 
fünf Jalire niederlässt, hat jährlich If^ Goldgulden zu entrichten*. 
Ein Jahr später wird dem Smario Pfefferkorn und seinen An- 
gehöiigen das Bürgerrecht auf vier Jahre bei einer jälirlichen 
Steuer von 10 fl. zugesprochen. Die gleiche Höhe erreichen 
Schutzgelder aus den Jahren 1378 \ 1379 ^ 13i)3^ Fidel von 
Ulm 1378 soll während seines vierjährigen Aufenthalts per annum 
12 fl. bezahlen^, ebensoviel die Brüder Mennli und Symon, denen 
1384 ein zweijähriger Aufenthalt zugestanden wird'. Femer 
kommen als jährliche Steuersummen noch vor: 8 fl.**, 16 fl.", 
14 fl.'^ Man geht auf ß fl. herunter** und steigt wieder auf zu 
20 fl. *^ 30 fl. '^ 38 fl. ", 48 V2 fl. *^ 60 fl. *«, 80 fl. *^ Einige Male 
werden Neuaufgenorameno für erste von der Bürgersteuer befreit, 
so 1357 Gemelin und Pondit von München auf die ersten vier 



•Borel, Les foircs de Genöve au 15mo ai^cle, p. 129. - * Ulrich, Beüagen, 
S. :iSG, Sclmtzbrief IL — Mbid. V, S. 3yo. - Mbid. VI, S. 302. — Mbid. 27, 
S. 41S. — «ibid. 389, Nr. 4. - Mbid. 408, Nr. 17. — »^ibid., Nr. 18, S. 408, 
Nr. 21, S. 412, Nr. 26, S. 417, Nr. 29 ii. 31, S. 420. — »ibid., Nr. 9, 8. 381. 

— 'o>jr. 30, S. 420. — »'ibid., Nr. 23, S. 415. — «^\r. 16, S. 408. — 
'•*Nr. 34, S. 423. - «<Nr. 28, S. 41S. — «'Nr. 24, S. 416. — «"Nr. 37, 8.428. 

— ' ' Nr. 35, S. 425. 



— 49 - 

Jahre *. Die beiden Fislin, die 1383 sich in Zürich einbürgern, 
werden fürs erste Jahr losgesprochen; später soll eine Über- 
einkunft hinsichtlich ihrer Steuerleistung geschlossen werden*. 
Gleiches wird im selben Jahre einem andern gewährt^. 

Wenn im Jahre 1305 die verwitwete Guta mit ihrer zahl- 
reichen Familie das Büi'gerrecht in Biel erwirbt, verlangt der 
Rat die kleine jährliche Abgabe von 50 Schillingen. Von allen 
sonstigen Forderungen ist sie frei*. Nichts weiter als ein Dar- 
leihen von 20 U pro Jahr zum Besten der Stadt, für das er 
übrigens gute Kaution und einen Zins von zwei Pfennigen in 
der Woche für das Pfund bewilligt, bittet sich der Rat aus. 

Grössern Umfang nehmen schon die Leistungen an, die wir 
im Basler Leistungsbuch in den 60er und 70er Jahren des 14. Jahr- 
hunderts aufspüren. Bis zum Jahre 1370 bewegen sich die Summen, 
welche jährlich, meistens für ganze Familien und ihr Gesinde, 
seltener für einzelne Personen bezahlt werden, im Werte von 
2-20 fl. 

„Anno domini M®CCC®LX® secundo feria secunda post 
Bartholomei sub äomino C&nrado de Berenvels milite magistro- 
civium wart Eberli der Jude, sin wip kinde und sin gesinde in 
unserer stette schirm und trostunge genomen ein jar umbe zwelf 
guldin." 

„Anno domini M^CCC^LXIII^ feria quinta ante Martini sub 
domino Burchardo Monachi juniore de Landeskrone magistro- 
civium wart vro Sare die Jüdin die witwe und ir husgesinde in 
unser stette schirme und trostunge genomen zwei jar die nehsten 
ie zem jare umbe VI guldin." 

„Anno domini M^CCC^LXIIII® feria quinta post ßarnabe 
apostoli sub domino Burchardo Monachi juniore de Landeskrone 
milite magistrocivium wart Mansier der Jude, sin wip kinde und 
ir husgesinde in unserer stette schirme und trostunge genomen 
untz ze usgander phingestwuchen ze nehste umbe drie guldin.^ 



»Nr. I, S. 384. — *Nr. 11, S. 400. — »Nr. 12, S. 402. — * Fontes Rerum 
Bernensium IV, p. 218, No 187, „dare debent annatim in festo Porificationis 
beate Marie Virginis, quamdin apnd nos Bielle comorati fnerint quinqua- 
quinta solides monete Ville nostre Bielle in emolumentum , qmbns datis, 
immunes sunt et liberi onmi jure, exactione, coactione, consuetudine, taUia et 
precepto ac omnia alia impetitione ex parte nostra". 

A. Bteinbercr« ^ 



— 50 — 

„Anno domini M^CCC^LXV® feria quinta ante Mathie apostoli 
sub domino Conrado de Berenfels magistrocivium wart Möises 
der Jude von Colmar, sin wibe und gesinde, und vro Migkate 
die Jüdin sin mümen in unserer stette schirme und trostunge 
genomen fünf gantze jar die nehsten, und sol dar umbe die selben 
fünf jar geben ze iegklichem jar zwenczig guldin, als in sin brief 
stat, den er von uns darumbe het ***• 

Merkwürdigerweise ist keine Beeinflussung durch die Kopf- 
zahl der besteuerten Familie auf die Höhe der Summe ersichtlich. 
Eine einzelne Person entrichtet einen hohem Steuerbetrag als 
ein Ehepaar ohne Kinder oder als ein solches mit Kindern und 
Hausgesinde. Z. B. : 

„Anno domini M^CCC^LX quinto feria quinta ante con- 
versionem sancti Pauli apostoli sub domini Conrado de Berenfels 
milite magistrocivium wart vro Serli die Jüdin von Altkilch in 
unser stette schirme und trostunge genomen zwei jar die nehsten 
und sol dar umbe uns geben XVI guldin, zem jare VIII guldin." 

„Anno domini M^CCC^LXV® feria quinta post Valentin! sub 
domino Conrado de Berenfels magistrocivium wart Löueli der 
Jude von Altkilch sin wirtin und sin gesinde in unserer stette 
schirme und trostunge genomen zwei jar die nehsten, und sol 
uns har umbe geben acht guldin, zem jare IUI guldin*." 

„Anno domini M^CCC^LX quinto sub domini Conrado de 
Berenfels magistrocivium wart vro Rachel die judin und ir man 
an sant Johanse abent ze sungichte in unser stet schirme und 
trostunge genomen ein jar das nehste, und hat si uns dar umbe 
zwen guldin geben und sol nutes me^." 

Zuweilen erstattet der neue Bürger die Summe für das erste 
Jahr voraus: „Anno domini M^CCC^LX quinto sub domino Otte- 
manne Schalarii magistrocivium uffe sant Margareten tag wart 
Viveli der Jude von Colmer, sin wip, sine kint und sin swiger 
und ir husgesinde in unser stette schirme und trostunge genomen 
zwei gantze jar die nehsten als sin brief stat, ie zem iar umbe 
X guldin, und het bezalt das erste jar." 

„Anno domini M^CCC^LX quinto sub domino Ottemanno 
Schalarii magistrocivium wurdent Heygtn von Kambrach und 



' Eintragungen im Basler Leistnngsbnch I, fol. 186. — 'Basler Leistungs* 
buch I, fol. 136. — 'Ebendaselbst, fol. 187. 



Salman von Nyns die Juden, ire wib und kint und husgesinde 
in unserer stete schirme und trostunge genomen zwei jar, ie zem 
jare ietweder umbe 11 guldin, actum in vigilia beati G^dli anno 
predicta *." 

um 1370 wird es üblich, den ganzen Betrag für die volle 
Dauer des bewilligten Aufenthalts gleich bei der Aufnahme in 
Empfang zu nehmen. „Anno domini M^CCC^LXX^ feria VI* ante 
Yalentini martiris sub domino Hannemanno de Ramstein magistro- 
civium wart in unserr stette schirme genomen dis nachgeschriben 
jaden. Der ersten Moyses der Jude fünfe jare die nechsten und 
het uns darumbe gericht und geben C florenos*." 

„Item anno LXX primo feria quinta ante festum epyphanie 
domini wart in unserr stette schirme genomen Trine von Senn- 
heim, Lena ir tochter und ire kinde zwey jare, und haut darumbe 
geben zwölf guldin. — Item anno LXX® feria secunda post 
festum sancte Katherine virginis wart in unserr stette schirme 
genommen Meyer Eberlis des Juden tochterman und Aaron des 
selben Eberlis styeftochterman mit wiben und iren kinden funfe 
gantze jare die nechsten, und haut uns darumbe geben nüntzig 
guldin *.** 

Die Grosszahl derjenigen Juden, welche in Jahresraten ihre 
Schutzgelder zu entrichten haben, scheint ihren Verpflichtungen 
pünktlich nachgekommen zu sein, wie von den folgenden Steuer- 
zahlern konstatiert wird: „Anno domini M®CCC®LXVP sub do- 
mino Ottemanno Schalarii magistrocivium feria VI* ante Valentini 
martiris dedit Ebolinus pro se et filio suo XX florenos. Recepit 
JTohannes Berner. item eodem die dedit Moyses XX florenos. 
item eodem die dedit Löwelinus IUI florenos. item vro Serli 
^on Altkilch VIII florenos. item dictus Menli zem Hochstein et 
filius ejus X florenos. Et totum recepit Johannes Bemer. item 
anno domini M^CCC^LXVI® sub domino Ottemanno Schalarii 
crastino nativitatis Johannis baptiste dedit Eachel judea et 
maritus ejus II florenos de uno anno^." 

Doch sind auch säumige Zahler nicht selten: „Eodem anno 
(1368) dedit vro Sara die judin die witwe X florenos de censu 



»Ebendaselbst, fol. 137. — «ibid. — Hbid., fol. 138. — * Ebendaselbst, 
fol 137. 



- 52 — 

neglecto. item Menlin et Helyas dederunt X florenos racione 
censuum neglectorum *." 

„Anno domini M^CCC^LXVIIP solvit vi'o Serlin die judinne 
von Altkilch XII florenos et Löwelinus judeus Illlor florenos de 
censibus neglectis. Anno domini M^CCC^LXVIII sub domino C. 
de Berenfels soluit vro Jüttin von Nyuns die judin V florenos 
de anno neglecto scilicet LXVIII® (item Mansier dedit lUIör 
florenos et anno predicto-." 

Anlässlich der häufigen Verlängerungen der Aufenthalts- 
bewilligung werden öfters die Steuerforderungen in die Höhe 
geschraubt. Frau Serlis Äquivalent für das Basier Bürgerrecht 
betraf 13(55 und 1366 für das Jahr 8 fl.^ Nachdem diese Zeit 
abgelaufen ist, steigern sich die Ansprüche des Magistrats: 
„Anno domini iPCCC^^LXVIP feria quinta ante Philippi et Jacobi 
apostolorum sub domino Hannemanno de Ramstein magistrocivium 
wart vro Serli die Jüdin von Altkilch in unser stette schirm und 
trostung genomen ein jar umbe XII guldin^." 

Im Jahre 1363 wurde Eberlin von Colmar mit seinem Kinde 
und Hausgesinde aufgenommen für die jährliche Summe von 12 fl. 
Sieben Jahre später gewährt ihm der Rat einen weitem Auf- 
enthalt. „Item anno predicto wart in unser stette schirme em- 
phangen funfe jare Eberli der Jude, und habent darumb von dem- 
selben Eberlin emphangen C florenos, und viengent die funfe 
jare an umb sant Hylarien tage*.'' 

Im August des Jahres 1382 werden als neue Bürger Vivelin 
„der Juden Sänger" und Sara, „die grosse Jüdin, die Köuflfelerin", 
beide mit ihren Familien und ihrem Gesinde empfangen ;,bis 
auf den Johannestag ze sungichten so im nechste komet". Dafür 
sollen sie je 3 fl. leistend 

Wie unter Umständen die Ansprüche rapide gesteigert wurden, 
zeigt folgender FalP. Ein gewisser Umelin, „der Menlerin der 
Jüdin son", hat sich gegen die Redlichkeit im Handel vergangen. 
Deshalb soll ilim unter anderm auch das Bürgerrecht entzogen 
werden. Indessen mag sich die Ansicht der Basler gewandelt 



•Ebendaselbst, fol. 137. — »Ebendaselbst, fol. 138. — ^ Siehe oben. — 
* Ebendaselbst, fol. 137. — "^ Siehe Fortsetzung, Beilage V (Anhang). — *^ Basler, 
Urkondenbuch V, 18, Nr. 9 und 10. — ^Ochs, P., Geschichte der Stadt und 
Landschaft Basel II, S. 446, Anmerkung h. 



— 53 - 

haben, denn von späterer Hand findet sich die Notiz ^man mag 
in wol ze burger emphangen, wen er darumb gibt 400 fl.". Im 
Jahre 1386 existiert denn auch in Basel ein solcher ümelin 
Menlin als Bürger. 

Die Stadtrechnungen von Bern* in den Jahren 1375—1384 
enthalten einige Eintragungen von Judenschutzgeldern. So finden 
sich vom zweiten Semester des Jahres 1376 (Weihnachtien 1375 
bis St. Johannestag 1376) zwei Posten gebucht: „Denn von 
dem Juden XXXVIII ff'" und „Denn von dem Juden geburrent 
XXX guldin XXHII ff«". Hier fehlt jede Angabe, für welche 
Zeitdauer diese Summen berechnet waren. Etwas klarere Einsicht 
in diesen Punkt gewähren spätere Notizen. Die ersten aus dem 
ersten Halbjahr 1383 besagen, dass unter andern „zinsen", 
„sturen", „teilen" etc. : „Denne von Isach dem Juden haben wir 

{T fv 
Ilrff 
Denne von Isach dem Juden haben wir emphangen L guldin, 

geburrent {\l 

Denne von Isach dem Juden CC ff 

XXff 

VI ff XVI ß^ 
Aus der zweiten Hälfte des Jahres 1383 ergibt sich: Denne 
von Isaac dem Juden, als er zu jüngsten schuldig bleib und das 
ander vor mals im verschriben und verrechnet wart LXXX ff 

Iff xvmß» 

Wir sehen: derselbe Mann versteuert im ersten Semester 
231 ff 16 Schillinge, im zweiten 81 ff 18 Schillinge, also im 
Verlauf eines Jahres 312 ff 34 Schillinge, eine sehr respektable 
Summe an den Basler Verhältnissen gemessen. Indessen wäre 
nicht ausgeschlossen, da in den Rechnungen jede spezifizierte 
Angabe über die Art der Steuern fehlt, dass sie zugleich eine 
Art Erwerbssteuer gewesen wären*. 

Die im Jahre 1408 aufgenommenen Juden Isak und seine 
Frau Merin mit Kindern und Dienstpersonal, Josef seine Schwester, 



'Herausgegeben von F. E. Welti, Bern 1896. — «S. 36. — »s. 37. — 
Mbid., S.261. — Mbid., S. 282. — ^ Diese Behauptung stellt auch Bär gestützt 
auf einen Burgerrechtsbrief von 1377 auf. S. 126. 



— 54 - 

deren Mann und ihre Kinder entrichten zum Jahr 60 Schilt- 
franken *. 

Im Jahre 1381 siedeln sich in Freibarg Meister Salomon 
von Vesoul (Vizov) Frödin von Strassburg, seine Schwieger- 
tochter, Abraham von Vesoul und Sabia „sin swigertochter**, der 
vorgenannten Juden Ehewirtinnen, ihre Kinder, ihr Hausgesinde 
„und waz ir brot und spise isset", auf 10 Jahre an. 3000 Gulden 
beträgt für diesen Zeitraum ihre Steuer 5 für die drei ersten 
Jahre und ein Drittel des vierten leisten sie im voraus 1000 fl. 
Künftighin sollen sie jährlich auf St. Martinstag 300 fl. ent- 
richten, ausgenommen das vierte Jahr, an dem die Summe auf 
200 fl. herabgemindert wird. Aller andern Steuern und Dienste 
sollen sie los und ledig sein. Falls sich ein dritter Jude mit 
seiner Familie um Aufnahme bewürbe, so sollte er 300 fl. an der 
Gesamtlast der 10 Jahre tragen. Wenn nach Ablauf der drei 
ersten Jahre die Niedergelassenen die Stadt zu verlassen wünschen, 
so ist die Behörde durchaus nicht verpflichtet, die vorausbezahlten 
100 fl. für das vierte Jahr zurückzuerstatten. Die Juden haben 
sogar noch 300 fl. als eine Art Schadenersatz zu zahlen oder 
der einzelne Jude 100 fl.'. 

Im Jahre 1386 nimmt die städtische Kasse 14 ff von dem 
Juden Isaac ein ^. Im Jahre 1420 erneuert man dem Juden Vivens 
von Cöte Andr6 die Domizilbewilligung ; er hat für sich , seine 
Frau Miria, deren Tochter und die andern Hausgenossen 20 ff 
laus, zu zahlen *. Im selben Jahre wird Ackin von Vixou (Vesoul) 
als städtischer Arzt auf 10 Jahre engagiert. Man fordert zuerst 
für ihn und sein ganzes Haus eine jährliche Abgabe von 50 fl. 
In Anbetracht seiner Geschicklichkeit, seines gewinnenden, be- 
scheidenen Wesens aber erlässt man ihm zuerst 10 fl. und schliess- 
lich die ganze Summe und behält sich bloss die jährliche Ab- 
lieferung zweier guter Armbrüste im Werte von 10 rhein. fl. vor*. 

1457 lassen sich mehrere Familien auf 12 Jahre nieder; ihr 
Jahresgeld bewegt sich im Umfange von 25, 45 und 80 fl.'. 

100 fl. entrichtet der 1459 ebenfalls auf 12 Jahre empfangene 
Eberli'. An Stelle der verstorbenen Esther bürgert sich 1462 



'Tobler, S. 363, Beüage. — "Rec. dipl. du canton de Fribonrg, tomelV, 
p. 150, No 271. — 'Comptes des Trösoriers Arch. cant. — -»Rec. dipl. VII, 
p. 968. — *ibid., p. 1098. — *Arch. cant Ire coli, de lois, p. 272, N« 738. — 
"ibid., p. 274, N" 741. 



- 55 - 

ihr Neffe Lyon ein-, die Steuer wird für ihn von 25 auf 15 fl. 
herabgemindert *. 

In Schaff hausen lassen sich 1391 Menlin, Vinelis Sohn, 
Lemblin, Menlins Sohn, Jüthen, die Jüdin von Ravensburg, und 
ihr Sohn Symon nieder. Die ihnen auferlegte Steuer, die zugleich 
eine Entschädigung für wegfallende Kriegs- und Wachdienste 
ist, beläuft sich für Menlin auf 10 fl., Lemblin 8 fl., Jüthen und 
ihren Sohn zusammen 9 fl. in Gold. Die Hälfte der Gesamt- 
summe fliesst in des Herzogs Kasse ^. Höhere Ansprüche machte 
man an einen gewissen Leu (oder Lew), der im Jahre 1420 in 
das Schaffhauser Bürgerrecht oder vielmehr in den Bürgerschutz 
aufgenommen wurde. Er hatte 50 fl. per Jahr zu entrichten*. 

Ebenfalls ein Leu, Bürger von Zürich (Härder vermutet 
seine Identität mit dem obigen), die Witwe und Kinder eines 
weitem (lahmen) Leu und ein gewisser Samuel (Schmol) werden 
in den Schirm der Stadt aufgenommen. An Stelle aller andern 
Abgaben und Dienste, auch, dass man sie^desto fürderlicher 
geneigt sei zu schirmen" (s. Härder), verlangt man von ihnen 
die jährliche Summe von 80 fl. *. In spätem Jahren stiegen die 
jährlichen Zahlungen für den blossen Schutz bis auf 300 fl.; 
dazu gesellten sich Abgaben anderer Art, die unten zur Sprache 
kommen ^. 

Ein reicher Jude Salomon erhielt im Jahre 1462 mit dem 
Juden Meyer (dem sog. „Teufelsmeyer", s. Härder) das Bürger- 
recht auf fünf Jahre. Sie durften nach Belieben noch einen 
dritten bei sich aufnehmen. Im ersten Jahr hatten sie 200 fl. zu 
entrichten, für die folgenden vier forderte man je 300 fl. Als 
Salomon aus Schaffhausen verzog, musste er die gesamte Leistung 
auf sich nehmen^. 

Zürich hatte 1423 seine Juden ausgewiesen; im Frühling 
des folgenden Jahres gestattete es den Vertriebenen und ausser- 
dem noch vier andern sich auf vier Jahre in der Stadt nieder- 
zulassen. Die Steuer, welche man ihnen auferlegte, betrug 2000 fl. 
pro anno'. 

In Stein am Rhein werden Isaac und Süssli, Gabriel und 
sein Schwiegersohn 1460 auf fünf Jahre im Bürgerrecht em- 



«ibid., p. 2768. — «Härder, S. 41. — ^ Ebendaselbst, S. 51. — *Eben- 
daselbst^S. 68. — * Ebendaselbst, S. 54. — «Härder, S. 55 u. S. 66. — ^Bär, S. 148. 



— 56 - 

pfangen ; sie leisten dafUr eine jährliche Abgabe von 56 fl. Moses 
von Hellingen versteuert per Jahr 20 fl. und die Hälfte, wenn er 
nur zeitweise in Stein weilt *. Auf die Höhe von 1—16 fl. steigen 
die Steuern von fünf Familien im Jahre 1464; 1486 belaufen 
sich ihret Schutzgelder von 2 bis auf 25 fl.*. 

Der, wie wir später sehen werden, in dem blutigen Drama 
von 1401 eine Hauptrolle spielende Jude Vinelmann hatte sich 
im Jahre 1396 in Diessenhofen niedergelassen. Er zahlte für 
sich und seinen Sohn jährlich eine Steuer von 8 fl.*. Ein Viertel- 
jahrhundert nach jener Verfolgung, 1426, Hessen die Bürger von 
Diessenhofen wieder einen Juden in ihre Stadttore ein, um für 
ihre drückenden Steuerlasten eine unversiegliche Hülfsquelle bei 
der Hand zu haben. Der österreichische Vogt, Junker Johannes 
Truchsess von Diessenhofen, forderte allen Ernstes auch seinen 
Teil an dem Juden und gab sich mit dem Hinweis des 
städtischen Magistrats, dass es nicht üblich sei, Judensteuem 
an den österreichischen Vogt zu leisten, keineswegs zufrieden, 
sondern erklärte, „noch hüt by tag" dem Juden den Schirm vor- 
enthalten zu wollen ^. 1453 begegnen wir dei* Jüdin Rachel, deren 
Jahresleistung 6 fl., ein Jahr hernach 4 fl. beträgt, Mendlin und 
Trief US, welche 2 ff Heller, und Jakob, der 7 fl. entrichtet *. 

Der Jude Samuel erstattete 1412 6 fl. jährlicher Steuer an 
die Stadt St. Gallen, deren Bürger er ist-, Abraham 1420 eine 
solche von 20 fl.^ In Wil (Gotteshausland) entrichtet der Jude 
Gabriel für sich und seine Familie im Jahre 16 rhein. fl.; er ist 
dafür aller andern Ansprüche „für stür, wacht, raissen (Kriegs- 
pflicht) vnd ander vnser stat dienst und brüch" enthoben ^ 1461 
zahlt der Jude Moses eine jährliche Steuersumme von 30 fl.«. 

Ein gewisser Salomon (Smöln), der schon seit 1448 als Bürger 
in Diessenhofen figuriert, und sein Bruder Samuel versagen 1464 
dem Bevollmächtigten des Markgrafen Albrecht Achilles von 
Brandenburg die diesem vom Kaiser übertragene Judenabgabe. 
Der Prozess führt zur Auspfändung und Entscheidung durch 



' Kirchhofer, Beytrag zur Geschichte der Juden in der Schweiz, Geschicht- 
forscher IV, Heft III, S. 348. — «ibid., S. 344. — «Löwenstein, Geschichte 
der Juden am Bodensee und Umgebung (1879), 8. 82. — ^ibid., S. 86 f. — 
Mbid., S. 86. — «Wegelin, S. 133. — Mbid., S. 138. — «ibid., S. 141. 



— 57 - 

einen Rechtstag in Ulm. Am 25. Juni 1465 werden die Juden 
durch Peter, Abt des Klosters zu Heilbronn, als Executor der 
vom Papst gefällten Sentenz abermals zur Zahlung der rück- 
ständigen Steuer angehalten. 1468 überlegt man auf einem Tage 
in Luzern, ob man den Betrag solle nehmen lassen oder dem 
Vogt im Thurgau gestatten solle, eine Summe, die seine Kosten 
decke, einzuziehen*. 

Wir sahen, wie den Steuerbestimmungen im Bieler Bürger- 
brief 1305^ und im Freiburger Schutzbrief 1381 ^ die Klausel 
folgte, dass mit der Erledigung dieser Steuer die Juden von allen 
sonstigen Diensten frei seien. Es waren darunter nicht bloss 
Leistungen in Geld verstanden, sondern in erster Linie die Be- 
freiung von Kriegspflichten und Wachdiensten. In die Zahlungen 
der 1391 in Schaff hausen sich niederlassenden Juden sind aus- 
drücklich die Ersatzlieferungen für die wegfallenden Verpflich- 
tungen eingeschlossen^. Obligat bleiben in Bern und Freiburg 
jedoch auch für die Juden die Abgabe für den Weingenuss, das 
Ohmgeld und die Salzsteuer; hierfür bestehen für sie dieselben 
Verpflichtungen wie für die andern Bürger 5. In Schaff hausen 
ist diese Steuer in dem Ersatzgeld für Dispensation von Kriegs- 
pflichten etc. eingeschlossen®. 

Wenige Urkunden sprechen für das Vorhandensein einer 
Art von Wohnungssteuer. Ulrich^ führt ein Verzeichnis aus 
dem Jahre 1290 an, demzufolge die Juden in Basel damals 
19 Häuser ausser der Synagoge inne hatten und für jedes der- 
selben eine jährliche Steuer entrichteten. Der Inhaber des Hauses, 
das einst dem Salman ünkel gehörig war, gegenüber der Gerber- 
laube beim Kühlbrunnen, Puchil, zahlt 5 Denare und 2 Schilling 
(V denarios et II solid os pro censu). 

Für das Haus der Witwe des Juden Berchtold, das einst 
den Minoriten gehörte, fordert der Rat III den. und Schnitter- 
dienste (HI denarios et messorem). 



* Löwenstein, S. 86 f. — * Fontes IV, p. 218, No 187. — 'Rec. dipl. du 
canton de Fribourg, toine IV— V, p. 150, No 271. — ^ Härder, S. 41. Gleiches 
gilt anch vom Bemer Brief 1408. Tobler, Beilage, S. 363, vom Freiburger 
Brief des Jahres 1420. Rec. dipl. VII, p. 99 etc. — Mbid., Rec. dipl. VII, 
p. 99 und Tobler, S. 363. — « Härder, S. 63. — ' S. 187 f. und Beüage R., 
S. 446. 



- 58 — 

Für dasjenige, das einst dem Dietrich Verwer (magistri 
Hospitalis) eignete und dessen Besitzer nun Otto von Hagenthal 
ist, 24 Schillinge und 4 (circulos ?) — 

3 Schillinge werden für das Haus Ramspachs, das jetzt 
einem Juden angehört, entrichtet. 8 Schillinge, ein Schnitter 
und 2 Schillinge Neujahrsgeld vom Hause, das einst Salman 
Unkel besass und nun dem Puchil gehört. Für Haus und Hof 
des Salman Unkel, das auf den Ochsenmarkt geht, 5 Schilling 
als Zins und Abgabe für den Rechtstitel (nomine census et jura 
proprietatis). 13 Denare als Zins und eine Laterne zur Nacht- 
zeit (fardentem lampadem per noctem) und einen Schnitter für 
das Haus des Hugo Rotin. 

35 Schillinge für die Synagoge auf dem Rindermarkt und 
die folgenden Häuser, die innerhalb der Grenzen des Kirchspiels 
(St. Leonhard ?) gelegen sind, so für das hölzerne Haus des Rabi 
Rasor, das Haus zur Rossbarben, das Merya, des Vivelmann 
Witwe, bewohnt, das anstossende, steinerne Haus, das Moyses 
von Rheinfelden inne hat, das Haus der Guta von Neuenburg, 
„ein Haus zer Gabeln", das nun abgebrannt ist, das an der 
Synagoge anstossende Haus, gegen den Fruchtmarkt gelegen, das 
der Jude Meyer besitzt, der Mannenhof, das diesen berührende 
Haus, das Jölin, der Sohn des Josef Kaltwasser, bewohnt, das 
nächste Haus, das Ensi und Moyses gehört, das Haus auf dem 
Fruchtmarkt, das Frau Genta bewohnt, das Haus in der Win- 
hartzgasse, das Jakob von Rufach eignet. 

Sollte sich die Anzahl der Häuser vermehren, so bedingt 
sich der Rat einen höhern Zins aus ; andernfalls, wenn die Zahl 
sinken würde, gesteht er auch eine Herabsetzung der Abgaben zu. 

Des fernem erlangt er die Zusage der Juden, auf sein An- 
suchen ihm 5 q: ohne Wucher auf die Dauer eines halben Jahres 
gegen gute Pfänder leihen zu wollen. 

Die Besteuerten scheinen aber nicht sehr pünktlich in der 
Entrichtung ihrer Steuern gewesen zu sein, denn drei Jahre 
später (1293) verzichtet das Stift St. Leonhard auf die rück- 
ständigen Abgaben von Seiten der innerhalb seines Gebietes 
wohnenden Juden (siehe oben), nachdem es 3 g* und 10 Schilling 
empfangen hat. Dagegen verpflichten sich die Juden, von nun 
an dem Propst und dem Kapitel von St. Leonhard die jährliche 
Summe von 35 Schillingen zu zahlen. Diese Steuer ist keine fixe, 



— 59 — 

sondern soll steigen oder sich vermindern mit der Zahl der 
Häuser. Auch hier wird jene Bedingung betreff eines zinsfreien 
Darlehens von 5 S erwähnt *. 

Im Jahre 1329 erfahren diese Bestimmungen eine Auf- 
frischung *. Herr Kuno zur Sonne und Meister Mathias von Neuen- 
burg, Burkhard der Münzemeister und Rudolf von Waldshut, die 
beiden ersten als Anwälte das Propstes und Kapitels von St. Leon- 
hard, letztere als Schiedsmänner der innerhalb des Kirchspiels 
ansässigen Juden, vereinbaren vor .Burkhard Werner von Ram- 
stein, dem Bürgermeister und dem Rat der Stadt Basel: 

1. Die Juden sollen von jedem Hause, das sie besitzen, 
jährlich zwei Schillinge entrichten, „für die rechte und 
die nutze, die den vorgenanten heren davon mocht vallen, 
ob Cristenlüt da gessessen werenf*. 

2. Als Jahreszins hat jedermann einen Schilling zu ent- 
richten; diese Abgabe erfährt je nach dem Wachsen 
oder Abnehmen der Häuserzahl eine Änderung. 

3. Femer werden von den Juden 18 Schillinge pro anno 
„von ir sch&le** und den zu ihr gehörenden Gebäulich- 
keiten und 

4. ein jährliches Darlehen an St. Martinsmesse von 5 S 
Basler Pfennigen auf ein halbes Jahr dem Stifte zugesagt. 

Nach Ablauf des Termins soll der Rest, der nach Abzug 
der Summe für Synagogensteuer von diesem geliehenen Gelde 
übrig bleibt, den Juden zurückerstattet werden. Auch der Jahres- 
zms für die übrigen Privathäuser soll an St. Martinsmesse ent- 
richtet werden. 

Auch in Zürich leisteten die Juden wie die christlichen 
Bürger eine Steuer von ihren Wohnstätten. Aus dem Jahre 1347 
findet sich eine Bestimmung des Rates, dass von dem Hause, 
welches gegenwärtig Moses „der Schulmeister der Juden" inne 
hat, in wessen Hand es auch später gelange, eine Abgabe ge- 
leistet werden solle, die der Rat und die Bürger festsetzen werden. 

Vermutlich war dies Haus die Synagoge*. 



^TrooiUat II, p. 543, No 421. — « Ergänzende Urkunde zur vorigen, 
abgedruckt hn Anz. für Schweizer Geschichte 1900. Nr. 1, S.274f. — ^ Ulrich, 
S. 16 und Stadthücher, S. 57, Nr. 331. 



— 60 — 

Nicht tiberall genossen die Juden die Vergünstigung, eigene 
Begräbnisplätze anlegen zu dürfen. Wo ihnen dies Recht zu- 
gestanden wurde, hatten sie es mit Geld aufzuwiegen. Im Jahre 
1353 z. B. gesteht Kaiser Karl IV der Stadt Solothurn unter 
anderm auch Gebühren zu, welche sie bisher für das Begräbnis 
von den „toten Juden** eingezogen habe. Gemeint ist natür- 
lich die Abgabe für die Bestattung der jüdischen Toten in 
Solothurn *. 

In den Bemer Stadtrechnungen vom ersten Semester 1377 
findet sich eine kurze Notiz: „Denn von Menlis wip von des 
Kilchhofs" XIV ff V ß*, die deutlich das Vorhandensein einer 
Begräbnissteuer bezeugt. 

In Basel scheinen die Juden im zweiten Stadium ihres Auf- 
enthaltes (von 1365 an) geraume Zeit sich ohne eigenen Friedhof 
beholfen zu haben. Sie beklagen sich im Sommer des Jahres 1394 
bei Bürgermeister und Rat^, dass „inen kumberlich swer und 
köstlich sye" ihre Toten in fremden Orten bestatten zu müssen. 
Es wird ihnen erlaubt, falls sie den frühern Judenkirchhof nicht 
wieder erhalten könnten, einen Garten, welchen sie von Bertschi 
Ritterman in der Vorstadt „ze Spitalschuren " erworben haben, 
„zu einem judenkilchhof ze machende**. Für die Beerdigung eines 
in Basel ansässigen Juden oder einer Jüdin verlangt der Rat 
einen halben, für die eines Auswärtigen einen vollen rheinischen 
Gulden. 

In Zürich ist für die Anlegung eines neuen Friedhofs „ze 
Linden" 1382 eine gewisse Anzahl Juden aufgekommen. Ihnen 
überlässt es der Rat, eine Steuer von jedem Begräbnis zu er- 
heben *, 

In Stein am Rhein zahlt man für die Bestattung einer Frau 
2 fl., für die eines Kindes 1 fl.*. 

Vereinzelt ist die Einziehung einer Abgabe für die Erlaubnis 
alljährlich zwei Male „schul und kapittul" zu halten, wie sie 
1435 dem neuen Bürger Lew in Schaff hausen gewährt wird. 
Dieser hat als Entgelt die Verpflichtung, alle Jahre zwei Glas- 
fenster in der Ratsstube herstellen zu lassen®. Später auf- 



^ Solothurner Wochenblatt 1814, S. 145. — « Herausgegeben von F. E. Welti 
1896, S. 64. - 3 Basler Urkundenbuch V, S. 213, Nr. 204. — •» Stadtbücher, 
S. 269, Nr.72. — *Kirchhofer,Ge8chichtfor8cherIV, S. 344. — «Härder, 8.52. 



- 61 — 

genommene Juden leisten, höchst wahrscheinlich als Ersatz für 
diesen Brauch, der Stadt eine Gratifikation von 10 fl. *. 

Besonders gestalten sich die Dinge in Zoll- und Geleit- 
angelegenheiten. Zwei ursprünglich verschiedene Tendenzen 
spielen hier ineinander. 

Aus der Notwendigkeit, dem Reisenden bei der herrschenden 
Unsicherheit des Weges Schutz zu gewähren, hatte sich die Sitt^ 
des Geleites herausgebildet. Insbesondere aber bedurfte der 
reisende Kaufmann einer kräftigen Verteidigung, denn er war 
ja, da er Waren mit sich führte, doppelten Gefahren ausgesetzt. 
Dieses Geleit war entweder ein sog. lebendiges Geleit, nämlich 
Schutz durch Bewaffnete, oder totes Geleit, d. h. eine Art Ver- 
sicherung, Versprechen des event. Schadenersatzes. Es stand 
freilich auch frei, ohne diese Assekuranz zu reisen. 

Bei den Juden aber spielte noch ein anderes mit. Sie, die 
sozusagen die Luft, welche sie einatmeten, mit Gold erkaufen 
mussten, wuchsen nach und nach in das unbedingte Gebot hinein; 
sie durften nicht reisen, ohne ein Geleitsgeld zu erlegen. Somit 
wurde diese Steuer allmählich zum obligaten Leibzoll, zum 
eigentlichen Zoll für die Person. Der Zoll wurde an bestimmten 
Zollstätten erhoben, wo die Ware entweder passierte oder ver- 
kauft wurde*. 

In Freiburg beträgt der Durchgangszoll im Jahre 1417 
30 Schillinge^. 1455 entrichtet die Frau des Juden Oberli 12 i?^ 
10 sols als ZolP. 

1474 verlangt man in Rue 30 Pfennig Durchgangsgeld*. 
Die früheste Spur von der Erhebung des Judenzolls in Schaflf- 
hausen* geht auf das Jahr 1442 zurück; sie belief sich damals 
auf 5 ff 4 ß. Bürkli, der Zolleinnehmer, zieht von je 5 ß einen 
Heller an Gebühren ab. Die Zollsumme von 1463 machte 54 ff 12 ß 
1 Heller aus. Im Jahre 1480 forderte die Zollordnung von jedem 
jüdischen Reisenden 3 ß und 3 Würfel. Dafür gewährte man ihm 
emen Aufenthalt von 3 Tagen in der Stadt ; eine Erhöhung der 



1 Ebendaselbst, S. 54. — ^Stobbe, Die Juden in Deutschland während 
des Mittelalters 1866. S. 40. — *P. Heinemann, Geschichte des Schul- und 
Bildnngslebens im alten Freibnrg bis zum 17. Jahrhundert, S. 38. — ^Arch. 
cant. de Pribourg. Comptes des Trösoriers, N« 106. — *ibid., Ire coli, des 
lois, p. 887, No 686. — «Härder, S. 59. 



— 62 - 

Abgabe von l ß trat für jeden folgenden Tag ein. In Luzern 
entrichtete der berittene Jude einen Leibzoll von 1 fl., der Fuss- 
gänger V2 fl.* 

Unter den Einkünften der Stadt Basel von 1451/1452 findet 
sich die Zollgebühr von einem Juden erwähnt; sie beträgt 
5 Schilling und 3 Würfel; 1474 ist die Einnahme von 3 ß und 
3 Würfeln erwähnt*. Ulrich erzählt, dass in Aarau jeder durch- 
reisende Jude „eines jeweiligen Herrn Amts-Schultheissen Frauen** 
10 Schilling und 3 Würfel als Zoll hätte erstatten müssen*. 

Diesem seltsamen Brauch, der Geldleistung eine Abgabe in 
Würfeln beizufügen, mag wohl eine symbolische Reminiszenz an 
das Würfeln um Christi Rock zugrunde liegen. (Nach Stobbe.) — 
Grössere Ansprüche als an die lebendigen, machte man an die 
toten Juden. In Basel nahm man 1451/1452 für den Transport 
einer jüdischen Leiche das Doppelte der Abgabe eines lebendigen 
Juden ein, nämlich 10 Schilling, 1474 einen Gulden^. In Genf 
war die übliche Zollgebühr in der zweiten Hälfte des 15. Jahr- 
hunderts 4 deniers. Nach der Vertreibung der Juden aus Genf 
1490 pflegte ein durchreisender Jude 4 deniers, eine schwangere 
Jüdin 8 deniers als Zollgebühr zu entrichten*. Als besonderes 
Zeichen seiner Gunst gewährte 1484 der Rat von Freiburg dem 
verdienten Arzt Vinan de la Tor (Vibranus de Turre) und seiner 
Familie die Befreiung von jedwedem Geleitgeld*. 



III. 

Erwerbszweige. 

Bis zur Zeit der Kreuzzüge war der Handel ausschliessliches 
Monopol der Juden. Erst jene Wanderungen nach dem Osten 
spannen zwischen den Deutschen und andern Völkergruppen ver- 
knüpfende Fäden. Der Stand des Kaufmanns erfuhr ein mächtiges 



»Liebenau, S. 256. — »S.Ochs V, S. 101. — ^ Ulrich, S. 157. — *Uhich, 
S. 101. — ^Borel, p. 130 u. p. 216: Auf der Strasse, die ans dem Süden kam, 
auf der Seite von La ßresse und Le Bngy „le Juif paya 4 deniers**; p. 72: 
Unter den Einnahmen des Generaleinnehmers von Clöes, Morges, Ohanyne et 
Nyon, Fribor et Vauz 1478: „pro uno judeo ibidem transeunte V den gr.". — 
* Favre, p. 10. 



— 63 - 

Emporbltthen. Wie andere beruflich gleichartige Elemente schlössen 
auch die merkantilen sich zu festen Organisationen zusammen. 
An diesem Prozess nahm der jüdische Kaufmann nicht Teil. 
Wie die Btirgergemeinde waren ihm auch Zunft und Gilde un- 
zugänglich. Ausgestossen von dem zentralen Nährquell, sank er 
von nun an rasch zum Schacherer und Wucherer herab *. 

In die Zeit der spätem Ereuzzüge fallen die ersten Spuren 
jüdischer Ansiedlung in der Schweiz (Genf, Basel), in die Jahre 
also, wo der jüdische Handel längst darnieder lag. Daraus lässt 
sich der Mangel an Nachrichten über die kaufmännische Tätig- 
keit der schweizerischen Juden begreifen. Da findet sich ge- 
legentlich etwa in einem Bürgerbriefe die Erlaubnis, die Auf- 
genommenen dürften auch Kauf und Verkauf treiben *. In Genf 
erhebt sich 1487 die Klage, dass die Juden „contra formam 
franchesiarum vendunt pannos, caligas novas et alias ^. Der Wucher 
war das Erblehen, das dem jüdischen Volke des Mittelalters 
von der christlichen Welt übertragen wurde. Weil der Christ 
dem kanonischen Gesetz zufolge kein Geld gegen Zinsen aus- 
leihen durfte, das zinsbare Darlehen aber nicht entbehren konnte, 
so überwies er dem Andersgläubigen den Wucher und machte 
ihm diesen, indem er ihm alle andern Nahrungsquellen verstopfte, 
zum alleinigen Erwerbszweig. So verwuchs der Jude allmählich 
mit dem Wucher; der Begriff des Wucherers wurde mit dem des 
Juden identisch. Dass er diesen einzigen Quell bis auf den Grund 
ausschöpfte, dass er durch masslose Ausbeutung erst dem Worte 
„Wucher** jene dunkle Färbung verlieh, ist es verwunderlich? 
Es ist gewiss, dass die Juden von ihrem Monopol oft unmässigen 
Gebrauch gemacht und manchen Schuldner durch hohe Zinsen 
in das Verderben gestürzt haben; es ist sehr erklärlich, dass 
die christliche Bevölkerung wegen des Wuchers zu grimmigem 
Hass gegen sie erregt wurde; — aber haben wir darum ein 



' Schulte, Geschichte des mittelalterlichen Handels und Verkehrs zwischen 
Westdeutschland und Italien mit Ausschluss von Venedig (1900) I, S. 152 f. — 
*Z. B.: Basler T^rkundenbuch V, S. 92, Nr. 85. Rec. dipl. t. VII, p. 100 etc. 
— 'Borel, p. 90. Zur Erklärung diene folgende Stelle (Borel, p. 89): „Les 
marchands ^trangers ^taient sonnis ä de certains reglements, dont la teneor 
est en g6näral transcrite dans les Franchises. Ils ne ponvaient vendre qu'aox 
jonrs de marchö et pendant trois jours de chaqne foire. Ces trois jonrs se 
comptaient depuis Touverture de la foire." 



- 64 - 

Recht, den Juden des Mittelalters es vorzuwerfen, dass sie sich 
ausschliesslich den Geldgeschäften zuwandten? Können wir es 
dem Hungernden vorwerfen, wenn er zu viel von der einzigen 
Speise isst, die man ihm darreicht ? * 

Im Jahre 1200 verlangte Innozenz III. von den Schutzherren 
der Juden, dass sie diese die erhaltenen Zinsen an die christ- 
lichen Schuldner zurückerstatten Wessen. Falls die Juden sich 
dessen weigerten, so sollten Ausschluss von allem Verkehr mit 
den Christen, auch vom Handel, ihre Strafe sein. Bedeutend 
herabgestimmt sind die Verordnungen des 4. Laterankonzils 1215. 
Nicht dem Leihen gegen Zinsen durchweg, nur dem hochge- 
spannten Wucher soll gesteuert werden ; massige Zinsanspiüche 
sind gestattet. An dieser Norm hielt das ganze Mittelalter fest. 
Es kamen dann freilich auch Zeiten, wo den Schuldnern das 
Wasser über den Kopf ging ; das waren die Jahre, wo man ver- 
suchte, allem Wucher, insbesondere dem Judenwucher, ein Ende 
zu machen. Allein im wesentlichen blieben die alten Verhältnisse 
bestehen; „die Juden blieben die Wucherer, da man des zins- 
baren Darlehens nicht entbehren konnte und die Christen noch 
weniger geneigt waren, die Juden zur bürgerlichen Nahrung zu- 
zulassen, als diese selbst, sie zu suchen" ^ Die frühesten Be- 
stimmungen in Deutschland über die Zinsordnung finden sich im 
Rechtstatut des Herzogs Friedrich des Streitbaren von Österreich 
vom Jahre 1244^ und in den Beschlüssen des Mainzer Städtetags 
vom Jahre 1255*. Jenes wurde in der Folge das Muster für 
ähnliche Privilegien für Böhmen, Mähren, Ungarn, Polen etc. 

In keinem Bürgerbriefe fehlen die Bestimmungen über das 
Geldleihen der Juden. Die Obrigkeit erteilt überall ihre Be- 
willigung zur Ausübung des Darlehensberufes. Noch mehr. 

Da neben der hervorragenden Steuerfähigkeit der Juden dieses 
Geschäft das hauptsächliche Motiv, sie überhaupt zu empfangen* 
war, so machte man es ihnen häufig zur unumgänglichen Pflicht. 



«Stobbe, S. 104. — «Stobbe, S. 109. — »Ebendaselbst, Beüage. — 
** Ebendaselbst, S. 110. — ^Deutlich ausgesprochen findet es sich z. B. in einer 
SteUe der Comptes des Tr6soriers (N»> 173, Debours divers A. C. de Fribourg): 
Da es sich nicht lohne, um kleiner Anleihen willen Gültbriefe an katholische 
Gläubiger auszustellen, so habe die Regierung Juden (unter dem Namen Lom- 
barden) kommen lassen, weiche jährlich eine gewisse Abgabe entrichteten, 
für die Erlaubnis auf Pfänder per Woche zu leihen". 



- 65 — 

So bestimmt der Zürcher Richtebrief, dass sie gegen Pfänder 
und gute Bürgen den Bürgern „Silber und Pfennige** leihen 
sollten. „Tuont si des nit, so git der hie wider tuet, als dik er 
tuet ein halbe March. und sol der rat die buozen in gewinnen 
bi dem eide** *. Ebenso bestimmt lautet die Vorschrift in Biel * 
und in Freiburg ^. Im einzelnen Fall aber , wo z. B. keine ge- 
nügende Sicherheit geboten wird, herrschte kein Leihzwang*. 
Wo man ihnen den Wucher untersagte, wurde ihre Stellung un- 
haltbar gemacht. Es geschah dies auch nur dort, wo ihr baldiger 
Abzug in Aussicht stand. 1383 erscheinen die Juden in Luzein 
von den Geldgeschäften ausgeschlossen ; wahrscheinlich ging damit 
ein Ausweisungsbefehl Hand in Hand, denn erst 1423 erhält 
wieder ein Jude Geleit auf einige Zeit*. Im Jahr 1472 dekretieren 
grosser und kleiner Rat von Schaflfhausen die Ausweisung der 
Juden aus dem Kantonsgebiet. Eine kurze Frist wird ihnen 
noch gewährt, allein innerhalb derselben dürfen sie weder auf 
Zinsen noch ohne Entgelt Darlehen machen*. 

Die Beschützung der Juden gewinnt fast den Anschein einer 
stillschweigenden internationalen Übereinkunft, sowohl zu ihren 
Gunsten als zu ihren Ungunsten. Da treffen wir in dem Bürger- 
brief, der 1459 dem Eberlin („von Witzents'') und seiner Familie 
in Freiburg erteilt wird, die Verfügung: „Geschähe es, dass wir 
(Avoyer, Conseil et commune de Fribourg) in Feindschaft oder 
Krieg gerieten mit Ländern oder Personen, die dem Juden zu 
Zins verpflichtet wären, so dürfen wir uns nicht an ihn halten, 
weder ihn deswegen beunruhigen, noch beleidigen, sondern wir 
sind verpflichtet, ihn in Ruhe und Frieden zu lassen'". 

Und andererseits: Als 1334 die Städte Biel und Solothum 
ein Bündnis eingehen, statuieren sie, dass keiner ihrer Bürger 
einen andern vor ein fremdes, sei es geistliches oder weltliches 



* Beleg bei Bär, S. 120. — *£t est sciendum qnod bargensibus nostre 
ville BieUe libram denariorum debent mutuare etc. Fontes IV, p. 218,Noi87. 

\Harzu suUent öcb die vorgenanten Jnden , den armen nnd den 

rieben bürgern oder nit bürgern, nsrent oder inrent die in unser berrscbaft 
twingen nnd bannen gesessen sind und dazu börent, ic daz phunt umb dri 
halbling ze der wncben der selben muntze als sy denne betten, usverlicben uff 
gute phender oder uff bürgen etc.^ Hecueil diplomatique du Canton de Fri- 
bourg, vol. IV, p. 154. — ^Z. B.: Härder, S. 41. — ^Liebenau, S. 266. — 
•Härder, S. 67. — ' Ire CoU. des lois, p. 276, No 741. Arch. Cant de Fribourg. 

A. Bteinbergr. & 



^ 66 - 

Gericht zitieren dürfe, ausgenommen „wand vmb e und vmb 
wuocher*". 

Schon früh erstanden den jüdischen Geldverleihern christ- 
liche Konkurrenten, die sich über das kanonische Verbot des 
Geldausleihens gegen Zinsen hinwegsetzten. Im 13. Jahrhundert 
berücksichtigen bereits die Eatsverordnungen von Zürich die 
jjCavertschen". So bestimmte man 1316, dass derjenige Bürger 
oder Ausländer, welcher Geld auslieh, den Gewinn dem Rat zu- 
zustellen hätte, um seiner Seele Heil willen; die Hälfte wurde 
ihm zurückerstattet -. In den Verordnungen der folgenden Jahr- 
zehnte spielen sie stets neben den Juden eine gleichbedeutende 
Rolle ^. Auch in Biel bedingt sich der Rat aus, neben den auf- 
genommenen Juden auch Cahorsinern nach Belieben Nieder- 
lassungen zu bieten^. 

An die Stelle der 1383 vom Wechselgeschäft ausgeschlossenen 
Juden in Luzern sind christliche Wechsler getreten: „Der Rat 

vnd die Hundert sind vberein komen vnd das man den 

Wechsel beseze mit eim biderman der in inne habe zu der burger 
banden gemeinlich." Ausdrücklich finden sich in dieser Verordnung 
von 1383 die Cahorsiner erwähnt \ In Bern beginnt 1391 die 
Anwesenheit der „Lamparthen" die Privilegien der Juden be- 
deutend herabzudrücken, wie z. B. folgendes (noch ungedrucktes) 
Dokument** beweist: 

„Wir Benjamin der Jude Meria sin ewirtin vnd Bennfelt 
sines sunes sun tun kunt menglich mit disem brief : als vnser 
gnedigen lieben herren der Schultheiß, rate vnd burger ze Berne 
vns ze iren ingesessenen burgern vnd in ir stat schirm genomen 
hant vnd vns friheit geben als die briefe wol bewisent so wir 
harvumb versigelt von jnen inne haben, in denselben friheiten 
vnd briefen aber ein artikel stat nemlich daz vns ze globen 
sie, es sy an houptgut an geltschuld an gewin etc. 
als denne der artikele wol wiset. der selb artikel aber die vor- 
genant vnser herren etzwas ze swere vnd vnkumlich dunket, 



» Amiet I, S. 250. — « Amiet, S. 223, 225. Stadtbiicher, S. 66 u. S. 178. 
— 'Amiet, S. 226 f. ~ * „Item sciendum est, quod bene possumus et debemns 
recipere in villam nostram Bielle aUum prestitorem preter ipsos Judeos et ctiam 
Caverscbinnm sine ipsornm omuium volnntate.^ Fontes Rerum Bemensium IV, 
p. 218. — ^ Segesser I, S. 192, Anmerkung 1. Kecbtsgeschichte der Stadt und 
Republik Luzern. — « Staatsarchiv Bern, Urk. Oberamt I. 



^ 67 — 

harvmb gesprechen wir die obgenant Juden wenne der Lamperten 
zile vnd friheit us gat^ wenne daz ist ane geuerde daz denne 
die obgenant vnser herren von Berne den vorgeschribenen artikel 
so nuzemal in vnserm brief vnd friheit begriflfen vnd geschriben 
stat wol wandlen miltren oder mindren mögen alz denne die ob- 
genant vnßer herren den schultheißj rate vnd die zweihundert 
von Berne oder der merteil vnder inen dunket vnd erkennent 
ane geuerde. doch also daz die andern artikel alle so in vnßer 
friheit vnd briefen begriffen vnd geschriben stand in gantzer 
vnd steter kraft belibn sollent, die jarzol vs als vnßer friheit 
stat. were aber daz dien Lamperten nach dem vsgang ir ziles 
der vorgenant artikel geben vnd den nutzen würden ob si ftirer 
hie blibn, so sollen och wir mit gedinge den selben artikel haben 
vnd nutzen vnd da mit versorget werden vnßer jarzale vs vnd 
sol denne dirre brief von deßhin ob vnd kraftloz sin ane alle 
geuerde vnd widerede vnd vmb dis alles stet ze hanne vnd ze 
volfuren in den werten als vor stat, verbinden wir Beniamin 
Moria vnd Bennfelt, vns dien obgenanten vnßem herren von 
Berne vnd ir nachkomen vestenklich mit disem briefe vnd sol 
vns hie wider nut schirmen der obgenant vnßer friheit brief 
noch kein ander ding bi gute truwen ane alle geuerde. des dinges 
sint gezug Symon Mennlis der Jude vnd Jehein der Jude vnd ze 
einer steten gezugsami so haben wir die obgenanten Benjamin 
der Jude Meria sin ewirtin vnd Bennfelt sines (s)unes sun er- 
betten Viflin Ysacks (sie.) sun den Juden daz der sin ingesigel 
zu minem des obgenanten Benjamins ingesigel offenlich hat ge- 
henket an diesen brief. daz och ich der obgenant Viflin vmb ir 
bette Wille getan hab mir vnd minen erben vnschedelich. geben 
ze mittenn aprilen do man zalte von Christus gebürte thusent 
druhundert niinzig vnd ein jar.** 

(Auch Freiburg besitzt neben jüdischen Geldverleihern sog. 
Lombarden '.) 

Die Juden fühlen sich hier (in Bern) in einem ihrer wesent- 
lichsten Vorrechte (auf das wir unten noch zurückkommen werden) 
bedroht. Sie fühlen heraus, dass man nun auf ihre Anwesenheit 
nicht mehr das grosse Gewicht legt wie früher, da ein sicherer 
Ersatz in den Cahorsinern oder (Lombarden) stets zu haben ist. 

'Z. B.: Rec. dipl. VII, p. 103. 



— 68 - 

Der bernische Magistrat verlangt ihren Verzicht auf eines 
ihrer wichtigsten Prärogativen, nämlich durch ihren blossen 
Schwur ihrer Aussage über ein streitiges Ausleihkapital oder 
Zinsen über derjenigen ihrer christlichen Gegenpartei den Vorrang 
zu verschaffen. Allein nur dann wollen sie sich dazu verstehen, 
diese Bevorzugung gemindert zu sehen, wenn ihre christlichen Mit- 
bewerber die Stadt verlassen werden. Sollte deren Aufentshalts- 
bewilligung verlängert werden, so möchten sie den Artikel in 
seiner vollen Kraft fortbestehen lassen*. 

Das Statut Friedrichs von Österreich 1244 setzt als Zins- 
maximum vom Talent per Woche 8 Denare fest*; der Mainzer 
Städtetag von 1258 2 Pfennige vom Pfund Heller. 

Fassen wir das Verhältnis der mittelalterlichen Münzwerte 
zu einander ins Auge, so machten 12 Pfennige (Denare) einen 
Schilling (solidus) und 20 Schilling ein Pfund Pfennig (libra 
talentum) aus. 2 Heller bisweilen auch 3 gaben einen Pfennig*. 
Im ersten Falle war also den Juden als ungemein hohe Zins- 
grenze per Jahr ITSVa 7o gesetzt. Der für Deutschland und auch 
das Schweizergebiet durchgängige Zinsfuss war jedoch der auf 
dem Mainzertag festgesetzte, 43 vom Hundert, dessen Über- 
schreiten obrigkeitliche Strafe nach sich zog. „Welcher der Juden 
oder der Cahorsiner den Bürgern eine Mark Silber zur Woche 
teurer als um 6 Pfennige, ein Pfund als um 2, 10 Schillinge 
als um einen Pfennig und 5 Schillinge als um einen Heller leiht, 
als diche ers tuet gegen dien burgern und gegen dien, die ir 
getwinge sint, als dikke git er eine halbe Mark (= 17«^)"» 
sagt der Züricher Richtebrief ^ und der Freiheitsbrief von 1354 
hält daran fest ^ Gleichen Inhalt birgt die Verfügung des Bieler 



•Nicht mit Unrecht fürchteten die Juden, dass die Cahorsiner sie aU- 
mählich aus dem Felde schlagen würden, fiel doch hei ihnen die religiöse 
Gegensätzlichkeit zu ihren Schuldnern und die Heimatlosigkeit, unter der sie 
seiher litten, völlig weg. „Das Jahr des Judenmordes ist, trotzdem an ihm 
wirtschaftliche Gründe einen erheblichen Auteil hatten, der Besitz der vielen 
Schuldbriefe den Juden äusserst verderblich wurde, an den Lombarden vorbei- 
gegangen, ohne sie zu schädigen." Schulte u. a. 0, S. 814. — *„Item statuimus 
ut et judei de talento per singulas ebdomadas non nisi octo denarios 
participiant in usuris." — 3i(J|)er das Münzwesen vom 13. bis 17. Jahrhundert 
Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins II, S. 392. — "»Beleg bei Bär, S. 120. 
^Ulrich, S. 382, Beilage H. Siehe auch die einzelnen Schutzbriefe eben- 
daselbst, S. 884 f. 



- 69 — 

Judenbriefs von 1305 *. Der Jude Jakob, Bürger von Schaff hausen, 
bedingt sich im Jahre 1343 für den noch ausstehenden Rest 
einer Schuld „wocheclich off jedes phund besunder zwen phennig"^, 
wenn dieser nicht bis zum festgesetzten Tag („untz ze dem 
nehsten Sant Walpurg tag ze jngändem manoden") beglichen ist. 

Ahnlich verspricht der Domprobst Ulrich von. Signau in 
Strassburg seinem Gläubiger Simon von Burgdorf, die ihm schuldige 
Summe von 40 Pfund, auf die nächste Lichtmesse zurückzustellen. 
Käme er dieser Zusage nicht nach, so gelobt er für sich und 
seine Erben, dem Juden vom obgenannten Tage an auf jedes 
Pfund der Summe zwei Pfennig wöchentlich zu Zinsen, „also 
lange, so es dem vorgenannten Juden oder der Person, die dieses 
Briefes gewaltig ist, gefällt und ihnen unvergolten ist** *. Auch 
in Bern besteht dieselbe Zinshöhe bis spät ins 15. Jahrhundert 
hinein. 

Vereinzelt kommt einmal ein Wochenzins von 5 Pfennigen 
vor*. Schaffhausen setzt 1391 folgenden Zinsfuss fest: 2 Pfennige 
für l Pfund Heller bis auf 10 SchUlinge; 1 Pfennig für Beträge 
unter 10 ß per Woche*. 

Im spätem 14. und im 15. Jahrhundert macht sich der Zug 
zur Reduzierung der Zinse geltend. 1391 findet sich in Freiburg 
die Verordnung, dass wöchentlich für das Pfund, bis auf 14 
Schilling herab, 3 Heller (halbling), für 14 Schilling bis 7 
Schilling nur 1 Pfennig und für 7 Schilling und darunter 1 Heller 
Zins geleistet werden solle •. 1420 gilt für 10 Schilling und dar- 
unter 1 Heller, für 10—20 Schilling 1 Pfennig Zins ^ um die 
Mitte des 15. Jahrhunderts (1457—1459) schwingt er sich wieder 
zu 2 Pfennig für das Pfund in der Woche auf**. In Stein a. Rh. 
werden einmal per Woche für den Gulden 3 Heller Zins ent- 
richtet •. Die Zinsverhältnisse erfahren auch in Bern 1408 eine 
Umgestaltung. Für die Summe von einem Pfund bis zu 10 Schilling 
bezahlt der Schuldner 3 Helbling, für den Betrag von 10 bis 
5 Schilling 1 Pfennig, für 5 Schilling und darunter l Helbling 
in der Woche *®. 



* Pontes IV, p. 218, No 187. — «Ebendaselbst, S. 433, BeUage K. — 
^Solothurner Wochenblatt 1824, S. 501, Nr. 44. — ^Tobler, S. 345. — »Härder, 
8. 40. — «Recueü diplomatique IV, p. 154. — ^Rec. dipl. VII, p. 104. — 
"Ajrch. Gant., Ire coli, des lois, p. 274, N« 737 et p. 274, N<> 741. — »Kirch 
hofer, Geschichtsforscher IV, Heft HI. — »«Tobler, S. 345. 



- 70 - 

Josef von Orenbur, der sich 1401 in St. Gallen niederlässt, 
leiht den dortigen Bürgern je ein Pfund zum wöchentlichen 
Zinse von 1 Pfennig (2 Heller) und 10 Schilling um einen Heller. 
Für den Betrag von unter 10 Schilling erhält er keinen Zins, 
„vmb won daz er sich darinne beschaidenlich halt" *. Auch in 
Schaffhausen ist eine Änderung eingetreten. 1435 wird der Zins 
bei dem Betrag von 1 Pfund und 1 Pfennig von 10 ß und weniger 

1 Heller für 1 fl. 3 Heller «. In Zürich wird 1424 der Zins von 
43V3 7o auf die Hälfte herabgemindert ». 

Der Bürgerbrief von Winterthur, der 1469 dem Juden 
Moses, seinem Sohn Isak und beider Familien, das Domizilrecht 
erteilt, gestattet ihnen je einen Gulden gegen den Zins von 
einem Angster, 1 Pfund gegen 1 Heller, was mehr oder weniger 
als 1 Pfiind ist, ebenfalls gegen 1 Heller auszugebend Den- 
selben Maximalzins setzt die eidgenössische Tagsatzung in Baden 
1489 in der Angelegenheit der Diessenhofener Juden fest*. 

Auch Zinseszinsen werden unter Umständen den jüdischen 
Bankiers entrichtet. So bedingt sich in Schaffhausen ein Jude 
von seinem Schuldner aus, den Zins zum Kapital schlagen zu 
dürfen, wenn das erstere bis zu einem gewissen Termin nicht 
zurückerstattet sei". 

Eine Normierung der Zinshöhe tritt ganz im mittelalterlich- 
partikularistischen Geiste, nur für die einheimischen Schuldner 
ein. Fremden gegenüber haben die Juden in der Regel freies 
Spiel. 

In Biel dürfen sie ihr Geld „aliis (den Ausländem) con- 
cedere pro ut ipsis viderit expedire"^ ebenso in Zürich (1354 u.f.),® 
in Schaffhausen (1391)», Freiburg «^ Winterthur (1469)". Bern 
gestattet ihnen nach der Zinsreduktion von 1408 von Fremden 

2 Pfennige vom Pfund wöchentlich zu beanspruchen **. 

Es ist in erster Linie der einzelne Privatmann, der seine 
Anleihen bei dem Juden macht. Häufig aber wendet sich auch 
der Magistrat im Namen der Stadt in finanziellen Nöten an ihn. 



' Wegelin, S. 131. — «Härder, S. 52. — ^Bär, S. 121. *TroIl, Geschichte 
der Stadt Winterthur (1846), 7. Teil, S. 25. — * Löwenstein, S. 90. — «Kirch- 
hofer, Geschichtsforscher IV, 3. Heft, S. 344. — ' Ulrich, S. 382, Beilage H. 
— ^Bär, S. 128. - »Härder, S. 40. — »» Premiere CoUection des lois, Arch. 
Cant. de Frihourg, p. 271, p. 274, Nos 737, 741 et Rec. dipl. VII, p. 105 etc. 
'»TroU, 7. Teil, S. 25. — '«Tohler, S. 345. Beilage, S. 364. 



— 71 — 

Der Rat von Biel fügt dem Bürgerbrief von 1305 die Klausel 
zu, dass die aufgenommenen Juden ihm jährlich 20 Pfund Pfennig 
zu 2 Pfennig wöchentlichen Zinses gegen gute Pfänder, vor- 
zustrecken hätten, „si necesse fuerit in emolumento ville nostre 
Bielle" *. Im Jahre 1335 verpfänden Bürgermeister Peter der 
Schaler von Benkon und der Rat von Basel dem Jüdelin von 
Hanau und seiner Frau Küntze den Hof des Moses von Köln 
mit den dazu gehörigen Besitzungen, auf dem Rindermarkte, 
den sogenannten Mannenhof und die Briefe, die Johans Belin 
bei dem erwähnten Moyses zu gute hat, für 60 Mark Silber 
und 100 Pfund alter Basler Pfennige *. Eine Quittung des Juden 
Jakob von Schafifhausen aus dem Jahre 1343 bestätigt, von 
Bürgermeister, Rat und Bürgern von Zürich für sein gesamtes 
Guthaben bis auf 275 Pfund entschädigt worden zu sein^. Der 
Bischof von Basel tritt 1346 seiner Stadt Pruntrut auf die Dauer 
von sechs Jahren das Ohmgeld ab, damit sie sich ihrer drückenden 
Schuldenlast bei Juden und Lombarden entledigen könne ^. Die 
Summe von 5000 fl., wovon ein einzelner Jude 4000 fl. beiträgt, 
schiessen 1377 Basler Juden dem Rate vor*. 1427 stattet der 
Bat von Winterthur der Jüdin Extlin in Konstanz die entliehene 
Summe von 100 fl. Kapital ä 5% Zins zurück«. Die Stadt Stein 
leistet einmal für eine Anleihe von 50 fl. bei Juden den Wochen- 
zins von 3 Hellern ^ Man nimmt am 5. Dezember 1458 den 
Juden Abraham ins Freiburger Bürgerrecht auf; er verpflichtet 
sich der Stadt, sobald sie finanzieller Unterstützung bedürfe, 
400—500 florenos unentgeltlich auf ein bis zwei Monate vor- 
zustrecken ®. 

Zuweilen erlaubt der Schuldner seinem Gläubiger bei einem 
Juden seine Ansprüche zu befriedigen, natürlich gegen Zinsen. 
Der Rat von Zürich stellt hierüber folgende Verordung fest: 
^Wenn ein Burger an einen andern eine Schuldforderung hat 
und diese Forderung mit Wissen und Willen des Schuldners an 
Juden (oder Cahorsiner) in der Stadt abtritt, und wenn hierauf 
die Juden oder die Cahorsiner gegen den Schuldner wegen Nicht- 



» Fontes IV, p. 218, No 187. — «Basler Urkundenbuch IV, S. 120, Nr. 126. 

— »Uhrich, S. 433, Beilage K. — ^Trouülat III, p. 587. — *E. Ochs II, 
8.447. — «TroU VI, S. 210. — ^ Kirchhofer, Geschichtsforscher IV, 3. Heft, S. 343. 

— '^Arch. Gant, de Fribourg, Ratsmanual, p. 12, Is« 3 et Ire coli, des lois, 
p. 273, verso No 740. 



- 72 — 

bezahlung klagen, so ist der Rat auf den Eid gebunden, Kapital 
und Zins einzutreiben. Wenn aber ein Burger auf einen andern 
Burger Geld heisst an den Juden oder den Cahorsinem schreiben, 
ist der Rat nicht gebunden das Geld einzufordern, noch der 
Schultheiss darüber zu richten *. 

Durch den letzten Satz sollte wohl vermieden werden, dass 
der Gläubiger selbst die Zinsen berechne, statt die Summe bei 
einem Juden (oder Cahorsiner) aufzunehmen'^. Denn der christ- 
liche Gläubiger durfte bis zu einer gewissen Zeit (bis Ende des 
14. Jahrhunderts in Bern und Luzern) Zinsen einziehen, kano- 
nischem Rechte zufolge. Da der jüdische Geldleiher nur gegen 
Zinsen lieh, so fiel nun dem ursprünglichen Schuldner zu seiner 
Kapitalschuld auch die Zinslast zu. Die vom Schuldner an den 
Gläubiger gegebenen Pfänder gingen natürlich an den Juden 
über. Der Gläubiger, der mit einem Juden im Verhältnis des 
Schuldners stand, war berechtigt, von seinem Schuldner für 
seine Kosten entschädigt zu werden, unter denjenigen Be- 
dingungen, die er selbst mit dem jüdischen Kapitalisten ein- 
gegangen war. 

In Basel bekennt am 17. September 1381 der dortige Bürger 
Walther dictus de Diszenhovn, cultellifaber dem Juden Vivelin 
von Basel 70 fl. schuldig zu sein, ex causa vendicionis unius 
padonis(?). Innerhalb acht Tagen verspricht er die Zahlung 
zu leisten; nach deren Verfluss sollen, im Falle der Zahlungs- 
unfähigkeit, Vivelin oder sein Rechtsnachfolger berechtigt sein, 
debitum id ipsum recipere mutuo apud judeos consuetis et solitis 
sub usuris in dampnum confltentis prenonati^. 

Johans v. Schwarzenburg, Heinrich Symans, beide Bürger 
zu Bern, die dem Meister Ysac von Tanne, „dem Juden burgern 
ze Berne" 11 fl. und 4 ß schulden, verpflichten sich nach einer 
gewissen Zeit nach dem Zahlungstermin, falls sie selbst nicht 
zahlungsfähig sein würden, ihren Gläubiger die betreffende 
Summe bei jüdischen (oder christlichen) Geldverleihern aufnehmen 
zu lassend 



•Amiet I, p. 225. Stadtbücher, S. 66, Nr. 163. — «Amiet II, p. 274. - 
'Staatsarchiv Basel, Stadtiirkuode 560. — ^Urkunde von 1379 im Berner 
Staatsarchiv: „wenne aber ir hoptgütz vnd ge\^innes nit me noch furor ge- 



- 73 - 

Derselbe Weg sich bezahlt zu machen, wird in einigen Ur- 
kunden aus den Jahren 1381, 1382 und 1383 jüdischen Kreditoren 
von ihren Schuldnern geöflfnet*. 

In der Regel geschah das Darleihen des Juden auf Pfänder. 
Es war eine naturgemässe Konsequenz ihrer unsicher schwankenden 
Stellung, dass sie greifbare, reale Unterpfänder heischten, um 
sich ihrer im Notfall als entschädigender Werte, nicht weniger 
als sprechender Zeugen, zu bedienen. Mit Stobbe^ reihen wir 
die Pfandobjekte in die drei Rubriken. Einkünfte, Grundstücke 
und bewegliche Sachen ein. 

Weniger als anderswo müssen ihnen auf Schweizerboden 
Einkünfte von Ämtern oder überhaupt Staatseinnahmen ver- 
pfändet worden sein; wenigstens sind die Spuren, die darauf 
schliessen lassen, sehr spärlich. In Genf scheinen zuweilen gewisse 
Zölle Juden verpfändet worden zu sein* Der Jude Helisart 
von St-Genis berechnet, dass während seines Verwaltungsjahres 
1342/43 an der Zollstätte von Seyssel, wo zum Teil die aus 
Zentralfrankreich kommenden Waren Eingang fanden, 1883 mit 
Salz beladene Tiere, 260 Schiffsladungen Salz und 1341 Flösse 
Holz passierten. In den Jahren 1355 und 1358/59 legt der Jude 
Manass^s Rechnung von aus Frankreich und Italien importierten 
Waren ab*. 

Auf ein bescheidenes Mass war die Verpfändung von Liegen- 
schaften beschränkt; denn nur wenige Orte gestatteten ihren 



beiten noch vsseligen woltin so suUen ovch wir inen dane daz selbe ir hopt- 
güt vnd gewin furderlich gelten vnd verichten. tetin aber wir das nit wa 
oder von wenne denne von deshin an cristanen oder an Juden 
80 ir hoptgut vnd gewin alle oder ze einem teile in gnldin 
oder in kleinen pbn yff schaden nemin io daz phnnt in snnder vmb 
zwen phn ze der wochen nach gemeiner Schätzung der guldin oder an 
koffen vff andern ge wonlichen schaden. — do loben wir si da vnder vor allem 
schaden ze beschützen vnd inen den gemn schaden vnd kosten mit dem 
hoptgnt gentzlich ze gelten vnd vfzerichten wider ir eines einigen eide^ etc. 
> Es wäre überflüssig, diese Schriftstücke hier anzuführen, da sie allesamt, 
bis anf den Namen, nach einer Schablone verfasst sind. — ^Stobbe, S. 116. 
— 'Die Annahme, dass die Juden auf andere Art in den Besitz dieser Ein- 
nahmen gekommen seien, ist, wenn man die in diesen Gegenden herrschende 
strenge Ansschliessnng aus allen staatlichen Ämtern in Betracht zieht, durch- 
ans unzulässig. — ^Borel, p. 217, notes l et 3. 



— 74 - 

• 

jüdischen Einnehmern den Erwerb von Grundbesitz. In Zürich * 
existiert kein Verbot der Verpfandung von liegenden Gründen'. 

In Basel haben wir z. B. einen positiven Beweis für eine 
solche in der Verpfändung des Mannenhofes an den Jüdelin von 
Hanau und seine Frau Küntze vom Jahre 1335^. 

In SchafFhausen sind Juden wohl als Eigentümer von Häusern 
nachgewiesen, indessen fehlt es an einem direkten Zeugnis, dass 
die dortigen Juden Grundbesitz als Pfand besessen hätten. Der 
Bürgerrechtsbrief von 1391 erteilt ihnen nur die Erfeubnis, gegen 
Briefe und fahrende Pfänder zu leihen \ Auch im Bieler Bürger- 
brief mangelt es an einer diesbezüglichen Verordnung. Die darin 
enthaltene Vorschrift, dass die Juden nicht mehr als zwei Häuser 
innehaben dürften, ausser nach früher eingeholter Erlaubnis des 
Rates*, lässt keine weitere Folgerung zu. Dagegen ergibt sich 
in Bern aus einzelnen Urkunden mit Gewissheit ein negatives 
Resultat. 1259 verkauft Herr Aimo von Montenach einige Güter 
„evidenti necessitate compulsus videlicet pro debito exsolvendo 
Judeis"; 1268 veräussert Werner, genannt Schöba, ein Gut „pro 
necessitate evidente qua ipse et mei heredes apud Judeos fueremus 
obligati"; 1292 tut dasselbe Johann von Äschi, „pro evidenti 
necessitate debitorum quibus oppressus sub usuris apud Judeos 
eram" ®. 

Der Umstand, dass die Leute ihre Güter verkaufen, um mit 
dem Eilös ihre Schulden bei den Juden zu decken, statt den 
Besitz unmittelbar dem Gläubiger abzutreten, spricht überzeugend 
für ein dagegenstehendes Verbot. Wie günstig auch die Lage 
in Freiburg war, so fehlt doch hier ein diiektes Argument da- 
für. Es heisst zwar auch hier überall und allgemein, dass ihnen 
jede Art von Pfand zu nehmen gestattet sei; eine spezieller 
lautende Stelle aber würde für den Ausschluss von Grundbesitz 
sprechen; „quascunque pecunias aut aurum aut quevis bona 
mobilia mutuo recipere etc. ^ Zu Ende des 15. Jahrhunderts 

^Bär, S. 136 f. — *„Sie mögen auf jegliches Pfand leihen** ist die 
stehende Formel im Freiheitsbrief von 1354 und in den Schutzbriefen der 
Einzelnen. tJber Besitz an Grund und Boden siehe unter Kapitel : Die soziale 
Stellung. — 'Basler ürkundenbuch IV, S. 120, Nr. 126. — ^Härder, S. 40. 
- 'Nee possent antedicti Judei plures quam duas domos in nostra villa 
obtinere nisi de nostra precessa voluntate. — ^ Tobler, S. 342 f. — ^ Rec. dipl. 
VII, p. 100. 



— 75 - 

gibt die eidgenössische Tagsatzung im Anschluss an die Thur- 
gauer Judenangelegenheit über diesen Punkt ihr Votum ab. 
Auf dem Tag in Baden (18. Juni 1489) wird festgesetzt, die 
^ Judisheit" soll ftirderhin keinem Eidgenossen mehr auf Wucher 
leihen, er verpfände ihnen denn fahrendes Gut. Liegendes Gut 
und Briefe hätten fortan als Pfandobjekte keine Gültigkeit *. 
Das am häufigsten als Pfand dienende Gut waren Mobilien 
Jeder Art*. Für den Erwerb derselben bildeten sich, entgegen 
dem römischen und dem alten deutschen Recht, besondere dem 
jüdischen Recht entspringende juridische Bestimmungen, die 
zuerst im Speirer Privileg Heinrich IV. 1090 auftauchen. Das 
neuere Recht, das dem legalen Besitzer einer Sache gegenüber 
dem auf unrechtmässige Art aus ihrem Besitze gekommenen 
lEigentümer den Primat erteilt, muss wohl seine Quelle in der 
!Befugnis des mittelalterlich-jüdischen Bankiers haben, den zu 
IRecht bestehenden Besitz seines Pfandes durch seinen blossen 
Schwur zu erhärten. Beanspruchte der ehemalige Eigentümer 
cles Gegenstandes diesen wieder, so musste er die dem Pfand 
entsprechende ausgeliehene Summe dem Juden entrichten *. Vor- 
SLUSsetznng war anfänglich, dass der Jude bona fide das Pfand 
erwarb; das ändert sich später. „Nu hänt si ein bezer recht 
erworben, daz gaben in die künige wider reht; daz si Ithen uf 
^iubic unde üf ronbic guot'*^ Der Handel soll sich bei Tage 
^vor ir türe offenlichen an der sträze** vollziehen. Findet sich 
dann der rechtmässige Eigentümer, so hat er dem Juden die 
siusgeliehene Summe ohne die Zinsen zu ersetzen. Durch die 
-Züricher Bürgerbriefe geht ständig der Satz: Wenn die Juden 
stuf ein Pfand leihen, das jemand mit Unrecht heimlich oder 
öffentlich entwendet wurde, so kann dasselbe gegen das Haupt- 
gut ohne die Zinsen von ihnen ausgelöst werden. Sie dürfen 
"ferner nicht gezwungen werden, den Pfandsetzer zu nennen, es 
sei „si tuien es dann gern" *. Der Bieler Bürgerbrief bestimmt 



»Absch. nia, S. 382, Nr. 315. — «Ausdrücklich bemerkt im Züricher 
Freiheitsbrief von 1354 (Bär, S. 128), in einem Basler Bürgerbrief 1386 (Basier 
Xlrkundenbnch V, S. 92, Nr. 85), im Freiburger Bürgerbrief von 1381 (Rec. 
dipl. IV, p. 154): „Sy siiUent und mögent liehen uff allerleie phant". — ^Nach 
8tobbe, S. 119 f. — •* Schwabenspiegel ed. Wackernagei, S. 207. — ^Ulrich, 
Beilagen, S. 384 ff. 



— 76 — 

in diesem Falle, dass der körperliche Eid des Bürgers hinreichen 
solle, um das Pfandobjekt als sein Eigentum zu agnoszieren. 
Gegen die Ausbezahlung der Ausleihesumme solle der Jude ihm 
dieses wieder zustellen *. Der Ausbtirger aber benötigt noch 
zweier Zeugen, um sein verlornes Eigentum wieder zu gewinnen. 
Auch im Freiburger Brief heisst es, dass man dem Juden „ge- 
röbet oder verstolen gut" mit dem vollen Kapitalwert ersetzen 
müsse '. Die Verfügung von 1459 dagegen beschränkt die Möglich- 
keit, das Eigentümerrecht geltend zu machen, auf die Dauer 
eines Monats nach der Verpfändung ^ Wurde aber beim Handel 
die vorgeschriebene Publizität nicht beobachtet, so ist dem 
Schwabenspiegel zufolge der ursprüngliche Eigentümer berechtigt^ 
das Pfandobjekt sich wieder anzueignen ohne dem Juden einea 
Schadenersatz zu leistend 

Streng verboten ist überall die Verpfändung der res sacra^ 
an Juden. Der Züricher Richtebrief und die Bürgerbriefe der 
Juden sprechen es aus, dass die Juden auf keinen Eirchenschatz 
leihen sollen^; der Freiheitsbrief von 1354 wiederholt das gleiche*. 
Freiburg untersagt 138 P, Basel 1386«, Schaff hausen 1391 und 
14.-te" auf Kirchengewänder, Kelche etc. Geld zu leihen. Trotz- 
dem wird in pekuniärer Not das Verbot umgangen. Der Basler 
Bischof hat sogar einmal 1223 den ganzen Kirchenschatz ver- 
pfändet; er verspricht dem Kapitel, für die Wucherkosten 
bei den Juden allein aufkommen zu wollen *®. Im Jahre 1273 hat 
z. B. der Abt von St. Gallen, Walther von Elgg, einen grossen 
Kelch bei den Züricher Juden verpfändet**. Die Predigermönche 
in Bern versetzen 1295 ihre Bücherei, darunter auch ein Anti- 
phonium. Allerdings verwahrt der Rat diese Pfandobjekte, damit 



I ^burgensis ii oster res siias amissas suo solo jnramento corporaliter 
prestito obtinere poterit et tenebitur ipsis .hideis suam sortem capitalem 
reddere quam liabueriiit super pignoribus memoratis. Alter vero qui non est 
Burgeusis noster, tenetur ipseinet tertius personarnm ydouearnm res mas sie 
amissas obtinere sibi juramento et ipsis Jndeis sortem suam capitale reddere.** 
*Rec. dipl. IV, p. 150 und VII, p. 102. — 'Arcb. cant., iro coli, des lois, 
p. 274, N^» 741. — * Schwabenspiegel ed. Wackernagel, S. 207. — * Ulrich, 
S. 48 f u. S. 384 ff. — «Bär, 8. 128. — 'Rec. dipl. IV, p. 154, Ire coli, des 
lois, p. 271, N«> 737 et p. 274, N«> 781. Arch. cant. de Fribourg. — "Basier 
rrkundenbuch V, S. 92, Nr. 85. - "Härder, S. 41 u. S 53. — '»Trouillat I, 
p. 4'.M. "Bär, S. 119. 



sie nicht durch die Berührung jüdischer Hände entweiht werden *, 
Der Schwabenspiegel sagt: „Nimmt ein Jude Kelche oder Bücher 
oder Messgewänder, die gestohlenes oder geraubtes Gut sind, 
als Pfand und kommt der Eigentümer dazu, so hat der Jude 
ihm diese unentgeltlich zurückzugeben. Hört er aber darnach 
suchen und schweigt, bis man die Sachen bei ihm findet: man 
sei in drumbe henken als einen diup" •. Das Züricher Freiheits- 
statut von 1354, auch die Einzelbriefe bestimmen: „Wenn der 
Jude unwissenderweise entwendetes Kirchengut an sich gebrächt 
liat, so hat er es zurückzugeben ohne jede Entschädigung; er 
gehe straflos aus^. 

Ebenso häufig treffen wir auf das Verbot, auf blutiges 
oder nasses Gewand^, „nasse tuche und nasse hute**^, Waffen 
lind Rüstungen', Pflüge, Geschirr® zu leihen bei Verlust sowohl 
des Pfandes als auch der Zinsen'. Um 1460 Hess der Rat von 
Schaffhausen den Juden Salomon, Eberlis Sohn, verhaften, weil 
^r mehrfach Wehr und Waffen als Pfänder acceptiert hatte. 
^Wahrscheinlich hatte dies seine Ausweisung zur Folge, denn 
Y^ach Beilegung des Handels durch Schiedsrichter von Zürich 
vand Diessenhofen verlässt er die Stadt, um erst einige Jahre 
später sich wieder in Schaffhausen niederzulassend In Neuen- 
t>urg scheint ihnen das Gleiche zur Last vorgeworfen zu werden; 
ier wollen sie die verpfändeten Waft'en und Rüstungen sogar 
osserhalb der Stadt zu niedrigen Preisen veräussert haben®. 
In Biel dagegen scheint man das Verbot des Verpfändens von 
Wehr und Harnischen nicht gekannt zu haben. Hier flndet sich 
die Verfügung, die Juden hätten den Bürgern die verpfändeten 
A^affen, so oft diese deren benötigten, herauszugeben. Diese 
^verbleiben ihnen als Pfandobjekte, denn die Schuldner sollen sie 
so bald wie möglich ohne Trug wieder zurückstellen. Sollte man 
die Gegenstände an einem jüdischen Feiertage gebrauchen, so 
soll sie der Schultheiss mit zwei oder mehreren Räten in Gegen- 
wart der jüdischen Familie holen *^. — In Freiburg gestattet 
man ihnen, als die Wollenindustrie sich zu heben beginnt, nicht 



» Tobler, S. 360. — » Schwabenspiegel, S. 207. — ^Bär, 8.128.— ^Basier 
ürkündenbuch V, S. 92, Nr. 85. — * Berner Brief 1408. — » Härder, S. 53. 
-^ ^Rcc dipl. IV, p. 154 f. — ** Härder, S. 55. — '♦Chambrier, Histoire de 
Neucbätel, p. 196. — '*» Fontes Rerum Bernensium IV, p. 219. 



- 78 - 

mehr auf Rohwolle oder gesponnene Wolle zu leihen, ausgenommen 
auf Gewebe (filar) mit dem Zeichen der Stadtwage versehen. 
Es haben sich nämlich die Fälle gehäuft, dass gestohlene Ware 
bei den Juden versetzt und somit die Aufspürung des Diebes 
erschwert wurde *. In Wil (St. Gallisch Landschaft) darf kein Ge- 
wandstück, „so nit vßberait ist", als Pfand genommen werden *. 

Wie in der Frage des rechtmässigen Erwerbs eines Pfandes, 
so gab auch sonst in andern Fällen der Eid des Juden den Aus- 
schlag. Verlangt z. B. der Schuldner sein Pfand von seinem 
jüdischen Gläubiger zurück, das dieser angeblich noch besitze, 
behaupte aber dieser, jenes zurückerstattet zu haben, „da sol 
die Unschuld an dem Juden stan". Sollte aber der Rat anderer 
Ansicht sein, so möge er seiner Überzeugung nach handeln^. 

In Bern gerät dies Recht der Juden, „daz vns ze globen 
sie es sy an houptgut an geltschuld an gewin", 1391 durch die 
aufgekommene Konkurrenz der „Lamparten" in Gefahr*. Gehen 
die Juden durch Diebstahl oder auf andere Weise eines Pfandes 
verlustig, so löst sie ihr Schwur von jedem Verdacht des Be- 
trugs*. Er bestimmt den Wert des verlorenen Pfandes und be- 
kräftigt seine Angabe eidlich; die Summe, um die es die ent- 
liehene übertraf, hat er dem Schuldner zu ersetzen ®. Von Mäusen 
oder Ungeziefer beschädigte Pfänder sollen den Verlust ihres 
Ausleihkapitals nach sich ziehen; gehen bei ihnen hinterlegte 
Pfänder durch Feuer zu Grunde, so dürfen sie weder auf das 
Kapital noch die Zinsen Anspruch erheben ". In Freiburg dagegen 
erleidet der Darleiher, falls der verpfändete Gegenstand durch 
Milben beschädigt wird, nicht nur keinen Verlust, sondern er 
kann nicht einmal gezwungen werden, Schadenersatz zu leisten \ 

Welcher Jude (oder Christ) „oflFennen wucher gewissheit 
umb gelt nimet", der soll nach einem Jahre sein Geld einfordern 
und seinen Bürgen mahnen oder die Bürgen sollen nach dem 



•Rec. dipl. VII, p. 19 und Berchtold, Histoire du Canton de Fribourjj I, 
p. 244. (Die Übersetzung der burgundiäch-provengalischen Texte des Recueil 
verdanke ich Herrn Prof. Freymond in Bern.) — ^WegeUn, S. 140. — *SclmeU, 
Basier RechtsqneUen la, S. 34, anno 1364. — ''Siehe oben: Staatsarchiv 
Bern, Oberamt I. — ^Bär, S. 128. — «Ulrich, Beilagen, S. 384 flF.; Baaler 
Urkundenbuch V, S. 92, Nr. 85; auch in» coli, des lois, p. 274, N«» 741; Arch. 
cant. de Fribonrg. — '^Härder, S. 53. — »^ire coli, des lois, p. 274, No 741; 
Arch. cant. de Fribonrg. 



- 19 ^ 

Jahre ihnen nicht mehr einstehen müssen noch femer ihnen ver- 
bunden sein. So lautet die Bestimmung in Bern im Jahre 1283 
(18. April) '. 

Auch in Biel gesteht man den Juden das Recht zu, nach 
einem Jahre und 40 Tagen die Pfänder, falls sie noch nicht ein- 
gelöst wurden, „tamquam res suas proprias" zu verkaufen. Um 
sie vorher in Geld umzusetzen, dazu bedürfen sie der besondern 
Genehmigung von Seiten des Schuldners •. Die Pfänder zu ver- 
äussern wird ihnen in Zürich gestattet, sobald ihnen Darlehen 
und Zins den Wert derselben erreicht zu haben scheinen ^. Nach 
Freiburger Recht ist es dem Schuldner, nachdem er ein Jahr 
und einen Tag hat verfliessen lassen, verwehrt, sein Pfand ein- 
zulösen ^ Allerdings ist, einer spätem Verordnung zufolge, der 
Gläubiger verpflichtet, ihm 14 Tage vor dem Verfall eine 
Mahnung zukommen zu lassend 

Dieser Verkauf der verpfändeten Gegenstände war in der 
Regel wohl den Juden freigestellt, hie und aber leitete der Rat 
ihn selbst. In Zürich führten ihn Diener des Rates aus; aus 
dem Erlös entschädigte man den Gläubiger^. Auch in Bern 
besteht die Verfügung : „Item wir haben gesetzt wel er Lampart 
oder Jud in unser stat jeman heisset pfenden da sol man den 
Knechten nutzit geben, man geb inen denn gerne"'. 

Deckte in Winterthur, wo keine derartige Verordnung 
herrschte, der Erlös aus dem verkauften Pfand ihre Kosten 
nicht, so musste der Schuldner den Rest ergänzend 

Eine ähnliche Bestimmung bestand in Freiburg. War das 
Pfand dem Hauptgut und Schaden nicht gleichwertig — auch 
hier entschied der blosse Eid des Juden — , so war es ihm ge- 
stattet, innerhalb Jahresfiist das Pfand zu „verkoflfen und ver- 
triben". Doch soll der Pfandsetzer oder das Gericht 14 Tage 
vorher von dem beabsichtigten Verkauf unterrichtet werdend 
In St. Gallen war es üblich, dass die innerhalb Jahresfrist nicht 
eingelösten Pfänder gerichtlich vergantet wurden, mit den über 
diese Zeit hinaus bei ihnen liegenden aber mochten sie beliebig 



'Fontes Renim Bernensiiim III, No 360. — «Fontes IV, p. 218, No 187. 

— 3 Ulrich, 8.384 ff.; Bär, S. 128. — ^Re. dipl. VII, p. 101; Berchtold, p. 244. 

— *iro coli, des lois, p. 271, N<> 737; Arch. cant. de Fribourg. — «Bär, 
S. 133. — ^Amiet II, p. 289. Urkunde, Beilage. — »Bär, S. 133. — »Rec 
dipl. IV, p. 155. 



— 80 — 

schaltend Einzigartig ist der Fall, dass in Stein einmal sich 
der Gläubiger ausbedingt, sein Kapital zu beliebiger Zeit zurück- 
fordern zu können^. 

Während nach der Prägung neuer Münzen die frühern nur 
noch 14 Tage im Verkehr galten, war es erlaubt, noch einen 
Monat hindurch mit denselben Pfänder bei den Juden auszulösen*. 
Im Jahre 1336 herrschten zwischen den Luzemem und dem 
österreichischen Herzoge Zwistigkeiteu, unter anderm auch be- 
treff der Frage, ob die Bürger ihren Verpflichtungen bei den 
jüdischen Bankiers in alter oder neuer Münze nachkommen sollten*. 
In Zürich hatten Händel mit den Cahorsinern 1340 die jedenfalls 
auch für ihre jüdischen Berufsgenossen gültige Vorschrift her- 
vorgerufen, die Rückzahlung in altem Gelde zu empfangen, wenn 
sie in solchem geliehen hätten*. Und jener Jakob von Schaff- 
hausen, der der Stadt Zürich eine gewisse Summe vorgestreckt 
hat, bescheinigt 1343 275 Pfund „alles guot phenning, der münz 
vnd der phenning, die da ze Zürich genge warent vor diser 
münze, die man jetzo diser zit als disere brief geben wart da 
selbs slehet vnd machet^, empfangen zu haben. Auch den Best 
soll er in dieser Münze einnehmen ^ Auf schweizerischem Gebiet 
scheint demnach der Grundsatz geltend gewesen zu sein: in 
welcher Münze geliehen wird, in derselben wird zurückerstattet. 
1351 verfügt man in Zürich, dass kein Jude oder Cahorsiner 
sich unterfangen solle, in anderer als neuer Münze auszuleihend 

Überall waren die Juden verbunden, ihren Wegzug eine 
gewisse Zeit vorher verkünden zu lassen, um ihren Schuldnern 
die Auslösung der Pfänder zu ermöglichen. Sehr bequem haben 
es die Schuldner in Biel ; dort verlangt man von den Juden die 
geraume Vorherverkündigung ihres Aufbruchs ein Jahr und 
sechs Wochen vorher**. Nicht kürzer fasst man sich in Freiburg. 
Geben die dortigen Juden ihre Absicht kund, die Stadt zu ver- 
lassen, so haben auch sie noch ein Jahr zu verweilen ; den Pfand- 
setzem wird ein Vierteljahr der Müsse zur Auslösung ihres Gutes 
gewährt. Wer diese Frist versäumt, über dessen Pfand mögen 



' WegeÜD, S. 140 f. — ^xirchhofer, Geschichtforscher IV, Heft 3, S.S44. 
— ^stobhe, S. 127. — ^Liebenau, S. 255. — ^Aniiet I, p. 225. — «Ulrich, 
S. 433, Beilage K. — ^Stedtbücher, S. 178, Nr. 358. — »*„hec debent nobis 
per unum anuum et sex ebdomadas ante nnntiare." 



- 81 - 

sie frei verfügen ^und tun allen ir mutwillen als mit irem eigenen 
gute**. Ihren bevorstehenden Aufbrach hat der Magistrat an dem 
Kantzel in der stat mit gemeinem geschreie" innerhalb der ihrer 
Mitteilung folgenden acht Tage verkünden zu lassen*. 

Übrigens wird in einem spätem Bürgerbrief (1457) die 
Vorausverkündefrist auf ein halbes Jahr verlängert ^ 1459 lässt 
man den Juden auch sofort ziehen, wenn er einen von den Be- 
hörden anerkannten Bevollmächtigten hinterlässt^ Nur zwei 
Monate haben die Basler Juden ihren Debitoren ihre Abreise 
auf den Kanzeln der Kirche voraus mitteilen zu lassen; nach 
dieser Zeit haben sie volles Verfügungsrecht über die Pfänder *. 
In Zürich liessen Bürgermeister und Rat ebenfalls zwei Monate 
vorher die Bürger mahnen, ihre Pfänder einzulösen. Die nach 
dieser Zeit nicht gelösten Gegenstände wurden nach Stadtrecht 
verkauft und aus dem Ergebnis die Juden bezahlt*. Die Aus- 
rufer, die die Abreise der Juden verkündeten, wurden besonders 
entschädigt. So weisen die Stadtrechnungen von Freiburg aus 
dem Jahre 1463 einen Posten auf, wonach dem „huissier", der 
die Abreise des Juden Abraham veröffentlichte, eine Gratifikation 
von 2 sols zu teil wurde ^. 

Bisweilen lieh der jüdische Kapitalist auch gegen blosse 
Urkunde aus; Bürgschaften gewährleisteten dann an Stelle des 
Pfandes die nötige Sicherheit. In Frankreich kam im 13., in 
Deutschland im 14. Jahrhundert der Brauch auf, alle Schuld- 
verhältnisse behördlich durch Eintragen in ein Buch zu regulieren. 
Denn dem Siegel der Juden mass man keinen Glauben bei^ 



>Rec. dipl. du cant. de Fribourg IV, p. 153. Berchtolds Bemerkung, 
p. 244: „Ils devaient annoncer leur d^part de la ville huit jours d'a?ance etc.** 
beruht offenbar auf missverstandener Auffassung dieser letzten Stelle. — 
'Ire coli, des lois, p. 271, No 737. — 'Arch. Cant., Ire coli, des lois, p. 274, 
No 741 . — * Basler Urkundenbuch V, Nr. 85. — » Bär, S. 135 und Ulrich, 
S. 384 ff. -- ®Comptes des Trösoriers, N« 122, arch. cant. de Fribourg. — 
^Stobbe, S. 128. In den meisten Städten scheint der Gebrauch eines eigenen 
Siegels den Juden untersagt gewesen zu sein. Einzelne Beispiele sind: Im 
Jahre 1386 begeben sich Fivelroann und seine Frau Zage durch einen Schwur 
„auf des Moysesbuch** vor ihrem Rabbiner und andern angesehenen Olaubens- 
genossen ihrer sämtUchen Ansprüche an den Schul theissen und den Rat yon 
Klein-Basel. Als Zeugen figurieren der Rabbiner (Hochmeister) und der Vor- 
beter („senger**) durch ihre eigenhändige Unterschrift des Briefes „wand si 
niit anders ingesigels haut denne ir geschrift. (Urkundenbuch der Stadt Basel 

A. Steinberg. 6 



~ 82 — 

Einen solchen Schuldbrief stellte z. B. 1379 Johans v. Schwarzen- 
burg und Heinrich Symans, beide Bürger zu Bern, dem Meister 
Isack von Tanne in Bern um „einlif gute vollenswere guldin 
genge vnd gebe an gewicht vnd an golde vnd vier Schilling 
nüwer phn nv gemeiner ze Berne" aus. 

Sollte die Summe bis zum ersten Tag Weihnachten nicht 
erledigt sein, so hat der Gläubiger das Becht, bis zur Bezahlung 
für jedes Pfund je 2 Pfennig Wochenzins zu beziehen. Wollen 
sie aber sich nicht länger gedulden und sind die Schuldner nicht 
im Stande ihrer Verpflichtung nachzukommen, so darf der Gläubiger 
bei Juden oder Christen die schuldige Summe „vff schaden" auf- 
nehmen. Alle daraus erwachsenden und sonst sich ergebenden 
Kosten werden die Schuldner decken. Auch soll des Juden Aus- 
sage über Schaden und Kosten „ane alle ander gezügsami" ge- 
glaubt werden*. 



V, S. 84, Nr. 78. — 1425 verkündet Abraham« ein früherer Bürger von St GaUen, 
dieser Stadt, dass er sich nun „ein bürgerrecht zu Eostenz" (Konstanz) ge- 
nommen habe. Sein Brief ist auf seine Bitte hin „mit des frommen Heinrich 
Gunterswilers insigele" gesiegelt. (Wegelin, S. 134.) — Die sog. Urfehde der 
Juden von Stein vom Jahre 1489 trägt ebenfaUs das Siegel einiger christ- 
licher Herren „wand wir aigoer insiegeln nit bruchen'^. Kirchhofer, Geschicht- 
forscher IV, S. 346 f. — In Bern dagegen finden sich einige Urkunden des 
Staatsarchivs aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts mit jüdischen 
Siegeln versehen. 

' Urk. 1379 im Staatsarchiv Bern. Urkunden ähnlichen Inhalts und gleicher 
Form finden sich dort noch mehrere: 1380 erklären die Bemer Burger Ulrich 
Bader und Johans Gerwer dem Meister Tsac von Tanne 10 ^ und 4 Schilling 
„vif disen ersten sant Valentins tag, so no nechst kont,** schuldig zu sein. 
1381 versprechen Johans Bruchter von Wimmis, seine Frau Metzi, Peter 
Stogker, Johans Fribnrghus, die Gerber, demselben Meister Ysac 13 ^ 4 ß 
minder „vif den einlif thuseng megden Tag".— 1382. Demselben Juden ver- 
pflichten sich Otto von Münsingen, Abt zu Frienisberg „des ordens von Citels,*' 

Ulrich von Glarus, Ulrich von Hol! und Johans „der man von Kiedeburgere 

zwej Schilling minder den viertzig phunt nuwer phen no gmeiner ze Beme**. 
auf den zehnten Tag des November. — Auf den ersten Vinzentiustag 1382 
verpflichten sich Ulrich von Buren „vnd durch sin bette" Conrad Sachs von 
Teitingen, Schultheiss in Burgdorf, Peter von ßormoos, Peter von Mattstetten, 
Richard von Büren, Heinrich Zigerli dem oben genannten Ysac 177'/^ fl. zu 
entrichten. — Konrad Sachs von Teitingen, Schultheiss in Burgdorf und Peter 
von Rormoos schulden dem 3Ieister Benjamin von Schlettstadt, Burger in 
Bern, 12 ^ und 16 Schilling auf den 1. St. Johannestag vor Weibnacht. — 
Sämtliche Urkunden im Staatsarchiv Bern. 



— 83 - 

Ein aus Bürgschaften und Pfandverfahren kombiniertes Vor- 
gehen ist z. B. folgendes : Der Dompropst Ulrich von Signau in 
Strassburg verspricht (1347) seine Schuld von 40 ^ bei dem Juden 
Simon von Burgdorf auf der nächsten Lichtmesse zu begleichen. 
Zahlt er die Summe nicht, so verpflichtet er sich, auf jedes Pfund 
der Summe zur Woche mit 2 Pfennigen Zins zu zahlen. Sollte 
der Gläubiger aber nicht geneigt sein, den oben genannten 
Termin hinauszuschieben, so sollen für den Schuldner Heinrich 
am Ort und Wemher Signauer als Bürgen einspringen. Sie ver- 
binden sich, ihm gute Pfänder zu gewähren „die man friedlich 
geziehen oder tragen mag", damit er durch dessen Verkauf sich 
für Hauptgut, Gesuch, Schaden und Kosten entschädigen möge. 
Sollten* sie dies unterlassen, so gestatten sie dem Juden ihr ge- 
samtes Gut zu veräussern, ^unz an die stunde, dass ihnen gar 
und gänzlich werde vergolten". 

1391 verspricht ein gewisser Peter If . . . (?) von Wermisberg, 
der unter der Bürgschaft des Edlen Hensli Velgen des altern 
von dem Juden Meister Symon 50 S laus, entlehnt hat, in An- 
sehung seines Pfandes 1 V« Mark Silber *. Das Leihen auf blosse 
Beweisurkunden hin war natürlich ein grösseres Risiko für den 
Juden, deshalb findet sich die Erlaubnis dazu in Bürgerbriefen 
ausdrücklich erwähnt: so z.B. in Schaflfhausen 1391*, in Frei- 
burg 1420: Volumus . . . idem Vivens . . . cambire mutuare et 
concedere super pignora et sine pignoribus supra litteras ac- 
quirere vendere etc.^ Dagegen ergeht ein Verbot, auf Briefe 
Darlehen zu geben, auf dem Tag zu Baden 1489, als die Stellung 
der Juden insbesondere im Thurgau stark gefährdet ist und ihres 
Bleibens in der Eidgenossenschaft nicht mehr ist*. 

Ziemlich häufig ist, insbesonders in Bern, dass Einlager in 
Anwendung gebracht werden. Der Leist, die Ausübung des ins 
obstagii, bestand darin, dass der Schuldner auf die Mahnung 
des Gläubigers sich mit einer gewissen Anzahl von Knechten 
und Pferden in eine Herberge begab und dort bis zur Erledigung 
seiner Verpflichtung auf eigene Kosten lebte*. Am 7. Brach- 



' Registre notarial de Fülistorf V, p. 22, Arch. cant. de Fribourg. — 
«Härder, S. 40. — ^Rec. dipl. VII, p. 100. — ^ Abschied III a, S. 282. Nr. 315. 
— ^ Grimm, Deutsches Wörterbuch VI, L M, unter „leisten". Daraus abge- 
leitet ,Leist" im Bemer Sprachgebrauch : „Von Zeit zu Zeit sich yersammelnde, 



^ S4 ~ 

monat 1380 bekennen Graf Rudolf von Kiburg, „lantgraflF ze 
Bürgenden", Konrad Sachs von Teitingen, Schultheiss von Burg- 
dorf, Peter von Rormoos, Peter von Matstetten, Burkhardt von 
Sumiswald, Edelknechte, Ulrich von Büren, Bürger in Burgdorf, 
Johann von Diesbach, Kilian Spilmann, Ulrich Bütschelbach, 
Heinrich Spiller, Bürger zu Bern, „dem bescheiden manne meister 
Ysaac von Tanne, dem Juden bürgern ze Bern", 627 fl. auf den 
12. Tag nach Weihnachten zu schulden. Sollten die Schuldner an 
diesem Datum ihrer Verpflichtung nicht nachkommen, so haben 
sie bis zur Zahlung einen wöchentlichen Zins von 2 Pfennig per 
Pfund zu leisten. Fühlen sie sich nach erfolgter Mahnung des 
Gläubigers zahlungsunfähig, so stehen sie vor der Alternative, 
entweder Pfänder beim Gläubiger zu hinterlegen, dafaus er 
Hauptgut, Gewinn, Schaden und Kosten „volkomenlich gehaben 
vnd gelösen" möge, oder sie haben sich 8 Tage nach erfolgter 
Mahnung mit einem Knecht und zwei „mussigen" Pferden, der 
Graf „selb dritte" mit sechs Pferden in eine öffentliche Herberge 
zu verfügen „vnd da rechte vnd gewonlich giselschaft anhaben 
tun vnd leisten", bis der Jude auf seine Kosten gekommen ist. 
Tagsüber dürfen die Herren sich frei bewegen, zur bestimmten 
Abendstunde aber müssen sie sich wieder in Bern einfinden. 
Auch können Stellvertreter „giselschaft" leisten. Wenn auf diese 
Weise vier Wochen verflossen sind, so ist der Gläubiger be- 
rechtigt, über das gesamte Gut der Leute zu verfügen, es zu 
verkaufen, mit oder ohne gerichtliche Hülfe, um daraus ihr 
Hauptgut, Gewinn, Schaden und Kosten zu gewinnen*. 

Insbesondere verpflichten sich die über die Ohren verschuldeten 
Kiburger häufig auf diese Weise*. 

Am 16. Dezember 1381 gehen Graf Berchtold von Kiburg, 
Peter von Rormoos, Johans Pfister und Erhart von Igliswil mit 
Benjamin von Schlettstadt „dem Juden burgern ze Berne" einen 
Vertrag um 126 fl. ein; der Zahlungstermin ist der 16. Juni^ 

Am 9. Juli desselben Jahres verpflichtet sich Rudolf von 
Kiburg und dieselben Mitschuldner wie in der oben zitierten 



zwanglose GeseUschaft, auch das OesellschaftslokaP. Siebe: Schweizerisches 
Idiotikon, S. 469, snb „Leist" II. 

* Bemer Staatsarchiv, Kiburger Urkunde 1380. — Mbid., siehe Beilage VI. 
— 'ibid., Kiburger Urkunde 1381. 



- 85 - 

Urkunde von 1382 demselben Geldmann 150 fl. und 18 Schillinge 
am kommenden St. Agathentage zurückzuerstatten *. 

Am letzten März 1382 stellen Anna von Nidau, Gräfin von 
Kiburgy ihr Sohn Rudolf und eine stattliche Anzahl Mitschuldner 
„dem bescheiden meister" Salomon von Vesoul, seinem Bruder 
Abraham und Frau Fröiden von Strassburg, seiner Schwieger- 
tochter, Bürgern von Freiburg i./Ü., einen Schuldschein um 
2000 Franken auf den 20. März aus. Anna und Rudolf v. Kyburg 
erklären, „das vns dise geltschuld sunderbar angat, vnd wir 
ovch daz gelt ze vnsem banden emphangen haut" ; dafür wollen 
sie „die vorgenanten vnser mitschuldner vnd ir erben har vnder 
von diser vorgenanten schulden wegen" vor allen weitem Un- 
kosten bewahren. „Vnd ze einer meren Sicherheit" haben sie 
Niciaus von Wippingen, den Edelknecht, als Geisel bestimmt*. 

Am St. Gallen Abend 1382 versprechen Johans Spiegier, 
„Kilchherr zu Münsigen, der Edelknecht Ulman Tscheppele und 
Erhart von Igliswil dem Symon Menlis, Burger zu Bern, 40 Pfund 
10 Schilling neuer Pfennige am ersten Urbanustage im Mai zu 
entrichten ^ 

Dem Benjamin von Schlettstadt haben sich Berchtold von 
Kiburg nochmals Willi Hubli von Burgdorf u. a. um 126 fl. auf 
den 19. August 1382 verpflichtet. „Wenne och man ir schulde 
vorgenant gentzlich vergolten wirdet so sol vns daz wachs der 
ingesiglen wider werden und aber men dirre brief zerbrochen 
bliben" \ 

Anna von Kyburg, ihr Sohn Rudolf, Johannes Spiegier, 
Probst zu Münsingen haben dem Juden meister Ysac von Tanne 
23 fl. zu zahlen (29. Heumonat 1382)5. 

Elsbeth Sürerin „wilent elichi frowe" Heinrich Surers eines 
Burgdorfer Bürgers „vnd mit ir durch ir bette willen Johans von 



' ibid., Burgdorfer Urkunde. — * StÄatsarchiv Bern, Burgdorfer Urkunde 
1382, hindersten tag März. — 'Auf der Rückseite findet sich folgende Um- 
schrift, die ich hier wörtlich wiedergebe um die ßrwähnnng der Pfandobjekte 

wUlen „Es ist ze wussen daz dis geltschuld so an disem brief statt u£f 

graff Rudolf von Kyburg ist vnd derselb Symon der Jude dar vmb vnd 

ze merer Sicherheit ein zwifalten silbern Kopf (Trinkgefäss) da gebrist (?) 
vff ein teil der gemelten vnd dar zu ein vbergulten betagten napf dem ist 
der fu£ gebrochen vnd wegont die stugk V mark II lot minder**. — ^Staats- 
archiv Bern, Kyburger Urkunde 1382. — ^ibid., Kyburger Urkunde. 



- 86 — 

Nüniberg", eines Berner Bürgers erklären im Dezember 1 383 Meister 
Ysaak von Tanne „dem Juden burgern ze Berne III gute vollenswere 
guldin gänge vnd gebe an gewicht vnd an goide" zu schulden. 
Sollte es zum Einlager kommen, so kann dfe Elsbeth Surerin an ihrer 
Stelle einen „erbern man mit einem mussigen pherite" stellen *. 

Im Jahre 1396 bekennt Peter von Hewen 18 fl. und 3 Schilling 
„dem beschaiden" Vivelin, dem Juden von Zürich, der Burger 
zu Schaffhausen ist, schuldig zu sein. Bis Mitfasten trägt die 
Summa dem Darleiher keine Zinsen, von da ab 3 Heller per 
Gulden die Woche. Wenn nach abgelaufenem Termin und er- 
folgter Mahnung die Zahlung nicht erfolgt, so hat Vivelin die 
Befugnis, über seinen Schuldner den ganzen oben geschilderten 
Apparat der „Giselschaftsleistung" ergehen zu lassen. Nach Ver- 
lauf eines Monats verfügt der Gläubiger frei über dessen liegende 
und fahrende Güter; kein Gericht und keine Gnade, Freiheit, 
Geleit von Herren, soll jenen vor dieser Massregel schützen*. 

Der ärztliche Beruf war der einzige, der ausser dem des 
Schacherers und Wucherers dem Juden freigegeben wurde. Der 
jüdische Arzt spielt im Mittelalter eine keineswegs unbedeutende 
Rolle. Erinnern wir uns, dass das kirchliche Verbot für Christen, 
sich von Juden behandeln zu lassen, selbst von einer Reihe von 
Päpsten durchbrochen wurde. Unter den Ärzten der Schweiz stellten 
im Mittelalter die Empiriker ein beträchtliches Kontingent; sie 
führen stets das Attribut „Meister" oder „ Artzet" vor ihrem Namen*. 

Unter diesen haben die Juden eine den christlichen Heil- 
künstlern durchaus gleichwertige Bedeutung gehabt; einerseits 
mochte den jüdischen Ärzten öfters grössere Bildung eignen, 
andererseits veranlasste der Mangel an christlichen Ärzten zu 
jüdischen Zuflucht zu nehmen^. Dass dies an manchen Orten 
ziemlich häufig der Fall war, dafür spricht der ärgerliche Aus- 
ruf eines Dichters aus dem 14. Jahrhundert; Kunrats v. Ammen- 
hausen, des Leutpriesters zu Stein am Rhein, der in seinem 



> ibid., Burgdorfer Urkunde. Eine schwache Abweichung von der üblichen 
Form steUt Beilage VII dar. — *Rud. Thommen, Urkunden zur Schweizer- 
geschichte aus österreichischen Archiven, Bd. II. Basel (1900), S. 319, Nr. 372. 
In den gleichen Formen bewegt sich Nr. 375, S. 321. — 'Meyer-Ahrens, Die 
Arzte und das Medizinalwesen in der Schweiz im Mittelalter in: Virchow, 
Archiv für pathol. Anatomie und Physiologie und für klinische Medizin, Berlin 
1862, Bd. 24, 3. Heft, S. 232. — Mbid., Heft 5, S. 469. 



— 87 - 

didaktischen Gedicht „Schachzabelbuch" sich vernehmen lässt: 
^Eie ich hie ouch sa^en wil, das man kiistanlute siht, die als 
rehte töricht sint^ so in von siechtagen iehts gebrist, da denne 
ein jüde oder ein jtidin ist, die sich arznien: nement an, den 
gloubet moenig vrouw und man, bei denne ein Meister der 
kristen ist" * ! 

Es lässt sich kaum glauben, dass die Juden akademische 
Studien gemacht haben ; einzig von den Freiburger Judenärzten, 
die eine hervorragende Rolle spielen, nimmt Meyer- Ahrens dies an. 
In der Regel hat sich wohl medizinisches Wissen von Vater 
auf Sohn vererbt und wurde von diesem durch eigene Erfahrung 
vermehrt. Dieser so sich anhäufende Schatz von Wissen, auf 
eigener und überlieferter Erfahrung beruhend, muss allmählich 
bedeutend angewachsen sein und alle Seiten der Heilkunst um- 
fasst haben ; denn sowohl die innere Medizin als auch die damals 
so tief stehende und verachtete Chirurgie sehen wir im Bereich 
der jüdischen ärztlichen Kunst. 

Die jüdischen Ärzte folgen in der Regel dem Rufe des 
städtischen Magistrats, erhalten für eine bestimmte Anzahl von 
Jahren Aufenthaltsbewilligung, die öfters erneuert wird, und 
eine fixe jährliche Besoldung ausser der jedesmaligen Bezahlung 
von selten ihrer Patienten. Dieser Umstand, ihre höhere Bildung, 
ihre grössere Freiheit im Verkehr mit den christlichen Kreisen 
jeden Grades, die ihnen meistens sehr günstige Meinung der Obrig- 
keit heben sie hoch über ihre übrigen Glaubensgenossen empor. 
Dazu gesellt sich in der Regel eine gewisse Wohlhabenheit, die 
sie nicht selten durch Kombination ihres Berufes mit dem ihrem 
Stamme zur eigentlichen Signatur gewordenen des Geldausleihers 
zu steigern wissen. 

In Freiburg reiht sich von der Mitte des 14. bis zu Aus- 
gang des 16. Jahrhunderts ein jüdischer Arzt an den andern an, 
gleich wie ein Glied einer Kette an das andere*. 



^Herausgegeben von F. Vetter, Bibl. älterer Schriftwerke der deutschen 
Schweiz. Ergänzungsband. Frauenfeld 1892. Zeile 15456 £f. Den Hinweis auf 
diese SteUe verdanke ich Herrn Prof. Singer in Bern. — '^Die folgenden 
Ansf&hnmgen über die Freiburger Judenärzte basieren wesentlich auf einem 
kleinen Aufsätze von Dr. Anton Favre, Les m^decins juifs ä Fribourg dans 
les siöcles passes; in den „Archives de la soci^tö d'histoire du Canton de 
Fribourg'*, t. VII, livre i, wo nicht andere Quellen ausdräcklich zitiert sind. 



— 88 — 

Von 1356-1370 praktizierte hier ein gewisser Jocet. In 
einem Schuldbrief von 1356 geschieht seiner zum ersten Mal Er- 
wähnung. Jean, genannt Dagme von Landeron, verpflichtet sich 
ihm für 21 fl.; es ist das Honorar für die Behandlung seines 
verwundeten Bruders. Diesen, der schon fast dem Tode nahe, 
hat Jocet von Landeron zu sich nach Freiburg überführen lassen. 
Dem Bruder hat er das Versprechen abgenommen, den Leitenden 
ohne seine Zustimmung nicht wieder zu entfenien. Die Hälfte 
der schuldigen Summe soll dem Chirurgen vor Oculi, sei es, dass 
der Patient wieder genese oder sterbe, der Rest nur im erstem 
Falle entrichtet werden *. In einem weitern Schriftstück bezeugt 
ein gewisser Jaquemot, genannt Pincet, seine Heilung durch 
Jocet und bezahlt ihn mit 22Vs A-'« — 1359 wird der Arzt zu 
einem gewissen Jean, genannt Glustry von Schwarzenberg, ge- 
beten, um ihn von einer Augenentzündung zu befreien. Der Fall 
muss ernst sein, denn der Arzt wagt nicht, die Behandlung zu 
übernehmen. Da verspricht ihm der Kranke schriftlich in seinem 
und seiner Eltern Namen , ihn , auch im Falle des. Misslingens, 
vor kein weltliches oder geistliches Gericht zu ziehend — 1370 
finden wir Meister Jocet nach Basel übersiedelt. Von hier aus 
sendet er eine Schrift nach seinem frühern Wohnort, die Quittung 
und Vorbehalt zugleich, also eine Abrechnung mit Freiburg 
gewissermassen, ist^ Er bestätigt den Empfang der ihm jährlich 
für die Ausübung seiner „scientia solorgica" zugesagten 10 ff 
laus.; auch erkennt er an, dass man ihm alle Versprechungen 
und Freiheiten „laudabiliter" gehalten habe ; weder er noch seine 
Angehörigen hätten jemals von der Stadt etwas zu fordern. 
Dagegen behält er sich freies Verfügungsrecht über sein Haus 
in Freiburg * und seine Ansprüche, die er an einzelne Schuldner 
besitzt, vor, verspricht jedoch „alibi ipsas personas vexare non 
teneor". Aus freien Stücken verzichtet er auf die 30 fl., die er 
der Stadt zum Zwecke öffentlicher Bauten einst vorgestreckt 
hat, die er ihr als wohlverdient und „pro meo jocundo recessu*^ 
zuspricht. Von 1371 an empfangt Jocet von der Stadt Basel 



< Registrum Lombardorum , p. 13. Arch. cant. — *Reg. Lombard., 
p. 41. — »Reg. Lomb., p. 104. — -»Rec. dipl. IV, p. 72 flf. — ^„Cette 
maison ^tait situi^e an quartier du ßonrg pr^s de celle de Jean de Dueus.* 
(Favre, p. 5.) 



- 89 - 

Honorar; im folgenden Jahre wird er oflSziell zum Stadtarzt 
ernannt mit einer jährlichen Besoldung von 25 ff *. 

1403 bürgert wsich Simon von Pierra Chastel in Freiburg ein, 
ein Mann, der dem Wucher mit ebenso grossem Fleiss als der 
Kunst des Aesculap obgelegen zu haben scheint. Mehrere Schuld- 
briefe sprechen dafür. Sein Haus lag in „vico fori animalium" 
(jetzt Zähringerstrasse). Nach seinem Tode scheint seine Witwe 
noch mehrere Jahre in Frei bürg verweilt zu haben. 

Der Arzt und Chirurg Ackin von Vesoul (Vixou) lässt sich 
im Jahre 1412 in Freiburg auf 10 Jahre nieder. Er entrichtet 
fiir sich und seine Familie eine jährliche Steuer von 50 ff laus., 
eine Summe, die in Anerkennung seiner Verdienste auf die Leistung 
von zwei Armbrüsten im Werte von 10 fl. rhu. reduziert wird. 
Wie sehr man von seiner Tüchtigkeit befriedigt ist, beweist die 
Adresse des Kleinen Rates anlässlich der Verlängerung seines 
Domizilrechtes. Sie rühmt nicht nur seine Geschicklichkeit und seine 
Hingebung an seinen Beruf, sie hebt insbesondere die Sorgfalt, 
die er nicht nur den Reichen sondern auch den Armen angedeihen 
lasse, hervor und hofft, dass er so fortfahren werde ; sie wünscht 
auch, er werde seine Behandlung weiterhin gegen bescheidenen 
Entgelt, der je nach der Schwierigkeit des Falls und nach dem 
Vermögen des Patienten differiere*, fortsetzen. In streitigen 
Fällen habe er den Rat um Entscheidung anzurufen. Ohne Be- 
willigung des Schultheissen darf er die Stadt nicht verlassen; 
im Kriege hat er persönlich die Truppen ins Feld zu begleiten 
oder einen Stellvertreter auf eigene Kosten dahin zu entsenden, 
der den Verwundeten beispringen und mit allen Hülfsmitteln 
seiner Kunst ausgerüstet sein müsse*. 

1423 gesellen sich zu seinen sonstigen Abgaben noch die 
Kosten, die er der Stadt verursacht dafür, dass sie in einem 
Handel, den er mit einem Glaubensgenossen hat, Boten in seiner 
Sache nach Zürich und Konstanz geschickt hat^. Zu gleicher 
Zeit erhält Ackin den Ruf nach Bern, um dort einen von Greyerz 
kommenden Boten, Jackob von Englisberg, der sicli einen Bein- 
bruch zugezogen hat, zu heilen. Von den 100 sols, mit denen 
die Stadt den Verletzten entschädigt, erhält auch Ackin sein 



»Siehe auch P. Ochs II, S. 448, Anm. 1. — «Rec. dipl. VII, p. 109 s. 
'Nach Berchtold I, S. 246, machten sie 21 francs, 5 soas, 6 deniers aus 



— 90 — 

Honorar. Er besitzt in Freiburg zwischen der grossen Abtei 
und dem Hause des Otto von Salicet ein eigenes Haus, 
das er von Pierre Buguet für 300 S' gekauft hat. Dieses Geld 
hat er — ganz unjüdisch — selbst beim grossen Spital entlehnt 
und mehrere Pfänder dafür hinterlegt, darunter auch ein Frauen- 
reisekleid und ein Paternoster. Schon 1424 verlässt er Freiburg 
und siedelt sich in Casala an. Sein Haus lässt er von dort aus 
durch seinen Sohn veräussern; etwas später wird er durch Ver- 
mittlung des Markgrafen von Montf errat von seinen Verpflichtungen 
gegen die Stadt befreit. 

Ein Jahr vor seinem Aufbruch, 1423, erwirbt der Arzt und 
Chirurg Abraham, der Sohn des Ackin von Yonna, das Haus 
des Simon von Pierra Chastel von dessen Witwe. Vom Kloster 
de la Maigrange kauft er 1427 um 260 ^ das benachbarte Haus '. 
Am 10. Mai erhält sein Schwiegervater Pinchas (Pinahast) die 
Erlaubnis sich in Freiburg niederzulassen auf dieselbe Dauer 
von Jahren wie er selbst. Alle seine Freiheiten und Rechte sagt 
man auch diesem zu ^. Seine Herrlichkeit aber nimmt ein Ende 
mit Schrecken. Im Jahre 1428 wird er des Unterschleifs an- 
geklagt; man verurteilt ihn, da er sich nicht über die 800 Fr., 
die er dem Staat schuldet , ausweisen kann , zum Feuertode ^. 
Favre bestreitet freilich, dass dies seine Verhaftung veranlasst 
habe; er verweist auf die Bemerkung in den Comptes des tr6- 
soriers, dass Abraham nach der Folter seine Schuld eingestanden 
habe^ Damit ist aber die Annahme Berchtolds durchaus noch 
nicht entwertet, denn unter den Begriff der Schuld liesse sich 
doch wohl der engere des Unterschleifs einreihen. — Dann 
ging man auf die Suche nach dem Verurteilten ; sein Haus wurde 
in der Nacht umstellt, man erleuchtete die Strasse mit neun 
Pechfackeln. Man fand ihn nicht im Hause ; drei Männer stellte 
man an die Ausgänge; schliesslich fand sich der Verurteilte 
gezwungen, aus seinem Versteck hinter einem Kamine, sich 
hervorzuwagen. Während acht Tagen hielt man ihn im Gefängnis 
in la Tour-Rouge gefangen. Seine Familie wurde während seiner 



•ßerchtold I, p. 247 = 220 francs. — «Rec. dipl. VII, p. 265. — 
^Berchtold I, p. 247. — *„Item a cellour mesme k la marenda quand lour 
venirent dever Abraham que il avoit regiquir le fait 10 sols 6 d." Comptes 
de^ Tr^soriers, N<> 52. Chapitre k part et d^penses diverses. 



— 91 - 



Hinrichtung bewacht. Sein Haus und seine Güter Hess man 
86 Tage beaufsichtigen und aus Bern berief man den Juden 
Bachi, um seine Papiere entziffern zu lassen *. Seine Hinrichtung 
scheint übrigens der Stadt nicht geringe Kosten verursacht zu 
Laben. Wir geben in folgendem einen Auszug aus der Rechnung, 
in der sämtliche Ausgaben zusammengestellt sind: 
Excutar Abraham jueir a Hinrichtung des Juden 



sols den. 



ordeir. 
Primo a Petermann Malchi 

pour mettre lo fer de la 

tallietesta 
Item a 7 soutiers 
Item a 7 soutiers por gardeir 

lo dit Abraham en la Ju- 

sise dix'ung mattin jus- 

ques a Tautre 
Item a meister Peter por 

une jomer charrez 

Item a meister Peter por 
executar le dit Abraham 
a ordeir la tete desob 

Item por gan et cordes 

Item por le bos 

Item ou jueir Bachie qui 
a lie les livres enchie 
Abraham ordonni par 
Messeigneurs 

Item a Berhart por des- 
pensfaitporlesbonderet 
lo londi que Ion mitt 
Abraham jueif sus la 
chaux et ly sotier avec 
lour enclos 5 sols que 
Ion boilliat ou bonderet 



Abraham durch Feuer. 

Bezahlt dem Petermann 
Malchi, der das Eisen an 
d. Maschine befestigt hat 

Den 7 Amtsdienern 

Den 7 Amtsdienem, die den 
besagten A. von einem 
bis zum andern Morgen 
bewacht haben 

Dem Meister Peter (dem 
Henker) für einen Tag 
Fuhrlohn 

Dem Meister P. für die Hin- 
richtung des A. d. h. die 
Verbrennung mit dem 
Kopf nach unten 

Für die Handschuhe und 
Stricke 

Für das Holz 

Dem Juden Bachie, der die 
Bücher des A. entziffert 
hat, auf Befehl der 
Herren 

Dem Bernhard für Aus- 
gaben bei diesem Wirt 
als die Wächter den 
Juden A. auf Kalk legten, 
inbegriffen 5 sols 



5 
14 



35 — 



15 - 



28 - 





30 



9 



6ff 



Nach Berchtold I, S. 247. 



de logy Jacob Studer pour 
lo quart düng saumont 

Item a cellour mesmes k la 
niarendo quand lour veni- 
rent dever Abraham que 
il avoit regiquir le fait 

Item le mercredi que Ion 
deffit Abraham por mon- 
seigneur TAvoyer et cel- 
lour qui disnarent avec 
lui enclos les despends 
des escharwain 



— 92 - 



dem Jacob Studer für das sols d. 



Item por despens fait la 
vellie de la S. Johan 
que Ion visita les biens 
d'Abraham jueif por au- 
cors des bonderets et 
d'autres 

Item por despens fait aprfes 
la St. Johan que Ion mitt 
en inventaire les biens 
d'Abraham que ly jueif 
Bachie de Berna se fust * 



Viertel eines Lachses 

Für die Mahlzeit als man 
von A. kam, der sein 
Verbrechen gestanden 
hatte 

Am Mittwoch, dem Tage 
der Exekution des A., 
Ausgaben gemacht durch 
den Herrn Schultheiss 
und derjenigen, die mit 
ihm zu Mittag speisten, 
inbegriffen die Ausgaben 
für die Wachen 

Die Ausgaben vom 23. Juni, 
als man die Hinterlassen- 
schaft des A. untersuchte 
^par besoin des bannerets 
et autres" 



25 — 



10 6 



35 



16 — 



Für Herbergkosten nach 
dem 23. Juni, als man 
das Inventar der Hinter- 
lassenschaft des A. durch 
den Juden Bachie von 
Bern aufnehmen liess 12 — 
Im selben Jahre 1428 erfolgte die Ausweisung der Juden 
aus Freiburg, die freilich nicht allzulange vorhielt. Schon im 
folgenden Jahre sehen wir einen Freiburger Bürger in Handels- 
beziehungen mit einem gewissen Arzt Ysaias, der in Meilingen 
wohnhaft ist, treten und 1458 lässt der Magistrat den Juden 
Manasse in die Stadt kommen, damit er einem kranken Rats- 
mitgliede Heilung bringe. Drei Jahre später schlägt dieser Arzt 
seinen dauernden Sitz in Freiburg auf. Man gewährt ihm sogar 
freie Wohnung. Und als 1463 eine neue allgemeine Verbannung 



'Comptes des Trösoriers, N« 52. Chapitre ä part et (16penses diverses. 
Arch. cant, de Fribourg. 



— 93 — 

der Juden erfolgt, bleibt er allein, freilieb ohne festen Gehalt, 
in der von Juden reinen Stadt zurück. 

Von 1464 an taucht im Registre notarial und in Urkunden 
der Name des Vinan de la Tor (Vibranus de Turre) auf. Er ist 
der hervorragendste unter seinen Kollegen gewesen. 1470 hält 
ihn die Freiburger Regierung auf vier Jahre zurück, indem sie 
ihm die Rechte eines Bürgers und eine Besoldung von 30? fl, 
anbietet. Eine Verlängerung des Aufenthaltes erfolgt bis 1486, 
in welchem Jahre er Freiburg verlässt, um drei Jahre später 
wieder dahin zurückzukehren, wobei man ihm die Reisekosten 
ersetzte. Seine Besoldung beträgt jetzt 40 ff und wird bis 60 fl 
erhöht. Bis 1499 figuriert er in den Kechnungen. Ihm wui'de 
auch die ganz besondere Gunst zu teil, seinen äussern Habitus 
nicht durch das Judenzeichen entstellen zu müssen (1477); ferner 
befreite man ihn und seine Familie 1484 von den Eintrittsgeldern. 
Als ihn einmal auf einer Reise bei Oron vier Freiburger aus- 
geplündert hatten, bestrafte sie der Rat zu einer Geldbusse 
von 5 fl. 

Während des Brautschatzhandels wurde Vinans Haus aus- 
geraubt ; er wurde dafür vom Rat mit 20 fl. entschädigt. Auf 
eine Misshandlung ihres Arztes hin durch die Bürger von Yver- 
don verlangten die Freiburger energisch Gerechtigkeit für ihn. 
Weit über die Kantonsgrenze erstreckte sich sein Ruf; man Hess 
ihn nach Solothurn kommen, um den frühern Schultheissen Hagen 
herstellen zu lassen ; häufig konsultierte man ihn auch in Bern *. 
1478/1479 war ein grosser „sterbet". Am 27. Januar 1479 erhielt 
„der Jude von Freiburg" freies Geleit „zu handien nach biderber 
lut beger". Es mochte wohl Vinan de la Tor sein'. Im Wallis 
und im Pays d'en haut erteilte er seinen ärztlichen Rat. 

Zu seinem ärztlichen Beruf und seiner Bankiertätigkeit (die 
ersten Urkunden, die von seinem Dasein reden, sind Schuldbriefe) 
kam die Praxis als Apotheker. Diese letztere aber war dem Rat 
nicht genehm: Am 19. Mai 1490 erteilte er ihm die Verordnung, 
sich seiner Chemikalien zu entledigen und von nun an seine 
Rezepte wie andere Arzte aufzuschreiben und sie durch den 



>8iehe anch Tobler, Beni und die Juden. Berner Taschenbuch 1893/94, 
S. 120. — «G. Tobler, Die Berner Chronik des Diebold Schiüing II, S. 196, 
Anm. 2. 



- 94 - 

Apotheker fabrizieren zu lassen, damit man sehe, welcher Art 
die Heilmittel seien, die er seinen Patienten austeile. 

Vinan ist der letzte jüdische Arzt des mittelalterlichen 
Freiburg. Zu Ende des 16. Jahrhunderts übte ein gewisser Marx 
die medizinische Praxis aus und liess sich bei seinem Aufbruch 
von der Stadt vom Rate seine berufliche Tüchtigkeit und erfolg- 
reiche Tätigkeit in einem versiegelten Schriftstück attestieren. 

Auch in Bern müssen zu Ende des 14. Jahrhunderts jüdische 
Mediziner ansässig gewesen sein. In den Stadtrechnungen findet 
sich unter dem zweiten Semester 1375 folgender Posten * : „Denne 
dem Juden, als er Hug Heymen sun artznot XVin ü " und aus 
dem ersten Halbjahr 1384: „Denne Symon dem Juden, als er 
geartzenet hat, so gewirset wurden, das geburt IV ff'". 

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts werden öfters 
fremde jüdische Mediziner konsultiert. Gabriel ßaphael von 
Lausanne praktizierte sowohl in der bernischen Landschaft (14 76), 
als auch in der Stadt selbst, wo er (1480) die Behandlung der 
schwerkranken Frau des Weimer Loubli übernahm^. Einige 
Jahre später wurde der Freiburger Vibran de la Tor gesuchter 
Arzt in Bem^ 1492 ergeht an Tschachtlan in Niedersibenthal 
der Befehl, einen Mann, der sich als getaufter Jude und Arzt 
aufspielt, aus dem Berner Gebiet auszuweisen, da „an sinem 
furgeben nutz sye"^. 

In Solothurn weilt eine kurze Zeit ein getaufter Jude, 
Michel von Trient als Arzt. Er beschäftigt sich hauptsächlich 
mit „Wassersechen", aber auch mit sonstiger „erzny". 

Dem Rat der Stadt legt er das Versprechen ab, falls er 
sich mit einem ihrer Bürger veruneinigte, diesen nur vor 
heimischem Gerichte belangen zu wollen®. 

'Herausgegeben von F. S. Welti. Bern 1896. S. 9. — «ibid., S. 817. — 
«Tobler, Berner Taschenbuch 1893/94, S. 120. — *Oben und Tobler, S. 120. — 
^Berchthold Haller, Bern in seinen Ratsmanualen 1465— 1565, Teü IL (Bern, 
Wyss 1900.) S. 374. — "„Wir der Schultheis vnd rate zu Solotorn bekennent 
vnd tund kund menglichem mit disem brieffe nachdem vnd der bescheiden 
Michel der getoufft jud von Trient ettwas zites in ynser statt gewesen ist 
vnd sich mit wassersechen vnd erznij begangen hat vnd mit person vnseinß 
worden ist daz der gemellt Michel vos vns offenlich mit vfifghepten händ hat 
gesworen zu got vnd den heiligen ob er an jemand der vns zugehorte oder 
ze versprechend stund vnd ansprach hett oder gewunn die an deheinem end 
fiirzenemend noch ze bekümmern den mit recht von vns nach vnser statt 



-~ 95 — 

Sehr spärlich sind die Spuren jüdischer Heilkünstier in 
Basel. Von dem aus Freiburg übersiedelten Jocet war schon 
oben die Rede. Im Beedbuch der Stadt Frankfurt a./M. wird 
1358 Jakob von Basel „Artzit" erwähnt; allem Anschein nach 
ist er ein Jude *. Einzig ein Bürgerbrief, der 1398 die Auf- 
nahme eines solchen verkündet, lässt uns vermuten, dass sie 
auch hier sich einfanden. Der Bürgermeister Arnold von Beren- 
fels und der Rat von Basel verkünden, da sie seit geraumer 
Zeit keinen guten Wundarzt besässen „und wir und unser burger 
sirme und riche bi uns bedorffent und notdürfiftig syent einen 
guten Wundarzt in unser statt ze habende," so nehmen sie Meister 
Gutleben, den Juden, für die nächsten 10 Jahre als Wundarzt 
auf*. Dieser selbst gelobt dem Rat und der Bürgerschaft „daz 
erberestes bestes und wegstes getruwlichen ze tunde**. Man 
setzt ihm als jährliches Fixum 50 fl. rhu. aus. Auch Frau, Kinder 
xind Hausgesinde des Gutleben sind in alle Rechte und Frei- 
beiten aufgenommen; nur dürfen sie keinen Wucher treiben. 
Sollten innerhalb der 10 Jahre andere Juden besonderer Rechte 
und Gnaden teilhaftig werden, so darf auch er ihrer mitgeniessen, 
Fremden Juden darf er während der Tageszeit zu essen geben, 
nicht aber sie übernachten lassen. Sollte er an jemand berechtigte 
Ansprüche haben, so versichert ihn die Behörde ihrer Beihülfe ^. 
Im 16. Jahrhundert gewinnt ein jüdischer Arzt aus dem Elsass 
einen grossen Ruf. „Nach ihm (einem christlichen Doktor Amman) 
ist der jud von Alßwiler mechtig gebrucht worden *.^ In Zürich 



fryheit. Der gerneUt Michel ist auch gütlich vmb kein verschuUte sach noch 
vmb (?) von vnser statt vud land sonder in aller besten vmb frid vnd ruw 
willen ymb daz im kein vnzucht wider far nach begegne gewisen by — an 
vnser wider ruffen vnd ablassen daz wir über knrz oder lang im zu gut yfif 
sm beger wol tun mugent vngevarlich. deß zu warem offenem vrkund so habent 
wir vnser statt secret insigel getan henken offenlich an disen brieff der geben 
ist vff mentag nach dem sontag Reminiscere deß jareß do man zallt nach 
der gepurt Cristi, thusent vierhundert sibenzig vnd nun jar." Staatsarchiv 
Solothnrn. Copise, rote Nummer 7, 8. 234. 

^Eriegk, Deutsches Bürgertum und Mittelalter 1868. Siehe Anhang, 
S. 35. — ^Bei Ochs 11, S. 448 findet sich aUerdings eine Notiz schon aus 
dem Jahre 1378. „Geben Meister Gutleben dem Juden, unserm artzet 18 ff von 
sines rechtes wegen." — ^Basier ürkuudenbuch V, S. 262, Nr. 243. — *Güde- 
mann, Geschichte des Erziehungswesens und der Kultur der Juden in Deutsch- 
land während des 14. und 15. Jahrhunderts. Wien 1888. S. 198. 



- 96 - 

verweist man 1423 alle Juden der Stadt. Nur Meister „Joseph 
dem artzat" gewährt man seiner Kunst wegen weitem Aufenthalt, 
falls er verspricht nirgends auf Züricher Boden gegen Zinsen zu 
leihen *. 1425 beruft der Rat von Luzern diesen Joseph auf ein 
Jahr oder mehr und erteilt ihm zu diesem Zweck sicheres Geleit. 
„Wir haut Joseph dem Juden artzet Zürich geleitet vnd her 
getrost zu vns, bi vns vnd von vns, in vnsern gerichten für die 
vnsern, ein jar vnd darnach vntz vf vnser widerrufen*. 1497 
wird der Judenarzt Lazarus von Ztlrich von Konrad von Rümlang 
als Herrschaftsarzt „wegen seiner Erfahrenheit" in der Arznei- 
kunst angestellt^. Auch in Winterthur praktiziert er. 1518 ge- 
stattet man ihm Domizilsverlängerung; knüpft aber gewisse 
demütigende, übrigens sonst weitverbreitete Bedingungen daran, 
wie z. B : Dass seine Frau und Schwiegertochter auf dem Markte 
nichts mit den Händen berühren, dass sein Sohn Moses in keinem 
Geschäft zu verweilen habe, sondern nur mit seinen Kranken 
verkehren dürfet Bei einem unbekannten jüdischen Arzte in 
Winterthur nimmt 1522 der Abt des Klosters St. Urban (Luzern) 
Wohnung, um sich von ihm behandeln zu lassen *. Einem andern 
jüdischen Arzte, Versa, der sich gegen das strenge Verbot, Kranken, 
nachdem ihnen die Sterbesakramente gereicht worden, noch zu be- 
handeln, vergangen hat, entzieht der Rat 1519 das Bürgerrecht". 
In der Mitte des 16. Jahrhunderts bewilligte der Rat von Glarus 
einem jüdischen Arzt aus Rapperswil die Praxis in seinem 
Gebiete ". Auch in Graubünden sollen jüdische Arzte italienischer 
Abkunft zeitweilig sich betätigt, insbesondere als Bruchoperateure 
sich ausgezeichnet haben \ Es hat in den Reihen der jüdischen 
Heilbeflissenen auch nicht an Quacksalbern und Betrügern ge- 
gefehlt. Ulrich^ verfehlt nicht, die Stückchen einiger solcher 
Afterkünstler zu erzählen. 



' Meyer- Ahrens u. a. 0., Heft 5, S. 469. — «Ratsbuch IV, S. 80 n. 1426 f. 
6ta ante Georii (Luzern) und Segesser II, S. 398, .Anmerkung 1. — 'Meyer- 
Ahrens, 5. Heft, S. 469. — Mbid., S. 472. — Mbid., S. 469. — « Meyer- Ahrens, 
Heft V, S. 472. — Mbid., 8. 472. — »Ulrich, S. 68 f. 



- 97 - 



lY. 

Die soziale Stellung innerhalb der christlichen Welt. 

Ein Zug von Vereinsamung weht durch sämtliche Ver- 
fügungen, die die gesellschaftliche Stellung der Juden regelten. Er 
ist das Produkt dreier ineinander fliessender Strömungen. Erstens 
mochte er eine Spezialerscheinung der allgemeinen Tendenz des 
^Mittelalters sein, nach Abstammung, Berufstätigkeit, Religion etc. 
gleichartigeElemente zu einem Ganzen zusammen zu schliessen und 
dieses in bestimmter Ordnung neben andern in sich einheitlichen 
Klassen einzureihen. Sodann lebte im jüdischen ßeligionscodex 
selbst ein auf Vereinzelung und vornehme Sonderung gehender 
Geist. Er fand bei der christlichen Obrigkeit kräftige Unter- 
stützung, denn ihr lag die Orthodoxie ihrer israelitischen Unter- ' 
tanen ebensosehr am Herzen wie die der eigengläubigen. Das 
dritte und stärkste Motiv war endlich der tiefwurzelnde Hass, 
der einerseits auf materieller, andererseits auf religiöser Grund- 
lage fusste. Der dem Neid auf die anscheinend finanzielle 
Besserstellung der Juden entstammende, war unstreitig der 
intensivere, weil aus lebendiger Gegenwart herausgewachsen, 
allein die religiös gefärbte Feindseligkeit war die offizielle von 
oben gepflegte, denn sie entsprang der allgemeinen Anschauung 
nach einer sittlich hohem und berechtigten Begründung. 

Auch die furchtbarsten Verheerungen des 14. und 15. Jahr- 
hunderts kannten eine letzte Schranke ; aber das lag weit weniger 
an einem Aufflackern von Menschlichkeit als vielmehr in jenem 
Streben, die Juden als den fleischgewordenen Fluch Gottes, 
als einen Vorrat von Niedrigkeit aufzubewahren, über den sich 
jedermann in die Höhe recken konnte*. 



*Als Gnmd den Juden die Errichtung von Synagogen und Kirchhöfen 
2a gestatten, führt z. B. der Bischof Heinrich III. von Eonstanz (1383) an: 
0. . . . perpendentesque, quod etiam S. Sancta Ecclesia Judaeos in ingens Sal- 
yatoris nostri Jesu Christi passionis testimonium ac memoriam, huiusmodi 
sectam Judaicam decrevit usque in diem novissimam tolerandam**. Ulrich, 
Beilage M, p. 435. 

A. Steinberfi:. 7 



-- 98 — 

Wie stark diese Tendenzen ins Leben der Juden eingriffen, 
möge aus den folgenden Ausführungen hervorgehen. 

Die Regel war, dass die Juden beisammen in einem be- 
sondern Stadtviertel wohnten. Allein nur in wenigen Städten 
der heutigen Schweiz scheint diese Vorschrift eine absolut 
bindende gewesen zu sein. Nicht nur pflegten einzelne Juden 
ihren Wohnsitz ausserhalb des Ghettos aufzuschlagen; sehr 
häufig blieben auch die frühern christlichen Einwohner unter 
den neuen Ansiedlern sitzen oder kauften sich später in ihrer 
Mitte an, so dass mit sehr seltenen Ausnahmen von einem in 
sich abgeschlossenen Judenquartier nicht geredet werden kann, 
wohl aber von Stadtteilen mit vorwiegend jüdischer Bevölkerung. 
So war es in St. Gallen, wo die Juden grösstenteils hinter der 
Brodlaube (heute „hinter der Laube'*) sich ansammelten*. Ausserdem 
besass der Jude Abraham von 1420 an Haus und Hof im Brühl*.. 
Solothurn hatte eine besondere Judengasse (die heute noch so 
heisst), ob der Schmiedenzunft gelegen; eine ganze Anzahl 
christlicher Einwohner verkauften oder verpfändeten im 15. und 
16. Jahrhundert ihre dort gelegenen Häuser 3. Das Judenzentrum 
in Luzern war die Krongasse bis zum „Zöpfli'* *; gegen die Reuss 
zu lag der sog. Judenturm*. In Zürich lebten die meisten Juden 
in den beiden Brunngassen, ohne dass hier, ebensowenig wie 
in den andern Städten, eine absolute Lokalbeschränkung ge- 
herrscht hätte ^ Im Jahre 1345 verkauften Moysses, der Sohn 
der Frau Minne, und seine Ehewirtin Halde, Haus und Hofstatt 
und Garten „so gelegen in Zürich in der grossen Brunengassen" 
ihrem Tochtermann Fidel um 80 Mark guten Silbers Züricher 
Gewichts ^ 1350 erwirbt der Bürgermeister ßud. Brun das früher 
dem Moyses von Bern gehörige Haus „in der Judengassen ge- 



»Belegebei Wegeliu, S. 129. — «Wegeliu, S. lU, — ^St-A. Solothurn, 
Copiae, rote Nummer 2, p. 201: „Anno Domini LXXVto (i475) vff donstag 
vor mitten fasten hat ßungki OwaUd : vrkund erlangt über Hansen Gage hus 
an der Juden gassen*" etc. Copise IV, S. 322 u. S. 325: ein Haus an der Juden- 
gasse wird verpfändet; ibid., S. 679: wird eine Abzahlung von 100 fl. auf 
ein Haus an der Judengasse geleistet. Weitere Angaben finden sich : Copise Y, 
S. 72, 73, 225; XX, S. 211. Ratsmanuale IV, p. 368; XXX, p. 96. — ^Liebenau, 
S. 266. — Mbid., S. 266 u. S. 22. — «Ulrich, S. 27 und Bär, S. 136 f. — 
^Anzeiger für Schweizergeschichte, N. F., 3. Bd., S. 216. 



^ öd - 

legen** von der Stadt, die es vermutlich nach der Verfolgung 
von 1349 sich angeeignet hatte'. 

Friedrich von Kloten bezahlt 1359 für ein Judenhaus 110 fl.' 
Ein an dieses anstossendes Gebäude veräussert 1385 Friedrich 
Stoiry um 2772 S und 3 Schillinge 3. 

Dagegen hatte ausserhalb dieses Rayons ein Jude 1311 das 
Haus „an dem Orte" am ßennweg inne. Juden sind Eigentümer 
eines steinernen Hauses an der Kirchgasse, eines Ladens unter 
dem „Schneggen", der Manegg etc. Allerdings scheinen sie diese 
Gebäude, welche aus dem Besitz verschuldeter Bürger in den 
ihren übergingen, nicht bewohnt zu haben*. 

Im Jahre 1332 geht in Zürich Johans Meise mit Moysse 
und Gumprecht, den Söhnen der Frau Minne, bezüglich des 
Hauses der letztern, das an den Garten des erstem stösst, 
folgende Übereinkunft ein : Joh. Meise verpflichtet sich und seine 
Erben, in keinem Falle die „liechter und gesiebte", welche in 
seinen Garten gehen, zu „verslohen"; die Juden versprechen, 
dass die Grenzmauer (getüUe) zwischen ihrem Hause und des 
Meisen Garten in der Höhe von neun Fuss vom Boden aus sich 
zu erheben hat. Sie wollen es mit einem Gitter umgeben, das 
derart beschaffen ist, dass niemand „da dur geslüffen muge", 
dass es genügend Licht einlässt und bis zum nächst hohem 
Gang reiche. Meise wiedemm will den Juden freiwillig . 
„halbe hofstat geben, als lange sin garten ist", falls sie 
eine Mauer zwischen Haus und Garten errichten wollten. 
Die Mauer, welche jetzt von der Strassenseite her seinen 
Garten umgibt, soll nie höher werden als 13 Schuhe. Femer 
hat er sich ausbedungen, von der andern Seite seines Gartens 
her bis 24 Fuss gegen die Wohnung seines Nachbarn bauen zu 
dürfen, sei es ein Haus, einen Schopf oder ein Sommerhäuschen. 
Bäume dürfen gesetzt werden. Sollte die oben erwähnte Mauer 
von den Juden zwischen ihrem Hause und dem Garten errichtet 
werden, so soll ihre Dicke derart sein „als man Zürich ge- 
wohnlich muren machet". Falls das „getülle erfulet oder erwirt", 
so haben die Juden eine Mauer von neun Fuss Höhe zu erstellen. 
Fmchttragende Bäume darf Meise wohl vor der Juden Fenster 



»Ulrich, Beilage L, S. 433 nnd Bär, S. 144. — «Ulrich, S. 27. — »ibid. 
Beilage N, S. 438. — ^Bär, S. 137. 



- lOÖ — 

setzen, allein keine Pappel- oder Weide- oder Nussbäume, damit 
nicht den Juden mutwillig „ir gesiebte und liecht verslagen 
werde". Verboten wird den letztem, in den Garten etwas heraus- 
zugiessen oder herauszuwerfen. Job. Meise hat von den Juden 
nach seiner Aussage 37 ä* Züricher Pfennige erbalten *. 

Unter den übrigen Einwohnern zerstreut scheinen die Schafif- 
bauser Judenbürger gelebt zu haben. 1299 war ein Jude im 
Besitze dreier Häuser am Obermarkte, worunter eines in Stein 
aufgeführten. Als ihr Eigentümer tritt 1333 der Jude Jakob auf; 
er wirkt beim Rat die Verfügung aus, falls das Nebenhaus 
seinen Besitzer ändern würde, diesem jederzeit einen Höherbau 
untersagen zu können, weil durch einen solchen mehrere Fenster 
des Hauptgebäudes vermauert werden müssten'. Dieses Haus, 
das den Namen „zur Haselstaude" führt, erwirbt 1340 der spätere 
Bischof von Konstanz, Johannes Windellock, lässt es jedoch, 
da er die Kaufsumme nicht erlegt, vorläufig als Pfand in der 
Hand seines bisherigen Besitzers ^. Er ist denn auch guten Kaufs 
weggekommen. Als nach der Judenverbrennung von 1349 die 
Königin Agnes den Streit über das Hinterlassene schlichtet, 
erwähnt Herzog Leopold „daz hous, daz wir unseim ge- 
trüwen lieben maister Johann unserm cantzler und seinen erben 
geben haben , darumb er sunderlich unsern brief hat" *. 1370 
siedelten sich Juden im heutigen Ringkengässchen an, das damals 
den Namen davon erhielt. Dann bildet der sog. Stadthof in der 
Neustadt ihr Hauptquartier, aus dem sie bei steigender Zunahme 
ihrer Anzahl allmählich herauswachsend Als im Jahre 1435 
einige Juden in das Bürgerrecht der Stadt aufgenommen werden, 
gestattet man ihnen ausdrücklich „in zweyen heüsem wo die 
gelegen sind, wie inen den das gefällig ist, zu wohnen" •. Von 
Ende der öOer Jahre des 15. Jahrhunderts an konzentrieren sich 
die Juden am Rindermarkt. Dort lebt Salomon, der nach einem 
frühern Aufenthalt in SchaflFhausen 1462 ein zweites Mal im 
Schirmrecht der Stadt empfangen wird. Ihm gesellen sich zu 



* Anzeiger für Schweizergeschichte N. F., 3. Bd., S. 218 f. — * Härder, 
S. 34 f. — Mbid.. S. 36 und Im-Thurn und Härder, Chronik der Stadt Schaff- 
hausen (1844), 2. Buch, S. 38; UMch, S. 208. — -»Melch. Kirchhofer, Geschichts- 
forscher, 6. Bd. (1827), S. 94 und Im-Thurn und Härder, Buch II, S. 38. — 
5 Härder, S. 48. — ß Ulrich, Beilage A. a., S. 462. 



- 101 — 

der sog. Teufelsmeyer und ein gewisser RafaeP, der 1476 sein 
Haus dem Hans v. Fulach um 158 fl. verkauft, mit der Be- 
dingung, dass er ^u£ der schul keinen stall^ machen dürfe'. 
1459 wohnt ein Jude neben dem Haus zur Trauben; ein anderer 
erwirbt 1470 für 60 fl. eine Wohnung an der Repfergasse ^. 

Ähnliche Verhältnisse müssen in Basel obgewaltet haben. 
Im Kapitel über die Abgaben der Juden (s. oben) wurden die 
Steuern angeführt, die sie im letzten Jahrzehnt des 13. Jahr- 
liunderts von ihren Häusern leisteten. Die einzelnen Namen 
wurden oben genannt; hier sei noch einmal zusammenfassend 
erinnert, dass 10 Häuser auf dem Eindermarkt lagen, je eines 
auf dem Getreidemarkt und in der Weinhartzgasse, drei gegen- 
über der Gerberlaube. Von dreien wird der Standort nicht an- 
gegeben. Eines aus der ersten Gruppe hatte sein Eigentümer 
Salomon Unkel schon im Jahre 1284 von dem Basler Ritter 
Hugo Riche (Reich) und seinen Schwestern für den Betrag von 
60 Mark Silber erworben*. 1288 verkaufte der in Solothum 
ansässige Jude Jossin mit Zustimmung seiner ganzen Familie 
sein in Basel neben dem des Hugo von Grandwile gelegenes 
Haus um 100 gr Pfennig dem Bürger Johann Helbling (Obulus). 
Der Verkäufer betont ausdrücklich, er habe „secundum consue- 
tudinem civitatis Solodorensis" in Gegenwart einiger Solothumer 
Bürger für sich selbst und im Namen seiner Frau und Kinder 
vor dem Diener des Käufers in aller Form auf seine Rechte 
verzichtet. Speziell fügt sein Bruder Vivelin hinzu : „me nichil 
juris seu partis in dicta domo teuere vel etiam habuisse" *. 
Innerhalb des Kirchspiels St. Leonhard besitzen 1329 Juden eine 
beträchtliche Anzahl von Häusern: Jakobs von SchaflFhausen 
Haus „dem man sprichet Hochstein"; dasjenige der Frau Minne 
„zur Hütte" : dasjenige des Moyses gegenüber dem des Rud. 
Verwer vor Süssen Haus „ze nehest der getrud louben"; das 
Haus des Hoszeben „zum Sukkust"; das Haus des Salman „ze 
nehest Rumelins mülin"; das sog. „Heidingerin hus", dessen Eigen- 
tümer Gottlieb ist; Meyers von Biel Haus neben dem Haus des 
Claus von Pfirt; das Haus, das der Hanne eignet, neben dem 



«Härder, S. 65 f. — ^Im-Thurn und Härder, ßnch III, 8. 69. — ^ Härder, 
8. 56. — * Basler Urkundenbuch II, S. 249, Nr. 434. — ' ibid., S. 365, Nr. 637. 



. — 102 — 

des Henrich von Strassberg; gegenüber dem Haus der Riebe 
die Wohnungen des Grumprecht und Abraham, der Mannenhof 
und Samuel von Stephen Haus*. 

Im Jahre 1324 gesteht die Jüdin Minne, die Witwe des Meier 
(Meiger) Hundelin, vor Bürgermeister und Rat, dann vor dem 
Schultheissen von Basel (in zwei fast gleichlautenden Urkunden, 
von denen die eine vom 9., die andere vom 19. Januar 1324 
datiert ist) die Hälfte des Mannenhofes auf dem Rindermarkt 
neben des Wagners Johanns Haus dem Sohn des schon oben 
erwähnten Salman Unkel zur Hälfte abgetreten zu haben. Der 
Kaufpreis beläuft sich auf 30 Mark Silber „Basiler geweges"'. 

Noch weiter lassen sich die Schicksale dieses Hauses ver- 
folgen. Moyses von Köln erscheint bald darauf das Besitzrecht 
auf das ganze Gebäude erworben, es aber auch mit Hypotheken 
belastet zu haben. Denn nach elf Jahren (1335) verpfändet der 
Bürgermeister Peter Schaler von Benkon und der Rat nicht 
bloss das Haus, sondern auch ^die briefe, die Johans Relin unser 
bürger von des selben Moyses wegen innehaf*, dem Judelin von 
Hanau (Henove) und seiner Frau Küntze für 60 Mark Silber 
und 100 Pfund alter Basler Pfennige ^ Unter anderm entledigen 
sich die nunmehrigen Besitzer auch der Anrechte, die der Probst 
und das Kapitel von St. Leonhard an dem Mannenhof haben 
(1343)^ Dennoch erscheint Moyses von Köln noch Teil am Besitze 
zu haben. In dem 1344 ausgebrochenen Zwist Jtidelins mit dem 
Eigentümer des anstossenden Hauses, Johans Tribock, wird er 
als Abwesender durch Wemher den Schaler vertreten. Es handelt 
sich wesentlich um Ableitung des Regenwassers von dem Juden- 
hause und um dessen Licht. J. Tribock hat der Entscheidung 
zufolge durch eine Röhre das Wasser in den Hof des Nachbar- 
hauses abzuleiten. Auf keine Weise wird ihm erlaubt, den Juden 
das Licht zu verbauen. Drei Jahre später ist Jüdelin tot. Von 
Moyses von Köln ist nicht mehr die Rede, als die Witwe des 
Jüdelin (1347) vor dem Schultheissen der Stadt, 40 fl. Meister 
Cylie, dem Apotheker schuldig zu sein bekennt. Damit dieser 



' Ergftnznngsnrkunde zu TroniUat II, S. 543, im Anzeiger für Schweizer- 
geschichte (1900) I, S. 274 f — « Siehe Beilage VIII. — ^ IJrkundenbuch der 
StÄdt Basel IV, S. 120, Nr. 126. — ^ Siehe Beilage IX und X (ungedruckte 
Urkunden im Staatsarchiv Basel, Kürschnerzunft Nr. 6 1343, Okt. 14.). 



- 103 - 

sich sicher fühle, versetzt ihm Frau Ktintze mit Genehmigung 
ihres Vogtes, Herrn Wernhers des Schalers von Benkon, „hus 
höf vnd gesessen, das man nemet Mannenhof so gelegen ist ze 
Basel in der stat an dem ßindermergte". Falls sie am fest- 
gesetzten Tennin („von vs ganger Oster wftchen so no nechst 
kamt uher ein jar**) die schuldige Summe nicht entrichtet, „so 
mag der egenante meister Cylie oder sin erhen ob er nut were 
das vorgeschriben gut angrifen versetzen vnd verköfen mit ge- 
richte vnd ane gerichte, wie es inen fuget, untz das inen die 
Torgeschribene schvlde gar vnd gentzlich verrichtet vnd ver- 
golten wirt" *. 

Trotz der Freiheit, sich beliebige Wohnplätze zu wählen, 
bevorzugen die Basler Juden den Rindermarkt. Frau Rechele, 
des seligen Jeckelin von Rheinfelden Witwe, und ihr Bruder 
Abraham von Laufenburg erwerben 1327 vom Kloster der 
Zisterzienserinnen von Delsberg ein Haus, das zwischen der 
Gerberlaube und dem Hof zum Greifen auf dem Rindermarkt 
liegt, mit allen dazu gehörigen Rechten. Sie empfangen dafür 
40 ff Basler Pfennige^. Sechs Jahre später veräussem sie das 
Haus um den Preis derselben Summe an einen Basler Bürger, 
C&nrat zem Angen, den Jüngern^. 

J6ie von Ensisheim, der Sohn Salmans, und Frau Fröde, 
„sin wirtinne'', verkaufen im Jahre 1300 die Hälfte des Hauses 
„zem Sterne", das an der Freien Strasse „obenan an dem hvse 
zem Manen" gelegen ist, für 50 Mark Silber „Ivters vnd gemeines 
Basiier geweges" dem Basler Bürger Heinrich dem Frowelere. 
Sie begeben sich vor Gericht, wie üblich „wissentlich vnd be- 
dahtlich" all ihrer bisherigen Rechte; dasselbe tun auch ihre 
Kinder und Schwiegersöhne*. 

Im Jahre 1354 wechselt das Haus „das man nemmet ze 
Waidenburg, so gelegen ist ze Basel in der stat zwuschent dem 
huse zem Hasen und des ratz hus do Abergolt der Jude inne 
was" seinen Besitzer \ 



* Urkunde im Staatsarchiv Baseli Ktirschnerzunft Nr. i) (1347, Dez. 10.). — 
* Siehe Beilage XI. — ^ Urkunde St. Peter, Nr. 293, im Staatsarchiv Basel. — 
^ Stadturkunde Nr. 126 im Staatsarchiv Basel. Als Zeugen treten hier auch 
einige Juden auf; Moyses von Laufenberg, Vineli, Choin, Salman von Strass- 
bnrg, Vinelin, des Ou8i[s] von Neuenburg Sohn. — ^ ürkundenbnch der Stadt 
Basel IV, S. 210, Nr. 214. 



— 104 - 

1361 verleiht die Bruderschaft zu St. Johann auf Burg an 
die „sammung** der Schwestern am ßindermarkt ein Haus „an 
den gassen dar man ze EumuUis mule uf gat zwischent Clause 
von Phirt und Frien der Juden huse" *. Im September 1370 em- 
pfangen Menlin von Eufach „der Jude von Basel und Elyas der 
Jude sin sun zu rechten Erbe von Conrat von Leymen dem 
Krämer das hus so man nemmet zer Howensteins hus so ge- 
legen ist ze Basel an der Spalen zwuschent dem huse zer 
Liechten Kerze und der Sotgasse"'. Dasselbe Haus geht als 
„rechtes Erbe" im Oktober 1385 an Bendich V5gellin, des oben- 
genannten Elyas Sohn, über, der auch als Stellvertreter seiner 
Brüder Vivelin und David fungiert^. Ferner hat 1370 Elyas 
V6gellin „an sin selbs und an aller der Juden stat gemeinlich 
die ze Basel gesessen sint", von Eisin Heintzmann Fröwelers 
iun, eines Basler Bürgers Ehefrau zu Erbe geliehen, „das hus 
so gelegen ist ze Basel gegen der Juden schule über zwischent 
Hemerlins hus des slossers und Claus von Sissach hus" *. Im 
November 1385 verleiht das Kloster Ellingenthal das Haus „ze 
Veldenberg so gelegen ist ze Basel bi Spalenthor" den vor- 
erwähnten Bendit, Elias und dessen Brüdern zu zwei Drittel, 
und dem Moyses von Colmar zu einem Drittel und als einem 
„trager an irer aller statt" Bertschemann Bitterman, dem Spengler 
zu Erbrecht*. 

Über die Hinterlassenschaft der Ende des 14. Jahrhunderts 
entflohenen Juden verfügt der König. Am 9. Mai 1399 sitzt an 
Stelle des Königs Wenzel zu Prag Otto genannt Heide, Burg- 
graf zu Donyn zu Gerichte und erkennt, dass Johannes von 
Kirchheim, der Schreiber des königlichen Hofgerichts, für sich 
und Wilhelm von Erlibach „erlanget und ervolget hat als recht" 
unter anderm die Judenschule und alle Häuser der kürzlich 
aus Basel entwichenen Juden um 400 Mark Silber „minder oder 
mere" ^ Zwei Jahre später im August 1401 aber verleiht König 
Ruprecht dem Hofmeister des Herzogs Leopold von Österreich, 
Friedrich von Fledenicze, neben der Judenschule von Basel auch 



^Urkunde im Staatsarchiv Basel, Domstift, S. 122. — 'Urkunde im Basler 
Staatsarchiv, Maria Magdalena, S. 209. — ^ibid., Maria Magdalena, 8. 237. 
— Mbid., Prediger, S. 611. 1370, Dez. 17. — Mbid., Stadturkunde, S. 663. 
1386, Mai 9. — « Urkuudenbuch der Stadt Basel V, S. 273, Nr. 252. 



— 105 — 

das ehemalige Haus des Juden Kuben „zem Hermlin", das König 
Wenzel diesem Rüben entzogen und einem andern verliehen 
hatte *. Allein schon 1404 sieht sich Ruprecht genötigt , diese 
Verfügung zurückzunehmen. Als er jenem Herrn von Fledenitz 
(oder Fledenicze) auf seine Bitte das Besitztum des Juden Robin 
(oder Rüben) gewährt habe, sei er des Glaubens gewesen, König 
Wenzel habe jene Besitzänderung schon nach seiner, Ruprechts, 
Tronbesteigung, also ohne Fug und Recht, vorgenommen. Nun 
aber habe er vom Hofschreiber Johannes Kirchheim erfahren, 
Wenzel habe schon im Jahre 1397* „des mondags nach aller 
Iieiligen tag** die gesamte Hinterlassenschaft der Juden, ins- 
besondere das Haus „zem Hermlin" ihm und Wilhelm von Erli- 
T)ach zugestanden. In der Folge habe es Erhart Hager und 
später der Basler Bürger Cuntzmann Jeger (?) und seine Frau 
^nna erworben. Da Johannes diese Aussagen mit Briefen und 
Urkunden belegt hat, so erkennt Ruprecht „mit wol beachtem 
mute, gutem rate unser edeln und getruwen und rechter wissen** 
seine Vergabung „unmechtig und untögelich", dagegen die Ver- 
fügung seines Vorgängers an Johannes von Kirchheim und Wil- 
helm Erlibach „und auch die egen. Hofgerichte gerichte Cuntz- 
mans und Annen kouff und anders, das darinne redelich bescheen 
ist, als vorgeschriben stat, durch der vorgenant sachen willen 
billich und von recht wegen mechtig mad töglich sin"*. 

Der vicus Judaeorum in Bern war die heutige Inselgasse; 
es wurde ungefähr an der Stelle des Kasinos durch das in der 
Ringmauer gelegene Judentor (verschwunden nach 1638) begrenzt *, 
Johannes genannt Glesi veräussert seinen „in vico Judeorum** 
in der Neustadt Bern gelegenen Garten *. Unter den städtischen 
Ausgaben des zweiten Semesters 1381 findet sich der Posten: 
„Denne umb die bruggli vor Phanners hus und an der Juden- 
gassen ze machenne und umb furung dar zu II ff XII ß** ". Allein 
ebensowenig wie anderswo bildete diese Judengasse, deren 



'ibid., S. 309, Nr. 284. — '^Die oben angeführte Urkunde ist allerdings 
erst von 1399 datiert. — ^ Urkundenbuch der Stadt Basel V, S. 335, Nr. 320 
(1404, Febr. 16.). — ^ G. Studer, Zur Geschichte des Inselklosters, im Archiv 
des historischen Verein des Kantons Bern IV, S. 38 f.; Tobler, S. 346; Bern, 
fiilder aus Vergangenheit und Gegenwart, Text von H. Tttrler, Verlag bei 
W. Kaiser, 1897, S. 26. — * Fontes Rerum IV, p. 309, N« 277. — • Stadt- 
rechnungen von Bern, S. 184. 



- 106 — 

Name später übrigens auf die gegenwärtige Amthausgasse über- 
ging, das ausschliessliche Judenareal. Vielmehr lebten sie auch 
hier in der Stadt zerstreut unter den Christen *. Spricht doch 
schon folgender Passus in Justingers Schilderung des Knaben- 
mords von 1294 dafür: „und beschach das Mord zu Bern niden 
an der Meritgassen (heute nach Türler im untern Teil von Nr. 31 
der Gerechtigkeitsgasse) schattenhalb, in einem Hus, das Meinrad 
Matters war und was zu denselben Ziten eines riehen Juden Hus, 
hieß Jöli"*. Als 1323 sich die Schwestern des Klosters zu 
Brunnadern auf dem Gebiete des jüdischen Friedhofareals ein- 
kauften', verblasste nach und nach der Name Judengasse und 
wich der heutigen Bezeichnung „Inselgasse**. Von ßiel wurde 
schon früher die Bestimmung erwähnt, dass die dortigen Juden 
nicht mehr als zwei Häuser bewohnen dürften „nisi de nostra 
precessa voluntate** ^ 

Am strengsten scheint man in Genf auf ihre Einzwängung 
gedrungen zu haben. Dort sassen sie in einem hochgelegenen 
Stadtteil, in der heutigen Rue des Granges, anstossend an den 
Sitz der öffentlichen Mädchen *. In der ersten Hälfte des 15. Jahr- 
hunderts aber machten die Juden verschiedene Anläufe zur 
Durchbrechung ihrer Schranken, so dass „de temps en temps 
on etait contraint de faire une sorte de battue dans les rues" •. 
Pre de Magny (de Magnier), der Vorsteher oder Cur6 der Pfarr- 
kirche von St. Germain und päpstlicher Siegelbewahrer führt bei 
Amed^us VIII. von Savoyen über diese Dinge Klage. Obschon 
das Verbot bei der ganzen Welt, Fürsten, Christen, Untertanen 
bestehe, dass Juden vermischt mit Christen lebten, obschon ihnen 
im Gegenteil geboten sei, gesondert in abgeschlossenen Strassen 
(cancellum) und hinter vergitterten Fenstern zu wohnen, mischten 
sich diese perfiden Menschen zur Schande des Namens Gottes 
und des christlichen Glaubens unter die Christen der Stadt Öenf 
in den Häusern und in der Gemeinde der Pfarrkirche von 
St. Germain. Einige trügen nicht einmal das ihnen vorgeschriebene 
Abzeichen. In diesem ungehinderten Beisammensein mit den 



'Bern, Bilder aus Vergangenheit und Gegeuwart etc., S. 25. — ^ Berner 
Chronik, ed. Studer, S. 29. — ' Fontes Rerum V, p. 380, No 336. — ^ Ulrich, 
S. 484. — 'Borel, p. 128. — «ibid. 



- 107 — 

Juden läge für die Christen, sowohl Kinder als Erwachsene, 
die grosse Gefahr, von ihrem Aberglauben und Trug angesteckt 
zu werden. Die Sittlichkeit sei bedroht durch Annäherung der 
verschiedengläubigen Geschlechter; überhaupt käme es noch zu 
anderen traurigen, schweren und unheilbaren Schäden und Ärger- 
nissen. Somit bittet der Pfarrer zu St. Germain, dem die Sorge, 
Heilsames für seine Kirche und die Seelen der Gemeinde zu suchen, 
obliegt, den Herzog inständig, vom Papste apostolische Briefe über 
diesen Gegenstand zu verlangen und vor allem den ungeregelten 
Gunstbezeugungen, deren die Juden in Genf genössen, ein Ziel 
zu setzen. Er ersucht den Herzog, seinen Beamten strikte den 
Sefehl zugehen zu lassen, die Juden fortan ohne Rücksichten 
zu behandeln, insbesondere sie in ihren von den christlichen 
getrennten Wohnungen zu halten *. Da aber diese Wünsche keine 
genügende Berücksichtigung gefunden haben, richtet der Bitt- 
steller bald ein erneutes Gesuch an den Herzog ^de illis perfldis 
et dampnatis judeis**, die sich unter die Christen mengen. Er 
möchte, da die mit den Befehlen des Herzogs betrauten Beamten 
ihnen nicht genügt hätten, selbst die geeigneten Massregeln in 
die Hand nehmen. Er beklagt sich, dass die Juden vom herzog- 
lichen Hofe Briefe erhalten hätten, die seinem Vorgehen Hemmnisse 
in den Weg legten; allein er ist überzeugt, dass diese Befehle 
nicht vom Fürsten selbst herrührten, denn er könnte es nicht 
verstehen, dass dessen Weisheit und gewohnte Gerechtigkeit die 
Umformung eines ungeordneten Zustandes, der durch die ver- 
dammten Juden bewirkt würde, verhindern wolle. Dass diese 
Xage der Dinge die Christen gefährde, bewiesen der heilige Kanon 
und die tatsächliche Erfahrung. Zu dieser Reform beizutragen, 
seien die weltlichen Fürsten verpflichtet. Um den Ruhm Gottes und 
die Erweckung des christlichen Glaubens, der makellos bleiben 
müsse, aufrecht zu erhalten, liege ihm ob Hand und Arme 
gerüstet zu haben, damit er durch Gottes Segen unterstützt 
werde *. 

Am 5. Mai 1408 ergeht dann endlich vom Herzog mit 
Rücksicht auf diese Bitten, an seinen Gouverneur die Ordre, 
flir getrennte Wohnungen von Juden und Christen zu sorgen, 
auch auf die äussern Abzeichen der erstem zu achten. Sollten 



•Arch. cant. de Genfeve, P. H., N«» 391. — Mbid. 



- 108 - 

sie zuwiderhandeln, so soll Prozess und Inquisition in Funktion 
treten; man lasse der Gerechtigkeit freien Lauf, damit an ihnen 
Exempel statuiert würden *. Trotz diesen strengen Verfügungen 
aber erhält noch 1429 der Notar Johannes Jacellus für die Mühe, 
die er darauf verwandte, die in der Stadt verstreuten Juden in 
ihre bestimmten Viertel zu bringen, 4 fl. und 1 den., den er von 
dem Einnehmer für die Herrichtung der Wege im „Ghetto" 
empfangt, die sodann von den Hauseigentümern des besagten 
Quartiers bezahlt wurden^. 

Höchst wahrscheinlich haben sich unsere Juden in Freiburg 
vorzugsweise in einem Stadtteil in der Neustadt, wo ihre Synagoge 
stand, aufgehalten ^. Allein von der Durchführung einer gesetzlich 
bestehenden Bestimmung kann insbesondere hier nicht die Rede 
sein, wo sie während des 14. und 15. Jahrhunderts als Ärzte 
sich grosse und anerkannte Verdienste erwarben. Im Jahre 1358 
pflegt der solorgicus Jocet Unterhandlungen wegen eines Hauses 
in der Grande Rue ^ Als er 1370 von Basel aus die Freiburger 
all ihrer Verpflichtungen gegen ihn freispricht, reserviert er 
sich ausdrücklich seine Rechte auf sein Haus „infra dictam 
villam de Friburgo'* ^ das im Quartier du Bourg neben dem des 
Jean de Duens gelegen ist ®. Der Arzt Simon de Pierra Chastel, 
der 1403 sich einbürgerte, besass ein Haus „in vico fori ani- 
maliiim** in der heutigen Zähringerstrasse. In derselben Gegend 
(hier auch als Richengasse bezeichnet) verleiht 1416 Peter Python 
gegen einen Zins von 7 S auf zwei Jahre einem gewissen Vinant 
und seiner Frau Boneta ein Wohngebäude ^ Zwischen der grossen 



»ibid. — «Registre du Conseil, Arch. cant. de Genöve: „MartisXVI die 
novembria, anno Domini iPccccxx nono. Johanni Jacelli, notario, pro sua 
pena quam habnit in faciendo convenire Jiideos in corum ordinatnm cancellum 
prope portam Palacii, qni Judei erant per villam dispcrsi; fuerunt dati et 
remissi IUI floreni cum deuario quos receperat a receptore pro faciendis 
caminis, in dicto canceiio, qui postea sibi fuerunt soluti per proprietarios 
domorum dicti cancelli." — ^Daguet, Histoire de la Vilie et Seigneurie de 
Fribourg des temps anciens ä son entr^e dans la Confedöration Soisse en 
1481, in: Archives de la Sociöt^ d'histoire du canton de Fribourg V, p. 64, 
sagt allerdings: „La colonie juive avait son quartier propre", gibt jedoch 
keine weitern Angaben darüber. — ^Arch. cant. de Fribourg, R<?gistre Lom- 
bard I, p. 79. — ^Rec. dipl. 1«39 IV, p. 73. — »^ Favre, p. 5. — 'Arch. cant. 
Reg. 9 de Fülistorf, p. 99, s. 104 s. 



— 1Ö9 - 

Abtei und derjenigen des Otto von Salicet lag das Haus, das 
der Arzt Ackin von Vixou (Vesoul) um 300 ff erworben hatte*. 
Besitzer zweier Häuser war der unglückliche Abraham, der 1428 
ein schreckliches Ende fand. Von der Witwe des Simon von 
Pierra Chastel übernahm er dessen Haus; ein an dieses an- 
stossendes kaufte er um 260 S vom Kloster de la Maigrange *. 

Das Zentrum all jener grossem Ansammlungen von Juden 
in einem bestimmten Stadtviertel bildete die Synagoge, die so- 
genannte „Schule^. Mit Sicherheit lässt sich behaupten, dass 
eine solche tiberall, wo Juden sassen, vorhanden war, sei es in 
gi-össern Kolonien in einem besonderen Gebäude, in Privathäusern 
bei geringer Anzahl. 

Für die Basler Synagoge, um die sich die meisten Juden- 
häuser auf dem Rindermarkt erheben, leisteten die dortigen Juden 
35 Schilling Steuer^. Wenzel überlässt sie u. a. nach der Flucht 
einiger Juden (1397) aus Basel dem Schreiber des königlichen 
Hofgerichts Johannes Kirchheim und einem gewissen Wilhelm 
von Erlibach^; Ruprecht schenkt sie zuerst dem Friedrich von 
Fledenitz, zieht diese Vergabung aber (1404) wieder zurück und 
stellt sie den rechtmässigen Käufern wieder zu *. Eine „Herberge 
zu der Juden schul" wird 1477 in Solothurner Ratsmanualen 
erwähnt®. Der Name mag wohl an das frühere Bestehen der 
Synagoge am gleichen Platze anknüpfen. 

In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, als die SchaflF- 
hauser Gemeinde grösstenteils in der obern Neustadt wohnte, 
befindet sich ihr Gotteshaus ebenfalls dort an der Stelle des 
heutigen Hauses „zur »ludenschule" '. Die später sich nieder- 
lassenden Familien (z. B. des Jahres 14:^5), denen gestattet wird 
zwei Häuser anzukaufen, mögen wohl ihren Gottesdienst zu Hause 
Terrichtet haben". Die Judenschule zu Diessenhofen soll münd- 
licher Überlieferung zufolge an der Stelle des gegenwärtigen 
Hauses „zum Erker" gestanden haben **. 

Aus dem Jahre 1344 berichtet uns Bullinger*® aus Zürich, 
die dortigen Juden hätten in der Brungasse eine Synagoge 

«Favre, p. 6. — Mbid., p. 8. — MJlrich, Beilage R., S. 446 u. 446 
und Trouillat II, p. 643, No 421. — *Urkundenbuch der Stadt Basel V, S. 278, 
Nr. 262. — Mbid. V, S. 336, Nr. 320. — « SUatsarchiv Solothurn, Copise, rote 
Nummer 2, p. 260 (10. März 1477). — 'Härder, S. 48. — ^Härder, S. 62 u. ühich, 
BeUage A. a., S. 462. — »Löwenstein, S. 79. — »»Chron. lib. VII, Cap. 19. 



^ liö - 

gehabt, „welche noch heut zu Tage genennt wird die Judenschul, 
unfehrn von der Froschau , welche etwann St. Verenen Closter 
genennt worden und darhinter abrint der Wolfbach". Es ist der 
spätere „Burghof, der bis in die erste Hälfte des 18. Jahr- 
hunderts hinein noch Judenschule hiess*. 

Nach Ulrichs Vermutung* ist es auch das Haus „so Moisse 
Schulmeister der Jude von Johans von ögsburg hat geköffet 
das in der Brungassen lit, das im die burger gonden ze köffenne" ^. 
Sowohl Moisse als auch die spätem jüdischen Inhaber des Hauses 
hatten nach der Verfügung des Rates eine Steuer zu entrichten. 
Allem Anschein nach gab es übrigens in Zürich nicht nur diese eine 
Synagoge, sondern mindestens zweie. Ob das nun von jeher der Fall 
gewesen ist oder ob erst Streitigkeiten innerhalb der Gemeinde 
die Errichtung einer zweiten provozierten, kann nicht entschieden 
werden. Doch möchte ich eher die letztere Ansicht befürworten. 
Von 1380 berichten die Ratsbücher von Zwistigkeiten der Juden 
unter sich. Drei Jahre später (1383) verfügt der Rat: „Es siillent 
och all die Juden in unser stat in ein schul zu einander gan, 
da si der burgermeister und der rat hin heisset gan und süllent 
sich furbas nicht teilen noch sunderen"*. 

Das Recht, ein Gotteshaus zu errichten, blieb den Züricher 
Juden nicht immer ganz unangefochten. Im Jahre 1383 gewährt der 
Bischof Heinrich III. von Konstanz, zu dessen Diözese auch Zürich 
gehört, den Juden dieser Stadt Synagogen zu erbauen „attentius 
servitiis nobis per magistrum civium et consules praedictos et 
ecclesiae nostrae impensis et ut speramus, imposterum impendendis", 
ferner auch bedenkend, dass die Kirche zum Andenken an das 
Leiden Christi vorschreibe, die Juden als dessen lebendige Zeugen 
zu dulden (siehe S. 97). Seiner Entrüstung über das vermeintlich 
selbstherrliche Vorgehen der Juden, die ohne um seine spezielle 
Erlaubnis einzukommen eine neue Synagoge angelegt haben, 
hatte er in einem Mahn- und Beschwerdeschreiben Ausdruck ver- 
liehen „ Judaeis in eorum pertinacia perdurantibus". Der Magistrat, 
der klar einsieht, dass die Juden trotz aller sonstigen günstigen 



»Vögelin, Das alte Zürich, S. 161. — «Ulrich, 8. 16. — ^Ulrich, S. 16 
und Zeller und Werdmtiller, Die Züricher Stadtbücher des 14. und 15. Jahr- 
hunderts, S. 167, Nr. 331. (1347, 7. Juni.) Leipzig, 1899. — Mbid., S. 270, 
Nr. 74 a; Ulrich, S. 33; Bär, S. 138. 



^ hi - 

Bedingungen auf freie Religionsübung nicht verzichten würden, 
verwendet sich beim Bischof und legt ihm insbesondere nahe 
„qualiter ab antiquo Judaei in habitationes certum Cymiterium ac 
Synagogas habuerint ac habere consueverint" und zwar mit 
Beistimmung der Vorgänger des Bischofs. Daraufhin erfolgt 
dessen Licet'. 

Die Luzerner Synagoge lag selbstverständlich in der Kron- 
gasse*, dem dortigen Ghetto, die Freiburger in der Neustadt^. 
Der Schutzbrief von 1381 gesteht seinen Inhabern zu, „ir schiil 
in ein sonder huse" zu halten^, die Briefe von 1457^ und 1459" 
reden von Synagogen in den eigenen Häusern. 

Aus Appenzell berichtet Ulrich, dass sich von 1466 an bis 
zur esten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Appenzell selbst als 
auch in Herisau einige jüdische Familien aufgehalten hätten, 
die aber ihrem Gottesdienste in der Stille obliegen mussten, da 
ihnen Errichtung einer Synagoge nicht gestattet war'. 

Aus dem Kapitel über die Abgaben lässt sich ersehen, dass 
die Juden für die Bestattung ihrer Toten eine gewisse Steuer 
entrichten mussten, die für die Auswärtigen gesteigert wurde. 
Nur grössere Judengemeinden besassen einen eigenen Begräbnis- 
platz. So Basel, wo er ursprünglich d. h. vor der Katastrophe 
von 1348 „zwuschen Gnadenthal vnd St. Peters Platz, da jetz 
der Werckhof steht" sich erstreckte ^ 1264 z.B. verpachtet das 
Stift St. Peter „hortum quendam ad uostram custodiam spectantem 
muro Judeorum sepulture circundato adiacenteni" ^. Der Sturm 
der Zerstörung ging auch über den Ruheplatz der Toten nieder; 
man entfernte die Grabsteine und fügte sie dem Innern Stadt- 
graben ein '". Tonjola will 1658 noch über 570 solcher ehemaliger 
Denksteine mit hebräischen Inschriften „nämlich von St. Johannes- 
Sch wiebogen bis zu der St. Peterskirchen 170, von dar bis naher 
St. Leonhard 200, von St. Leonhard bis zu den Steinen 73, bis 
zu dem Eschemer-Sch wiebogen 57 und von dar bis naher St. Alban 
75" gefunden haben *^ 



»Ulrich, S. 29 f. uu(l Beilage M, S. 434 f. — «Liebeuaii, S. 255. — 
"Berchtold, S. 246. — *Rec. dipl. IV, p. 156. — ^Arch. cant. ir»^ CoUection 
des lois, p. 271 8., No 737. — Mbid., p. 274 et p. 275, N« 741. - 'Ulrich, 
S. 214. — ** Wurstisen, Basler Chronik L. 3, c. 2 p. 160 ... Toujola, p. 291, 
Basilea Sepulta. — » Urkundenbuch der Stadt Basel I, S. 318, Nr. 486. — 
'^ Wurstisen L. 3, c. 2, S. 169 und P. Ochs 11, S. 70 f. — " Basilea Sepulta, Vorrede. 



- 112 -^ 

Da erzählt uus z. B. ein Stein, dass er zu Raupten eines 
Rabbi Eliakim, des Sohnes des E. Josef, stand, der in der Passah- 
woche des Jahres 95 nach der kleinen Zahl (das ist 1335 n. Ch.) 
dahingegangen sei ; ein anderer, dass er auf dem Grabe des aus 
Frankreich kommenden Isaac ruhte. Zu poetischem Schwung 
erhebt sich ein Epitaph aus dem Jahre 1320, das hier in der 
lateinischen Übertragung der Tonjola folgen möge. „Plangite 
lamentatrices et lamentatores honorabilem et munificum virum, 
veracem et integrum, qui dedit bucellam suam hilari corde et 
pauperi potum praebuit, ambulavitque in sinceritate faciei nee 
subduxit manum suam a largiendis elemosinis petenti ab eo et 
precantibus. Eabbi Samuel, filius Rabbi Joseph(i) qui fuit unus 
ex capitibus provincise et praefectis, utpote lumen pietatis magnis 
et parvis. Sepultus est die secunda, quarta mense Sivan, anno 
LXXX juxta supputationem minorem. Habitatio eins sit in gloria 
et aßcubitus (?) eins inter superos. Amen etc." *. Auf diesen Juden- 
friedhof stiess man beim Bau des anatomisch-physiologischen 
Instituts vor ca. 20 Jahren. Auf dem Terrain des Werkhofs 
wurden in einer Tiefe von IV« m eine Anzahl von Gräbern auf- 
gedeckt. Der ganze Platz, dessen westliche Hälfte nur entblösst 
wurde, beträgt ungefähr 100 m in der Breite und 20 m in der 
Länge. Kollmann * hat die Skelette, die sich von 25 Individuen 
auffanden, exakten Untersuchungen unterzogen. Ich gebe im 
folgenden eine Darstellung der dabei erzielten Resultate im 
Auszug. 

Als Material lagen dem Anatomen 14 Schädel vor, von denen 
nur fünf einigermassen erhalten waren, von sieben andern war 
bloss die Himkapsel geboten. Ferner fanden sich einige Gesichts- 
knorhen, ein Gesichtsschädel. Männliche Cranien mochten neun, 
weibliclie fünf vorhanden sein. Zwei Personen hatten ein hohes 
Alter erreicht. Aus den Messungen ging die brachycephale Form 
der Schädel hervor; ihr Längenbreitenindex wies folgende 
Grössen auf: 



'Tonjola, p. 291 «nd Ulrich, S. 204 f. — «Kollmann und Kahnt, Schädel 
und Skelettreste ans einem Jndenfriedhof den 13. und 14. Jahrhanderts zn 
Basel in den Verhandlungen der naturforschenden Gesellschaft. Basel 1882. 
Bd. Vrr, S. 648 f. 



- 113 — 

Nr. 1 Läügenbreitenindex 94,2 

T, 2 „ 86,0 

T) 3 „ 86,2 

« 4 ^ 82,8 

„ 5 . „ 79,6 

„6 „ 88,2 

n 7 n 81,4 

„8 „ 87,3 

^ 9 „ 85,9 

. 10 , 86,4 

,11 „ 82,1 

T, 12 „ 76,8 

Elf waren somit kurzköpfig; Nr. 12 reichte in die Klasse 

der Mesocephalen hinüber ; Nr. 5 (79,6) steht an der Grenze der 

Brachycephalen ; sechs, deren Index 85 überschreitet, war hyper- 

brachycephal. Der Umfang der Schädel ist beträchtlich; 500 mm 

ist der Durchschnitt. Die Jochbreite, die sich nur an drei Schädeln 

messen Hess, betrug: 

122 mm bei Nr. 4; 

11" 7t n 7) ^1 

130 „„ „ 13. 
Aus diesen Zahlen und der Obergesichtshöhe ergeben sich 
als Obergesichtsindices : 

Obergesichtshöhe X 100 Nr. 4 = 50,6 

„ 5 = 53,7 
Jochbogendistanz „ 13 = 48,4 

Diese Zahlen lassen auf eine ziemlich starke Verschieden- 
heit in der Gesichtsbildung schliessen: Nr. 4 hat ein hohes, 
schmales, Nr. 13 ein breites und niederes Gesicht. 

Die Nasenformen stehen bei allen innerhalb der Lepto- und 
Mesorrhinie. Der Nasenindex bewegt sich 44,9—48,9. 

Die Eingänge in die Augenhöhle sind massig hoch und ge- 
hören in den Bereich der Mesokonchie, indem die Indices zwischen 
82,2 und 85,3 schwanken. 

. Die Formen des Gaumens sind einige Male sehr schmal 
(Leptostaphylinie), neben mesostaphylinen Gaumenindices (zwi- 
schen 69,2 und 82,2). 

Aus diesen Zahlen geht hervor, dass unter den hier Be- 
statteten Vertreter jener beiden semitischen Rassen sich fanden, 

A. Steinberg. 8 



- 114 - 

von denen die eine (leptoprosope) mit schmalem, hohem Antlitz, 
gebogener Nase, dunkler Farbe, grossen, braunen Augen, 
schwarzem Haar und schwellenden Lippen im Moses des Michel 
Angelo insbesondere ihre künstlerische Verherrlichung gefunden 
hat. Den anderen (chamaeprosopen) eignen als wesentliche Merk- 
male: breites, kurzes Gesicht, breite Nase, breiter Kiefer. „Die 
Juden mögen wohl vom Standpunkt ihrer Geschichte und ihrer 
Religion immerhin als ethische Einheit aufgefasst werden, von 
demjenigep der Rassenanatomie fehlt ihnen diese Einheit voll- 
kommen ebenso wie allen andern Völkern Europas, welche man 
bisher genauer daraufhin geprüft hat*." 

Aus den Messungen der Oberschenkelknochen ergeben sich 
Körperlängen von m. 1,56—1,90. 

Der Gottesacker der Basler Juden wurde später (1394) wie 
wir bereits wissen (siehe* Kapitel der Abgaben) in der Vorstadt 
„ze Spitalschuren" angelegt*. Der Grund, der für das Vorhanden- 
sein eines Solothurner Judenfriedhofs spricht, wurde ebenfalls 
schon angeführt^; Spuren, die auf dessen Lage hinweisen, sind 
mir nicht zu Gesicht gekommen. 

Der Bischof Heinrich III. von Konstanz hatte 1383 der Stadt 
Zürich gestattet, ihren Juden einen neuen Friedhof anzulegen; 
von dem alten hatte er ausgesagt: „per aquarum diluvium ac 
voraginem sit ante aliquot annos diruptum, destructum atque 
devastatum". Diesen frühern Begräbnisort hatte die Tradition 
zwischen das Augustinerkloster und das Rennwegtor längs 
der Ringmauer versetzt, weil sich hier jüdische Grabsteine 
fanden^ 

11)65 zählte Hottiuger* 24 Steine; Ulrich hat 6 davon ent- 
ziffert. Die erste Inschrift stammt aus dem Jahre 1436; sie ist 
dem Andenken des R. Israel, des Judah Sohn, geweiht. Die zweite 
stand zu Häupten der Mirjam, die 1396 starb „und einen guten 



' Nicht bloss Renau erkennt ausserdem eine Mehrzahl von jüdischen 
Rassen („Typen**) an, auch Treitschke zieht eine scharfe Grenzscheide zwischen 
einer ediern romanisch- und einer germanisch-jüdischen Rasse. Deutsche 
Kämpfe I. — « ürkundenbuch der Stadt Basel V, S. 213, Nr. 204. — « Solo- 
thurner Wochenblatt 1814, S. 145 (1853). — * Ulrich, S. 35; Vögelin, Das alte 
Zürich, S. 163. — ^Speculnm Tigurinum, p. 116; auch Ulrich, S. 36 und 
Vögelin, 8. 163. 



- 115 - 

Namen hinterließ". Eine weitere Grabinschrift spricht von dem 
Hinscheiden einer Frau Marthan (1399). Aus dem Jahre 1392 
datiert das Epitaph des R. Abraham ^ von 1403 dasjenige des 
gelehrten vortrefflichen R. Juda, des Sohnes der Samaria. Ver- 
löscht ist die Jahreszahl auf dem letzten Monument ^ das dem 
Andenken eines gewissen Jakob errichtet war '. Diese Grabsteine 
kamen gelegentlich der Schleifung eines Turmes 1816 wieder 
zum Vorschein; die wohlerhaltensten wurden unter die neu- 
erbaute Augustinerbrücke versetzt, um als Schutz gegen den 
Anprall des Wassers im Fröschgraben zu dienen — als Alter- 
tum wohl eines bessern Platzes würdig*. 

Diese Grabsteine aber sind sicherlich nach Analogie der 
Basler Ereignisse erst gelegentlich der Vorgänge in den Pestjahren 
an ihren jetzigen Fundort gelangt. Schon 1382 tun Bürger- 
meister und Rat der Stadt zu wissen, dass „etlich Juden in 
unser stat ein fridhof ze Linden vor dem tor mit iiuserm willen 
gemacht haut". Nicht die gesamte Judenschaft der Stadt hat 
sich am Kauf beteiligt. Denjenigen, die an den Lasten teil- 
genommen haben, wird ausdrücklich das Recht zugestanden, alle 
andern ohne Ausnahme von der Benutzung auszuschliessen, „man 
hab es dann vor umb si gewunnen und verschuldet in solicher 
masse**, dass es dem Magistrat oder seinen fünf (bezw. drei) Ver- 
tretern genehm erschiene^. 

Der Friedhof lag also vor dem ^jindentor bei dem Wolfbach, 
wo übrigens auch schon der erste gewesen sein muss, wenn wir 
die Stelle „per aquarum diluvium ac voraginen" im Briefe des 
Konstanzer Bischofs herbeiziehend Dieser hatte fenier dem 
Züricher Magistrat es freigestellt, auch auswärtige Juden auf 
dem Begräbnisplatz seiner eigenen jüdischen Schutzbürger be- 
erdigen zu lassen i der Rat seinerseits hatte diese Erlaubnis 
schon 1381 ergehen lassen*. 1431 aber trat eine bedeutende 
Beschränkung ein; man bestimmte, dass fernerhin von Aus- 
wärtigen nur Juden von Bremgarten, Meilingen und Rapperswil 
eine Ruhestätte auf dem Züricher Judenfriedhof finden sollten. 
Wenn Leichen aus andern Orten nach Zürich gebracht werden. 



»Ulrich, S. 30—44. — «Vögelin. S. 163. — ^ Züricher Stadtbücher. 
S. 269, Nr. 72 nnd Ulrich, S. 37. — ^Vögeiin, S. 163. — •Ulrich, Beilage M, 
S. 435. 



— 116 - 

so können sie eventuell, wenn der Rat mit der gebotenen Geld- 
summe einverstanden ist, bestattet werden *. 

Von einem jüdischen Friedhof in Luzern besitzen wir keine 
Mitteilungen*. Zu Bern lag er bis zur Vertreibung von 1294 
etwa an der Stelle des heutigen Ostflügels des Parlaments- 
gebäudes ^ damals zwischen dem Judenturm und dem Garten 
Werners des Münzers \ In den Jahren 1323 und 1324 erwerben 
die Schwestern von Brunnadem das Areal von der Familie 
Lindenach*. Über die Lage des spätem Begräbnisortes fehlt 
jede Auskunft. 

Die Juden, die 1381 sich in Freiburg niederlassen, lässt 
man ^Kirchhof machen ir toten Juden zu begrabenne nach 
jutischen Sitten und gewonheit"^ Er lag am Ufer der Saane, 
das man „le Pertis" (Peituis) oder „la Motte" nennt ^ Dies Recht 
blieb ihnen während ihrer ganzen Aufenthaltszeit **. 1466 gibt 
z. B. der Rat den Auftrag, den zerstörten Damm an der Mottaz 
auszubessern und auch den Garten des Willi Pothey, der in der 
Neustadt neben dem Judenfriedhof gelegen ist, nicht ausser Acht 
zu lassen". 1470 veräussert derselbe Pothey einen Obstgarten 
und einen Teich im „Pertis", die im Norden an den jüdischen 
Friedhof stossen *®. 

Aus frühern Erörterungen (Kapitel Erwerbszweige) hat sich 
gezeigt, wie selten Juden Gnindbesitzer sein durften. Es liegen 
sehr spärliche Zeugnisse hierfür vor. Bisuntius der Jude (dictus 
jueys), Lambelinus Cartier u. a. allem Anscheine nach christliche 
Lehensleute aus Morteau haben verabsäumt, nach dem Tode des 
Grafen Amadeus von Neuenburg sich aufs neue von dessen Sohn 
Rudolf mit den Ländereien auf dem Hügel von Ecublon belehnen 
zu lassen, „sicut feoda mutato domino solent reprehendi". Durch 
die Fürsprache einiger Freunde bewogen, versteht er sich schliess- 



»ühich, S. 38 f. — *Liebenau, S. 256. — ^Bern, Vergangenheit und 
Gegenwart, Text von H. Türler, S. 25. — * Studer, Zur Geschichte de« lusel- 
klosters, Archiv des historischen Vereins Bern IV, S. 39 und Fontes V, 
p. 380, No 336 und Tobier, S. 346. - * Fontes Rerum V, p. 380, No 336; 
p. 397, No 362. — "Rec. dipl. IV, p. 163. — ^Daguet, Archiv de la 80ci6t^ 
de l'hist^ire du canton de Fribourg V, p. 64 und Berchtold I, S. 246. — 
"Arch. cant. Ire coli. d. lois, N" 737 et N" 747. — ''Arch. cant., Ratsmannal, 
No 4, p. 12 vers. et p. 22. — '^'Arch. cant. Reg. des Notaires Lombard et 
Faucon de 1470—1477. 



lieh dazu (1310), dem Bisuntius und seinen Teilhabern (Bisuntio 
judeo et particibus suis) die obengenannten Güter wieder zu 
tiberlassen. Dafür haben sie ihm jährlich 1 6 Käselaibe und 4 ff 
Wachs zu liefern*. Den Freiburger Juden wird 1381 gestattet, 
„sy suUent und mögent koflFen inwendig oder uswendig unser 
stat etzwas ertrichs***. 

1451 erteilt man in Winterthur dem Juden Eberlin Recht 
(anlaiti), sowohl über die fahrenden als auch liegenden Güter 
des Hamman von Haidegh) „es si holz, wasser und veld"*. 

Wo immer die Juden Aufnahme gefunden haben, wird ihnen 
gestattet, ihr Fleisch nach ritueller Vorschrift zu „schachten", 
nnd die Regelung des Fleischverkaufs ist stets einer der wich- 
tigsten Punkte ihrer Bürgerbriefe ^ Im Allgemeinen scheinen sie 
kein eigenes Schlachthaus besessen zu haben, sondern bei den 
christlichen Metzgern ihren Bedarf gedeckt zu haben, die eine 
gesonderte Stelle in der „Schale** für ihre jüdischen Kunden 
bestimmten. „Vnd swas fleischs der Jude stichet daz sol man 
hindenan in der Schale verkovflfen vnd ouch da vur geben bi 
X ß als dick ez beschieht" hiess es in Luzem *. In Zürich ist 
ihnen ein besonderer Stand reserviert, für den sie der Stadt 
einen gewissen Zins zu zahlen haben. Falls sie im Herbst Rind- 
vieh schlachten, so hat es in ihren eigenen Häusern zu geschehen*. 
Als 1386 die Jüdin Slemme mit ihrem Oheim und Gesinde sich 
in Basel niederlässt, sichert ihr der Magistrat zu, dass sie von 
den Metzgern der Stadt „nach ir notdurft" versehen werden 
soll, aber „usser unser schal" wie auch die andern in Basel an- 
sässigen Juden ^ Und dem Umelin, dem Sohn des Menlerin, der 
sich als Rosstäuscher vergangen liat, wird 1382 nicht nur der 
Besuch der „Schule" verboten, sondern der Rat untersagt auch 
ausdrücklich, ihm rituell geschächtetes Fleisch zu geben". In 



»Matüe I, p. 304, No 326. — «Rec. dipl. IV, p. 163. — ^TroU, Geschichte 
der Stadt ViTinterthur, 1846, Bd. II, Teil V, S. 236. — ^ z. B. in Schaffhausen, 
Härder, S. 34. In Lausanne gewährt 1419 der Bischof 20 mit Namen ge- 
nannten Jnden n. a. auch ihre religiös vorgeschriebene Art des Schlachtens. 
Haber IV, S. 288, Anm. 16. Auch in Biel erlaubt der Rat, dass sie die 
Schlachttiere „secundum legem suam** töten. Ulrich, Beilage H h, S. 486. — 
^Ältestes Stadtbuch, publiziert in Geschichtsblätter aus der Schweiz, Bd. I, 
XXXII, S. 336 f. — «Ulrich, S. 68 und Bär, S. 122. — 'Basler Urkunden- 
bnch V, S. 92, Nr. 85. — T. Ochs II, S. 446, Note h. 



- 118 — 

Wyl kaufen die Juden (1432» das Fleisch von der christlichen 
Fleischbank nach ihrem jüdischen Gesetz und Gewohnheit für 
den gleichen Preis wie die andern Bürger*. In Diessenhofen 
dagegen ist den Juden der Verkauf ihres Fleisches in den ge- 
wöhnlichen Lokalen untersagt'. Bern gebietet z. B. 1408 den 
Metzgern, den Juden und ihrem Hausgesinde „Fleisch umb ge- 
meinen Eouff nach jüdischem rechte und ir gewonheit als andern 
unsern bürgern" zu verabreichen^. Wörtlich gleich lautet die 
Verfügung von Freiburg 1381 \ Sechs Jahre später (1387) 
lautet die diesbezügliche Verordnung der Stadtverfassung : „Das 
Fleisch des rituell geschächteten Viehes sollen die Metzger vor 
d. h. ausserhalb ihrer Läden und nicht innerhalb derselben ver- 
kaufen" (devant nostre masel et non dedans). Der Zuwider- 
handelnde büsst mit 10 sols für Grossvieh, mit 5 sols für Klein- 
vieh. Der beaufsichtigende und beeidigte städtische Beamte ist 
ermächtigt, einen Drittel der Strafgelder für sich zu behalten; 
der Rest fällt der Stadt anheim *. Das Gleiche gilt übrigens in 
Zürich für das geschächtete Fleisch „das in (den Juden) denne 
nit wol füget noch komt". Sie können dasselbe einem christlichen 
Metzger zum Verkaufe überantworten und ihn dafür mit 7 Pfennigen 
für jedes Schaf entschädigen. Der Metzger aber ist gehalten, 
„das Judenfleisch" ausserhalb seines Lokales zu verkaufen ; falls 
er diese Bestimmung durchbricht, leistet er dem Rat als Busse 
von jedem Stück 5 Schillinge. Das von den Juden selbst in ihren 
Häusern geschlachtete Vieh, das für sie unbrauchbar geworden 
ist, dürfen diese, wenn sie wollen, verkaufen. In diesem Falle 
ist es dem Metzger strenge untersagt, den Verkauf zu über- 
nehmen bei Strafe für beide von je einem Pfund für das Rind «. 
Basel kennt dieselbe Verordnung des Verkaufs von rituell 
gewonnenem Fleisch ausserhalb der Schale ^ In Freiburg soll 
der Verordnung von 1403 gemäss kein Metzger ein Tier schachten, 
wenn die Juden sich nicht verpflichten, es ganz zu nehmen. 
Sollte ein Rest bleiben, so muss er unter Strafe von 20 sols 
ausserhalb der Schale verkauft werden**. 1424 gestatten der 



»Wegelin, S. 140. — «Löwenstein, S. 79. — »Tobler, S. 361 ii. Beüage, 
S. 366. — *Rec. dipl. IV, p. 156; auch Arch. cant. Ire coli. d. lois, No 737, 
p. 271 s. et No 741, p. 274 8. — *Rec. dipl. V, p. 12, lignes 23 et suiv. — 
«Ulrich, S. 58 f. — nbid., S. 188. — «Premiere coli, de lois, p. 83 et 34 
Arch. caut. 



— 119 — 

Kleine Rat und die Sechzig, den Juden nicht rituell geschächtetes 
Fleisch innerhalb des Ladens abzugeben; was aber nach ihrem 
Kauf von dem Tiere übrig bleibt, hat der Fleischer wiederum 
ausserhalb seines Geschäftsraumes an den Mann zu bringen '. 

Die grausamste Bestimmung in diesem System von Be- 
drückungsmassregeln war unzweifelhaft die, sich äusserlich in 
der Kleidung von den andern Menschen zu unterscheiden. 

Von den Berbern herübergenommen, hatte sie ihren schärfsten 
Ausdruck auf dem Laterankonzil von 1215 erhalten. Im 13. und 

14. Jahrhundert scheint wie in Deutschland auch auf unserm 
Gebiet das Tragen gehörnter oder spitzer Hüte (pilei cornuti) 
vorgeschrieben gewesen zu sein^ womit man nebenbei gesagt 
auch den sexuellen Verkehr von Verschiedengläubigen bestraftet 
Das Anbringen eines besondern Judenzeichens kommt erst im 

15. Jahrhundert auf. Aus dem Jahre 1497 stammt die Bestimmung 

fiir die Juden der Konstanzer Diözese, zu der auch die Züricher 

gehörten: die Männer haben auf dem Oberkleid auf der Brust 

einen Kreis aus gelbem Garn zu tragen ; die Frauen sollen zwei 

blaue Streifen im Schleier führen*. Für Schaff hausen gelten 

ebenfalls gelbe Ringe oder rote Tuchlappen in der Form der 

Spitzhüte*. Freiburg stellt im Jahre 1403 die Verordnung auf, 

dass alle Juden und Jüdinnen, die jemals in der Stadt Wohnung 

nehmen werden, zur Unterscheidung von den Christen einen zur 

Hälfte roten und zur Hälfte weissen Streifen auf der Brust 

tragen ' sollen (rolle in la forsall6). Ein Jude, der ohne dies 

Zeichen betroffen würde, verfällt einer Busse von 10 Goldtalem, 

die vom Bürgermeister zu erheben sind^. Aus ganz besonderer 

Gunst wird 1477 dem verdienten jüdischen Arzte Vivan de la Tor 

das Tragen des Zeichens erlassen ^ 

Vom Laterankonzil 1215 war auch jene Verordnung aus- 
gegangen, dass die Juden zu gewissen christlichen Festzeiten 
sich nicht öflFentlich zeigen sollten. In Zürich fasst man z.B. 1319 
den Beschluss, „de enhein Jude noch Judin von der Krumben 



Mre coli, des lois, p. 95, No 327 et Rec. dipl. VIT, p. 254. — «Bär, 
8. 189 nnd Berchtold, p. 245. — *z. B. Berchtold, p. 245 und Ulrich, S. 50. 
— *ührich, S. 62. — ^Härder, S. 44. — «Rec. dipl. VI, p. 42, N<» 354. — 
'Favre, p. 9. 



- 120 - 

mittewochen nach imbiz untz an den hohen Samstag, daz man 
die gloggen lutet, sich öugen sol, weder in venster noch an der 
straze'^. Bei Strafe wird ihnen zudem alles Lärmmachen und 
Streiten in ihren Häusern verboten *. Das Erscheinen auf der 
Strasse in der Charwoche ist ihnen auch in Schaffhausen unter- 
sagt*. 1377 wird in Basel Mathys Eberlins Sohn aus der Stadt 
verwiesen, weil er blasphemische Äusserungen tat; ausdrücklich 
wird hervorgehoben, dass er dabei „an dem stillen fryetag in . . 
sins vatters hus sasz" *. 1420 wird auch Freiburger Juden zur 
Pflicht gemacht, „quod .... singulis annis in ebdomada sancta 
durantibus terminus futuris, per modum subscriptum et per dies 
subscriptos, videlicet per diem Mercurii sanctam proximam ante 
diem sanctam Parasceve et per omnes et singulos et alios dies 
continue ipsam diem sanctam mercurii sequenter usque ad 
proximam diem martis post festum Resurrectionis Domini nostri 
Jhesu Christi , remaneant in domo habitationis .... et ab ipso 
habitatione non exeant, et de die in ipsis sanctis diebus per 
villam nostram non vadant^ discurant, frequentent, conversent 
aut se demonstrent seu ostentent** *. 

Streng verboten war den Juden, Waffen zu führen. Überall 
waren sie vom Kriegsdienst gegen eine gewisse Abgabe befreit. 
Sie durften Waffen und Rüstungen nur in wenigen Städten als 
Pfand annehmen. Analog der Bestimmung des Schwabenspiegels, 
dass Pfaffen und Juden, welche Waffen, Schwerter oder lange 
Messer bei sich trügen, dem gleichen Recht wie andere verfallen 
sollten ^ müssen auch überall auf Schweizerboden ähnliche Ver- 
bote bestanden haben. So wird z. B. in Zürich der Jude Selig- 
mann verwiesen, weil er nächtlicher Weile hinter der Synagoge 
am Wolfbach, mit einem Schwerte bewehrt, sich postiert hatte •. 

Und ebenso fanden die allgemein verbreiteten Gesetze, dass 
Christen in keine dienende Stellung bei Juden treten sollten, 
dass keine festlichen Gelegenheiten (Hochzeiten, Bäder) Juden 
und Christen vereinen sollten, ihre besondere Sanktion auf unserm 
Gebiete. Auf allen Konzilien lebten die Verbote immer aufs neue 
auf, dadurch allerdings schon ein Beweis dafür, dass sie häufig 



»Zürcher Stadtbücher I, S. 17, Nr. 41 und Ulrich, S. 45. — «Härder, 
S. 44. — 'Basler Leistungsbuch I, fol. 77. — -»Rec. dipl. VII, p. 106. — 
*ed. ?. Lassberg (1840), S. 116, Nr. 265. — «Bär, S. 126. 



- 121 — 

tibertreten wurden. 1497 erging z. B. für das Konstanzer Bistum 
der Befehl, Juden dürften keine Christen als Diener oder Ammen 
verwenden, „quia indignum est quod filii liberae famulentur an- 
cülse**. Innerhalb eines Monats haben sich die gegenwärtig schon 
in solcher Stellung Befindlichen loszumachend 

Der 1386 in Basel aufgenommenen Jtidin Slemme und ihren 
Angehörigen wird ausdrticklich zugesichert, man werde keinerlei 
Essware ihrem Kaufrecht durch irgendwelche Verfügung ent- 
ziehen, auch keine Fische ^ die sich zu verschaffen ihnen an 
vielen Oiten, insbesondere an Fasttagen, untersagt war^. Es 
mochte zum Teil eine Erwiderung auf gewisse Speiseverbote u. a. 
rituelle Vorschriften der Juden, die ihre Aussonderung aus 
der andersgläubigen Umgebung zum Ziel hatten, anderer- 
seits aber auch der Ausdruck einer an Ekel streifenden Ver- 
achtung sein, wenn man ihnen verbot, beim Einkauf die Lebens- 
mittel mit den blossen Händen zu berühren. In Freiburg lautet 
die Verordnung 1403, dass sie keinerlei Nahrungsmittel, welche 
immer es seien, anders als mit einer Rute berühren dürften, bei 
Strafe von 10 sols\ Noch im Jahre 1518, als man dem Arzte 
Lazarus und seinem Sohne Moses in Winterthur eine Verlängerung 
seines Domizilrechtes zugesteht, bedingt man sich aus, dass ihre 
Frauen auf dem Markte keinerlei Ware in die Hand nehmen, 
„sie wellenz den kaufen" *. Zu Biel gestattet man 1304 „bladium 
(Getreide), vinum, pisces et omnia alia emere necessaria que 
ipsis placuerint" ®. 

Alle diese Schranken aber richten sich nur nach Aussen 
in die Höhe. Innerhalb ihres eigenen isolierten Gemein- 
wesens geniessen sie in ihren religiösen Bräuchen völlige 
Freiheit. In mehreren P'reiburger Bürgerbriefen wird zugesichert, 
dass sie „sullent und mögent och ir gebet, ir guten ge- 
wonheit, ir ziit, ir schul in ein. sonder huse, ir virtage 
haben und halten" ^ Auch die Bemer gestehen 1408 einigen 
Neuaufgenommenen zu, sie „mögent ouch ir gewonheiten und 



• Ulrich, S. 59. Anch Härder, S. 44, spricht z. B. von solchen Verboten. 
- « Urkundenbuch der Stadt Basel V, S. 92 f, Nr. 86. — »Stobbe, S. 171. 

— *Rec. dipi. VI, p. 42, No 364. — »TroU, Geschichte der Stadt Winter- 
thur (1848), 7. Teil, S. 26 und Meyer- Ahrens, S. 472. — «Fontes IV, S. 219. 

— ^Rec. dipL IV, p. 166. Auch Arch. cant. Ire coU. d. lois, No 737 et 741. 



— 122 - 

Sitten, es si, mit irem gebette, mit ir virtagen, mit begrebde 
und mit andern Sachen haben, halten und tun, als ander 
Juden one unser Widerrede und bekumbernisse" *. In Biel, 
wo Waffen verpfändet werden können, sollen, falls die Bürger 
ihrer an einem jüdischen Feiertage bedürften, der Bürgermeister 
und zwei Ratsherren in Gegenwart der Juden sie holen '. Frei- 
burg und Bern nehmen insbesondere bei gerichtlichen Angelegen- 
heiten Rücksicht auf die Feste der Juden : „und an iren virtagen 
sol noch en mag sy nieman bekumberen mit keinem gerichte***. 
Zürich leiht sogar einmal einem Juden Suskin den Pentatench 
„mit der gloss, dz da heisset targuon", ein zweites unkommen- 
tiertes Exemplar der fünf Bücher Moses, den Talmud und einen 
Kommentar zu diesem^. Wenn in Freiliurg 1413 das Verbot er- 
geht, sich des Hebräischen zu bedienen, so entspringt es Gründen 
der Staatsraison ; es soll bei „Ärger, Bosheit, Neid und Streit" 
vermieden werden*. 

Allein die Kirche sucht dem Judentum an Boden abzu- 
gewinnen. Zwangstaufen sind allerdings verboten: „die Juden 
sol nieman twingen der cristenheit unde ze cristenen glouben** •; 
sie kommen nur bei Verfolgungen an Kindern vor. Oder sie 
werden an Erwachsenen vollzogen, deren Widerstand durch 
physische und seelische Foltern an den Grenzen des Todes er- 
loschen ist. Mächtiger wirkt das Wort. Daher greift man zur 
Predigt und zwingt, insbesondere seit dem Basler Konzil, die 
Juden vielerorts zum Anhören derselben ". Unwideruflich ist der 
Schritt der Taufe: „swenne der mensche in den tovf komet, so 
mag er im niemer me benomen werden" ^ 

Aus Basel wird vom Jahre 1374 erzählt, dass ein Jude, der 
bereits drei Tage am Galgen gehangen, nach der Taufe begehrt 
hätte. Man reichte ihm das Abendmahl und als er am zehnten 
Tage noch gelebt hätte, sei er auf einiger mitleidiger Frauen 
Veranlassung heruntergenommen und mit Wein gesäubert worden. 
Am gleichen Abend sei er verschieden und als „echter Christ" 



' Gleichzeitige Abschrift einer Urkunde im Staatsarchiv Bern, bei Tobler, 
Beilage, S. 365 f. - «Ulrich, Beilage Hb, S. 483. — 'Rec. dipl. IV, p. 156; 
siehe auch Tobler, S. 366. — * Stadtbticher, 1. Buch, S. 192, Nr. 386 und 
Bär, S. 136. — '^Rec. dipl. VII, p. 37. — ''Schwabenspiegel, ed. Lassberg, 
Nr. 118, S. 262. — 'Stobbe, S. 167. — ** Schwabenspiegel, Nr. 262, S. 118. 



- 123 — 

(sielie Ochs) in St. Peter begraben worden *. 1383 lässt es sich die 
Berner Stadtkasse l ff und 1 Schilling kosten, um einem Un- 
gläubigen in Lausanne zum Übertritt zu verhelfen *. Der Luzerner 
Rat unterstützt 1437 den getauften Juden Jakob Friedrich^. In 
Schaff hausen hat sich 1469 ein Jude, der den Namen Sigmund 
erhält, bekehrt; seine frühern Glaubensgenossen scheinen ihm 
das sehr verübelt zu haben*. Einem gewissen Hans Oschwald 
in Wyl (St. Gallen), der 1477 die christliche Religion angenommen 
hat, geht der Abt von St. Gallen hülfreich zur Seite. Er stellt ihm 
einen Empfehlungsbrief aus, worin er ihn, der durch Erleuchtung 
des heiligen Geistes von der Blindheit seines frühern Glaubens 
befreit worden sei, als einen Mann bezeichnet, der „christenlich 
Ordnung an sich genomen", alles was er besessen, verlassen habe 
und bisher sich „gar fromklich, erlich und redlich gehalten**. 
Hervorgehoben wird, dass der Convertit als Vater mehrerer 
kleiner, unerzogener Kinder der Hülfe und Förderung bedürfe*. 
Mit der schon früher angeführten Verordnung, die in Glarus für 
die Exekution eines jüdischen Diebes besteht (falls er zum Übertritt 
geneigt oder nicht geneigt war) deckt sich die Fassung der 
Landgerichtsordnung des Freiamts aus dem 16. Jahrhundert. 
Das urteil endet mit der Formel „Seine Seele möge nehmen wer 
Recht dazu hat", während bei christlichen Missetätern diese 
üblich ist : „Gott gnade der Seele" ®. Im Namen der Stadt Frei- 
burg zahlt der Seckelmeister Wilh. Reyff 1504 einem getauften 
Juden 15 Schilling aus^ 



V. 



Die äussere Geschichte der Juden in den HauptzUgen. 

Die äussere Geschichte der Juden ist hier wie anderswo 
im wesentlichen eine Geschichte der Verfolgungen und eine Kette 



«Ulrich, S. 305; Ochs II, S. 448. — «Stadtrechnungen, S. 256. — 
»Liebenau, S. 256. — ^Härder, S. 67. — ^Wegelin, S. 142. — «MüUer I, 
8. 383. — 'Staatsarch. F., Seckelmeisterrechnnng, Nr. 203, Bättelwerck. 



- 124 — 

von Misshandluugen '. Doch heben sich aus der Folge der Zeiten 
insbesondere die Jahre 1294, 1348—50, 1401 als blutige Mark- 
steine heraus. Die Ausbrüche der permanenten Feindseligkeit 
des Volkes' motivierten sich in der dreigestaltigen Anklage des 
Kindermordes zu rituellen Zwecken, der Brunnenvergiftung, der 
Hostienschändung. Auf unserm Boden hat die letzte Form keine 
Wurzeln gefasst. 1294 und 1401 wird den Juden der Vorwurf 
ins Gesicht geschleudert, Kinder getötet zu haben ; in der Mitte 
des 14. Jahrhunderts zieht mit dem grossen Sterben die Kunde 
durch die Welt, dass sie Urheber und Verbreiter desselben seien. 

Der Fall des Jahres 1294 beschränkte sich auf die Stadt 
Bern. „In demselben zite,*^ erzählt Justinger ^ „warent vil Juden 
ze berne, die doch in diser weit anders nüt tund denne wie si 
die Kristanheit geschedigen mit allen Sachen, offenlich mit dem 
Wucher; [von mancher] des Wuchers [verdorben ist] und alle 
tage verdirbet ; heimlich mit valschen ufsatzen, daz dik kuntlich 
worden ist. Also taten si euch ze berne, und erzögten ir mordrye 
und vigentschaft so si zu der Kristanheit haut, und ermurten 
einen jungen Knaben, waz genempt Ruof; und beschach daz 
mort niden an der meritgassen schattenhalb in dem huse und 
kelr, daz nu meinratz matters ist; waz ze den ziten eins Juden 
hus, hies jöly 

Do si nu dazselbe Kint mit jemerlicher [grosser] marter 
ermurten und ertoten, und man daz Kint suchte so lange, daz 
got nit wollte daz mort lassen verswigen sin, do kam daz mort 
US, und wart daz Kint jemerlich gemartrot und ermurdet funden, 
und wart für einen unschuldigen martrer begraben in des heiligen 
Crutzesaltar in der lutkilchen ze berne, demselben altar [noch 
vil lüt sprechend sant Rufsaltar], und tet daz Kint grosse 
zeichen, als die alten sagent. Nu die gottes vigende und die 
morder wurden t gevangen, ein teil uf reder gesetzet, die andern 



*Das obige Kapitel will in grossen Zügen die äussern Oeschebnisse 
wiedergeben, soweit sie die Judenscbaft in ibrer Gesamtheit oder als Körper- 
scbaft berührten. Es soll hier das in den frübem Kapiteln verabredete Material 
mögliebst wenig herbeigezogen werden. Nnr wo die Kontinuität der Ereignisse 
es erfordert, wird auf das frühere hingewiesen werden. — * Siehe die ein- 
leitenden Worte zum vorigen Kapitel. — ^ Justinger ed. Studer, S. 29 f. und 
dessen Kopie von Diebold Schilling, Mss. Eist. Helv. I, fol. XX b. Stadt- 
bibliothek Bern. 



— 125 - 

usgeslagen, und wart do einhellenklich von einer gemeinde von 
beme gelopt und verheissen, daz kein Jude niemerme gan bern 
komen sollte." 

Die Juden, deren Spuren in Bern, wie wir wissen, bis zur 
Mitte des 13. Jahrhunderts zurückreichen, werden beschuldigt, 
einen Knaben Ruft' (Rudolf) ermordet zu haben. Die angeblichen 
Mörder werden hierauf gerädert, die übrigen Juden verbannt; 
der kleine Tote wirkt Zeichen und Wunder*. 

Das ist der typische Verlauf, den derartige Fälle zu nehmen 
pflegen. 

Doch hat die Sache keine allzuweiten Kreise gezogen. Die 
Vertriebenen müssen sich schutzflehend an König Adolfe gewandt 
haben; denn im Sommer desselben Jahres befasste sich eine 
Kommission in dessen Auftrage mit der Angelegenheit. Am 
20. Juni fällten der Bischof Peter von Basel, der Landvogt im 
Elsass Gottfried von Merenberg, die Ritter Kuno von Berchheim 
und Hartmann von Ratzenhausen, die vier Männer des Schieds- 
gerichtes, den Spruch : Sämtliche Juden verzichten auf ihre aus- 
stehenden Forderungen bei Schultheiss, Rat, Gemeinde und allen 
denen, die bis zum Datum der Urkunde in der Stadt sassen. 
Schuldbriefe und Pfandgegenstände haben sie ohne weiteres 
zurückzuerstatten. Endlich sollen sie der Gemeinde 1000 Mark 
Silber, dem Schultheissen 500 Mark Silber leisten^. Der König 
erteilt am 1. August seine Bewilligung* zu dieser Auff'assung 
und Verwertung der Aussclireitungen („super exessibus perpetratis 
contra Judeos et Judeas Bernenses a civibus Bernensibus"), und 



' Nicht lange (nach Prof. (}. Tobler); denn zu Zeiten Justingers (1420-1430) 
nnd Schillingö (1474 ff.) hat er das Wunderwirken schon eingestellt. — *„Dise 
mere, wie die Juden geredrot, beschetzot und ussgeslagen, und ewenklich 
verbotten wurden, kam bald für den römscheu Küng, Rudolfen von österich ; 
der hat die sach gar übel und wart er zornig vnd begerte an die von Bern, 
daz si im daz verbessrotin und ableitin an sin gnad; won der Juden lip vnd 
gut im zugehört vnd in des römschen richs kammer." Justinger, S. 30; Leuen- 
berger, Studien über bernische Rechtsgeschichte (1873), S. 196. — Stammler, 
Katholische Schweizerblätter, Jahrgang 1888, S. 268 ff, hat gründlich dar- 
getan, dass die frühere Datierung des Ereignisses auf 1*^88 durchaus falsch 
sei. Die Fehde der Stadt mit König Rudolf erwuchs nicht aus diesen Vor- 
fällen, sondern hatte ihren Grund in dem dem König verweigerten Beitrag 
zur Kriegssteuer und in der Hinneigung zu Savoyen. — <* Fontes III, p. 588. 
— »Fontes III, p. 590. 



— 126 — 

im Dezember bestätigte der Schultheiss Jakob von Kienberg 
den Empfang der ihm versprochenen Summe von 500 Mark, die 
man ihm bei den, den Juden verschuldeten Johannitern, den 
Patres des Klosters zu Interlaken, Ulrich von Thor und andern 
angewiesen hatte *. Hab und Gut der Geflüchteten fielen der 
Stadt ohne weiteres anheim. Auf gerichtlichem Wege veranlasste 
man z. B. die Frau Berchta von Habstetten ein mit Kleinodien 
gefülltes Kästchen, das ihr vom Juden Vivelin anvertraut worden 
war, auszuliefern^. Wahrscheinlich waren es Pfandobjekte, die 
der Jude sich zu erhalten suchte. 

Wie wenig den Behörden an der Ermittlung der Wahrheit 
lag, dafür spricht schon ^ die lässige Form, in der der Schult- 
heiss in seiner oben erwähnten Quittung die Ermordung des 
Knaben erwähnt „quem dicti judei ut dicitur occiserunt". 
Nichtsdestoweniger fand das Vorgehen der Berner noch im Jahre 
1300 die vollkommene Billigung des Königs Albrecht, obschon 
auch damals die Sache noch nicht bis zu völliger Klarheit ge- 
diehen ist, wie das wiederkehrende „ut dicitur" beweist ^ 

Dennoch blieb Bern nicht lange judenfrei. Justinger be- 
gründet höchst originell alles Ungemach, das die Stadt betroffen 
habe und ihr noch bevorstehe, durch die Nachsicht der Obrigkeit 
gegenüber den „Gottesfeinden". Von jenem Verbot von 1299, 
die Juden zu dulden, sagt er: „Nu ist es leider sider dik zer- 
brochen, darumbe etlich wise lüte haltent, daz waz ungefelles 
die stat bern sider angangen sye von grossen brünsten aller 
ander sachen, daz man daz von dien Juden hab. Wie mochte 
ich mich eines herren getrosten, daz er mir genedig were, wo 
ich sin vigent enthalt und den hilflich bin, daz si wider minen 
herren tun ? Die Juden sint doch die, die vnsrem herren got und 
herren Jesu Christi vnd marien siner lieben muter fluchent bos- 
heit, laster und schand von in redent den git man brief und 
ingesiegel! Der daran schuld het, der sol räch bevinden am 
jüngsten gerichte, da kein niet hilft noch kein gewalt*. 



•Fontes III, p. 600. — «Fontes III, p. 591. — ^ Worauf Tobler treffend 
(S. 356) aufmerksam macht.— '* Fönte» IV, p. 20, No 16. Solothumer Wochen- 
blatt 1828, S. 195 „super excessibus per eosdem judeos ut dicitur per- 

petratis". — Übrigens soll, wenn man der Tradition Glauben schenken darf, 
der „Kindlifresserbrunnen" in Bern ein Symbol des Kindermordes der Juden sein. 
— ^Jnstinger, S. 29 n. 30. 



— 127 - 

unendlich tiefer und weiter war aber die Bewegung von 
1348. Verglichen mit ihr, erscheinen die Vorgänge von 1291 als 
ein Sturm im Wasserglase. Zu dieser Zeit wälzte sich ein durch 
ganz Europa dahinbrausender Orkan auch gegen die Schweiz 
heran und alle Mordszenen früherer Jahrhunderte in Frankreich, 
Deutschland etc. erscheinen nur wie das Vorspiel zur Tragödie. 

Aus Asien drang die Pest und hielt als „schwarzer Tod*^ 
ihren schauerlichen Zug durch Europa. „Das sterben ging von 
eine ende der weite untz an das ander, gynesit und hie dissit 

des meres menig laut starp gerwe us, daz nieman me do 

was,*^ berichtet Jakob Twinges von Königshofen *. Der Geist 
der mittelalterlichen Askese kam verstärkt über die Menschen; 
es gab nur eine Rettung, neben der alles andere in eitles, leeres 
Nichts versank: Versöhnung mit dem streng richtenden Gotte 
durch büssende Abtötung des Fleisches. 

Hier lag der Keim, der sich in den Geiseierfahrten ausein- 
ander faltete. 

„Nee poterant philosophantes", schreibt ein Chronist, „quam- 
vis multa dicerent, certam de his rationem dicere, nisi quod 
Dei esse voluntas'.*' Dabei aber beruhigte sich der nach 
Greifbarem tastende Sinn des Volkes nicht. Hatte schon die 
intensive Erstarkung des kirchlichen Gefühls die religiöse Basis 
des Judenhasses bereichert, so erwachte auch sehr bald die in 
den materiellen Interessen des Tages wurzelnde feindselige 
Stimmung. Das wurde schon dem Mittelalter klar bewusst; mit 
schwerem Ernst schiebt Jak. Twinger das rein materielle Motiv 
in den Vordergrund : „das gelt was ouch die sache, davon die 
Juden getötet wurdent". Wären sie minder begütert gewesen, 
so hätten sie keine Guthaben bei den Fürsten und Obrigkeiten 
und beim Volke gehabt, „so werent sie nüt gebraut worden" ^ 
Doch der Schein musste gewahrt und dem krankhaft gesteigerten 
Hassgefühl, das überquellend, sich in Tat umsetzen wollte. 



'Hegel, Die Chroniken der dentscben Städte, Stransburger Chronik II, 
8. 759. — ^Matthiae NeobnrKeii'^w Chronica, ed. Studer (Bern 1860), p. 169. 
— ' Strassburger Chronik II, p. 764. Sein tragikomisches Bild steüt ans 
Jakob Twinger in wenigen Worten vor Augen: »Der hobest zu Avion (Avignon) 
Ues alles gerihte nnder wegen und beslos sich in eine Rammer und lies 
nieman zu ime und bette allewegen ein gros für vor ime**. Strassbur^er 
St-Chronik II, S. 759. 



— 128 - 

mussten gerechte Motive unterlegt werden. So wurde jene furcht — 
bare Mär geboren. Die Juden, deren Kraft zur offenen NotwehiT" 
die physische wie die moralische, unter dem steten Druck er — 
stickt war, hatten sich zu finsterschleichender Rache verbunden^ 
in einem den ganzen Erteil umspannenden Verein. Quellen,^ 
Brunnen hatten sie vergiftet und so den schwarzen Tod hervor- 
gerufen. 

Den Mittelpunkt ihres Bundes suchte man dort, wo sie sich 
zum Teil am meisten Macht erhalten hatten, in Spanien. 

Auf dem Norden der Halbinsel begann das greuelvolle Straf- 
gericht, das bald mit Riesenschritten dem Osten zueilte. 
Clemens' VI.* Verbot, die Juden ohne Richterspinich zu töten, 
zu berauben oder gewaltsam zu taufen, war nur in seiner un- 
mittelbarsten Umgebung von einiger Wirkung. Im Spätsommer 
1348 spielten sich an den üfeiii des Genfersees die blutigen 
Gerichtsverhandlungen ab, vor denen der Kastellan von Chillon 
in seinen Berichten an Strassburg den Vorhang aufgerollt'. 

Am 15. September 1348 beginnen die Verhöre der in Chillon 
gefangen gehaltenen Juden. Die Verhandlungen währen bis zum 
11. Oktober. Die Angeklagten stehen unter dem Verdacht, 
Brunnen, Cisternen, Lebensmittel vergiftet zu haben „ad inter- 
ficiendam et destruendam totam legem cristianam". Die Geständ- 
nisse werden fast durchweg nur mit Zuhülfenahme der Folter 
erpresst^; erst in der zweiten Sitzung pflegen die Inkulpaten 
freiwillig mit der Sprache herauszurücken. Im Wahnsinn der 
Folterqualen denunziert einer den andern; man geht auf alle 
Fragen ein. Nur so lässt es sich begreifen, dass das Ergebnis 
der Untersuchungen den Eindruck eines wohlüberlegten, plan- 
mässigeu Unternehmens hervorruft: in einem systematisch aus- 
geklügelten Netz von Fragen fängt man die Antworten, die in 
zitternder Todesangst nicht anders gegeben werden können. Die 
ganze Judenschaft stellt sich als eine grosse Verschwörerbande 
dar. Von einem der Delinquenten lautet die Aussage: „Dicit 
etiam quod nemo ex judaeis se potest super prsedictis excusare, 



I Strassburger Urkandenbach V, S. 167 ff. Auf Grund dieser QueUen hat 
VV. F. von Mülinen in der Revue Historique Vaudoise 1899, N<> 2, einen kleinen 
Aufsatz verfasst. — «ibid. - ^ Regelmässig leitet den Bericht eines jeden 
Verhörs die Formel ein: „positus ad qusestiouem (aUquantulam)". 



— 129 — 

quia omnes sunt universaliter cousocii et culpabiles in prsedictis", 
und eine Reihe anderer gesteht: „quod omnes judaei a Septem 
annis circum non possint super hoc se excusare, quoniam uni- 
versaliter sciant omnes et sint culpabiles in dicto facto". 

Von Chambery geht die Verschwörung aus. Ein gewisser 
Meister Jakob a Pascate (Pasche) aus Toledo erscheint als die 
Seele des Ganzen ; er sendet Boten mit dem Gift aus und fordert 
unter Androhung des Bannes und beim Gehorsam, den man dem 
(mosaischen) Gesetz schulde, zu dem Werke auf. Neben ihm 
wirken als Hauptagitatoren der Wundarzt Balavigny aus Thonon, 
ein gewisser Provenzal, Rabbi Peyret von Chambery, Abuget 
aus Basa und Salaminus. 

Die drei letzten greifen zum Geld, um der Sache Kräfte 
zu gewinnen. So gibt Rabbi (Rubi) Peyret dem Jocet von Chätel 
f) Schilling „grossorum aureorum". Abuget, von dem es heisst, 
dass er mächtiger und reicher als die andern Juden sei, belohnt 
einen gewissen Iconetus mit 2 fl. Einem gewissen Aquet, der, 
nachdem er sein ganzes Vermögen im Spiel verloren hat, sein 
Glück auf Genfer Gebiet suchen will, gibt Salamin eine Quantität 
Gift zur Verbreitung mit und entschädigt ihn für seine Mühe 
mit 6 Schilling. Einer teilt dem andern von seinem Gift mit; 
man organisiert eine weitverzweigte Giftmischerbande, deren 
Ausläufer bis nach Venedig, Toulouse, Calabrien und Apulien 
reichen. Alle Juden werden vor vergifteten Brunnen gewarnt; 
die Rabbiner bestimmen, dass man das Wasser derselben erst 
neun Tage nach der Infektion wieder geniessen dürfe. Die da- 
durch hervorgerufene Krankheit erklärt der Arzt Balavigny 
sclion durch blosse Ausdünstung der Leidenden auf andere in 
seiner Nähe befindliche übertragbar. 

Man legt in der Regel das Gift unter einen Stein inmitten 
des Brunnens, resp. der Cisterne; bisweilen entdeckt man es 
nach erfolgter Untersuchung. So findet man in einem Brunnen 
bei Ciarens, den man auf die Aussage des oben erwähnten 
Balavigny durchforscht, das Gift, in ein leinenes Tuch gewickelt 

( „prassetum seu pannum lineum, in quo erat dictum tossicum 

inlionatum" *. Häufig findet es sich in einem Säckchen aus dünnem 
Leder („in quodam sacculo de corio tenui et sutuli*^ ^) oder bloss 

•A. a. 0., S. 169. — «ibid, S. 168. 

A. Steinberff. 



- i3ö — 

in einer papiernen Düte (ipsam pulverem in quodam corneto 
papireo magno reposuit)*. Meistens ist es ein Pulver in der 
Quantität einer Nuss (unius nucis, unius grossse nucis*), eines 
Eies (unius ovi ^), einer Faust (unius pugni *) oder zweier Fäuste 
(„duorum pugnorum** ^), manchmal nur zweier Fingerhüte (ad 
quantitatem duorum digitorum"). Die Farbe ist rot oder schwarz,' 
manchmal grün,** auch weisse 

Woraus dieses Gift eigentlich bestanden habe, wird nirgends 
festgestellt. Einer der Angeklagten, der befragt wird, ob er wisse, 
welche Elemente es enthalte, verneint. 

Dagegen versichert der sachverständige Balavigny, es müsse 
demselben die „de Basilico" beigemischt sein, denn das Gift 
könne nicht wirksam sein „nisi mediante Basilico", wie er sagen 
hörte. — „Et est certus," *® versichert der Berichterstatter. 

Alle diese Geständnisse werden in Gegenwart zweier öffent- 
licher Notare, mehrerer achtbarer Personen und einiger besonders 
zu diesem Zweck eingeladener und befragter Leute gemacht. 

Auch einige Christen werden an verschiedenen Orten ge- 
fänglich eingezogen und auf grausame Art hingerichtet, weil sie 
im Dienste der Juden ebenfalls Gift gelegt hätten. 

Bei Villeneuve wurden sämtliche Juden des Landes „per 
iudicium'* verbrannt**. 

Unter den Orten, deren Wasser als vergiftet bezeichnet wird, 
kommen für uns hauptsächlich Villeneuve, Chillon, Vevey, Ciarens, 
Genf und seine Umgebung in Betracht. Von hier aus flog die 
Anklage mit Blitzesschnelle auf das übrige eidgenössische Gebiet. 

Am 15. November 1348 sendet der Schultheiss von Lausanne 
und der domicellus psalterus Michael von Vevey an den Rat 
von Strassburg, wahrscheinlich auf dessen Bitte *', das Protokoll 
seiner Judenverhandlungen. 

Das Gerichtsverfahren richtete sich dort gegen einen Juden 
Bonadies (wahrscheinlich die latinisierte Form von Jomtob). Zum 



»ibid., S. 172. — «ibid., S. 170. — Mbid., S. 168. — Mbid., S. 172. — 
Mbid., S. 173. — »ibid., S. 173. - 'ibid., S. 169. — ^ibid., S. 171. — »ibid., 
S. 173. — «»ibid., S. 169. — "ibid., 8. 174. — '«Vestras litteras graciosas 
benigniter recepimus in hac parte. Quapropter vobis mittimns in scriptis 
confessiones factas per qneudam judeum." Strassburger Urkundenbach V, 
S. 164. 



Tode durch das Rad verurteilt , habe er bis zu seinem letzten 
Augenblick (nach vier Tagen und vier Nächten) bei seinen zuerst 
gemachten Aussagen verharrt. Welcher Art diese waren, geht 
aus dem Briefe nicht hervor. Doch verfehlt er nicht, auf die 
Ereignisse in Savoyen hinzuweisen und mitzuteilen, dass man 
auch die Behörden von Bern und Freiburg ei sucht habe, eine 
Nachforschung anzustellen. Es scheint, als sei hier Freiburg i./Ü. 
gemeint. Doch spricht dagegen der Umstand, dass erst seit 1356 
in Freiburg i./^Ü. von Juden die Rede ist*. Auch in der Chronik 
des Math, von Neuenburg findet sich eine Stelle „Post hec tortis 
quibusdam in Borna, in comitatu Friburg etc.*^'. 

In der deutschen Schweiz ging die Verfolgung von Bern 
und Zofingen aus. „Donoch dümelte man etliche Juden zu Beme 
und zu Zovingen, die verjohent das sü vergifft hettent in vil 
bumen geton*^ ^. Dadurch, dass beide Orte als erste mit grosser 
Energie die Angelegenheit betrieben, erlangten sie eine gewisse 
Autorität. Städte wie Strassburg, wo die Stellungnahme zur 
Judenfrage den Konflikt zwischen Zünften und Rat zum Austrag 
brachte, Basel, wo die Verhältnisse ganz analog sich entwickelten, 
Solothurn, Freiburg i./Br. holten sich bei ihnen Rat und Belehrung, 
um auf Grund des von ihnen überlieferten Tatsachenmaterials 
ihr Verhalten einzurichten. Bern benachrichtigt Strassburg von 
der Judenverfolgung in Solothurn^; es sendet ihm sogar einen 
gefangenen Juden, damit es sich nach eigenem System Auf- 
klärung verschaffet 

Dagegen lehnt Zofingen ab, einer Aufforderung des Strass- 
burger Rats gemäss, diesem das corpus delicti zu schicken, da 
es gelobt hat, „daz wir der gift nieman senden, wand wir han 



*Arch. cant. Registrnm Lombardorum, p. IS. — ^Ansgabe Stiider, 
8. 159. — 3Jac. Twiuger von Könighofen, Strassburger Städteclironik II, 
S. 760. Siehe auch Matthise Neuweuburgeiisis Cronica, Böhmer^ Fontes IV^, 
p. 261, ed. Stnder, 8. 159. — * Strassburger Urkundenbuch V, S. 165. — 
*E8 geht dies aus einem Schreiben der Stadt Köln an Strassburg hervor, 
worin um Nachrichten über die .Tudenangelegenheit gebeten wird. Es heisst 
hier: Ketulit nobis dominus frater Henricus Commendator domus Coloniensis, 
qnod ipse alias in civitate vestra constitutis, a quibusdam de vestro consiUo 
iutellexeiit, qnod consules oppidi de Herne in Oitland quendam jndeum captivuro 
transmiserint, vobis ad informandum vos de intoxicutione er venenosa spar- 
sione etc. Twinger von Könighofen, ed. Schilter, S. 1021. 



— 132 - 

si och allen stetten verzigen und verseil". Sollten sich die Strass- 
burger nicht überzeugt fühlen, so werden sie ersucht, einige 
vertrauenswürdige Boten zu schicken, die das Gift in Augenschein 
nehmen und erproben können *. Das Gift fand sich bei den Judea 
„in iren schlössen". Es wurde als solches agnosziert, indem man 
es Hunden, Schweinen und Hühnern verabreichte, die nach dem 
Genüsse desselben verschieden*. Als Hauptstapelplatz wird das 
Haus eines gewissen Tröstli genannt^. Drei Männer und eine 
Frau erlitten hier den Tod durchs Rad*. Die übrigen Juden 
blieben auf Befehl des Herzogs Albrecht von Österreich un- 
behelligt. „Sed hoc modicum profuit," setzt der Chronist hinzu; 
denn innerhalb der folgenden Jahre ereilte sämtliche Juden seines 
Gebietes der Tod^ 

In der Umgegend von Bern verjagt Eberhard von Kiburg 
die Juden aus Burgdorf im Februar 1349^ 

Im November 1348 zündete man in Solothurn den Holzstoss 
an. BeiTi scheint hier die Anregung gegeben zu haben; teilte 
es doch selbst Strassburg mit, „daz wir gesendet hatten gen 
Solottern ze klagenne uffen die Juden umbe ir mort" ". Aus den 
Bekenntnissen ging hervor, dass einer der Juden zwei seiner 
Glaubensgenossen, Köpfli und Kursenner, hatte Gift in die 
Brunnen legen sehen. Sie hätten auch andere aufgemuntert, 
ihrem Beispiel zu folgen. Ein anderer, den bereits die Flammen 
umlohten und „in du hitze angieng", rief aus : „wissent daz alle 
Juden in allen landen umbe die gifft wissen"**. Aussagen ge- 
worbener Christen und wieder abtrünnig gewordener Konvertiten 
bekräftigen diese Geständnisse". 

Auch an Basel hatten Bern und Zofingen die Mahnung er- 
gehen lassen, „das sie ire Juden euch soltent verbürnen" *®. Sie 
fiel auf fruchtbaren Boden. Arg hatte die Pest gehaust, so dass 
vom Eschenheimertor bis zum Rheintor alle Ehen bis auf drei 



' Strassburger Urkimdenbucb V, S. 166. — Mbid. — ^ Chronik des Heinr. 
Truchsess von Diessenhofen. Böhmer, Fontes IV, p. 6y. — ^ Strassburger ür- 
kundenbnch V, S. 166. Müller, Der Aargau I, S. 469, lässi einige Juden auf 
dem ehemaligen Bannbolz (noch jetzt Judenacker genannt) verbrannt werden. 
— ^A. a. 0. Böhmer, Fontes IV, p. 69, siehe unten. — "Hidber, Schweizer- 
geschicbte, S. 167. — ^Strassburger ürkundenbuch V, S. 165. — ^'ibid. — 
»Truchsess von Diessenhofen, Böhmer, Fontes IV, p. 69. — '°Twinger von 
Eönigshofeu A. a. 0. 



- 133 - 

durch den Tod zenissen worden waren *. Das Volk, zudem gereizt 
durch die Verbannung einiger Judenfeinde^, zwang den Rat durch 
einen Auflauf, seine den Juden günstige Haltung aufzugeben. 
Die Juden wurden verhaftet und die Stadt sandte Boten an den 
Tag von Benfeld, wo das gesamte Elsass, auch Freiburg i./Br. 
über die Judenfrage ins Reine kommen wollte. Es herrschte hier 
„ein gross hützen und schrigen*^, und nicht bloss der Rat von 
Strassburg, sondern auch der von Basel wich dem vereinten 
Ansturm der Volksleidenschaft'. 

Am 16. Januar 1349 verbrannte man in Basel die Juden in 
einem hölzernen Häuschen auf einer Rheininsel *. Nur die Kinder 
entzog man dem allgemeinen Verderben; man entriss sie den 
Elteni und machte sie zu Christen ^ Am 4. Juli 1 349 erstatteten 
der Bürgermeister Conrad Mönch von Landeskrone und der Rat 
an Strassburg Bericht über die fortgeführte Untersuchung®. Vier 
getaufte Juden waren kürzlich hingerichtet worden, die vor ihrem 
Tode gestanden, Brunnen infiziert und Leute direkt vergiftet 
zu haben. Einer hatte in Luzem Butter eingekauft und sie ver- 
giftet in den Handel gebracht. Ihrer drei bezeichneten als den 
Spender des Krankheitsstoffes einen getauften Juden Bernhard, den 
Bruder eines gewissen Köppin ; der vierte nannte sich Menli von 
Bern. Ein früher geräderter Konvertit hatte ebenfalls Bernhard 
angegeben; auch hatte er ausdrücklich hervorgehoben, „was ge- 
tofter Juden worin, die in dehein älter worin, die wisten alle 
umbe die gifte". Ausserdem vertrieben Smorli von Hasenburg, 
Ysack von Pfirt, Jossun Galetzsch von Grandson, Jöfferli von 
Ensisheim, Moyses Koller von Nidau, Salman, der Bruder Trütlins 
von Altkirch, Seckli das Gift. Ferner wurde „ein cristenman uf 
ein rat gesetzet", der sich zu derselben Missetat bekannte; den 
Stoff behauptete er von einer Beguine (ein begine) zu Kolmar 
erhalten zu haben. Dem Schreiben legte man „ein zedeln" von 
Zofingen bei mit den Namen der dort getöteten Giftmischer und 
als Postscriptum setzte man die Mitteilung hinzu, dass alle ge- 

' Basler Chroniken IV, Beilagen zur Chronik Erhards von Appenwiler 1, 
S. 373. — «P. Ochs II, S. 67. — U. a. 0. Twinger v. K., Math. v. Neuen- 
bürg, a. a. 0., S. 261 f. — ^ibid. Die Gegend wird näher bezeichnet diu-ch 
Twinger, Methodus Apodemica, lib. III, p. 181. — ^ Wurstisen, Basler Chronik, 
S. 170 f. — ♦' Strassbnrger Urkundenbnch V, S. 106. 



- 134 - 

tauften Juden bis auf weiteres verhaftet worden seien. Am 
18. Juli konnte Basel seinen Bericht fortsetzen *. Mit der In- 
fizierung des Wassers hatten sich diesmal die Juden (es handelt; 
sich fortwährend um wieder abgefallene Konvertiten) nicht be- 
gnügt; auch Wein hatten sie vergiftet, „so si . . ze trinkende 
buttenf. Sogar die Kinder der Delinquenten wurden vor Gerichte 
gezogen; sie erzählten, dass sie im Auftrag ihrer Eltern den 
Giftstoff in die Häuser von Christen getragen hätten. Viele 
derselben waren denn auch dem Gift erlegen. Vor ihrer Hin- 
richtung fühlten sich manche der Verurteilten von Reue bewegt; 
sie baten einige Bürger, deren Kinder sie mit dem Gift getötet 
hatten, um Verzeihung. 

Die Geschichte eines Knabenmords scheint in Zürich die 
Stimmung im vornherein für die Juden bedenklich gespannt zu 
haben. Sie sollen sich des vierjährigen Söhnchens eines gewissen 
Zur Wyden bemächtigt, es mit Nadeln „zu tod gestupft*^ haben. 
Den Leichnam hätten sie im Wolfbach, der ja auch an ihrem 
Hauptquartier vorbeifloss, vergraben. Durch einen im Wasser 
stelzenlaufenden Knaben sei der Mord entdeckt worden. Die 
Täter, in denen man gleich Juden vermutete, wurden zur Rechen- 
schaft gezogen. Mit dem Feuertod hätten die Hauptschuldigen 
gebüsst; die Mithelfer hätte ewige Verbannung getroffen '. Sehr 
bald erhob sich auch hier die Anklage der Brunnenvergiftung. 
Allem Anschein nach musste auch hier der Rat nach anfänglicher 
Parteinahme dem Toben der Bürger nachgeben^. Im Februar 
1341) (an St. Matthisabend) verbrannte man die Unglücklichen^. 
Eine Chronik lässt sich vernehmen: „Do von Gots geburt 1349 
do verbrandt man die Juden Zürich an St. Matthys Abend, und 
ze Jahre umb do kam die Mordnacht uf St. Matthys Abend" *. 

Mit grosser Energie nahm sich der Herzog Albrecht von 
Österreich der Juden seiner Länder an; als ihm aber von allen 
Seiten das Ultimatum gestellt wurde, falls er nicht selbst die Juden 
verbrennen Hesse, würde man es an seiner Stelle tun, da ent- 
schloss er sich doch, sich sein Recht über sein Eigentum voll 
zu wahren, indem er selbst den Henker spielte. So vollzog sich am 



Mbid., S. 108. Königshofen, ed. Schilter, S. 1025. — «Ulrich, S. 82 flf. 
— ^ibid., S. 98 f. — * Chronik der Stadt Zürich, herausgegeben von Dierauer, 
in Quellen zur Schweizergeschiclite XVIII, S. 46. — ^ Beleg bei Ulrich, S. 98. 



20. Februar des Jahres 1349 der „Judenbrand*^ in Schaff hausen 
und im Thurgau, am 17. März in Baden, auch derjenigen Verfolgten, 
die von Rheinfelden ihres Schutzes halber sich im untern Schlosse 
aufhielten. Am 17. November traf das gleiche Schicksal ca. 330 
aus Winterthur, Diessenhofen und andern Ortschaften auf die 
Feste Kiburg geflüchtete Juden. Schon am 22. Februar loderte 
der Feuerbrand in St. Gallen auf *. Auch Luzern muss sein Auto- 
dafe veranstaltet haben, obschon keine authentische Nachrichten 
darüber vorliegen^. Überall fiel die gesamte Hinterlassenschaft 
der toten Juden den Besitzern des Judenschutzes anheim. Nicht 
immer aber besassen die Städte das Schirmrecht. In diesem Falle 
entwickelten sich Verhandlungen mit dem Kaiser oder dem 
sonstigen Inhaber desselben. Karl IV., „ein listig sinrich man*^ 
wie ihn ein Chronist nennt ^, machte zum bösen Spiel gute Miene. 
Beraubten ihn diese zwei Jahre einer so bedeutenden Zahl seiner 
Kammerknechte, so wusste er doch sich über den Verlust zu 
trösten. Er verzieh allen alles und steckte den Löwenanteil des 
Ertrages der blutigen Ernte in seine Tasche. Nach den Unter- 
handlungen mit Zürich kam folgendes Ergebnis zu stände. Alle 
Schulden der Bürger bei den Juden sollten dahinfallen, die et- 
waigen Anforderungen von Bürgern an Juden aber sollten aus 
deren Nachlass gedeckt werden. Die Prozesskosten sollten eben- 
falls aus der gleichen Quelle bestritten werden. Der Rest der 
jüdischen Frauen und Kinder, der noch lebte, behielt das An- 
recht auf sein Vermögen. Was ihre Ansprüche auf dem Lande 
betraf, so stand es der Stadt frei, sie bei der Erfüllung der- 
selben zu unterstützen oder es zu unterlassen. Dem Kaiser aber 
fiel das ganze übrige Judengut zu. Sollten bis Mitte August 
diese Abmachungen nicht ausgeführt worden sein, so stünde 
einer dreigliederigen Kommission, der der Bürgermeister, der 
Ritter Heinrich Biber und ein Dienstmann des Reichsmarschalls 
Burkh. von Eilerbach angehörten, die Befugnis zu, sie zu ver- 
wirklichen ^ 



'Truchsess v. D., a. a. ü., S. 70 f. TroU II, S. 25, lässt mit Ulrich, 
S. 126, 1348 überdies noch mehrere Jnden in Winterthur an der Wiese am 
Brnel in Kanch nnd Flammen aufgehen. - ^ Segesser I, S. 192 ; Liebenau, 
S. 256. — * Beilage zur Chronik Erhards von Appenwiler, a. a. 0., S. 374. 
— »Bär, S. 145; Ulrich, S. i»8, Beilage D; S. 37s, Beilage S; S. 488, Beilage N. 



r 



- 136 — 

Auch St. Gallen erhielt ein kaiserliches Verzeihuugsschreibem ^^ 
doch scheint die Stadt selbst das Judenerbe eingezogen zu haben 
Eineu reichen Gewinn schlug auch Albrecht der Lahme vo^"^^ 
Österreich für sich heraus. Als Schiedsrichterin fungierte in de^^^^ 
Auseinandersetzungen mit Schaffhausen seine Schwester Agne^^^* 
von Ungarn. Sie sprach 1)40 Mark Silber ihrem Bruder zu. Da-^^^ 
Übrige, Häuser oder irgendwelches andere Vermögen, sollte deÄ^ ^^^ 
Schaffhausern verbleiben, ausgenommen das Haus „zur HaseÄ^^^" 
Staude", das der Herzog seinem „lieben maister Johann" (vor^^^" 
Windellock), seinem Kanzler, schenkte (siehe oben). Sämtliche *^® 
Bürger sollten ihrer Verpflichtungen an Juden los und lediges»- ^° 
sein. Was sich künftighin noch an Barem, an Gold oder Silbe 
vorfinden würde, das noch nicht erwähnt wurde, sollte dem Vogt 
Johannes, dem Schultheissen von Waldshut, erttattet werden zu 
Händen des Herzogs ^ 

Überall hatte man den Juden auf lauge Zeit die Tür ge- 
wiesen. Allein nach wenigen Jahren fanden sie sich wieder in 
ihren frühern Wohnplätzen ein. Luzern liess sie gleich nach 
1349 wieder ein^ . Schon 1352 verzichteten Fisli und Eva Guta^ 
die Kinder des verstorbenen Juden Moses , auf alle Ansprüche, 
die sie etwa im Namen ihrer Eltern oder anderer Juden an 
Bürger der Stadt Zürich machen könnten * und 1354 erging der 
allgemeine Freiheitsbrief für die gesamte Judenschaft der Stadt 
Zürich*. In Solothurn ist von Juden 1354 die Rede" und in 
Genf wird ein gewisser Manasses 1355 als Steuerpächter ge- 
nannte 1365 verlieh Karl IV. vorläufig den Schutz über die 
wahrscheinlich schon früher widergekommenen Juden der Stadt 
Basel **. 

Um 1370 ölFnete ihnen Schaff'hausen wieder die Tore,*^ wohl 
auch Diessenhofen '^'. In Bern standen die Geldgeschäfte der Juden 
um 1371) schon in voller Blüte**. St. Gallen nahm 1380 wieder 
Judenbürger auf *e 

Die Euheperiode, die nun für ein halbes Jahrhundert ein- 
trat, war für manche Gebiete eine bloss äusserliche. Sahen sich 

»Wegelin, S. 130 f. — «Kirchhofer a. a. 0., S. 94. — ^Liehenau, S.266. 
^Ulrich, 441, Beilage P. — Mhid., S. 382, Beilage H. — «Solothurner Wochen- 
blatt (1814), S. 145. — 'Borel, p. 217, note 3. — »* Basler rrkmidenbuch IV, 
S. 268, Nr. 287. - "Härder, S. 43. — "» Löwenstein, S. 82. -- " Urk. im 
Staatsarchiv. - '-'Wegeliii, S. 131. 



doch die Juden in Bern und Liizern dadurch, dass man den bis- 
lang so verachteten Bankierberuf rehabilitieile und somit auch 
den Christen ihn zugänglicli maclite, in ihren primitivsten Lebens- 
bedingungen gefährdet. Luzern schloss sie 1383 vom Wechsel- 
geschäft aus*; in Bern fasste der Rat 1384 den Beschluss, 
künftighin auch bei den eigenen christlichen Bürgern Anleihen 
zu machen, die dadurch keinesfalls an ihrem Ansehen Einbusse 
erleiden sollten*. Immer mehr Boden gewannen diese neuen 
Geldleiher den Juden ab, die vergeblich Stand zu halten suchten. 
Sie sahen eines nach dem andern ihrer Privilegien schwinden'. 
Schliesslich setzte man die Cberflüssiggewordenen vor die Türe*. 
In Basel vollzog sich in diesen Dezennien mannigfacher Wechsel 
des Judenschutzes. Aus den Händen der Stadt ging er 1374 in 
die des Herzogs von Österreich über; nach dessen Tode eignete 
die Stadt ihn sich iiieder an, bis er VdW) ihr rechtlich von 
Wenzel zugestanden wurde*. Im Jahre 1385 geriet die Stadt 
in Streit mit den Markgrafen Otto, Hans und Hesse von Hoch- 
l)erg, die einige Basler Judenbürger widerrechtlich gefangen 
genommen „und umb etwas gutz geschetzet hatten*^. Durch 
Bürgen und Briefe hatten sich die adligen Brüder des abge- 
zwungenen Gutes versichert. Am 30. Juli aber kam es zu einer 
Einigung. Die Markgrafen verzichteten in aller Form auf ihren 
Saub und erklärten alle Versprechungen und Briefe der Juden 
für ungültig: insbesondere begibt sich Graf Hans aller For- 
derungen, die er durch einen von den Juden ihm überlassenen 
Schuldbrief — auf Eigennagel von Witten.stein lautend — 
gewonnen hattet Damit war diese Sache beigelegt. Im selben 
Jahre 1385 nahm die von Wenzel durchgeführte Bewegung der 
Judenschuldentilgung ihren Anfang. Basel, St. Gallen und WyL 
als Glieder des schwäbischen Städtebundes, wurden mit hinein- 
gezogen. Man gestattete ihnen, frei mit den Juden zu schalten: 
dafür leisteten sie dem König eine bestimmte Summe '. Damals 
hatte Wenzel auch den Grafen von Grevei-z und seinen Sohn 
Budolf von Montsalvens auf ihre Bitte von ihren Verpflichtungen 



" X 



.S*:;^*:r;*:r. H. Vjt». AuiD.: Liebenau, .S. i'A. — 'VrV. im SuatdarcluT. 
Tobler. S. 'i:/j. — =A. a.O. 13:M Muihr .Erwerb*zireij:e-. — *Tübler. S. 3^>. 
— 'SieLe Kapitel ..Taleiuchou*. — ♦ rrkondfrnbncL der Sudl 'Bk^*:\ V, 
S. C'.i. Nr %'. — '.SirL-r Lähere* Kajfitel .Al^ab^:;*. 



— 138 - 

gegen die Brüder Salomon und Abraham von Vesoul (wahr- 
scheinlich dieselben, die 1381 mit ihren Familien sich in Freiburg 
niedergelassen hatten) befreit. Bald aber bekehrte er sich zu 
einer andern Meinung und befahl den Schuldnern, das ge- 
liehene Geld zurückzuerstatten. Er bestimmte sogar am 23. De- 
zember 1397, dass insbesondere die Städte Basel, Zürich, Bern, 
Luzern den Juden bei der Eintreibung ihrer Gelder behülflich 
sein sollten *. 

Mit dem ersten Jahr des 15. Jahrhunderts lebten wieder 
die grauenvollen Szenen des 14. auf. 

Im Jahre 1401 hatte ein Knecht („der hiess der Zan") des 
Vogtes in Diessenhofen das vierjährige Söhnchen des Ratsherrn 
Lory ermordet. Sogleich blitzte das Gerücht auf, dass der Mörder 
im Dienste eines Schaffhauser Judenbürgers, Michel Vivelmann, 
der seit acht Tagen in Diessenhofen sich aufhielt, die Untat 
begangen hätte. Der Knecht gestand, dem Juden für 3 fl. das 
Blut des Kindes versprochen zu haben. Er wurde nach kurzem 
Gerichtsverfahren gerädert; Vivelmann und sämtliche Juden in 
Diessenhofen aber verbrannte man. Und um die Gleichartigkeit, 
mit der sich alle diese Fälle vollziehen, zu vollenden, wallfahrtete 
man auch hier bis zur Reformationszeit zum Grabe des Knaben, 
als zu dem eines Märtyrers. Auf die Kunde dieser Ereignisse 
hin fürchteten die Juden in Schaff hausen nicht mit Unrecht für 
sich das Schlimmste. Sie flohen über den Rhein und suchten 
Schutz in der Scheune eines gewissen Dörflinger in Feuerthalen, 
von wo aus sie in nächtlicher Wanderung nach Stein zn gelangen 
suchten. Allein die Häscher holten sie ein und führten sie nach 
Schaffhausen zurück, wo sofort ihr Prozess begann. Vivelmann 
hatte auf der Folter ausgesagt, er hätte auf Geheiss des Hirz 
für einen Entgelt von 20 fl. den Mord begehen lassen. Unter 
den Qualen des peinlichen Verhörs gab Hirz alles zu; seine 
beiden Genossen Matthias und Lemblin schlössen sich ihm an. 
Auf dem Wege zur Feuerstätte aber nahmen sie alles zurück 
und erklärten jene Versicherungen durch die Martern erpresst. 
Der Widerruf aber hatte keinerlei Erfolg. Da Hessen sie ihrer 
Verzweiflung freien Lauf, bezeichneten ihre Verurteilung als 

' Momoirps et documents de la Suisse romande, tomes X, p. 374 et XXII, 
p. 261, N'> 156. 



— 139 — 

Justizmord und ihie Kichter als Mörder und Bösewichte. 
Die Frauen liiessen das Publikum Gott um Verzeihung für ihren 
unschuldig erlittenen Tod bitten. Die Kosten der Hinrichtung 
deckte man aus der Hinterlassenschaft der Juden, auch die Be- 
wachung ihrer in einer Grube bestatteten Asche durch des 
Hafners Sohn mit 6 Schilling*. 

Erst 1411 erteilte Herzog Friedrich von Österreich den 
Schaifhausern Verzeihung. Bald loderte der Scheiterhaufen auch 
in Winterthur, wo 24 (oder 27, in Schaff hausen waren es 30) 
Personen ihren Tod fanden. Das angebotene Mittel der Rettung 
durch die Taufe ergriff nur einer, ein gewisser David, der nach 
seinem Übertritt sich Hans Graf nannte und von dem das dor- 
tige Künstlergeschlecht abstammt. Seine Zinsen sollen ebenfalls 
gleich nach seiner Bekehrung christlich geworden sein; er lieh 
dem Schultheissen von Randenburg 500 Goldguldeu gegen den 
ausserordentlich niedrigen Prozentsatz von 57o*- 

In Zürich bezeugte das Volk nicht übel Lust, wieder einmal 
eine Judenschatzung vorzunehmen. Aber der Rat hielt kraftvoll 
seine Hand über die Bedrohten und wusste in ausserordent- 
lich kluger, besonnener Weise die Gefahr zu beseitigen. In 
einer Sitzung vom 6. Juli 1401^ erkannte er: „do vil red 
uflöffet von gemeinem volk", dass die Juden viel Unrecht be- 
gangen und insbesondere dies bei der Verurteilung in Schaff- 
hausen eingestanden hätten, so hätten Bürgermeister, Rat und 
Zunftmeister Kundschaft eingeholt. Zu diesem Zwecke waren 
allerdings fünf Knechte, die der Exekution in Schaffhausen bei- 
gewohnt hatten, befragt worden. Albrecht :\Ierspurg, Peter 
Eilend, Diethelm Rindenknecht, Hans Etter, Hensli Sitz hatten, 
nachdem sie vorher alle Aussagen beschworen, berichtet*, dass 
die Juden, auf grässliche Art gefoltert, zuerst alles zugegeben 
hätten. Man war genötigt, sie auf einem Karren zur Richt- 
stätte zu fahren, derart hatten die Torturen sie zugerichtet. Nur 
die Folter hatte ihnen Geständnisse erpresst, das ging klar 
aus den Äusserungen einzelner Delinquenten hervor. „Ich \veiss 

'Härder, S. 19; Dieb. Schüling, Schweiz. Chronik, S. 22; ririch, S. 209 f., 
lässt in Schaffhausen das Motiv der Verfolgung eine iibermalige Brunnen- 
vergiftung sein. Siehe ebendaselbst Belege. — * Härder, S. 49; Dieb. SchiUing, 
Schweiz. Chronik, 8. 22; Troll, S. 25. — 'Stadtbücher, S. 341, Nr. 173. — 
*Richtbuch 1401, S. 148/9; Ulrich, S. 210 f. 



— 140 — 

nit, was ich verjechen han; denn bei der niarter hett ich ge 
sproclien: dass gott nicht gott", sagte einer von ihnen. „. . . uuc^-^^^ 
won Avir dien Juden fiiheit mit unser statt briefen und jnsiegelr« ^^'^^ 
geben und si gelopt haben ze schirmen und wir noch nit erfarr^^^^^ 
haben und ovch solich schuld über si sich noch nicht erfundeiTÄ: ^^ ^^ 
hat, darumb man si mit dem rechten an lip oder an gut ge-'^"'^^ 



straifen könne," deshalb haben die Räte beschlossen, di^ ^ *^^^ 
Juden unbehelligt zu lassen; es wäre denn, dass sich eiuers^ 
unter ihnen etwas hätte zu Schulden kommen lassen. ManC^ 
kam auch überein, den Zünften diese Erkenntnis zukommen 
zu lassen, denn der Rat hoffte auf ihre Unterstützung bei 
dem schweren Stand gegenüber der aufgeregten Masse. Darin 
hatte er §icli allerdings schwer geirrt, denn die Zünfte 
hätten je eher desto lieber den Juden den Garaus gemacht. In 
der Schmiedezunft scheute sich der Messerschmied Veringer iiicht 
auszusprechen: Bürgermeister und Rat hätten zwei Briefe, die 
von den Schaff hauser Behörden an sie ergangen seien, „under- 
gedruckt und verslagen". Gesandte von Schaffhausen wären 
da gewesen, allein man hätte sie ohne Antwort wieder abziehen 
lassen. Urmi Zimberman und Ulrich Kun sekundierten ihn *. 
Unter dem anfachenden Sturm solcher Sprache musste die 
aufglimmende Antipathie der Masse ausbrechen. Da griff der 
Rat zu einem Mittel, das sich noch in den Tagen Friedrichs 
des Weisen und Luthers als wirksam erwies. Am 6. August 
bestimmte er, dass man Smaryen und Israhel verhaften 
„und jn turn legen sol", dass man ferner die gesamte Juden- 
schaft Zürichs gefangen setzen „und jr lip und jr gut besorgen" 
solle. Von ihrem Vermögen nahm man eine Inventur auf, ,jn 
sölicher niass, dz die burger sicher syen, dz der Juden lip noch 
jr gut nicht enpfrondet werd" wie die fast ironisch wirkende 
Wendung lautete. Weitere Sitzungen, Vorlesung der Briefe von 
Schaffhausen und andern Städten sollten über das Schicksal der 
Gefangenen entscheiden'-. Diesem überlegenen Verfahren der 
Behörden gegenüber legten sich denn die hochgehenden Wellen 
der Erregung. Zu Exccssen kam es diesmal in Zürich nicht; 
die Juden wurden gegen loOoü. auf freien Fuss gesetzt und 

'Richtbuch, S. 141) b. und S. 151 b.; Ulrich, S. 105. — « Stadtbttcher, 
S. 343, Nr. 174. 



blieben unangefochten '. Allerdings aber scheint von nun an der 
Affekt beim Volke sich in eine langsam aber stetig nagende 
Missgunst umgesetzt zu haben, die dann auch schliesslich ihnen 
den Boden unter den Füssen unterwühlte und ihre Stellung un- 
möglich machte. 1404 entzog man ihnen die Zeugnisfähigkeit 
"vor Gericht*. 1423 kam man überein, sie noch bis zum nächsten 
JTahre zu dulden. In der Tat erfolgte 1424 die Ausweisung 
sämtlicher Juden mit Ausnahme des Arztes Josef. Allein ihre 
Wiederaufnahme und dazu der Empfang von vier andern auf 
12 Jahre gegen 1200 tl. vollzog sich noch im selben Jahr. Zur 
IBedingung wurde ihnen ein auf die Hälfte des bisher üblichen 
reduzierter Zinsfuss d. i. 21 Va Vo gemacht^. Anlässlich des Mordes 
in Ravensburg verhängte man 1429 auf Ersuchen der Stadt 
IKonstanz über die Juden eine sechswöchentliche Haft^ Aus- 
^weisungsdekrete gegen alle Wucher treibenden Juden folgten 
sich 1435 und 1436; am 14. Februar des letztern Jahres aber 
liob man die Niederlassungs- und Wohnberechtigung für alle 
ohne Unterschied auf „zur Ehre Gottes und unserer lieben Frau". 
^Freilich handhabte man dieses Verbot nicht so streng, dass nicht 
im Lauf der folgenden Zeit einzelne Juden durch eine offen- 
gelassene Spalte hereingeschlüpft wären. 1494 wird ein gewisser 
Smario mit seiner Familie in aller Form in den Bürgerschutz 
aufgenommen ^ Winierthur gestattete noch 1518 dem jüdischen 
Arzt Lazarus den Aufenthalt*^. 

Nach 1392 hatte Bern seine Juden ausgewiesen; 1408 hatte 
noch ein Mal der Empfang einiger Judenbürger stattgefunden. 
Da aber mit der politischen und ganz besonders der finanziellen 
Erstarkung der Stadt der wesentliche Grund, Juden zu halten, 
wegfiel, da ferner Leute wie der Chronist Justinger, der in den 
Juden seine persönlichen Konkurrenten sah, auf ihre Vertreibung 
drängten, so sprach der Rat am 10. Mai 1427 aus: „Harurab 
ze lob und ere dem almechtigen gott, siner lieben muter und 
allen heiligen haben wir einhellenlich geordnet und gesetzet 
ewenclich stet ze halten, das von disshin wir und alle unser 
ewigen nachkomen weder Juden noch Lamparten, offen noch 



'TMrich, S. 117. — '«Stadtbücher, S. 360, Nr. 199. — Hnrich, S. 118; 
Bär, S. 148. — ^Bär, S. U8; übicL, 8. 117. — Mbid. Bär, S. 160. — «Troll, 
S. 25 



- 142 — 

heimlich wuchrer in unser Statt Bern noch in andren unsren 
stetten noch lendren nit empfachen, noch ze bürgeren oder in- 
gesessnen sollen noch wellen, noch andren den unsren gestatten 
solich Juden, Lamparter, wuchrer ze empfachend oder ze iren 
burgern ze nemend in dehein wise, wond wir eigenlich haben 
gemerket, das die Juden uns in dem cristanlichen gelouben 
smechent und aber beide, die Lamparten und die Juden mit 
ihrem offenen wucher gemeinem land grossen schaden zufügent, 
von der statt und land unmessig barschaft haut gefüret, darumb 
ouch si wol ze vermidene sint" *. 

Die starren Mauern, die sich gegen die Juden auftürmten, 
hielten stand bis zum Untergang des alten Bundes der Eid- 
genossen. Die Tore öffneten sich höchstens in der zweiten Hälfte 
des 15. Jahrhunderts jenen berühmten Freiburger Judenärzten, 
die man in schwierigen Fällen herbeirieft. Mit dem Verbot des 
Gelddarleihens war 1383 den Juden in Luzern sozusagen die 
Existenzmöglichkeit abgeschnitten, daher kam es einer Aus- 
weisung gleich. Nur vereinzelt lassen sich im 15. Jahrhundert 
und später Juden nieder; auch hier nehmen die jüdischen Ärzte 
eine Ausnahmestellung ein*. 

1420 hatten sich wieder in Schaffhausen Juden angesiedelt; 
1435 und später folgten weitere Aufnahmen. 

„Zur Erteilung der Niederlassungsbewilligung war seit der 
neuen Epoche die Zustimmung des grossen und kleinen Rates 
und der Gemeinde erforderlich, welche bei gut beleumdeten Juden 
um so weniger beanstandet wurde, als man den Gewinn, der 
aus der Schirmgebühr der Stadt zufloss, als ein Haupterfordemis be- 
trachtete, um die grossen merklichen Schulden derselben zu tilgen 
und dadurch das gemeine Wesen und den Fortbestand zu äussern 
und zu fristen (Härder)." Am St. Veitstag 1472 aber fasste man 
doch den Beschluss, die Juden ziehen zu lassen. Die Modifikation 
der Bestimmungen über das verzinsliche Darlehen, die auf den 
Konzilien zu Konstanz und Basel von dem christlichen Wucherer 
den ihm bis dahin anhaftenden Makel genommen hatten, mochten 
vereint mit den allzuhoch gespannten Zinsforderungen der Schaff- 



' Statt. Satzung' Nr. Uß. Rotes Buch im Staatsarchiv; Tobler, S. 361. 
— 'Tobler, Bern und die Juden, Berner Taschenbuch 1893/94, S. 119 f. — 
^Liebenau, S. 256. 



^ m - 

hauser Juden ihre Ausweisung bewirken. Die letzten wanderten 
1475 aus. Erst 1535 kam wieder ein Jude in die Stadt; bis dahin 
wurde sie bloss von Durchreisenden berührt *. -^ In Stein bürgeite 
sich von 1448 an eine Reihe jüdischer Familien ein'^; 146G taucht 
in den Stadtsatzungen das Verbot auf, weitere aufzunehmen. 
Trotzdem finden sich in den Steuerrödeln der 70er und 80er Jahre 
des 15. Jahrhunderts Einnahmen von solchen'*. 1488 kündete 
ihnen die Stadt den Vertrag; sie aber blieben im Vertrauen auf 
Hans Waldmann, den Bürgermeister von Zürich, ^ wider willen 
dero von Stein by anderthalb jaren**. Schliesslich aber empfanden 
sie es doch sehr deutlich, dass ihren Aufenthalt „den von Stein 
widerwärtig vnd schwer off gewesen ist und vnwillen** erzeigte. 
Sie wandten sich hierauf an Zürich, wo sie sich die Erlaubnis 
holten, Stein verlassen zu dürfen. Doch wünschten sie, es möchte 
dieser Umstand dem Städtchen von Zürichs Seite „keinerley Kummer 
noch gepresten oder schaden" zuziehen. Daher versprachen sie 
„by unsem Judischen truwen vnd aiden so wir all gemainlich 
vnd sundirlich nach vnser Satzung gesworen haben . . . solichs 
niemermer zu äflfem zu rechen wedr an gemainer statt Zürich 
den iren noch gegen den so baiden stetten verhafft vnd verwandt 
sind inen zugehören vnd zu versprechen stand". Sie versprachen, 
weder päpstliches noch königliches Gericht anzurufen ; denn was 
von Stein und seinen Herren von Zürich „mit vns geworben 
furgenommen vnd gehandelt ist, darzu haben sy glimpf ere vnd 
recht vnd wir vnrecht vnd kainen glimpflf gehept". Ferner ver- 
langten sie bei der Rückzahlung der ihnen von den Einwohnern 
von Stein schuldigen Gelder das blosse Kapital mit Weglassung 
der Zinssumme*. 

Den Juden des Thurgaus bestätigte 144() der Herzog Albrecht 
die von Leopold verliehenen Rechte. 1458 erlaubte Sigismund 
der Stadt Diessenhofen , die in ihr wohnhaften Juden mit allen 
ihr beliebigen Privilegien auszustatten, doch behielt er sich 
seinen Widerruf vor. Auf dem Tag von Luzern (9. März 14(57) 
beantragte Diessenhofen, Juden aufzunehmen, sie mit Geleit zu 
versehen oder ihnen sonstwie behülflich zu sein, „damit si mögind 
beliben, dann si gantz nötig sigind''*. 1479 empfing man einen 

*A. a. 0. Härder. — ^ Kirchhofer, Geschichtsforscher IV, S. 343. — 
Mbid., S. 344. — Mbid., S. 346 f. — ^Löwenstein, S. 87; Abschiede II, S. 362, 
Nr. 573; Tschudi, Chronik II, S. 670. 




— 144 - 

gewissen Mennlin auf zwei Jahre in Diessenhofen '. 1483 begannen 
von Steckborn aus Klagen über den Judenwucher laut zu werden. 
Den stark verschuldeten Einwohnern von Steckbom gestattete 
man, in zwei Terminen ihre Schulden zu begleichen. Zugleich 
legte man den Boten ans Herz, sich mit dem Problem zu l)^' 
fassen, wie man sie trotz ihres fünfjährigen Geleits in Ehi*^^ 
loswerden könnte*. Vorerst aber schien kein Ausweg gefund^"^ 
worden zu sein, denn (am 17. November 1483) auf dem Tag 
Baden resignierte man sich bei dem Entschluss, den Juden 
die zugesicherte Zeit d. h. bis 1488 Schirm und Schutz zu ge-^ 
währen, keinesfalls aber nach dieser Frist sich in Unterhandlungen^^ 
betreif ihres weitern Dableibens einzulassen ^. Allein 1487 erhob ^ 
von neuem der Abt von Rheinau Beschwerde über die sehr zahl- 
reich in seinem Städtchen weilenden Juden. Darauf schlug der 
Bote von Schwyz vor, da die Juden die an ihre Aufnahme ge- 
knüpften Bedingungen nicht gehalten hätten, wäre man berechtigt, 
jenen Vertrag ohne weiteres zu annullierend Aus den Nach- 
forschungen des damit betrauten Landvogts aber stellte sich 
klar heraus, dass die Juden sich durchaus korrekt benähmen. 
Somit stand die Tagsatzung vor der doppelten Aufgabe, den 
Angefeindeten Schrift und Siegel zu halten und den Nöten der 
Thurgauer Bevölkerung abzuhelfen. Am 30. September formulierte 
sie ihre Meinung dahin: Die Juden sollen unbehelligt in ihren 
Wohnsitzen verbleiben ; Diessenhofen, Rheinau und andere Orte 
des Thurgaus wurden beauftragt, ihre Aufenthaltsbewiliigung zu 
verlängern; es sei denn, man weise ihnen nach, dass die Juden ihre 
Vorschriften überschritten ^ Schon zu Anfang 1489 aber lebten 
die Klagen des Rheinauer Abtes wieder auf, dessen ungestüme 
Forderung, die Juden zu verjagen, die Tagsatzung mit dem 
Beschluss dämpfte, man werde sie die festgesetzte Anzahl 
von Jahren dulden. Doch sollte wiederum ihre Aufführung einer 
Prüfung unterliegen; dadurch hoffte man Material zur Be- 
gründung ihrer künftigen Ausweisung zu sammeln". Man be- 
stimmte schliesslich den Juden: 1. fürderhiu nur auf Mobilien 
zu leihen, liegendes Gut und Briefe sollten sie nicht zum Pfand 



»Löwenstein a. a. 0., Absch. III a, S. 25, Nr. 30. — « Absch. III a, Nr. 172 
und 174. — Mbid., S. 146, Nr. 176. — Mbid., S. 271, Nr. 300. — Mbid., 
S. 279, Nr. 312. — «ibid., S. 310, Nr. 339. 



nehmen; 2. den Wochenziris von 1 fl. auf 1 Pfennig zu be- 
schränken. Die erste Verordnung war dem Darleiher ein Ersatz, 
£alls sein Schuldner zahlungsunfähig wurde, und bot diesem 
-wiederum Sicherung gegen erbarmungslose Ausplünderung in 
seiner Notlage. Ferner aber verband man sich, nach Verfluss 
der gewährten Jahre auf ewige Zeiten den Juden den Aufenthalt 
in der Eidgenossenschaft zu versagen *. Die gereizte Stimmung 
des Volkes aber brach sich Bahn. Vier Knechte taufen gewaltsam 
«inen Juden und beraubten ihn dazu^; in Rheinau wurden die 
«Juden überfallen und geplündert ^. Nichtsdestoweniger wünschten 
die Juden im Mai 1491 eine Verlängerung ihres Aufenthaltes, 
"•jm mit Nachsicht ihre Ansprüche bei den minder Begüterten 
des Thurgaus befriedigen zu könnend Man wies sie ab*. Sie 
"^viederholten ihr Gesuch®, unterstützt von den Einwohnern des 
Städtchens Rheinau, die, um ihren Verpflichtungen innerhalb der 
gegebenen Frist nachzukommen, Haus und Hof hätten veräussern 
müssen \ Ihnen gegenüber aber drang der Abt unaufhörlich auf 
ihre Entfernung. Es wurde daher an dem fixieilen Termin fest- 
gehalten ; doch sollte der Landvogt die Gläubiger zur Nachsicht 
auflFordem**. 1491 verliessen die Juden endgültig den Thurgau. 
Von der Landgrafschaft Nellenburg aus versuchten sie durch 
das Landgericht von Stockach und vermittels des von Konstanz 
ausgehenden Bannes ihre Forderungen einzutreiben". Einzelne 
Fälle der Überforderung, des Betrugs blieben nicht aus '®. Endlich 
kam man IfM)! in Basel überein, durch den Vogt zwischen 
Gläubigern und Schuldnern vermitteln zu lassen, diesen Zeit zur 
Begleichung ihrer Schulden und die Möglichkeit, sich vom Banne 
zu befreien, zu verschaffen **. — Erst in der Mitte des 17. Jahr- 
hunderts fanden wieder Juden Eingang in Diessenhofen, 152;') 
noch lehnte man es ab, einen durcli die aufrührerischen Bauern 
über den Rhein getriebenen jüdischen Arzt „hushablich" im 
Thurgau wohnen zu lassen. Nur wenn jemand seiner Kunst be- 
gehrte, sollte ihm zeitweiliges Geleite werden *'. 

«ibid., S. 322, Nr. 351. — »ibid., Nr. 365 n. 366. — Mbid., Nr. 373 n. 
376. — Mbid., S. 384, Nr. 412. — Mbid., S. 400, Nr. 425. — Mbid., S. 441, 
Nr. 464. — Mbid., S. 440, Nr. 463 n. S. 444, Nr. 466. - Mbid., S. 447, Nr. 470. 
— Mbid., S. 92, Nr. 42, Löwensteiii, S. \)0 n. 91. — '«Absch. Nr. 484, 486, 
492 u. a. a. 0. »Mbid., S. 92, Nr. 42; Löwenatein, S. 91. — «Mbid. IV, 

S. 763, Nr. 297 n. 755. 

A. Rteiiibcrjf. 10 



\ 



— 146 — 

In der Stadt St. Gallen lebten die Juden in ansehnlichei' 
Zahl*. Merkwürdigerweise aber machte die Reformation ihrer 
weitem Ansiedlung ein Ende. 1527 hiess man den Arzt Low 
die Stadt räumen; die zahlreichen jüdischen Bewerber um den 
Posten des jüdischen Heilkünstlers wies man barsch ab: „man 
bedörff hie kains artzets — also hat man jn gehaissen sich 
strichen, man well der Juden nit" '. In Wyl war der letzte Jude 
Samuel Levi, der durch wucherische Geschäfte sich verliasst 
gemacht und nach seiner Weigerung, der Ausweisung Gehorsam 
zu leisten, in das Gefängnis des Abtes von St. Gallen geworfen 
wurde, aus dem er sich durch 1000 Golddukaten löste. Wohl 
oder übel musste er das Land 1469, noch vor Ablauf seines 
Domizilrechtes verlassen '. 

In Solothurn müssen Juden noch in der zweiten Hälfte des 
15. Jahrhunderts geweilt haben; der Jude Ysach von Mül- 
hausen, den Herr Friedrich zu Rin ermordet und ausgeraubt 
hatte, war u. a. auch Schutzbürger in Solothum gewesen*. 

Freiburg ist derjenige Ort in der Eidgenossenschaft, wo die 
Juden als Arzte eine glänzende Tätigkeit entfalteten und Dank 
dieser zuweilen die starren Sehranken der Ausnahmegesetze 
durchbrachen. Ihre Lage musste hier eine günstigere und ge- 
sichertere sein als anderswo, wo ihre Stammesbrüder Neid und 
Hass durch wucherische Erpressung wachriefen. Excesse in der 
Charfreitagsnacht (1420) entsjnangen der Initiative jugendlicher, 
durch den Moment fanatisierter Köpfe und wurden durch die strengen 
Abwehrmassregeln der Olnigkeit völlig belanglos gemacht*. 
Keineswegs unterlagen dem Vorgehen gegen den Arzt Abraham 
1428 rein judenfeindliche Motive. Was sein Verbrechen war, 
lässt sich aus den überlieferten Akten nicht klar erkennen; allein 
aus der ganzen Umständlichkeit des gerichtlichen Verfahrens, 
aus der Sorgfalt, mit der man seinen Nachlass vor unberufenen 
Augen hütete und seine Schriften durch einen besonders zu 
diesem Zwecke aus Bern herbeigerufenen Glaubensgenossen ent- 
ziffern Hess, geht hervor, dass ernste KeweggiUnde von weit- 
gehendem Umfang den Prozess bewirkt hatten". Man könnte 
beinahe auf die Vermutung eines politischen Handels kommen, 

'Wegelin, S. 131 f. — MMd., S. 134 n. 135. — nVogclin, S. 141 f.; 
lUridi, S. LMO f. — * Siehe oben. - '' J{»m'. dipl. Vll, p. «7. — '• S. Kap. Erwerhszweige. 



^ 147 - 

wenn nun die Verbannung sämtlicher Juden aus der Stadt er- 
folgt. In der Flut der immer von neuem Einwandernden ertrinkt 
freilich der Buchstabe des Gesetzes. Spät im 16. Jahrhundert 
(1577) erteilte man noch dem jüdischen Arzt Meister Marx ein 
Zeugnis seiner tüchtigen Leistungen, als er die Stadt verliess*. 
Die Juden in Genf tragen vor allen andern die keckste 
Physiognomie. Sie drängen sich von der Höhe des Ghettos hinab 
unter die Christen. Es machte sich eine starke Neigung zur Ver- 
mischung mit der christlichen Bevölkerung geltend, die den Propst 
von St. Germain veranlasste, um strenge Schutzvorkehrungen 
beim Herzog von Savoyen nachzusuchen. Trotzdem kehrten diese 
Anstürme der Juden immer wieder; nur mit Gewalt trieb man 
sie in ihr „cancellum" zurück*. 1461 kam es bei einem solchen 
Jagen zu Verletzungen und zu Plünderungen der Judenhäuser. 
Der Kastellan Jean Blendet führte im Namen des Herzogs 
darüber beim Rate Klage. Dieser aber suchte die Sache in die 
Länge zu ziehen ; allein die energischen Drohungen des Herzogs 
führten schliesslich ein strenges Verbot der Judenverfolgungen 
herbei^. 1487 erhoben die Kaufleute Klage gen die Juden, die 
contra formam franchesiarum ihren Handel betrieben *. In den 
beiden nächsten Jahren sprach man davon, sie zu entfernen; 
14lK3"trat das Ausweisungsdekret in Kraft; die Juden verliessen 
endlich die Stadt. 

^^Wir Schnltheiss und Ratt der Statt Fryburg thnnd allen denen so 
dissem brief secben werden kund und oifenbar das dar, ^eber diss Meister 
Marx des jüdischen Geschlechts ein gutte Zitt in unsere Statt mit unser 
bewilUgung gasts wyss gewont, sin Kunst der artzny an villen der unsem 
onch frembden harkonineu personen beiderley geschlechts gcbriicht und in 
seiliger zytt ettlich unheilbar geachtete lybs gebrestcn ernertt onch sunst vil 
und roancherlcy alte schäd geheillet und verartznet dessglychen vil gutter 
proben siniT artzet kunst hall» der massen gethan und sich mitt sinen thun 
und lassen nach sinor art gegen mencklichen gehalten unns sinenthalb sollicher 
wyl kein klag furkommen ist, daz wir iine in dem namen Gottes unsers 
erlösers disen schin zu sinem genomen abscheidt uff sin anlangen nütt wellen 
abschlagen, unns doch in allweg one nachtheil unnd schaden. Des dan zu 
Zengniss diss mit unnsern Secrot Insigel ist bewert uff dem XVIII tag 
Septembers thusend funff hundert siben und sibentzig." Arch. Cant., Notariata- 
buch B des Frantzrn Gurnel, Staatsschreiber in F., Nr. 194, S. 143 verso 
und S. 144. — * Siehe Kap. Soziale Stellung. — ^ Siehe Kap. Jndenschutz. — 
^Borel, \). i)0. 



->^^' 



Anhang- 



Beilage [. 
StA. Solothurn. Copi« Rote No. 12 S. 123. 

Vnßer früntlich willig dienst vnd was wir eren liebis vnd gutz vermügeii 
ftlizit beuor fromen vnd fürsichtigen wisen sonders guten fründ vnd getrüwen 
lieben eidgenossen. wir band üwer schriben der geschieht halb an Isach dem 
Juden üwerem burger durch hern Fridrichen zu Ein begangen verstanden 
vnd daru£f dem lantuogt geschriben ... als ir an der ingeleiten Copij ver* 
nemend vnd wie wol an dem Juden vast übel gehandeilt vnd {iwer mit mergk- 
licher Verachtung vergessen vnd die sach nach üwerm schriben von edein 
lliten me denn vnritterlich vnd adenlich beschechen daz vns in trüwon leid 
ist So rattend wir üch doch in gantzen trüwen daz ir die ding in ruwen 
lassend bestan, bys daz vns der lantuogt antwurt git die wir hoffend gepürlich 
sin werde, daz wa das nit beschicht diß wir nit geteiluam (?) vnd wölUnt wir 
jich mit rat iiwer vnd vnßer sonder guten fründen vnd getrüwen lieben eid- 
genossen von Bern wyter raten vnd hellpfen. damit dise Verachtung gestrafft 
vnd uch wandel vnd ablegung nach üwer eren notdurfft begegnen sol inmassen 
daz ander üwer vmbsässen so zu söUicher vngetrüwer behendikeit geneigt 
möchtent sin de£ erschreken vnd iren bösen willen gegen üch endem werdent. 
den in üwer er für die vnseru vnd diß sach uch anderß nit schätzend noch 
zeherzend nemend als ir tun mugend mit dar zu setzen vnser lib vnd gut 
uch vnd den üwern söUicher schneller vntrüw var zesind (?) als den so wir mit 
Sonderheit in vn wandelbaren trüwen geneigt sind für ander, weist got der 
üch allzit in eren wolle behallten. Geben vff mentag vor sanct Margarethen- 
tag anno 1478. 

Schnltheiss vnd Rät 
von Solothem. 

Beilage II. 
StA. Solothurn. Copiae Rote No. 12 S. 124. 

Gen Mülhusen. 
Wolgebornen hern uch ist zu aller zit vnser willig dienst vnd was wir 
eren liebis vnd gütz vermugend voran bereit sonder lieber bereu wir sind 



— 14J) — 

beruht wie daz hern Fridrich zu Riii mit vngetrüwer geschider bebendikeit 
dnrcb schriben Hansen vom Hns (?) mit Isach dem Juden der zit bnrger zu 
Mnlhnsen der in vnserß allergnedigster herren deß römischen Reisers onch 
ynßer gnedigen herren des Pfalzgrauen vnd Erzherzog Sigmund zu Österrich 
vnd üwerm als iantuogt vnd der beiden stetten Bern vnd Solotorn schirm 
gewesen ist sovil mißhandeilt dadurch vnd sin hellpfer edel vnd vnedel den 
wir uil besser eren getrüwt betten fürgenomen damit si den Juden vmb sin 
gut vom leben zem tod söllent gepraclit haben. Daz vns nit klein vntürlich (?) 
vnd böß getatt sin beduukt sonderan den so rittermäßig eren int söllent 
geheissen sin. vnd wie wol hern Fridrich zu Rin mit sinem schriben vns getan 
sich verantwttrt söilichß in . . schin vnd doch nit in . . füg als es ergangen ist 
vsser beuelh deß vorgemellt vnserß gnedigen herren von Österrich seile sin 
beschechen, so kumpt es doch in vnser herz vnd gemüt nit daz der selb 
löblich vnd erlich fürst enpfolhen bah mit betrogen geschrilft daruif der arm 
jud sinen gelouben gesetzt hat als nach ein hochwiser cristan man möchte 
haben getan vsser einer sOllicben erlichen richstatt als Mülhnsen ist ze be* 
t&dingen vnd also schantlich vmb daz sin zu tod ze bringen als vermalen 
dergelich Sachen an einem pßster burger zu MülhuHen ouch martlich gnng by 
Brnnstatt(?)beschechen derßhalb arm (V) recht vnd straff ergangen ist wie dem 
so den wir mit dem vorgemellt vnserm sonder gnedigen herren von Österrich 
in ewiger löblicher vereinung vnd die sind die wirclich vnd wissentlich ge- 
louben wellent daz im von sinem adel söllich vntriiw böß list vnd getat nit 
gefalient so bittend wir uch mit gantzem ernst ir wöUent verschaffen vnd 
daran sin daz hern Fridrich vmb sollichen großen bösen vnd nngetrüwen 
handel hertenclich gestrafft damit den so söilichß vngetriiwß gemütz gegen 
den von Mülhusen vnßern sondern guten fründen vnd getrüwen lieben eid- 
genossen sin mochten ir böser will in erschreken benomen vnd gebrochen 
werd vmbe beharrung willen der obgemellten ewigen vereinung vnd mit Sonder- 
heit daz hern Fridrich werde gehallten den gemellten von Mülhusen strax 
vnd ane Verzug vtnb söUich Verachtung vnd schmach zimlichen wandel vnd 
ker ze tünd als er billich tut vmbe vermidnng wyteron irrnng vnd schadenß 
so im danan erwachsen möcht vnd im als der zu dem wir vngezwifeilt ge- 
trüwer kein schuld an der brjseu getat haben vnd vns aller eren versechen! 
Daz wollen wir mit gantzem willen verdienen vnd begerend deß tiwer ge- 
schriben antwiirt mit dem hotten. Geben vff mentag vor sanct Margarethen- 
tag anno U78. 

Dem wolgebornen herren hern Wilhelm fryherreu zu Rapolstein vnd 
hoch . . (?) obersten haptman vnd landuogt vnsern sondern trüw geliepten herren. 

Tieilage IIL 
St,-A. Solothuni. Voiniv Rote No. 12 S. 128. 

Vnser fruntlich willig dienst vnd was wir eren liebs vnd gutz vermngen 
allzit beuor fromen vnd fürsichtigen wisen sondern gutten fründ vnd getrüwen 
lieben eydgenossen. vuß hat vnser herre der Iantuogt vff vnser schriben so 



- 150 — 

wir im nechst des niifter handels halb an Isach dem Juden getan begangeu 
haben, schrifftlich geantwurtt als ir harnm in der . . . vernomen . . ist darnff 
vnser frttntlich rat darum wyter .... fUrzenemen vnd söllichs vnsers herren 
des lantnogtz fürnemen vnd ttwern vnd vnser sonder galten Gründen vnd ge- 
trüwen lieben eydgenossen von Bern vnd vnser wyter vnderrichtung gütlicb 
za erwarten vnd diß von vnß in trttwer meinung als es be'schicht zenermerken. 
Geben vif sontag vor sant Maryen Madalenen tag anno 1478. 

Beilage IV. 

St.-A. Bern, Teutsch Spruclibuch der Stadt Bern B. 
19. November 1427 bis 24. Juli 1433 „Joseph der Jud**. 

Ich Büdoiff, Hofmeister, edelknecht, schnlthys etc. tun kuut Das an dem 
Samstag nechst nach l'ant Lucientag des jares do von Cristus geburte warent 
MGCCC vnd XXX jar, als ich in dem rat ze Bern ze gerichte saß vnd fronuasten 
gericht hielt für mich vnd den rat ze Bern kam der arme mensch Josep der 
jud vnd oünet mit siuem fursprechen wie das Uenslin Spicherliu nuzemal 
sesshaft ze Frutingen durch unser herren von Bern mit irem eigenen briefi'tag 
in dise gegenwurtigen fronnasten gerichte verkundt sye worden demselben 
armen Juden vmb sine Zuspruch recht zehalteud desselben rechten der be- 
nempte Josep diß dryg tag upgewartet habe vnd sye aber der erstgenemte 
Spicherlin nut komen noch nyemand von sinen wegen sich ze verautwurtend, 
vnd ließ mit siuem fursprechen an recht was unrecht oder jm ze tunde were. 
do ward jn dem obgenanten rat einhelieuklich erkennt, das Josep der jud des 
ersten sin fursprechen soltend furbringen, also nauipt er das erst gericht 
Hansen Zipper das ander Peter von Hürenberg das dritt Rufen Imwil wand 
och dieselben dryg siu vnd anderer luten red hettent getan, darnach ward 
füre mitt vrteil gesprochen das der benempte jud sin ansprach vnd Sachen 
offnen solte. Do sprach er das Hensin Spicherlin jrae schuldig were XXXII II ^ 
vnd 3 ß vnd vmbc den schadeu vnd kosten so darnff gangeu ist alles nach 
sag sines brieffes den er darumbe jnie habe. Nach der offuung ward zii dem 
lesten mit vrteil bekennt das Josep der jud vorgent. sin ansprach vnd sach 
gen dem benerapten Henslin Spicherliu bezogen haben sol. Syddemal das ime 
gewisse tag verkundt vnd augesetzt warent vnd der arme jud siner gerichten 
also gentzlich vssgewartet hette es sy denne das der vorberiirete Spicherlin 
soliche redliche sach möge fUrbringen das ein rat von Bern bedungke das 
jm soliche sach vor einer semlichen ußklegt billich schirmen fölle, vnd wand 
diß etc. Testes ut supra. 

Beilage V^. 
St.-A. Bern, Urk. liiterlakeii 1382. 

„Wir grefin Anne von Nidow, grefin von Kyburg, Graf Rudolf von Kyburg 
ir suu Lantgraff ze Bürgenden, Ohiinrat Sachs von Teitiugen, Schultheis ze 



— 151 — 

Biirg<lorf, Peter von Matstetten, Erbart von Igliswil, Ulrich von Btrron 
bnrger ze Bnrgdorf tun kunt vnd verjehen wenglichem mit disem briefe daz 
wir von rechtes redlicher geltschnlde vnd Wechsels wegent sament gemein- 
lich vnd vnverscheidenlich schuldig sin vnd gelten snlien Mathise Eberlins 
dem Juden vnd Hestre Menlinon der judi siner efrowen bürgern ze Beme 
fünfzig gute volienswere guldin genge vnd gebe an gewichte vnd an golde 
vnd zwölf Schilling nuwer plieninge nv gemeiner ze Beme. die selben gnldin 
vnd nüwer phen. loben wir für vns vnd vnser erben sament vnd vnuerscbeiden 
lieh gar vnd gentzlich ze gelten vnd vfzerichten vif den einliften tag Mertzen 
so nv nechst kunt. Anders als lange von deshin die vorgenanten guldin vnd 
uüw phen. vuuergolten gestundm als lange es inen geuleli daz ovch die 
wile vff ie daz phunt in sunder zwen phen. ze der wochen ze gewinne wachsen 
vnd vfgon sullent nach genieinschatznng der guldin. wenne aber si ir höpt- 
giitz vnd gewinnes nit me noch furor gebeiten noch usseiigen woltiu so suUen 
och wir inen daz selb ir höptgiit vnd gewin furderlich gelten vnd vfrichten. 
teten als wir das wir nit wa oder von wenne denne von deshin an cristanen 
oder au Juden si ir höptgut vnd gewin alle oder ze einem teile in gnldin 
oder in kleinen phen. vft' schaden ncmin ie daz phunt in sunder vmb zwen 
phen. ze der wochen nach gemeiner Schätzung der guldin oder an koffen vff 
andern gewonten schaden vnd wir si och des in deheinen andern weg ze 
schaden oder ze kosten kenie oder habende wurdin wie sich daz fugti oder 
offenne. da loben wir si da vnder vor allem schaden ze behüten vnd inen den 
gewin schaden vnd kosten mit dem hoptgiit gentzlich ze gelten vnd vfze- 
richten vnd ir eines einigen eide vmb den gewin schaden vnd kosten ze globen 
au alle andere gezugsami. vnd wenne wir och deheines weges sament oder 
sunders von inen gemant wurden so sullen och wir nach der manung inrent 
den nechsten acht tagen bi nnsern geswornen liplicheu eiden inen also gute 
phender geben vnd in ir gewalt antwurte die si fridlich gefuren getriben oder 
getragen mögen daz vs si nach phantzrecht ir hoptgut, gewin, schaden vnd 
kosten volkumtlich gehaben vnd gelosen mögen oder aber vnser ioklich selb 
ander; vud mit zwein mussigen pheriten vns gen Borne in die stat furderlich 
antworten in eines otl'enen wirtes hus ze veileni gute vnd do recht vnd ge- 
wonlicrh giselschaft anhaben tun vnd leisten vnverdinget vnd von der etat 
niemer komen noch von der giselschaft lassen e daz si ir hoptgütes gewinnes, 
schaden vnd kosten gar vnd gentzlich gewert vergolten vnd vnklaghaft 
werdent oder ane ir sunder oft'en vrlob vnd willen, doch mög vnser ieklichen 
tages von der stat vom iV) war (?) er wil also daz er bi der selben tages 
zit ze nacht ze Berne wider an der herberge sige. weler och vnder vns nit 
selber die giselschaft leisten wolte oder enmochte von ehaftiger sache vnd 
vnmusse wegen der sol vnd mag einen andern erbern man an sin stat legen 
mit einem niiissigen plierte vntz an die stunde daz der selbe leisten möge an 
der stat er geleit werc in guten trüwen ane alle geverde vnd setzen inen 
«larvuib ze rechtem lidigen phandc alle vnser lute vnd guter nach dem vorigen 
zile wenne si wcllent ane gericht anzegrififen, vfzeheben hinzefurende vud ze 
phendenne vnd vsser gerichten ze ffirende waz si wellent ane vnsem zom 
vnd Widerrede vnd die phender ze verkoffen vnd ze vertriben als digk und 
als vil vntz da^ inen ir hoptgiit gewin schaden vnd kosten vorgenant gentz- 



- lf)2 — 

lieh gewert vergolten vnd vnklaghaft werdent vnd sullen inen dar zu mit 
gantzen trüwen beholfen vnd beretten sin vnd loben inen^ das alles f&r ir 
lidig phant ir weren ze sinde nach ir notdnrft ane geverde" etc. (folgt übliche 
Schlussformel.) Anno 1382. 

Rückseite in hebräischer Schrift. 

Schaldschein. 

50 fl. auf 30 Wochen die Gräfin von Kyburg, ihr Sohn Rudolf, Land- 
graf von Burgenden, Peler von Matstetten Ulrich von Bürrofn] 

es wurde geschrieben am Tage Donnerstag Richter im Jahre 142 (1382) 
(?) Gulden Zins. 



Beilage VI. 
StA. Bern, Kyburg 1389. 

„Wir Johans von Krochtal Cuii Thüring vnd Ulrich Bütschelbach burger 
ze Beme kiinden menglichem mit Urkunde diss briefes alz die edeie wolerborne 
frowe, frow Anne von Nidow grefin von Kyburg vnd ir Kinder alz hopt 
Schuldner vnd durch ire bette zu inen alz mit gelten vnd bürgen wir die- 
selben Johans von Krochthai Cün Thuring vnd Ulrich Butschelbach vnd etzlich 
oder etzlich ander mit vns schuldig sin vnd gelten sullen dien bescheiden 
luten vnd Juden meister Salomon von Visen w Abraham sinem brnder 
vnd Froiden siner swiger burgern ze Friburg in Ochteland ein grosse summe 
geltes höptgütea gewinnes vnd schaden alz die briefe vnd Schriften staut vnd 
wolbewisent, so die selben Juden von vns dar vmbe inne hant, dar vf ietz 
lange vnd vil giselschaft geleistet vnd grosser schaden vnd kosten gegangen 
vnd getriben ist ... . vnd sider aber die selben Juden durch ir tngent vnd 
fruntschaft vns har vmbe einen vfslag vnd fristnng gegeben hant vnd furor 
tag gemacht vff die ersten alten vasnacht so nv aller erst vnd schierest 
kiniet daz och vniser gantzer guter wille ist. so loben vnd gesprechen wir 
bi vnßern geswornen liplichen eiden so wir har vmb getan haben daz der- 
selbe vfslag von vus dien obgenanten Juden kein schade ist noch sin sol an 
ir briefen vnd Schriften noch an deheinen ir rechten noch inen keinen kiimber 
gebresten noch ir tag bringen noch geberu sol. wand daz ir briefe vnd 
Schriften nutz dester minder kraft vnd macht haben sullen wand abwent stet 
vnd in ir kraft beliben nach allen ircn werten püncten materien vnd artikeln. 
wurde och die sache hinnant zu der vorgenant vasnacht mit der vorgenanten 
Juden willen vnd guust nit bericht noch verein bert so sullen wir vns morndes 
vngemant bi den vorgenanten vnßem eiden wider ze Friburg in giselschaft 
antwurten vnd wisten (?) ane verzihen vnd alles daz tiin vnd velbringen 
nach dien vorgenanten ir briefen vnd Schriften vnd sol och hie zwischent 
nutz dester minder gewinnes vff die schulde gan mit gedinge vnd das alles 
ze einem offenem waren vrknnde haben wir alle drij vnsre ingesigle ge- 
hengket ze ende dirre schrift. gegeben an sant Martis tage ze winter do man 
zalte von gottes geburte thnseng druhundert vier vnd achtzig jar. 



~ 153 — 

Beilage VII. 
Staatsarchiv Basel. 

Ich gebe in folgendem die oben noch nicht zitierten Abschnitte 
des Leistungsbuches I wieder, die hinsichtlich der hier behandelten 
Materie von Interesse sein mögen. 

Anno (lomini M^CGCLX<^IIP feria secnnda post Bartholomei snb domino 
Bnrchardo Monachi de Landeskrone juniore milite magistrocivium wart Eberli 
der Jude von Colmer, sin kinde nnd gesinde in unserer stette schirm nnd 
trostunge genoroen zwei jar, ie zem jare ambe XII gnldin. foi. 136. 

Anno domtni M^^CCC^^LX qninto snb domioo Conrado de BerenfeU magistro- 
civium wart Hausier der Jude, sin wip kinde nnd ir bnsgesinde in unser stette 
schirme und trostunge genomen umbe vier guldin ein jar, nnd beschach imibe 
Bamabe, als sin brief stat. foi. 137. 

Anno domini M°CCC<^LX<^ quinto sub domino Conrado de Berenfels magistro- 
civium wart Eberli der Jude, Mathis sin sun von Oolmer, ir wibe kinde und 
husgesinde in unserer stette schirme und trostunge fünf gantze jar die nehstcn 
als sin brief stat, ie zem jare von beden umbe zwentzig guldin, von me sant 
Martins tag. foi. 137. 

Anno domini M^CCC^LX quinto sub domino Ottemanno Schalarii magistro- 
civium wart Mathis von Senh'eim der Jude, sin wirtin und ire kint und ir 
recht husgesind in unserer stette schirme nnd trostunge genomen an sant 
Martins abent nnd dannant zwei gantze jar die nehsten, ie zem jar umbe fünf 
guldin, und het das erste jar bezalt foi. 137. 

Anno domini M^CCCLX quinto sub domino Ottemanno Schalarii magistro- 
civium circa Nicolai episcopi wart vro Sare die jndin die witwe, ir kint, ir 
recht husgesinde in imser stette schirme und trostunge genomen zwei gantze 
jar, ie zem jare umbe X gnldin, imd het das erste jar bezalt und gewert, 
foi. 137. (Diener Abschnitt ist durchgestrichen.) 

Anno domini M^^CCC^LX sexto sub domino Ottemanno Schalarii magistro- 
civium in die beate Agnetis wurdent Menli zem Hostein, Helyas sin sun, ir 
wibe kint und recht husgesinde in unserer stette schirme nnd trostunge ge- 
nomen zwei gantze jar, als ir brief stat, ie zem jare umbe zehen guldin. foi. 137. 

Anno domini M^CCC^LXVP snb domino Hannemanno de Ramstein milite 
magistrocivium feria quinta ante festum heati Jacob! apostoli wart vro Jutin 
die judin von Nyuns in unser stette schirme und trostunge genommen nnd ir 
recht bnsgesinde zwei jar die nehsten, ie zem jare umbe fünf guldin nnd het 
bezalt das erste jar. foi. 137. 

Anno domini M"CCC<^LXV1I^ snb domino Hannemanno de Ramstein 
milite magistrocivium feria VI a post Hylarii episcopi dedit Vifelin von Coimer 
der Jude X ilorenos. item eodem die Elyas zem Hostein X florenos. foi. 137. 

Anno domini M'^CCC^^LXVII^^ sub domino de Ramstein magistrocivium 
wart Leweli der Jude von Altkilch, sin wib und gesinde in unser stette 



— 164 - 

scbirme und trostnnge genomen ein jar umbe vier gnidin. Credo qnod alt 
ante Philippi et Jacobi. fol. 187. 

Anno domini M."CCG"LXV1II^ sub douiino Ottemanno Scalarii magi- 
strocivium wart vio Sara die witwe von Colmer die jadin und ir kinde und 
recht hnsgesiude in unserre stette scbiime nnd trostnnge genomen zwey 
gautze jare, ein jar nmbe X flor. Actum crastino circumcisionis domini. Und 
het bezalt das selbe erste äugendes jar. fol. 137. (IMe drei letzten Abschnitte 
sind durchgestrichen.) 

Anno domini M^^CCC'LXVIII" feria II post Katherine sub domino 
Cnnrado de Berenvels magistrocivium wart Meyer der Jude Eberlis tochter- 
man, sin wibe, sine kinde und sin recht husgesiude in unser stette scbirme 
und trostunge genomen ein jare, und git uns darumbe X florenos und het 
ouch die bezalt. fol. 138. 

Anno domini ÄFCCC'LXVIIP sub domino C. de Berenvels circa Jacobi 
ut credo dabunt ceusus vro Serlin von AUkilcb, Lowelinus et dicta Juttin. 
foL IH8. 

Anno domini M^CCC "lo LX imo nouo sub domino Hannemanno de 
Ratperg magistrocivium wart Hoiderman der Jude, sin wibe und sine kinde 
in unserr stette schirme und trostunge genomen ein jare, nnd git uns darumbe 
II florenos. — actnm anno predicto feria III a post Alartini. Dedit annum 
suum. fol. 138. 

Item anno predicto wart emphangen in unsorr stette schirme und 
trostunge Louwelis swester ein jare von disem tage ze zelleude und sol uns 
darumbe geben IUI <>r florenos, datur feria III ^ et anno predictis, und het 
bezalt. fol. 138. 

Item vro Juttin von Nyuns die judin solnit VIII florenos de anno 
LXVIIII" et est terminus ejus circa Jacobi. fol. 138. 

Anno domini M^CCCTiX" nono sub domino de Ratperg wart Mej'er der 
Jude Eberlis tochterman in unser stotte schirm genomen ein jar umbe 
X florenos et dedit eos. actum Katherine. fol. 138. 

Anno LXX primo in die Agnetis wart in unserr stette schirme und 
trostunge emphangen Monnli zem Hohenstein, Ilelyas sin sunc und Lowelin 
des selben Helyas tochterman funfe ganze jare die nehsteu und habent darumbe 
von inen emphangen C florenos. fol. 138. 

Item von Juttin von Nyuns ist emphangen in unserr stette trostunge 
zwey jare die nechsten und habent darumh von ir emphangen XX florenos. 
actum anno predicto in die epyphanie domini. fol. 138. 

Item Estruch der jude ist ouch zwey jare in unser stette schirme ge- 
nomen und het uns darumh gehen IUI '»r florenos. actum anno predicto in die 
Valentini. fol. 138. 

Item anno LXX preterito wart emphangen in unser stette schirme Meyer 
der Jude ein gantz jare und habent darumh von ime emphangen XV florenos. 
terminus circa Andree apostoli. fol. 138. 

' Item anno LXXP circa Valentini wart in unsern schirme genomen 
Belenin der jude zwey jare die nechsten und het uns darumb geben zwentzig 
guldin. fol. loH. •/ 



Item Lowelin der jade ist in nnsern schirme genomen ein jare das 
nechst, und habent von ime darnmb emphangen V florenos. actum anno 
LXXr* in die beatornm Pbilippi et Jacobi. fol. 138. 

Item anno LXXI^^ in die Valentini wart Aren der jnde ein jarc das necbst 
in nnfer stat trostnnge emphangen nnd het uns darnmb geben X florenos. 
fol. 138. 

Item Hoiderman der Jude (In wibe und Ire kinde (Int emphangen in 
unfern schirme anno LXX preterito feria tercia post Martini, ein jare das 
nechste, und haut uns darnmb geben II florenos. fol. 138. (Die beiden letzten 
Sätze sind durchgestrichen.) 

Item vro Serlin die judinne Yon Altkilch ?nd Jacob der Wechsler ir man 
sint emphangen in nnsern schirme zwey jare und haut uns darnmb geben 
XL florenos. actnm anno predicto et finitur terminus Johannis Baptiste anno 
futuro scilicet LXXIII«. fol. 138. 

Anno LXXI*' snb domino Otemanno Scalaril milite magistrocivium feria 
Va post Petri et Pauli wart in unter troftunge und schirme emphangen 
Mennli der junger jnde ein gantz jor das nehst, und habent darnmb von ime 
emphangen fünf gülden. Solvit pro eo, de anno ifto, Helyas zem Hohenstein. 
fol. 139. 

Item eodem anno feria 1111« post Petri et Pauli apostolorum prcfatornm, 
wart in unser ftette schirme genomen Ysaac von Sultz, und habent von ime 
darnmb emphangen viere gnldin. fol. 139. 

Item anno predicto feria VI » ante festum sancte Margarethe wart in 
nnler Itette Ichirme emphangen Ulman nnd Salmin die Juden gebrudere, und 
habent von inen darnmb emphangen viere gnldin. Haut bezalt. Moyses dedit. 
fol. 139. 

item anno LXXP circa Petri et Pauli wart in unser ftette schirme ge- 
nomen Joseph von Keyfersperg der Jude, und habent von ime darnmb ge- 
nomen acht gnldin. fol. 139. 

item vro Rachela die jiidine ift emphangen in nnfer ftette schirme, und 
habent von ir darnmb emphangen IUI«*!' flor. actum anno predicto circa 
festum sancti Johannis baptiste. fol. 139. 

Item anno et circa festum Johannis baptiste predictis wart emphangcu 
in unfer ftette Ichirme Jakob von Pliirt der Jude, und hat uns darnmb geben 
V florenos. fol. 139. (Die fünf letzten Abschnitte sind im Leistungsbuch 
durchgestrichen.) 

Item anno prefato feria Ulla ante Galli wart in nnsern fchirme imd 
troitung genomen und emphangen Symont der Jude von der minren Basel 
mit wibe und mit iren kinden ein gantz jare das nechst, und habent darnmb 
von inen emphangen VIII florenos. fol. 139. 

Item anno LXXIP sub domino Hannemanno de Ramftein milite magi- 
strocivium feria V * post Johannis baptiste wart in nnsern schirme emphangen 
Jakob von Phirt der Jude und het uns darnmb geben V florenos. Davabit 
annum. fol. 139. 



- 156 - 

Item eodein die et anno wart emphangen Samuel des egenanten Jecklis 
tochteruian in nufer troi'tnnge und bat darumb geben II florenoset davabit 
per annum. fol. 139. 

Item anno predicto LXXII** feria III a ante pnrificationis Marie wart 
emphangen in unsern fchirme Holderman der jade ein jare und het darnmb 
geben zwene flor. fol. \S{). 

Item anno predicto wart emphangen vro Bacbela die judiu in nnaer 
troftunge ein jare feria quarta post Johanuis baptiäte und het uns geben 
darnmb Illi«>r florenos. fol. 139. 



Beilage VlIL 
St.-A. Basel, Kiirschiierzuiift Nr. 4. 1324, Jan. 19. 

„Ich .Tohans von Watwilr schvitheize ze Basil an mins herren stat heni Wem- 
herd de.s Schnlers eines ritters von Basil tun kvnt allen den die disen brief ansehent 
oder horent lesen, daz für mich kamen t in gerichtes wis vro Minne du judinnc 
Meier Hundelins eines jvdon wilent eiiche wirtinne ze einem teil vud Moyses 
der jvde Salman Vnkels svn von Koliie zem andern teile vnd erkante sich 
des du vorgenant vro Alimie vnde veriach offeiilich vor mir, daz si iren halben 
teil des hvses vnd des hoves der da heizet Mannenhof, vnd gelegen ist in der 
stat ze Basil an dem Rindermergt an Johnns iles wageners hvse verkofet het 
vml verkofte da vor mir relit vnd redelich mit allem rehte so dar zu höret 
dem vorgenant Moyses dem jvden vmbe driszig marke Ivters vud Ivtig^es 
Silbers Basiler geweges, der si von im gar vnd gentzlich gewert vnd bereit 
ist, vnd in ir nvtz vnd notdvrfi bekeret h<;t, des si vor mir veriach. Si lobt 
och für sich vud für ir erben den selben kof stete ze haltende vnd niemer 
da wider ze tonde noch ze komende weder mit geistlichem noch mit welt- 
lichem gerichre noch mit deheinon dingen v«)n ir selben oder mit ieman anderme 
nv oder har nach. Si lobt och für sich vnd für ir erben des selben halben 
teiles des hvses vnd des hoves reht wer ze sinde für lidig eigen ze allen 
stvnden vnd ze allen tagen wennc oder wa man sin bedarf nach der stat 
reht vnde gewonheit von Basil. So lobte och für sich vnd für ir erben aUe 
e dem selben Moyses ze gel)ende vnd ze antwurtende alle die brieve die si 
haut oder han mochten über den selben halben teil des hvses vnd des hoves 
ane alle geverde. Diz dinges sint gezvge her Cune vnd her Schufter zer 
Sunnen gebrüdere, Wernher von Halle, Johans von Stetten. Vnder den cremern 
bvrgere Johans zer Sonnen, Heinrich Winsite; Wernher von Hasenbvrg, Heinrich 
Zinge, die ammanne zo Basile vnd anderre erbcr lute genüge. Je einem steten 
waren vrkünde diz dinges so gibe ich Johans von Watwilr der vorgenant 
schultheize disen brief besigelt mit mins vorgenant heru Wernhers des 
Schalers ingesigele von gerichte. Diz geschach vnd ward dirre brief geben ze 
Basile des jars do man zalte von gottes geburte druzehen hundert jar dar 
nach in dem vier vnd zweinzigosten jare in dem nechsten donrstage nach 
sant Ilyhuien. 



- 157 >- 



Beilage IX. 
Staatsarchiv Basel, Kürschner Nr. 6. 1343, Oktober 14. 

„Ich Johans von Watwilr scbvltheisse ze Basel an mins herren etat herm 
Rudolfs des Schalers eins ritters von Basel, tun kvnt allen den die disen 
brief ansehent oder horent lesen, das für mich kament in gerichte der erwirdige 
herre her Heinrich der probst von Sant Lienharte ze Basel an sin selbes 
vnd an des capitels stat von sant Lienharte ze Basel ze einem teile, vnd 
Judelin von Henowe vnd vro Kuntze sin eliche wirtinne jvden von Basel 
zem andern teile vnd verzech sich da vor mir in gerichte der egenante herre 
der .... probst von sant Lienharte an sin selbes vnd an des capitels stat 
von sant Lienharte ze Basel vnd gab vf mut, willekliche vriliche vnd vmbe- 
twnngen gesvnt libes vnd sinne allu du recht vordervnge vnd anspräche die 
er vnd sin ... . capitel hatten an dem hofe hvse vnd gesesse den man nemet 
Moyses hof von Eolne, der gelegen ist ze Basel in der stat an dem Rinder- 
mergte zwischent Johans hvse den wageners vnd des Tribokkes hvse, vnd 
och aller der rechten vordervngen vnd ansprachen, die er vnd sin . . . capitel 
soiten oder mochten han an den vorgenanten Moyses den jvden von Kolnc, 
es were von geistlichem oder weltlichem gerichte, oder von welen Sachen es 
were vntz v£f disen huttigen tag als dirre brief geben ist, des verzech er 
sich willeklich für sich und sin . . . capitel, vnd für ir nachkomen vnd gab es 
vf an des egenanten Jlidelins vnd an vron Euntzen siner elichen Wirtinnen 
haut lidig vnd lere, also, das er noch sin vorgenantes gotzhvs von sant 
Lienhart, noch ir nachkomen, an den vorgenanten hof vnd gesesse noch an 
den egenanten Moyses den jvden von Kolne niemer me kein anspräche noch 
vordervnge sullten gewinnen weder mit geistlichem noch weltlichem gerichte 
noch mit keinen dingen one alle geverde vnd bar vmbe das sich der egenante 
herre der probst an sin selbes vnd an sins .... capitels stat dis alsvs ver- 
zigen vnd vf geben hat als da vorgeschriben stat, so hat er in barem gute 
emphangen von dem egenanten Judelin vnd von vron Kunzen siner elichen 
Wirtinnen an einen fünfzig gvldin von Florencie gute vnd swere die in sinen 
vnd sines .... capitels nvtz vnd notdvrft gentzllch komen sint des er offen- 
lich vor mir in gerichte verlach. Dis dinges sint gezuge vnd warent hie bi her 
Wernher der Schaler vogt ze Basel, her Heinrich der Munch von München- 
stein der Zwinger, her Hvg der Phaffe ritter, Heinrich Widerspath, .lohans 
Kriegere, Claus Ringgere bürgere, Johans zem Luchse der vogt, Cünrat 
Yontübel Johans von Flachslanden, Johans von Regenshein, Heinrich Walchs 
die ammanne ze Basel vnd andere erbere lute genüge. Ze einem steten waren 
vrkvnde dirre dinge so gib ich Johans von Watwilre der vorgenant scbvlt- 
heisse disen brief besigelt mit mins vorgenanten herren heru Rudolfs des 
Schalers iugesigel vom gerichte. Vnd wir der probst vnd das . . . capitel von 
sant Lienhart ze Basel haut och vnserüingesigel ze einer meren Sicherheit 
vnd bczügnüsse der vorgeschriben en dinge gehenket an disen gegenwertigen 
brief, der geben wart ze Basel des jares do man zalte von gottes gebürte 



- 158 - . 

drjizehenhvndert jar, dor nach in dem drji vnd vierzigosten jare an dem nechaten 
zistage vor sant Gallen tage.*^ 

Beilage X. 

Urkunde im Staatsarchiv Basel, Kttrschnerzunft Nr. 7 

(1344, Juni 26.). 

„Wir Cunrat der Munch von Landeskrone ritter, burgermeister und der 
.... rat von Basel, tun knnt allen den die disen brief ansehent oder horent 
lesen, das f&r vns kanient her Herman der Matzerei ritter, Peter Mnttenzer 
ynder den gerwern, Heinrich der Scherer, Heinrich Sneweli der mnrer, Johans 
zem Stampbe, der zimberman, die funfe die von unserer stette wegen iiber 
die bawe gesetzet sind. Vnd knnten vnd offenten vns, das vmbe die roissehelli 
vnd den stos, so Johans Tribok ze eim teil, Moyses von Kolne vnd Judeii von 
Henowe die jnden zem andern teil sament hattent, von ir h&sern vnd gesessen 
wegen, so si aneinander ligende hant, ze Basel in dem Rindermerkte, si (sie) 
ze beden teilen mutwilleklich vnd vmbetwnngen an si komen werin. Vnd 
lobten och der vorgenant Johans Tribok vnd Judeii von Henowe die ze 
gegeni warent, stete ze bände, was si dar vmbe sprechent vnd vssertent nach 
mtnne oder nach rechte. Wände aber Moyses von Kolne dabi vnd in der 
gegeni nut weri do trostint ftir in der frome ritter her Wemher der Schaler, 
ritter ze Basel, vnd der egenant Judeii von Henowe, ir vssagunge stete ze 
bände. Dar nach so vor bescheiden ist (fast verlöschte Stelle), die egenant 
funfe ovch nach der minne vs geseit hettint als hienach geschriben stat. Des 
ersten was . . . uzern (verlöscht) bedarf vnd notdvrftig ist, zu dem gange der 
da geboret, zii der jnden hone vnd gat von der knchi hin hinder wider den 
garten vnder dem . . . che (vielleiitht zu „dache** zu ergänzen) vnd dan abe du 
mag man legen in die nuweu mvreu, so gemacht ist, zwuschent dem selben 
gange vnd Johans Triboks hnse, die och zu dem selben sin hnse geboret. 
Was ovch Wassers vallet von den husern des egenanten Juden houei als 
wite die selbe mnre begriffen ist, das sol der egenant Johans Tribok vnd sin 
nacbkomen an dem huse emphahen vnd in eim kenel, der in der jnden mnre 
ingange, ableiten eweklich (?) in ir houeli, ane schaden des egenanten Juden 
vnd ir nacbkomen, der ie der selbe ist. So sol der Kenel der da lit, vf der 
vorbescheidenen nüwen mvre, vnd das wasser von dem hindern hnse des 
Tribocks über (?) reit ligen vnd beliben in der höbe als er ietzent lit. Vnd 
eusol der egenant Jobans Tribock noch sin nacbkomen von dem huse, den- 
selben kenel nut hohem, noch für die mvre vnder der jnden hvs vs schiessen 
vnd svut och das wasser des selben keneis vf sich selben wisen, ane schaden 

u ' 

der egenanten jnden vnd ir nacbkomen an dem houe. Och beretdent die 
egenanten funfe, das Johans Tribok vnd sin nachkomen an dem hns, von 
liebi (?) zwen tremele, in der jnden mvre hinder der prinete (?) logen miigent, 
vnd das vensterli ob der kncbi kemi verslaben, vnd wenne die tremele abe 
gant oder nervarent, das sii zwen semliche tremel, in die selben locher der 
mvre legen mugent. Der egenant Johans Tribok vnd sin nachkomen an dem 



— 159 — 

hnse, sullent och das techeli des gang^es in irem hoaelin niit yftriben noch 
erhoheren für die stnben den egenanten Juden noch, noch an deheinen andern 
stetten dehein Hecht der Juden hones yerbuwen oder Versiahen, ane alle 
geverde. Da von wellen och wir ynd gebietent, das man es also halte. Har 
ymbe ze einen vrk&nde geben von disen brief mit vnserer stette ingesigel, 
besigelt, der gegeben wart ze Basel des jares do man zalte von gottes ge- 
blirte drnzehen hundert ynd yier ynd yierzig jar an dem nechsten samstage 
nach sant Johans tag ze Snnlichten.** 

Beilage XL 

Urkunde im Staatsarchiv Basel, 
St. Peter Nr. 263. 

„Wir Swester Jynta dy Eptischinne ynd der Convent gemeinliche yon 
Olsperg des ordeus yon Cjtels Baseler Bistumes tun kynt allen den die disen 
brief ansehent oder horent lesen, das wir die zwej phvnt phening geltes zinses 
yier Ringe wisynge, ynd fünf Schillinge erschatzes die eigeuschaft ynd alles 
das recht so wir hatten uiler haben mochten an dem huse das gelegen ist ze 
Basel in der stat an dem Rindermergte zwischen der Gerwer Loben vnd dem 
hvse zem Grifen yerkofet hant ynd ze kofende gegeben hant recht vnd red- 
liche den bescheidenen luten vron Rechelen der jvdinue Jeckelins seligen des 
jyden yon Rinvelden wilent elichen Wirtinnen vnd Abraham dem Juden yon 
Lofenberg irem brudere der ze Basel gesessen ist vnuerscbeidenliche vnd ge- 
meinliche ymb yierzig phvnde Baseler pheninge der wir yon inen gar ynd 
gentzlich gewert vnd bereit sind ynd in ynser closters nvtz ynd notdyrft 
bekeret hant des wir an disem briefe yeriehent. Wir hant och gelobt fiir 
yns ynd ynser nachkomen, die egenanten vron Rechelen ynd Abraham iren 
bruder, vnd ir erben vnd nachkomen des vorgeschribenen geltes vnd dis kofes 
gegen menglichem für lidig eigen ze wenende vnd ze verstände als recht ist, 
swa ynd swenne es dvrft geschiht vnd wirs dvr recht tun svnt. Wir hant 
och gelobt für vns vnd vnser nachkomen disen kof stete ze bände vnd niemer 
da wider ze tunde noch ze komende weder mit geistlichem noch mit welt- 
lichem gerichte noch mit deheinen dingen von vns selber oder mit ieman 
anderme nv oder hernach." 

„Dis dinges sint gezuge vnd warent hie bj Jacob von Eschkon, Johans 
Brendelin von Rinvelden, ynd Johans von Berne der hofschriber von Basel 
vnd ander erber lute genüge. Ze einem steten waren vrkunde dis dinges so 
bau wir die Eptischinne vnd der Convent von Olsperg die vorgenanten vnser 
ingoaigele gehenket au disen gegcnwertigeu brief. Dis geschach vnd wart 
dirre brief gegeben ze Basel des jares do man zalte von gottes geburte 
droiehen hvndert jar daz nach in dem sibenden vnd zweinzigosten jare, an 
dem nechsten donrstage vor sante Laurencientage." 

Auf der Riickseite: „Über daz hns wehent den gerwer loben stosset an 
das hns zem ritter". (?) 







djHieijer J^rdjiii für ^eralMfe 





(ArcMves heraldiques suisses), 

Drgan ber ©rfitDcijerifc^cn ^cralbifd^cn ©efeflfc^aft. 
SlebaTtton: Dr. &. M. ^tüäclhetq. 

Wxt ia^(retc^en ;3^Quflrattonen, Zabeln unb 93ei(agen. 

XVI. gfa^rgang. 1902. 

9ßit SBeKage: 
•^rciö beö O^l^rgangö üon 4 ^cftcn gr. 10. — . 



2)ief€ trcff(i(^ rcbigicrtc unb fc^ön au«ge|lattcte 3fitfcf>rift erfreut ftc^ in«* 
bcfonberc unter ^eratbifem, ©encatogen, ^iflorifcrn unb Äun|lfreunben großer ©er» 
breitung. x 




ibtualbiter (j||eW)t(t)tBblfttter. 




herausgegeben 
t7om 

giUortfili-anttpartl'diBn Wn non ©bnialöen. 



-^ cSrdes j»eft ^i- 

1901 
?rei« 5r. 3. — . 

3M|iIt: 2)te(Sntn}icfrung ber ®eri(ftt«i?f rfaffung öon Cbroalben. 5Jon Dr. jur. 5. ^^iber- 
beraerinSarucn. — Söeri(ftt über bic @taat«öcm)altunq üon Obwalben üom (Ja^re 
1546- leOO. 5i*ou ^farv^elfer «. Äüdjler in Äern«. — ' 3)ic ®efcf>Ie(ftt«namfn 06=^ 
»alben«. 9on $farrbelfer S. j^ü^ler in JterniS. — 9er)et(^miS ber 9Ritg(ieber bed 
OeretnS, ber gehaltenen Vorträge, :c. 



^(I|uai|(^ ^ (S^if,, ^xM unb Verlag, Sfirtitr* 



' *,•->- -V 'X,"X. N. ^•"-•N 



3m (grfc^cincn ift begriffen bie neue, htitte, üerbefferte unb öcrme^rtc tluflagc 
bed btittett Sanbed ber 

mit iefonberer 9}ü(fMt auf bie @ntU)i(f(unp hts SJerfaffung«^ itnb 
Kulturlebens bon ben ältefteu B^itnt hxi jur @egenU)art. 

$a4 itn Qu^U^n unir nmtUm lorf^nngen g^metnfaSlUi Irargepellt 

Don 

?rof. Dj . ^. pSnbfifter. 

^if üSer 400 finnurSiffonffSen glTitSrationen, MtUn mh ^(anen. 

S^oUftänbtg in ca. 16 Sieferungett k ^t. 1«—. 

?rei« beg erften Sanbc« (4. »ufloge) br. JJr. 12. —, geb. gfr. 16. — 
^rei« bcö jtoeiten 8anbe«(3. aufläge) br. ^r. 14.—, geb. ^r. 18.— 



!3)ie1fd lU^mlicf^fl befannte (S$efd)id)tdmert tjerbanCt feine (Scfol^e ^aupN 

fäc^Ud) bem Umflanbe , bag ed bei aQer wiffenfc^aftüc^en ^rünbli^frtt n i 4 1 
t r (f e n , fouberu anregenb unb ii u t e r b a 1 1 e n b ()ef(bneben ift, ftc^ für ^ung 
unb %U, für ^roteftanten unb 5tatbolifen eignet unb bur4 eine forgfältig getroffene 
Sudmo^! fünftlerifcb audgefübrtev ^olj^fcbnitte au4 fiugerlicb ein 
gebiegeneiS, tjornebmed Q^eproge aufmeift. 

2)ie neuen Auflagen ftnb ben neueflen Jorfcbungen entfprecbenb benötigt vnb 
te]:tli4 n}ie iQuftratio erbeblicb oermebrt. 



(ÜDuelleubud) )iir 5d)uiet)er3efd)tä)te 

für ^au8 unb ®c^iile bearbeitet 



' üon 



Dr. ^. 0f<ß$a, 

^rofeffor am eibg. ^ol^tccbnitum unb an ber Uniüerfttät 3^^i4- 

^tveite, umgearbeitete unb permeQrfe "gCu^age. 

Vtti9 gebettet gr» 9. — ; eleg» gebunben Sr. II» — . 

JBp^ 35iefc5 treffficbc Söcrf bc5 rü^mlicfjfl bcfanntcn..5)iflorifer3 bot f(fton in 
ber erften S(uflagc üolle Knerfennung gefunbcn unb als ein wertüollc« Supplement 
gu jeber Sd^meigcrgcfd^icfjtc eine njirflicbc ßüde in ber fc^mcigergcfdjicbtlic^en Literatur 
aufgefüllt, ^n feiner ic^igen, neuen Q)eftalt bürftc ftcb baiS ^ud) abermaliS ja^lreid^ 
fjreunbe ertpcrben, ift e5 tod) für icbermann, ber ficb für bie QJefd^id^te unferc« 
SanbcS überhaupt näbcr interefftert, ein burc^aud unentbel^rlic^ed ^ttfi^ unb @tubten« 
mittel. 

^euc efofgc: 

¥rei^ gebeftet %x. 8. 40^ elegant gebunben 9t. 10* — . 



Surtort Unlv«»«» Lt«!'"^ ee 

6105 124.424 J§6, 







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Stanf ordf California 



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